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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Der Countdown läuft. Ab heute bleiben mir noch genau 23 Tage Zeit.
Ich muss endlich Weihnachtsgeschenke besorgen! Doch ein Blick aufs Konto
sagt mir: Für große Sprünge reicht das nicht. Was jetzt? Ich kann doch an Heiligabend nicht ohne Geschenke dastehen. Eigentlich geht’s ja niemandem um große Geschenke, aber die Erwartungen sind doch groß. Und Erwartungen wollen nicht enttäuscht werden.
So ähnlich geht es wohl auch den Jüngern Petrus und Johannes. Sie sind auf dem Weg zum Tempel, dort wollen sie beten. Dort vor dem Tor, sitzt ein gelähmter Mann, ein Bettler. Die beiden haben eigentlich keine Zeit. Doch sie bleiben trotzdem kurz stehen, als sie der Gelähmte um Geld bittet. Was könnten sie dem Mann geben? Geld haben sie doch auch keines. Petrus sagt zu dem Bettler: Schau uns an! Der Mann hebt seinen Blick, vermutlich hat ihm schon lange niemand mehr freundlich in die Augen geschaut. Petrus sieht ihn an und sagt zu ihm: Geld habe ich auch keins. Aber, ich habe etwas anderes und das will ich dir geben. Er nimmt die rechte Hand des Gelähmten, zieht ihn einfach hoch und sagt zu ihm: Im Namen Jesu Christi von Nazareth, steh auf und geh! Der Bettler kann plötzlich tatsächlich gehen! Völlig verrückt! Ein Mensch, der sein Leben lang gehandicapt war, bekommt statt ein paar Münzen Gesundheit geschenkt, Heilung. Ich kann nicht heilen, probiert habe ich es schon. Petrus und Johannes konnten das auch nicht. Aber sie haben einfach von dem weitergegeben, was sie hatten: Glaube, Vertrauen, Hoffnung, Freundlichkeit, Zeit, Aufmerksamkeit. Und Gott hat seinen Teil dazu gegeben. Ich bin mir sicher; damit haben sie den Gelähmten viel reicher beschenkt, als mit allem Geld der Welt. Trauen Sie sich doch auch mal an diesen Gedanken heran: Gibt es etwas, was nur ich verschenken kann, was den anderen viel mehr freut, als ein Buch, eine Krawatte, oder eine Playstation? Vielleicht ein besonderes Lieblingsrezept, ein selbstgeschriebenes Gedicht, Hilfe beim Autokauf, Zeit zum Zuhören, oder Unterstützung beim Renovieren? Jeder Mensch hat etwas Unbezahlbares zu verschenken. Entdecken Sie, wie reich Sie sind.
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Jetzt versuchen es alle: Sie wollen mein Geld. Vor allem in der Adventszeit werde ich von allen Seiten gedrängt: Ich soll spenden, teilen, abgeben. Ob für Kinder in Afrika, den Wanderzirkus oder den Adventsbasar zugunsten einer Selbsthilfegruppe. Manchmal nervt mich das. Ich möchte ja gern, aber ich kann doch nicht allen helfen. Und von irgendwas muss ich mein neues Sofa doch auch bezahlen. Diesen Wunsch musste ich mir schließlich auch lange verkneifen. Ich fühle mich schlecht, in solchen Momenten. Dir geht es doch immer noch viel besser, als vielen anderen, denke ich dann. Du könntest noch viel mehr abgeben. Müsstest Du es sogar, wenn Du Gott ernst nimmst? 8% der Einkommenssteuer beträgt die Kirchensteuer zur Zeit in Baden-Württemberg, in freien Gemeinden gibt es meist keine festgelegten Prozentsätze, aber Erwartungen. In der Bibel steht was vom 10. Teil der Ernte, die Gott zurückgegeben werden soll. Zehn Prozent, das ist auch heute noch ein Richtwert für viele Christen. Den so genannten Zehnten zu geben, das kann sehr viel sein. Wenn eine verwitwete Seniorin, oder ein Student von dem bisschen was sie haben, auch noch ein Zehntel spenden, ist das für sie ein echtes Opfer. Ein reicher Unternehmer mag zwar locker das Zehnfache geben, doch ihm tut das möglicherweise gar nicht weh. Er hat ja trotzdem noch mehr als genug. Ich glaube: Spenden muss nicht immer wehtun, entscheidend ist aber: es soll eine bewusste Sache sein. Ich gebe Gott etwas von dem zurück, was ich ohnehin schon von ihm bekommen habe. Diese Geste drückt Dankbarkeit aus und das Bewusstsein, dass es nicht nur von mir selbst abhängt, dass ich genug zum Leben habe. Zum Thema Geld macht Gott uns sogar ein gewagtes Versprechen. Wenn wir uns daran halten, ihm den Zehnten zu geben sagt er: „Stellt mich doch auf die Probe, und seht, ob ich meine Zusage halte! Denn ich verspreche euch, dass ich dann die Schleusen des Himmels wieder öffne und euch mit allem überreich beschenke“. Ausprobieren könnte man das ja mal. Gelegenheiten gibt’s in der nächsten Zeit bestimmt noch genug.
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„Das ist Ihre Chance!“. Werbebriefe wie diesen fische ich täglich aus dem Briefkasten.
Ständig will mir da jemand seine Aktienfonds, Wertanlagen, oder Sparpakete verkaufen.
Wer hat, der hat, sagt man. Tja, und das was ich habe, sollte ich natürlich auch noch klug investieren. Damit daraus noch mehr wird: Rendite, Prämien, Zins und Zinseszins.
Ein schlauer Geschäftsmann, macht sich Gedanken über seine Fabrik. Die Produktion läuft wie am Schnürchen, er weiß schon nicht mehr, wie er all die Aufträge schaffen soll. Da beschließt er die alte Fabrik abzureissen und eine neue zu bauen. Doppelt so groß, damit er in Zukunft die Produktion noch steigern kann. Dann will er sich endlich aus der Firma zurückziehen. Nach all den harten Arbeitsjahren will er dann sein Leben noch einmal genießen, reisen, feiern, tanzen, essen, Zeit haben. Da schaltet sich aber plötzlich Gott ein. Er sagt zu ihm: Du Held! Noch heute Nacht wirst Du sterben. Was wird dann aus all deinem Geld, der Firma und den teuren Autos? Diese Story, die Jesus damals den Menschen seiner Zeit erzählt hat, stammt aus der Bibel. Doch der Gedanke ist auch heute Allgemeingut: Das letzte Hemd hat keine Taschen. So wird’s allen gehen sagt die Bibel, die allein das Ziel haben, in diesem Leben reich zu werden. Am Schluss werden sie mit leeren Händen vor Gott stehen. Das klingt hart, doch es geht Jesus nicht darum, die zu verurteilen, die sich durch Fleiß und Erfolg einen gewissen Wohlstand aufgebaut haben. Es geht um das Ziel dahinter. Denn Reichtum wird schnell zum Selbstzweck, aber wirklich glücklich macht er nicht. Aktien für den Himmel gibt es nicht. Investieren kann man trotzdem in den Himmel. Auch mit Geld. Man kann Menschen unterstützen, die in schwierigen Situationen sind, oder solche, die tolle Ideen für soziale Projekte haben, die aber nicht die finanziellen Mittel dazu bekommen. Man kann einem Patenkind in einem armen Land die Schule finanzieren, oder einer Kirchengemeinde helfen, die ohne Spenden ihre Arbeit nicht mehr tun kann. Solche Investitionen verändern nicht nur die Welt, sie machen auch noch Spaß. Investieren Sie was!
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12 DM gab’s für die Stunde. Mein erster Job, als Schülerin in einer Bäckerei. Damals war ich froh, über jeden Pfennig, den ich bekam. Erst später habe ich genauer verglichen: Wie viel bekomme ich hier pro Stunde? Werden wir alle gleich bezahlt? Die Angst zu kurz zu kommen, ist tief in uns Menschen verankert. Noch genauer schauen wir hin, wie viel und wie gut andere arbeiten. Ob sie es überhaupt verdienen, dafür bezahlt zu werden. Stellen Sie sich vor: Da stellt ein Winzer Tagelöhner ein. Frühmorgens stellt er die ersten ein, die auf dem Marktplatz stehen und auf Arbeit warten. Er schickt sie in seinen Weinberg. Er geht mehrmals, bis abends um fünf auch noch die letzten bei ihm Arbeit finden. Als am Ende des Tages der Lohn ausgezahlt wird, beginnt er bei denen, die die kürzeste Zeit mitgearbeitet haben. Sie bekommen, wie vereinbart, den vollen Tagessatz. Bei den anderen steigt die Vorfreude. Denn natürlich gehen sie davon aus, dass ihr Lohn noch viel größer ausfällt. Doch sie irren sich. Auch sie bekommen den ausgemachten, gleichen Lohn. Das gibt natürlich Ärger. „Ungerecht ist das, werfen sie ihrem Chef vor, die anderen haben nur eine Stunde gearbeitet. Wir haben uns doch den ganzen Tag in der Hitze für Dich abgerackert! Der Weinbauer meint dazu aber nur: Reg Dich nicht auf, Dir geschieht doch kein Unrecht. Ärgerst Du dich tatsächlich, weil ich großzügig bin?“ Es ist doch irgendwie komisch: Warum geht es uns Menschen oft nicht gut, wenn es anderen auch gut geht? Stattdessen geht es uns schlecht, wenn es anderen gut geht… So wie dieser Winzer denkt auch Gott, sagt dieses Gleichnis aus der Bibel. Ich bin stolz auf diesen Gott, der auf eine ganz andere Art gerecht und großzügig ist, als wir Menschen es jemals sein werden. Bei ihm kommt keiner zu kurz. Das macht mir Mut, auch mal über meinen Schatten zu springen und darauf zu schauen, dass auch andere nicht benachteiligt werden. Gott sorgt für Gerechtigkeit. Für meine und für die von allen anderen. Gut zu wissen, finde ich.
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Sparsamkeit ist eine Tugend, dort wo ich herkomme jedenfalls. Auch wenn andere Witze darüber machen: ein echter Schwabe würde sein Geld nie verschleudern.
Er legt es clever an, in Aktien und natürlich das Eigenheim. Und selbst wenn er eigentlich im Geld schwimmt, würde er sich doch nie überflüssigen Luxus gönnen. Sehr bescheiden und bodenständig. Ich mag das. Und im Zeitalter der ständigen Sparmaßnahmen sind die Schwaben natürlich ganz im Sinne des Zeitgeistes.
Das einzige, was mich am Verhalten meiner Landsleute wirklich stört ist, dass sich die Sparsamkeit häufig auch auf andere Lebensbereiche ausdehnt. Sie kennen bestimmt die Redensart: „Et gschompfa isch au a Lob“. Wer nicht schimpft, lobt schon. Wer bitte kam auf die Idee, dass ausgerechnet an dieser Stelle gespart werden muss? Mit Freundlichkeit und Lob darf meiner Meinung nach nicht gegeizt werden. Gerade in Zeiten in denen Vieles im Umbruch ist, alles immer noch schneller, effektiver und möglichst ohne Pausen funktionieren soll. Wir brauchen alle eine große Dosis Mitmenschlichkeit: Kinder und Jugendliche, Erwachsene und Alte, Erfolgreiche und Benachteiligte. Jesus ist mir in seinem Verhalten darin ein großes Vorbild. Er war nicht nur zu den Menschen freundlich, die ihm nützten, oder die ihn auch mochten. Er redete auch freundlich mit dem korrupten Zachhäus, oder der ausgegrenzten Maria Magdalena. Er nahm sich Zeit für kleine Kinder und selbst die nervigen Pharisäer, die ihn ständig der Gotteslästerung beschuldigten, schickte er nie überheblich weg. Wer Gott kennen lernt, lernt auch eine neue Art von Großzügigkeit kennen.
Denn Gott schenkt bedenkenlos her, was er hat. Er sitzt nicht selbstherrlich auf seinem Ersparten, der Liebe, Güte, Gnade, Frieden, Trost, Freiheit.
Gott teilt mit vollen Händen an uns aus. Auf diese Schätze gibt’s keine Zinsen.
Sie werden sogar erst dann wirklich wertvoll, wenn man sie weiterschenkt.
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