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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Achtung, jetzt geht es gleich wieder rund!“ – rief einer der Heiligen Drei Könige, als er die Hand mit dem brennenden Streichholz auf sich zukommen sah. Er hatte zusammen mit seinen beiden Kollegen seinen festen Platz auf der Drehscheibe einer Weihnachtspyramide. Ein alter Hirte, dem das tägliche Rotieren zu viel wurde, fragte die Könige: „Wie haltet ihr das bloß aus und seid auch noch guter Dinge?“ Die Könige antworteten dem alten Hirten: „Ich versuche“, sagte der erste König, „mit den Menschen, die uns zuschauen, ins Gespräch zu kommen. Wenn jemand still wird und nachdenklich, dann flüstere ich ihm zu: Schau, wir haben unsere Mitte gefunden. Alles dreht sich um das Kind in der Krippe, um Jesus. Mit ihm will Gott uns zeigen, dass er uns freundlich gesonnen ist.“ Auch der zweite König hat es sich vorgenommen, dem alten Hirten und denen, die mithören wollen, seine Erfahrung weiterzugeben: „Sieh her“, flüsterte er, „wie wir in Schwung kommen. Lass dich durch die Ereignisse dieser weihnachtlichen Tage doch auch in Bewegung bringen. Bewege dich in deinem Innern. Geh aus dir heraus und geh offen auf andere zu. Sei bereit für Gott. Ich bin überzeugt“ – so der König weiter – „dass er auch dir etwas Schönes, etwas Gutes sagen möchte. Dir Mut machen möchte. Und der möchte, dass du glücklich und zuversichtlich sein kannst.“ Schließlich meinte der dritte König: „Wenn du fasziniert bist von der unsichtbaren Kraft, die uns antreibt, dann schau: Es braucht nur ein bisschen Licht und ein wenig Wärme – und schon wird es bei uns lebendig. Mehr Ehrlichkeit untereinander, mehr Respekt voreinander, mehr Herzlichkeit füreinander – das könnte einiges bewegen und menschlicher machen. „Was diese drei Könige bloß für Ideen haben“ – dachte der alte Hirte. Nicht nur, dass er sich ihnen anschloss – blieb ihm auf der Weihnachtspyramide auch nichts anderes übrig. Von ihren Ideen ließ sich der alte Hirte in seinem Innern anstecken. Und ich mich auch.

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Stromausfall. Wo sonst abends alles hell erleuchtet ist – ist in einer Sekunde alles stockdunkel: die Häuser, die Strassen, die Landschaft. Selbst der Himmel, der sonst leicht die geballte Lichtkonzentration einer Stadt widerspiegelt – alles schwarz. Ich überlege, wo ich eine Kerze und Streichhölzer finden könnte. Und obwohl ich mich in der Wohnung auskenne, taste ich mich jetzt orientierungslos und mit ausgestreckten Armen dorthin, wo ich die Kerze vermute. Die Nacht hat etwas Unheimliches an sich. Im Wortsinne: Wenn ich im Dunkeln tappe und kein Licht mehr sehe, aber auch im übertragenen Sinne: Wenn ich an die Schattenseiten und Abgründe in meinem Leben denke. Diese Nachterfahrungen will ich nicht herbei reden. Ich möchte ihr aber auch nicht ausweichen, der Nacht in mir. Wenn ich in den Evangelien im Neuen Testament lese, dann fällt auf: Wichtige Ereignisse um Jesus sind mit der Nacht verbunden. Es ist Nacht, als Jesus geboren wird. Es ist Nacht, als für ihn die letzten Leidensstunden vor seiner Kreuzigung beginnen. Noch bevor der neue Tag anbricht, ist Jesus vom Tod auferstanden. Wenn Menschen nach Sinn und Wahrheit in ihrem Leben suchen, kommen sie des öfteren bei Nacht zu Jesus, um mit ihm zu sprechen. Warum dieser dunkle Hintergrund? Vielleicht deshalb, weil dann das Licht um so heller scheint? Wie eine Kerze, die mit der Zeit einen ganzen Raum ausleuchten kann. Ich möchte der biblischen Botschaft glauben: „Mit Jesus ist das Licht in die Welt gekommen,“ auch in meine Welt. Ein Gedanke, den vor allem das Johannes Evangelium immer wieder aufgreift. Das tröstet mich und gibt mir Zuversicht mitten hinein in meine Erfahrungen von Nacht. Da ist einer, der mir die Angst nimmt vor der Dunkelheit, einer, der mir das Gefühl gibt, nicht allein zu sein in der Nacht. Und von dem ich höre: Fürchte dich nicht! Ich sehe mich aber auch dazu aufgerufen und ermutigt: Wo kann ich jemandem helfen, bei dem es dunkel ist im Leben, dass es wieder heller wird? Ich biete ein Gespräch an, suche zu vermitteln. Ich lasse jemanden spüren, dass er auch in dunklen Stunden nicht alleine ist. Ebenso freue ich mich über einen Menschen, der mich das spüren lässt. Und ich möchte vertrauen: Gott steht zu seinem Versprechen, dass es in seiner neuen Welt keine Nacht mehr geben wird (Offenbarung 21, 25), dass eines jeden Nacht endgültig aufgehoben ist.
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„Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus“ - ein bekanntes Sprichwort. Dazu eine Geschichte: Da kommt ein Wanderer an das Tor einer fremden Stadt. Davor sitzt ein alter Torhüter. Der Fremde erkundigt sich bei ihm: „Wie sind denn so die Leute in dieser Stadt?“ - „Wie waren sie denn dort, wo du herkommst?“ fragte der Torhüter zurück. Der Wanderer erwidert: „Sie waren grässlich eigensüchtig und voller Neid, und niemand ließ am anderen ein gutes Haar, und ständig wurde gestritten.“ - „Nun“, sagte der Alte, „so ungefähr werden sie auch hier sein.“ Später kommt ein anderer Reisender und will ebenfalls wissen, was er von den Bewohnern in dieser Stadt zu erwarten habe. Und der Greis richtet wieder die gleiche Frage auch an ihn: „Wie waren denn die Leute dort, wo du herkommst?“ Der Reisende entgegnet:: „Die waren meist freundlich, und einer half dem anderen, wo er konnte, und man fühlte sich wohl bei ihnen.“ Und wieder gab ihm der Wächter am Tor die Auskunft: „So ungefähr werden sie auch hier sein.“ Mir sagt die Geschichte: Es hängt sehr von mir selbst ab, wie meine Umgebung auf mich wirkt. Vielleicht mehr als ich meine. Bin ich unausstehlich oder sorge ich für ein freundliches Klima, eine menschliche Atmosphäre. Eben: „Wie man in den Wald ruft . . .“. Mir sagt die Geschichte auch das: Es liegt ein gutes Stück auch an mir, ob unsere Kinder lernen: wie befriedige ich egoistisch alle möglichen Bedürfnisse – oder: Wie kann ich versuchen, etwas für andere zu tun. Und prägen mich auch Werte wie Güte und Wahrheitsliebe, Toleranz und ein Gespür für Menschen in Not. Auch hier gilt: „Wie man in den Wald ruft . . .“. Frage: Wie wird das Jahr 2008 sein? Rückfrage: Wie war denn das Jahr 2007? Antwort: So ungefähr wie 2007 wird auch 2008 sein: bedrohlich oder verheißungsvoll. Es liegt viel an mir. Immerhin habe ich die Chance, mindestens einen Teil der Welt zu verbessern: Mich selbst.
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Ein neues Jahr beginnen wir gerne mit guten Vorsätzen. Recht so, auch wenn da manche auf der Strecke bleiben. Aber gute Vorsätze machen deutlich, dass wir nicht einfach mit uns zufrieden sind und dass nicht alles so bleiben muss, wie es nun mal ist. Diese fünf Vorsätze stammen von Mahatma Gandhi (1869-1948), dem großen Inder und gläubigen Hindu: Ich will bei der Wahrheit bleiben. Ich will mich keiner Ungerechtigkeit beugen. Ich will frei sein von Furcht. Ich will keine Gewalt anwenden. Ich will in jedem zuerst das Gute sehen. Ein beachtliches Jahres-Programm! – Ich schauen mir die einzelnen Punkte etwas genauer an: Ich will bei der Wahrheit bleiben Ich will aufgeschlossen sein. Ich will es nicht machen wie jene drei Affen: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Im Gegenteil: Ich möchte eine Auge werfen auf die Mitmenschen, hellhörig sein für ihre Sorgen und Freuden mit ihnen im Gespräch bleiben. Ich möchte staunen und nachfragen. Wahrheit ist einfach und konkret. Ich möchte mich geduldig und möglichst glaubwürdig darum bemühen. Dann mache ich mir und anderen nichts vor. Und ich glaube, Wahrheit hat mit Liebe zu tun. Ich will mich keiner Ungerechtigkeit beugen: Das erinnert mich an das „Schwimmen gegen den Strom“ denken, was keiner denkt sagen, was keiner sagt ausführen, was keiner tut wagen, was keiner wagt ja sagen, wo’s keiner tut nein sagen, wo’s keiner wagt. Ich will frei sein von Furcht: Furcht macht misstrauisch, im Innern eng und lässt einen klein denken. Was dagegen hilft? – Vertrauen, hochherzig und großzügig sein. Und: die Liebe. Sie vertreibt die Furcht. So steht es in der Bibel. Ich will keine Gewalt anwenden: ... keine physische, keine psychische, keine geistige und keine geistliche Gewalt. Ich möchte tolerant sein. Darunter verstehe ich: geduldig mich selbst leiden können. Und die andere Seite der Medaille: Geduldig auch die anderen ertragen können. Ich will in jedem zuerst das Gute sehen: Für mich hängt damit zusammen: der andere darf anders sein, anders denken, reden und handeln – anders als ich gewohnt bin, zu denken und zu reden, etwas zu tun oder es zu lassen. Ein beachtliches Jahres-Programm und durchaus christlich!

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Auch das neue Jahr 2008 gibt durchaus Anlass zur Zuversicht: Es muss nicht alles so bleiben, wie es nun mal ist.
Dazu ein paar Ermutigungen aus der Bibel: Die Bibel verkündet keinen Gott, der unsere Wünsche erfüllt – auch wenn wir manchmal solche Erfahrungen machen sollten. Die biblische Botschaft spricht von einem Gott, der zu seinen Zusagen steht, auch wenn uns Gott oft sehr fern und weit weg zu sein scheint. Was das heißt, bringt der Apostel Paulus auf den Punkt: Er ist davon überzeugt, dass es nichts auf Erden gibt und dass auch niemand imstande ist, uns von Gott und seiner Zuneigung zu trennen – was auch immer passiert. (vgl. Römer 8,31-39). Die Bibel spricht vom Anfangen. Sie macht Mut, mit Zuversicht und Hoffnung auch in dieses neue Jahr zu gehen. Hoffnung haben bedeutet nicht, dass alles gut ausgeht, aber dass alles bei Gott einen letzten Sinn hat und sich nicht im Nichts und im Chaos verliert Das ermutigt mich zu mehr Gottvertrauen, auch dann, wenn die Dinge anders kommen als erwünscht. Und ich hoffe, dass ich es immer wieder schaffe, geduldiger mit den Mitmenschen umzugehen und gelassener an Aufgaben heran zu gehen. Die Bibel verpflichtet den Menschen nicht auf seine Vergangenheit – weder persönlich noch gesellschaftlich. Auch nicht im Religiösen. „Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten. Seht her, nun mache ich etwas Neues." (43-18-19) So steht es beim Propheten Jesaja im Alten Testament. Und Jesus lädt ein: Fürchtet euch nicht! Habt Vertrauen und Mut! Habt Zuversicht und Hoffnung! Viele sind in diesen Tagen bereit, sich für etwas einzusetzen, sich für andere zu engagieren. Stichwort: Ehrenamt und Freiwilliges Soziales Jahr. Wer da mit macht, den nimmt Jesus beim Wort, bei seinem Wort: „Ihr seid das Licht der Welt! Ihr seid das Salz der Erde!“ Ihr seid der Sauerteig, der Zucker, der Pfeffer, der Kümmel ... je nachdem, was man braucht um so mancher Geschmacklosigkeit zu begegnen und dem Leben Geschmack zu geben. Für 2008 wünsche ich Ihnen viel Gutes, von Gott und von den Menschen.

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„Heile, heile Segen, drei Tage Regen, drei Tage Schnee und bald tut’s nicht mehr weh“ – so der bekannte Reim für Kinder, wenn sie sich das Knie verletzt oder den Kopf angehauen haben. „Heile, heile Segen“ ...Segen, der kann nicht nur Kindern, sondern auch uns Erwachsenen gut tun. Wenn ich darüber nachdenke, wird mir wieder bewusst, wie wichtig eine meiner Diensthandlungen als Pfarrer ist: segnen. Am Schluss des Gottesdienstes, wenn ich ein Kind taufe, ein junges Paar traue, jemand beerdige, dann segne ich die Anwesenden. Segnen kommt vom lateinischen „signare“ – bezeichnen, versiegeln: Ich mache mit der Hand das Kreuz-Zeichen und segne die Gemeinde. Dem sehr nahe kommt ein anderes lateinisches Wort: „benedicere“ – Gutes sagen, ein freundliches Wort finden. Zum Segnen gehört beides: das Kreuz-Zeichen und das gute Wort. Dem andern von Gott her Gutes zusprechen, ihm Gutes wünschen. Und ich frage mich: Warum segnet nur der Pfarrer, und dies fast nur bei offiziellen, dienstlichen Handlungen? Warum wünschen wir Gottes Segen nur bei feierlichen Anlässen? – Es ist selten geworden, dass die Mutter ihre Kinder mit einem Kreuz-Zeichen auf die Stirn segnet, wenn sie das Haus verlassen und bevor sie einschlafen. Ich weiß nicht, ob es in ländlichen Gegenden noch Brauch ist, dass der Vater oder die Mutter das Brot segnet, bevor es aufgeschnitten wird. Wenn jemandem Gutes geschieht, sagte man früher vielerorts „Vergelt’s Gott“ und bekam zur Antwort „Segne’s Gott“. Diesen Segen möchte ich Ihnen für das Neue Jahr mit auf den Weg geben: „Gott segne die Jahre deines Lebens, die vergangenen und die kommenden. Er segne die Momente des Glücks und schenke dir die Fähigkeit sie zu genießen. Er segne dein Lachen und erfülle dein Herz mit Freude. Gott segne dich, wenn Enttäuschungen dich lähmen und lasse neue Hoffnung in dir wachsen. Er segne die Ruhe, die du brauchst und helfe dir zur Erholung. Er segne die Mühen deiner Arbeit und lasse ihre Frucht aufgehen. Gott segne die Menschen, die mit Liebe dein Herz berühren. Er segne und behüte dich, heute und alle Tage.“ (Klaudia Busch-Wermeyer)

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