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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Es war beim Vorbereitungsgespräch der Taufe für den neugeborenen Sprössling der Familie. Der junge Vater von drei Kindern erzählte mir bei dieser Gelegenheit auch von der Geburt seines ersten Kindes vor einigen Jahren. Die Nachricht die ihn damals erreichte, beschäftigt ihn und seine Frau bis heute. Bereits einen Tag nach der Geburt starb damals das erstgeborene Kind völlig überraschend und aus ganz unerklärlichen Gründen. Und dann erzählte mir der Vater weiter: „Als ich diese schreckliche Nachricht bekam, informierte ich sofort unsere Freunde: ‚Betet für uns. Wir sind in gro-ßer Not. Wir brauchen dringend eure Gebetsunterstützung.’ - Anschließend fuhr ich ins Krankenhaus zu meiner Frau.“
Nun erzählten die beiden Eltern von den Erfahrungen, die sie damals mit der Fürbitte ihrer Freunde gemacht hatten: „Es war alles ganz schrecklich. Aber dennoch fühlten wir uns wie beim Fallschirm-springen im Flugzeug. Wir mussten springen. Es blieb uns nichts anderes übrig. Wir fielen zuerst einmal ins Bodenlose. Aber dann haben wir erlebt, wie der Fallschirm sich öffnete. Wir fühlten uns auf einmal getragen und wussten: Das sind die Gebete der anderen. Die tiefe Geborgenheit, die wir spürten, hielt an. Auch später blieb die tiefe Krise aus.“
Was für eine starke Erfahrung in Verbindung mit der Fürbitte anderer! Das Gebet als Fallschirm, der aufgeht. Die Erfahrung, dass das Gebet anderer durchträgt. Vielleicht gerade dann, wenn man selbst nicht mehr beten kann.
Dieser Bericht hat mich ermutigt, vermehrt für andere zu beten. Ich habe für jeden Tag eine Liste mit Namen von Menschen, für die ich regelmäßig bete. Darunter ist meine Familie. Ich bete aber auch für Kranke oder für Menschen, die in Not sind. Und es sind auch solche darunter, die selbst nicht beten können, weil sie noch nicht an den Gott glauben, der ansprechbar ist und Gebete erhört. Auch Sie, lieber Hörer, stehen heute auf meiner Liste. Ich bete dafür, dass der Geist Gottes Sie er-mutigt, von Gott Hilfe zu erwarten.
Die Fürbitte ist ein unterstützender Dienst für andere. Wie oft habe ich schon diesen Dienst angebo-ten: Bei Geburtstagsbesuchen, im Krankenzimmer, vor Ort oder aber auch am Telefon: „Darf ich noch für Sie beten“. Nur selten wurde dieses Angebot abgelehnt. Haben Sie auch jemand, der für sie betet? Und gibt es jemand, für den Sie beten?

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Beim Kurzurlaub im Feriendorf Anfang des Jahres, hatten wir auch einen Kegelabend geplant. Unse-re Vierjährige, die davon hörte, wollte natürlich auch mitkegeln. Und wir fanden schließlich auch ei-nen Weg, wie wir ihr diesen Wunsch erfüllen konnten. Ich nahm eine Kugel, stellte die Kleine vor mich hin und legte ihre Hand in meine. Gemeinsam holten wir aus und brachten die Kugel auf den Weg. Aber im Grunde war ich es allein, der die Kugel schob. Nach jedem Wurf sprang Naemi in die Höhe und rief: „Ich habe vier Kegel umgeworfen. - Jetzt sind es sechs, die umgefallen sind. Spitze!“ Am Ende war es sogar sie, die ihren Sieg über die anderen feiern konnte.
An diesem Abend musste ich noch über den Kegelabend nachdenken. Ich überlegte: „Ist es denn bei mir nicht ganz ähnlich? Ich habe einen himmlischen Vater im Hintergrund, der für mich die Kugeln schiebt. Das vergesse ich immer wieder. Wenn etwas gelingt, dann bilde ich mir ein, dass ich es war, der gewonnen hat. Aber dann wird mir bewusst: In Wirklichkeit stand er doch dahinter. Meine Hand lag in der seinen.
Und dann denke ich daran, was er versprochen hat. Durch die Heilige Schrift lässt er mir sagen: „Ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir“ (Jes. 41,13).
Und weil ich das weiß, rede ich mit ihm im Gebet. Ich erwarte alles von ihm und erbitte alles von ihm. Aus dem Selbstgespräch meines Herzens wird ein Zwiegespräch mit ihm. Ich bin mit ihm stän-dig im Gespräch. Ich bespreche alles mit Gott, alle kleinen und großen Dinge, die mich bewegen.
Im Hauskreis erzählte ich einmal davon, dass ich Gott sogar um einen Parkplatz bitte, wenn ich mit dem Auto in die Stadt fahre. Eine Teilnehmerin meinte: „Man kann doch Gott nicht mit solchen Din-gen belästigen. Er hat doch anderes zu tun, als sich um einen freien Parkplatz zu kümmern.“ Ich entgegnete: „Doch, unser Gott interessiert sich für alles. Er will mitten in meinem Leben bei mir sein. Es gibt nichts, was für ihn zu klein und zu belanglos wäre. Es gibt aber auch nichts, was ihm zu groß und zu schwer sein würde.“
Fangen Sie an, mit ihm zu reden. Nehme Sie seine große starke Hand in Anspruch und legen Sie einfach ihre Hand in seine große Hand – so wie meine kleine Tochter beim Kegeln.
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Zu unserer Gemeinde gehört auch ein traditionsreiches Hotel mit verschiedenen Gasträumen. Im großen Jugendstilfestsaal ist vorne über der Bühne in großen Lettern zu lesen: „Saget Dank allezeit und für alles“. Die Menschen, die hier seit Generationen ihre Feste feiern haben dieses Bibelwort ständig vor Augen.
Stellen Sie sich eine Hochzeit vor! Die lange Tafel festlich gedeckt, fröhliche Menschen, ein gutes Es-sen in mehreren Gängen. Und immer wieder der Blick auf den Satz da vorne: „Saget Dank allezeit und für alles.“ Vielleicht ein Denkanstoß: Dass wir hier zusammen sind, kommt von Gott. Das gute Essen ist sein Geschenk. Meine Eltern, meine Geschwister, meine Freunde und vor allem sie, meine Braut, alles habe ich ihm zu verdanken, ihm, meinem Gott!
Immer wenn ich selbst dabei bin, bei einer Geburtstagsfeier, bei einer Hochzeit oder bei einer Ver-anstaltung unserer Gemeinde dort im Festsaal, immer wenn ich das Bibelwort vorne lese und vor ei-ner gedeckten Festtafel sitze, werde ich daran erinnert: Ist nicht mein ganzes Leben ein Sitzen am gedeckten Tisch? Mein Gott ist es doch, der mir Tag für Tag so viel Gutes serviert.
Und dann fange ich an, zu danken. Manchmal schreibe ich es mir auch auf, für was ich alles danken kann. Und so komme ich vom Danken zum Denken. Mir fällt ein, was ich meinem Gott alles verdan-ke. Und dann wird mein Herz voller Dankbarkeit.
Und das Danken hat ja noch eine ganz andere Perspektive. Ich habe es einmal erlebt, dass eins meiner Kinder mir eine kaputte Puppe auf den Schreibtisch ins Büro legte. Daneben ein Zettel mit dem Hinweis: „Danke, Papa, dass Du mir meine Puppe reparierst.“ Meine Tochter ging selbstver-ständlich davon aus, dass ich ihren Wunsch erfüllen würde. Sie bedankte sich schon im Voraus für etwas, was sie von ihrem Papa erwartete.
Mit dieser Haltung des Vertrauens gegenüber meinem himmlischen Vater möchte ich in den Tag ge-hen. Ich will ihm alles hinlegen, was mich heute erwartet und beten: „Danke, Herr, dass du mir heu-te durchhilfst. Vielen Dank, dass Du da bist und ich mit deiner Hilfe rechnen darf. Danke, dass Du mich bewahrst. Danke, dass du die Antworten auf alle Fragen kennst. Danke, dass Du sogar das wieder ganz machen kannst, was kaputt ist.“
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Manchmal gibt es mitten im Alltag ganz unerwartete Gelegenheiten, um mit Gott zu reden. Zum Beispiel Wartezeiten beim Arzt oder Zugfahrten. Ja sogar Staus und rote Ampeln nutze ich gelegentlich dazu.
Reden mit Gott – Beten, das ist ja diese Woche unser Thema an dieser Stelle. Gott braucht dazu keine besonderen, sakralen Orte. Er fühlt sich am wohlsten mitten in dieser Welt, in unserem Alltagsleben. Unter der Dusche, am Frühstückstisch, im Auto, auf dem Fahrrad, beim Bügeln, auf dem Weg zum Kindergarten, in der Knastzelle, im Büro, beim Spaziergang im Wald und selbstverständlich auch in der Kirche. Aber eben nicht nur dort. Ich kann mit Gott wirklich überall und jederzeit sprechen. Jeder muss da seinen eigenen Stil entwickeln und die geeigneten Lücken finden. Ich will Ihnen aber ein wenig davon erzählen, wie das bei mir aussieht.
Eine Zeitlang habe ich für unsere Kinder morgens die Schulbrote fertig gemacht. Dabei habe ich nicht nur überlegt, ob das Kind wohl lieber Salami oder Käse mag, sondern ich habe mir auch vorgestellt, was es heute in der Schule zu erwarten hat. Und darüber habe ich mit Gott gesprochen und ihn um Begleitung meines Kindes gebeten. Oder es gab eine Zeit, in der ich es gemeinsam mit vielen anderen Freiwilligen übernommen hatte, bestimmte Räume in unserem Gemeindehaus zu reinigen. Beim Staubsaugen hatte ich noch jede Menge Kapazität frei, mit Gott über die Gruppen und ihre Leiter zu reden, die in diesem Raum ihre Spuren hinterlassen hatten. - Das geht!
Wenn man mit Gott immer mal wieder zwischen Tür und Angel das Gespräch sucht, dann wächst auch der Wunsch, mehr Zeit mit ihm zu verbringen und richtig in Ruhe über alles zu reden. Es gibt da ein paar grundsätzliche Themen, an die müsste ich mal ran. Im Alltag finde ich einfach keine Zeit dazu. In solchen Situationen nehme ich mir eine Auszeit und versuche bei einem langen Spaziergang, meine Gedanken und Gefühle mit ihm gemeinsam zu sortieren.
Noch etwas: Bei mir war es so, dass ich im Laufe der Zeit mit Gott immer vertrauter geworden bin. Es ist ähnlich wie in der Beziehung zu Menschen auch. Am Anfang meiner Ehe habe ich meine Frau oft missverstanden. Inzwischen aber kann ich auch ihre Blicke, ihre Körperhaltung und sogar ihr Schweigen in bestimmten Situationen verstehen. In ähnlicher Weise lernt man auch immer besser, Gott zu verstehen.
Man kann das albern finden, und ich will auch gar nicht nahe legen, beim Beten so vorzugehen wie ich das beschrieben habe. Wie gesagt, jeder muss und kann da seine ganz eigenen Formen finden. Hauptsache es geschieht. Wo auch immer und wie auch immer. Gott ist jederzeit zu sprechen. An ihm wird´s nicht scheitern.
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Ständig liegen irgendwelche Formulare auf meinem Schreibtisch und warten darauf, ausgefüllt zu werden. Neben den Anträgen auf Kindergeld und BAFöG, den Fragebögen der Krankenkasse zur Familienversicherung gehört die Steuererklärung zu den Highlights jeden Jahres. Ich fürchte, in den nächsten Wochen muss ich mich wohl oder übel an die Arbeit machen. Aber nun habe ich entdeckt, dass es eigentlich gar nicht so schwierig ist. Schließlich gibt es ja eine Vorlage, eine Ausfüllhilfe, in der alles schon drinsteht. Name: Mustermann; Straße: Musterstraße in 99999 Musterstadt. Und so weiter... - Na bitte, ist doch halb so schlimm. Bleibt nur zu hoffen, dass das Finanzamt auch alles so akzeptiert.
Klar, das macht niemand. Zumindest nicht bei der Steuererklärung. Aber beim Beten! Beten - das ist ja diese Woche unser Thema an dieser Stelle. Ich treffe immer wieder Menschen, die wissen nicht was und wie sie beten sollen. Sie meinen, beim Beten käme es auf die richtigen Worte an. Um nichts falsch zu machen beschränken sie sich zum Beispiel auf das Vater-Unser. Das kann man sicher gelegentlich auch tun. Aber wir hätten gerade dieses Gebet völlig missverstanden, wenn wir es nur als Ritual verwenden.
Das Vater-Unser ist ein Muster für unser Beten. Ich könnte auch sagen: Es ist eine Ausfüllhilfe mit Beispielen wie wir beten können. Da heißt es zum Beispiel „Dein Reich komme, dein Wille geschehe…“ Ich kann Gott sagen, an welchen Stellen ich über Unrecht empört bin: „Was da abgeht ist nie und nimmer vor dir in Ordnung, Gott!“ Ich kann die Punkte konkret nennen, an denen ich mich danach sehne, dass nach seinen Maßstäben gehandelt wird. In der großen Politik, in meiner Firma oder in meinem Bekanntenkreis.
„Unser tägliches Brot gib uns heute“ – da geht es um den Erhalt des Arbeitsplatzes, die geeignete Wohnung nun wo das Kind unterwegs ist, oder auch um die Gesundheit, um am normalen Leben überhaupt teilnehmen zu können.
„Und vergib uns unsere Schuld“ – da steckt viel Sprengstoff drin, wenn wir es konkret machen und zum Beispiel beten: Vergib mir, dass ich meinen Kollegen so unfair bloßgestellt habe. Ist doch klar, dass etwas mit mir passiert, wenn ich die Dinge beim Namen nenne und Gott davon erzähle.
Gott will keine glatten Formeln und schönen Gedichte hören. Er will in unser Leben einbezogen werden. Worte sind dabei nicht das Eigentliche. Sie formulieren nur. Das heißt: Sie geben lediglich dem eine Form, was in unserem Inneren vorgeht.
Das kann man übrigens gleich jetzt in die Tat umsetzen. Anschließend folgen ja die Nachrichten. Ich bin überzeugt, dass Gott daran interessiert ist, wie ich die Nachrichten höre und was sie mit mir machen. Und dasselbe gilt auch für meine ganz privaten Dinge. Sie werden merken: So schnell geht einem der Stoff nicht aus!
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Zu Weihnachten habe ich einen Navi bekommen. Sie wissen schon, diese kleinen Dinger die einem im Auto sagen: Jetzt links halten – in 150 Metern links abbiegen – jetzt links abbiegen – und so weiter. Ich finde das ganz witzig, und am Anfang habe ich ihn auch bei bekannten Strecken eingeschaltet, um zu testen, wie gut er sich wirklich auskennt. Sie dürfen ruhig lachen, manchmal unterhalte ich mich auch mit ihm. – Da mache ich einen Abstecher zur Tankstelle, und er ermahnt mich fünfmal: „Nach Möglichkeit wenden! Jetzt wenden!“ Halt die Klappe, sage ich ihm. Ich muss jetzt Tanken. Du kannst so lange Pause machen. – Aber er macht keine Pause. Er hört mir nämlich gar nicht zu. Und er redet auch nicht wirklich mit mir.
Dass einem der andere gar nicht wirklich zuhört passiert uns ja öfters – auch bei Menschen. Und bei Gott? Wie sieht das da aus? Was geschieht eigentlich, wenn wir mit Gott im Gebet sprechen? Klar, es kann schon entspannend sein, seine Gefühle und Gedanken einmal in Worte zu fassen und einem gedachten Gegenüber zu erzählen. Aber ist das nicht nur ein rein psychologischer Vorgang, letztlich eine Illusion? Hört Gott wirklich was ich sage und interessiert es ihn überhaupt?
Wenn die Bibel vom Beten spricht, dann geht es um mehr. Sie beschreibt Gott als Person. Bitte nicht missverstehen: Person bedeutet nicht, dass er ein Mensch ist wie wir. Gott ist ganz anders als wir. Und doch ist er ein lebendiges Wesen, hat eine Meinung, einen Willen, macht sich seine Gedanken über uns. Die Bibel ist voll von Berichten, wie Menschen mit ihm ins Gespräch gekommen sind. Und das Beste ist: Gott hört nicht nur zu – er antwortet auch. Beten ist keine Einbahnstraße, sondern meint Reden und Hören!
Ich habe ihn aber noch nie gehört, sagen viele. Kannst du mir mal eine Tonbandaufnahme von ihm vorspielen? – Nein das kann ich leider nicht. Aber vielleicht kann ich ein wenig beschreiben, was in mir vorgeht, wenn Gott zu mir redet. Am besten gefällt mir die Formulierung „Es denkt in mir.“ Während ich Gott erzähle, was mich alles bewegt, entsteht auf einmal ein Gedanke, eine Vorstellung, ein Bild in meinem Innern.
Dann geht es nicht mehr darum, weiter zu grübeln, was Gott denn nun eigentlich zu meinen Fragen meint. Dann geht es darum, entsprechend zu handeln: Hinzugehen, und mich zu versöhnen – Loszulassen und eine Enttäuschung zu akzeptieren – den Hintern hoch zu kriegen und einen Vorsatz endlich umzusetzen. Das Problem ist gar nicht, ob Gott redet, sondern ob ich ihn hören will.
Billy Graham, ein bekannter Pastor aus den USA, wurde auf einer Pressekonferenz einmal gefragt: Woher wissen Sie eigentlich, dass es Gott gibt. Seine lapidare Antwort war: Ich habe gerade noch mit ihm gesprochen! - Spinnerei? - Nein! Ich kenne so etwas auch.
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Sonntag ist bei uns Telefoniertag - vor allem seit wir einen Tarif haben, bei dem wir am Wochenende kostenlos telefonieren können. Für uns ist das wirklich eine super Einrichtung, denn der größte Teil unserer Verwandtschaft und Freunde wohnt viele Kilometer entfernt in Nordrhein-Westfalen. Unsere vier Kinder sind erwachsen und führen ihr eigenes Leben. Während der Woche ist es oft schwierig, einen geeigneten Zeitpunkt zu finden. Sicher, ein paar Informationen kann man natürlich schnell auf den Anrufbeantworter sprechen. Aber Telefonieren ist doch mehr. Es geht ja gar nicht um die Sachfragen, die man innerhalb der Familie klären muss. Es geht um Beziehung. Uns interessiert, wie es den Kindern geht. Worüber freuen sie sich? Wovon träumen sie? Was beschäftigt sie? Was macht ihnen Sorgen? Was müssen sie an Frust verarbeiten? ... Auch sie haben offensichtlich ein Bedürfnis zu erzählen. Und sie wollen wissen, was wir so machen. - Vieles ist Smalltalk, aber oft geht es auch tiefer. Und manchmal fragen sie uns sogar um Rat!
Warum ich das alles erzähle? – Nun, für mich ist das Ganze ein Bild für das Gebet. Beten ist Kommunikation, ist Gespräch mit Gott. Manche Menschen denken beim Gebet an bestimmte Formulierungen, an eine besondere Stimmung und Körperhaltung, an feierliche Rituale. Aber all dies ist ziemlich unwichtig und trifft nicht den Kern.
Auf den ersten Seiten der Bibel, im Schöpfungsbericht, wird uns gesagt, dass Gott den Menschen als Gegenüber wollte. Man könnte auch sagen: Gott wollte Wesen, die mit ihm reden, die ihr Herz bei ihm ausschütten, Freude und Leid mit ihm teilen, ihn um Rat und Hilfe fragen. So sind wir von ihm geschaffen. Deshalb ist nichts selbstverständlicher, als im Gebet mit Gott zu sprechen. Gott freut sich, wenn wir das Gespräch mit ihm suchen. Beten heißt also vor allem, die Beziehung zum Vater im Himmel zu pflegen.
Ich mache davon gerne Gebrauch und empfinde das als eine wunderbare Möglichkeit. Nach außen wirke ich vielleicht selbstbewusst und entschlossen. Aber in meinem Innern habe ich doch auch viele Fragen, Befürchtungen und wunde Punkte. Mit Gott kann ich darüber reden, ohne mich zu blamieren. Vor ihm kann ich meine unsortierten Ideen und Pläne, meine ungereimten Wünsche und Ziele ausbreiten. Und von ihm kann ich mir auch reinreden lassen, ohne mich gleich zu wehren. Für mich ist Gott das Gegenüber, vor dem ich ganz ehrlich sein kann und der mich versteht. Es gibt nichts in meinem Leben, über das ich nicht mit ihm reden und das ich nicht gemeinsam mit ihm angehen könnte.
Heute ist Sonntag! Für uns bedeutet das: Wir telefonieren mit unseren Kindern. Aber mehr noch. Der Sonntag bietet sich auch besonders an, um mit Gott zu reden. Mir tut das einfach gut! Es ist mir wichtig, und ich brauche das. Schön dass heute Sonntag ist.
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