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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Wer ist arm? Materiell arm? Diese Frage beantwortet der sogenannte Armutsindex.
Und nach diesem Armutsindex gilt als arm wer weniger als einen Euro pro Tag zum Leben hat. Rund eine Milliarde Menschen haben weniger als einen Euro pro Tag. Eine Milliarde, das ist ein Sechstel der Weltbevölkerung. Ein Sechstel der Weltbevölkerung ist also arm und lebt von maximal einem Euro pro Tag.
Ein Euro ist natürlich relativ viel oder relativ wenig wert. Bei uns wie auch in anderen Ländern. Deshalb wollte ich mal wissen was man bei uns so für einen Euro im Supermarkt kriegt. Ich dachte so gut wie gar nix. War aber erstaunt, wie viel tatsächlich für einen Euro zu haben ist:
10 aufbackbare Brötchen zum Beispiel, oder 450 Gramm tiefgefrorener Rosenkohl. Für einen Euro bekommt man 2 Flaschen Bier mit Pfand oder eine 75-Milligramm-Tube Zahnpasta. Alles jeweils für einen Euro.
Wenn ich etwas für Menschen in armen Länder spende, möchte ich gern wissen wo mein Geld hingeht und ich möchte auch wissen, was die Menschen dort damit anfangen können. Deshalb hab ich mich mal erkundigt, was man denn für den Gegenwert von einem Euro in armen Ländern bekommt. In Afrika zum Beispiel. In der Demokratischen Republik Kongo gibt es zwei warme Mahlzeiten für einen Euro, oder ein halbes Hähnchen. In Namibia kann man mit einem Euro eine fünfköpfige Familie mit Kartoffeln versorgen. In Ghana erhält man ein Medikament gegen Malaria. Und in Burundi kann für einen Euro ein Kind fast 10 Tage zur Schule gehen. Ein Euro – scheinbar so wenig und doch so viel, wenn ich damit helfen kann.
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Wenn etwas ganz schön ist, dann hab ich manchmal Angst. Angst es zu verlieren. Ich denke das ist normal. Nur wenn die Angst zu groß wird, wenn sie einen gefangen hält, dann wird sie zum Problem. Dieses Problem kannte wohl auch Papst Johannes der XXIII., denn Angst ist das Thema des neunten seiner 10 Gebote der Gelassenheit.
„Nur für heute werde ich keine Angst haben,“ heißt es darin. „Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist. Und ich werde an die Güte glauben.“
Ich hab mich gefragt, warum der Papst im Zusammenhang mit der Angst von der Güte spricht. Und mir ist klar geworden, dass es nichts nützt, wenn man sich nur vornimmt keine Angst zu haben. Sondern dass ich diesen Vorsatz füllen muss. Und eine der Möglichkeiten diesen Vorsatz zu füllen ist die Vorstellung von Güte.
Wenn ich versuche daran zu glauben, dass alles gut werden kann, dass es auch Menschen gibt, die mir gut sind, dann kann das meine Angst lindern oder mir sogar die Angst nehmen. Und mich am Ende vielleicht sogar soweit führen, dass ich mich darauf verlasse, dass mein ganzes Leben gut werden kann. Dass es gut aufgehoben ist in Gottes Hand.
Und wenn ich das Glück habe so etwas zu ahnen, zu spüren, dann könnte mir auch immer mal wieder das letzte der 10 Gebote der Gelassenheit gelingen:
Es heißt: „Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: der Hetze und der Unentschlossenheit.“
Genau deswegen mag ich diese 10 Gebote der Gelassenheit : Weil sie so nah am Menschen sind, so genau um seine Schwächen wissen und um die Begrenztheit aller Vorsätze. Deshalb tut auch diese Sicht der kleinen Schritte so gut. Dass man sich zwar gewissenhaft einen Plan macht, aber dass der Alltag oder man selbst ihn dann wieder durcheinander kegelt. Aber die Absicht ist da, der Willen, es zu probieren, und vor allem auch mit den Unzulänglichkeiten des Lebens gelassen umzugehen. Dazu gehört auch, sich nicht hetzen zu lassen. In Hektik ist noch selten etwas gut entschieden worden. Sie verhindert Dinge auch mal ruhen zu lassen. Entscheidungen reifen zu lassen. Einen Tag ins Land ziehen zu lassen oder die sprichwörtliche Nacht darüber zu schlafen. Denn nicht jeder Tag ist gleich gut oder gleich schlecht...
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„Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt.“ Das ist das siebte der zehn Gebote der Gelassenheit, die ich diese Woche beschreibe. Von Papst Johannes dem XXIII. sind diese 10 Gebote der Gelassenheit. Und zur Gelassenheit gehört ganz sicher, Dinge, die nerven in Gleichmut zu tun.
Dinge, die nicht zur Entspannung oder zum Lebensgenuss beitragen. Einen Menschen anrufen zum Beispiel, der immer nur klagt. In eine Sitzung gehen, die mich schon vorher nervt oder den Abwasch machen, auch wenn ich ihn am liebsten stehen lassen würde. Dinge, die man nicht gern tut, ohne zu klagen tun oder auch nur ohne darüber zu reden, dazu gehört schon eine gute Portion Gelassenheit. Aber es tut auch gut wenn man die unangenehmen Pflichten klaglos, mit innerer Würde annimmt, als Dinge, die halt auch zum Leben gehören. Das ist nicht gerade leicht, kann einem aber leichter fallen, wenn man bei sich ist, sich getragen und geborgen fühlt.
Zu diesem Gefühl kann vielleicht auch das achte Gebot der Gelassenheit beitragen.
„Nur für heute,“ heißt es darin, „werde ich fest glauben, selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.“
Eine wunderbare Vorstellung: dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich sorgt als wär ich der einzige um den sich Gott zu kümmern hätte. Ich denke, dass diese Vorstellung nicht jedem und schon gar nicht immer gelingt. Aber vielleicht sagt der Papst ja genau deshalb, ich will fest daran glauben.
Ich denke Vertrauen hat auch mit Vorstellungen zu tun und diese Vorstellung ist einfach schön. Dass es da einen Gott geben soll, der sich kümmert, um mich kümmert. Natürlich weiß ich, dass ich nicht allein auf der Welt bin. Aber die Vorstellung wie Gott sich um mich und damit auch um jeden einzelnen Menschen kümmert, ist einfach schön. Und wer weiß, vielleicht kann er, ja nur er, sich tatsächlich um jeden Menschen kümmern als wäre er der einzige auf der Welt. Denn bei Gott ist doch nichts unmöglich, oder?
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„Nur für heute“, so beginnt jedes der 10 Gebote der Gelassenheit. Diese 10 Gebote der Gelassenheit sind menschenfreundliche, realitätsnahe Tipps, die ein Papst geschrieben hat. Papst Johannes der XXIII..
„Nur für heute werde ich 10 Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen,“ schreibt er in seinem fünften Gebot der Gelassenheit.“ Und er schreibt weiter: „Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.“
10 Minuten - das scheint nicht lang zu sein. Aber allein der Akt sich hinzusetzen, zur Ruhe zu kommen und ein Buch in die Hand zu nehmen, das tut schon gut. Am besten ein Buch, das nichts mit dem Alltag oder den Dingen zu tun hat, die einen sowieso schon beschäftigen oder gar belasten.
Eine gute Lektüre, das ist eine Lektüre, die einem ganz einfach gut tut. Das kann für den einen eine „Sofareise“ sein, mit einem schönen Bildband über verschiedene Länder, für andere die „Gedankenreise“ in ferne Zeiten und wieder für andere ein geistiger Text oder ein Text aus der Bibel.
Eine gute Lektüre ist Seelennahrung. Ein Buch zur Ablenkung, zur Entspannung zur Hand zu nehmen, aber auch um gute Gedanken anderer Menschen zu lesen. Dadurch vielleicht selbst auf gute Gedanken zu kommen.
Auch ein guter Gedanke ist das sechste Gebot der Gelassenheit von Papst Johannes dem XXIII. Dort heißt es: „Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen. Und ich werde es niemandem erzählen.“
Wunderbar! Dieser freundliche und bescheidene Papst. Gerade als Papst nicht nur große, weltbewegende Absichten zu haben, sondern nur eine gute Tat. Und das auch nicht jeden Tag, sondern nur heute. Morgen mag vielleicht anderes dran sein. Und das ganz besondere daran: Er will es niemandem erzählen!
Weder seine Absicht noch die gute Tat selbst. Also die Konzentration, die Kraft nicht mit reden verbrauchen, sondern ganz auf die Tat lenken, die gute Tat, die dann im Stillen geschieht. Denn eine gute Tat braucht kein Publikum und keinen Applaus. Sie hat ihren eigenen Wert. Ist etwas sehr Stilles und Intimes. Weil sie aus dem Herzen kommt und zu Herzen geht.
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Gelassenheit ist mein Thema diese Woche. Und zwar 10 Gebote der Gelassenheit, zusammengestellt von einem Papst, Papst Johannes dem XXIII.
Päpste müssen weiß Gott ein hohes Maß an Geduld und Gelassenheit haben,
für dieses sicher nicht leichte Amt. Und da ist es kein Wunder, dass ein altersweiser Papst diese 10 Gebote der Gelassenheit geschrieben hat. Von diesen Geboten möchte ich heute das Dritte und Vierte weitergeben:
Das Dritte geht so: “Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin - nicht nur für die andere, sondern auch für diese Welt.“
Ich finde das ist ein schönes, ein sanftes Gebot eines religiösen Menschen. Eines Menschen, der sich vornimmt, sich auf das Leben hier zu konzentrieren. Und sich bewusst macht, dass er dazu geschaffen ist glücklich zu sein! So ein schöner Gedanke! Dass ein Gott seine Geschöpfe glücklich haben will. Hier und jetzt, nicht erst in der anderen Welt, im Himmel. So ein Gedanke könnte mich doch auch ein wenig gelassener machen. Wenn ich daran denke, dass mir jemand so gut will, mich glücklich haben will. Natürlich: glücklich sein, glücklich werden, und vor allem glücklich bleiben ist leichter gesagt als getan. Wenn das Schicksal es nicht gut mit einem meint, manche Menschen einen plagen oder man mit sich selbst nicht zurecht kommt. Aber auch dafür hat dieser Papst einen Rat:
„Nur für heute“, heißt es im vierten Gebot der Gelassenheit, “werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.“ Das klingt komplizierter als es ist. Diese Kunst sich einzufügen in das, was ist, ohne dagegen zu rebellieren. Aber auch ohne zu resignieren. Und aus dieser Gelassenheit erkennen, welche Umstände nicht verändert werden können und welche verändert werden müssen.
Sich den Umständen anpassen könnte heißen: eigene Schwächen annehmen. Es akzeptieren wenn etwas zu schwer für mich ist, an Leib oder Seele.
Den Umständen anpassen könnte auch heißen: erkennen wann ein Streit nicht nötig ist oder nicht mehr sinnvoll.
Den Umständen anpassen könnte heißen: Akzeptieren dass etwas verloren ist oder eine Beziehung sogar zu Ende. Vielleicht ergeben sich ja dadurch neue Möglichkeiten, andere Perspektiven! Und vielleicht sogar bessere...
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Gelassenheit - ein schönes Wort, das einem leicht und gern über die Lippen geht. Als Ideal oder als Ratschlag für andere. Aber wenn’s einen selbst betrifft?
In den letzten Wochen war ich alles andere nur nicht gelassen. Ich war im Dauerstress. Und der hat meinen Blutdruck in gefährliche Höhen getrieben.
Jetzt hab ich mal wieder ein neues Leben angefangen und neben regelmäßigem Sport und gesunder Ernährung gehört eine größere Gelassenheit zu meinem Veränderungsprogramm. Aber wie schwer das ist: aus alten Gewohnheiten rauskommen. Nicht immer nur Vollgas geben. Das Leben, die Leute, die Arbeit lockerer angehen...
Bei diesem Thema hab ich mich an die Erfahrungen eines weisen alten Mannes erinnert. Und einen Text rausgekramt, der zu meinen derzeitigen Übungen passt: Papst Johannes der 23te hat einmal 10 Gebote der Gelassenheit geschrieben und diese 10 Gebote möchte ich Ihnen, aber auch mir selbst sagen.
Also, das erste Gebot der Gelassenheit lautet: „Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.“
Oooh ja. Wie gut ich das kenne: mir immer wieder zuviel vorzunehmen, immer wieder auch die Ansprüche an mich selbst zu hoch zu schrauben... Deshalb ist es nur sinnvoll und richtig dass man sich nicht zuviel auflädt, barmherziger mit sich selbst umgeht. Dann könnte es klappen, dass man bei dem was man tut gelassener wird und vielleicht auch zufriedener mit dem Ergebnis. Wenn man zwar weniger erreicht, aber das Wenigere das man sich ich mir vorgenommen hat auch schafft!
Jedes der 10 Gebote der Gelassenheit beginnt mit den Worten „Nur für heute“. Auch das gefällt mir an diesen Geboten. Da gibt es keine großen Pläne oder auch keine harten Schnitte, sondern nur für heute wird geplant oder gehandelt, in kleinen Schritten. Wie auch beim zweiten Gebot der Gelassenheit:
„Nur für heute werde ich große Sorgfalt in mein Auftreten legen. Vornehm sein in meinem Verhalten. Ich werde niemanden kritisieren, ja ich werde nicht danach streben die anderen zu korrigieren oder zu verbessern, nur mich selbst.“
Ein schöner, ein bescheidener Vorsatz eines Papstes. Und hilfreich. Denn gelassener werde ich nicht wenn ich nur auf die anderen achte. Gelassener werde ich vielleicht, wenn ich mehr auf mich selbst achte. Und mehr auf mich selbst acht gebe.
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„Jetzt hilft nur noch Beten“ heißt es oft, wenn alles Menschenmögliche getan ist. Aber viele Menschen können das gar nicht mehr - beten. Sie bekommen höchstens noch ein paar Bruchstücke aus ihren Kindergebeten zusammen. Und die sagen ihnen dann meistens nichts mehr, weil sie eben kindisch sind; “Ich bin klein, mein Herz ist rein...“, „Lieber Gott mach’ mich fromm, dass ich in den Himmel komm’“ oder so ähnlich.
Beten ist aber so wichtig und gesund, eine Art Psychohygiene, wenn es nicht magisch missverstanden wird. So nach dem Zigarettenautomatenprinzip: Gebetswunsch oben rein und unten kommt die Erfüllung heraus.
Beten, richtiges Beten wird auch das Atmen der Seele genannt. Aber wie betet man, wie betet man richtig? Zunächst einmal so, dass es einem gut tut. Das kann ein inneres Sprechen sein, mit Worten, ganzen Sätzen, vertraut wie mit einem guten Freund und vielleicht noch viel offener. Das können Satzfetzen sein, Stoßseufzer, Gott angebotene Gefühle. Beten kann durchaus auch in Formeln geschehen, ritualisiert als eine Art innere Stütze. Es gab Situationen, da fiel mir ganz einfach nicht mehr ein, als ein Vater Unser zu sprechen. Bei einem Autounfall für die Menschen, die gerade von den Notärzten versorgt wurden.
Beten für etwas oder für jemanden ist eine der klassischen und schönsten Gebetsformen. Beten für die Gesundheit und das Glück der Menschen, die einem lieb sind. Oder für den Frieden. Für Menschen in Leid oder Not.
Ich bin überzeugt davon, dass das Beten Wirkungen hat. Auch hier natürlich nicht magisch missverstanden, dass ich irgend etwas überirdisch beeinflussen oder gar steuern kann. Sondern eine Wirkung als Kraft, die von den Menschen ausgeht, die beten. Und wenn es nur ihre eigene Ruhe oder Friedfertigkeit ist, die entseht oder verstärkt wird.
Ich glaube auch, dass es eine ansteckende Wirkung des Gebets gibt. Ansteckend im guten Sinn. So wie die Menschen von der zerstörerischen Aggression angesteckt werden können, die sich ausbreiten kann wie ein Flächenbrand, so glaube ich auch an die geistliche Ansteckungskraft des Gebetes. Wenn ich in der Kirche die Menschen zur Kommunion oder zum Abendmahl gehen sehe, dann stelle ich mir vor, wie viele Menschen zu dieser Zeit, in genau dieser Stunde in aller Welt in der Kirche sind. Stelle mir die vielen Menschen vor, die ihre Gedanken vor Gott bringen; ihre Sorgen, ihre Freuden, ihre Ängste und Nöte, oder ihren Dank. Und alle nichts Schlechtes dabei tun. Nur beten.
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