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Vorgestern habe ich den Zug um Sechs Uhr Siebzehn erreichen müssen. Also bin ich früh aufgestanden und aus dem Haus gegangen. Jetzt im Sommer war zu dieser Uhrzeit der Tag bereits erwacht.
Ich mag das, wenn morgens die Sonne scheint. Trotzdem brauche ich eine Jacke. Die Morgenfrische kitzelt in der Nase. Natürlich sind die Vögel bereits wach und pfeifen um die Wette. Und wie die Vögel so zwitschern, denke ich: das ist bei uns Menschen ähnlich. Es gibt sozusagen die frühen Vögel, die sind morgens früh munter und agil. Lerchen nennt man sie. Und es gibt Eulen, also die Nachtmenschen, weil sie wie Eulen abends und nachts fit und aktiv sind.
Und während ich über morgendliche Lerchen und Nachteulen nachdenke, frage ich mich: Wozu gehört Gott? Ist Gott eine Eule oder eine Lerche? Mein erster Gedanke: wahrscheinlich eine Lerche. Denn die Bibel erzählt, wie Gott kurz nach der Erschaffung der Welt durch die Morgenfrische im Garten Eden spaziert (1. Mose 3,8).
Und mir gefällt die Idee. Das wäre doch was. Wenn ich jetzt in der Morgenfrische, auf dem Weg zum Bahnhof, Gott treffen würde. Kommt Gott gerade da vorne um die Ecke? Oder winkt er mir von der anderen Straßenseite zu? Ja, so wird es sein: Gott ist früh auf den Beinen. Aber ich glaube sogar: er ist schon die ganze Nacht unterwegs. Unterwegs durch die Nacht und gerade in den Nächten des Lebens, wenn alles so düster scheint.
Ist Gott also doch eher eine Nachteule und keine Lerche? Oder ist er einfach immer da? Ich entscheide mich für: immer da. Gott kann mir und dir jederzeit begegnen, nicht nur auf dem Weg zum Bahnhof. So verspricht es auch die Bibel: „Siehe, der dich behütet, schläft und schlummert nicht. Gott behütet dich, damit dich am Tag die Sonne nicht steche, noch der Mond in der Nacht.“ (Psalm 121,4-6)
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Heute vor 67 Jahren, am 1. Juli 1958 ist in der Bundesrepublik Deutschland das Gleichberechtigungsgesetz in Kraft getreten. Endlich durften verheiratete Frauen auch ohne die Zustimmung ihres Mannes arbeiten gehen. Außerdem wurde noch einmal bestätigt, dass in der Ehe das Letztentscheidungsrecht nicht beim Mann liegt, sondern dass die Eheleute in ihrer Ehe gemeinschaftlich Verantwortung tragen. Und es wurde beschlossen, dass die Ehe eine Zugewinngemeinschaft ist. So wird im Falle einer Scheidung das gemeinschaftlich erwirtschaftete Vermögen geteilt und bleibt nicht allein beim Ehemann.
Allerdings ist mit dem Gesetz von 1958 die Gleichberechtigung noch lange nicht vollumfänglich erreicht worden. Es folgten weitere Gesetze. Außerdem geschieht Gleichberechtigung nicht nur im Bundestag. Sondern sie muss auch in den Köpfen und Herzen der Menschen passieren. Es gibt noch einiges zu tun, um Frauen und Männer wirkungsvoll gleich zu stellen.
Das Statistische Bundesamt hat beispielsweise ermittelt, dass es aktuell deutliche Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern gibt. Frauen verdienen häufig weniger, weil sie weniger Stunden arbeiten. Weil es immer noch die Frauen sind, die sich um die Kinder oder um die pflegebedürftigen Angehörigen kümmern. Dabei könnten dies genauso gut Männer tun, oder?
Auch in der Lebenswelt der Bibel werden Frauen und Männer selten als gleichgestellt beschrieben. Und trotzdem hat der Apostel Paulus im Brief an die Galater geschrieben: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“ (Galater 3,28) Und damit werden alle Christenmenschen gleichgestellt. Alle sind eins im Glauben.
Allerdings muss dieser Satz mehr sein als ein frommer Wunsch. Er muss ein Ziel sein, das wir im Kopf und im Herz verwirklichen – als Christinnen und Christen und als Bürgerinnen und Bürger.
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Guten Morgen …… oder heute mal: Hej! Denn so grüßen sich die Leute in Schweden. Ein Hej ist wie ein Hallo bei uns.
In Luleå, einer Stadt in Schweden, ist vor einiger Zeit eine Hej-Kampagne ins Leben gerufen worden. Die Stadtverwaltung von Luleå hat die Bewohnerinnen und Bewohner aufgerufen, sich gegenseitig zu grüßen. Jederzeit. Jede Person. Egal ob man sich kennt oder nicht. Einfach jedem Menschen ein Hej zurufen. Keine großen Worte. Ein Hallo reicht. Und es haben fast alle mitgemacht.
Tatsächlich ist in Luleå die Stimmung untereinander spürbar gestiegen. Einfach weil sich alle gegrüßt haben. Ein Hej für die gute Laune. Sogar ein Hej gegen die Einsamkeit. Denn im schwedischen Luleå, so hoch im Norden, bleibt es im Winter wochenlang dunkel. Das schlägt den Menschen aufs Gemüt. Viele fühlen sich einsam. Aber als dann alle begonnen haben sich zu grüßen, ist das mit der Einsamkeit besser geworden.
Es gibt sogar wissenschaftliche Untersuchungen dazu: bereits ein kurzer Kontakt zwischen Menschen hebt die Stimmung und hilft gegen Gefühle von Einsamkeit. Bereits ein kurzer Gruß signalisiert dem anderen: ich habe dich gesehen; du bist nicht allein. Einander sehen und sich das gegenseitig zeigen ist also total wichtig.
Die Hej-Kampagne in Luleå erinnert mich an die Hej-Kampagnen von Jesus. Jesus hat mal eine Frau an einem Brunnen angesprochen, die für die anderen am Ort eine Außenseiterin war. Aber weil sie angesprochen wurde – Hej, du! – fühlte sie sich auf einmal angenommen. Endlich hat ihr jemand das Gefühl gegeben, dass sie dazu gehört. Eine wundervolle Begegnung war das.
In Luleå, in Schweden ist nicht aus jedem Hej ein Wunder geworden. Trotzdem hat das Hej vieles verändert und möglicherweise einiges geheilt. Und darum wünsche ich Ihnen heute und allezeit ein freundliches Hej auf die Lippen oder gerne auch ein Hallo.
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„Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt./ Er setzt seine Felder und Wiesen in Stand./ Er pflüget den Boden, er egget und sät/ und rührt seine Hände frühmorgens und spät.“ So lautet die erste Strophe eines bekannten Kinderliedes. Sie kennen es bestimmt auch. Damals in der Grundschule habe ich es gelernt. Aber das Lied war schon zu meinen Kindertagen aus der Zeit gefallen. Von den Landwirten bei uns am Ort hat keiner mehr seine Pferde eingespannt, um den Acker zu pflügen.
Diesen Mangel an Aktualität haben auch andere gespürt. Und darum wurde der Text des Liedes im Laufe seiner 150-jährigen Geschichte immer wieder angepasst. Eine durchaus ideologische Aktualisierung gab es zum Beispiel im Liederbuch der DDR-Jungpioniere. Dort wurde folgende neue Strophe veröffentlicht: „Ja, so war es einst, und die Arbeit war schwer./ Jetzt schaffen Traktoren und Mähdrescher mehr;/ Und seit nun die Felder zusammengetan,/ da kommt die Genossenschaft schneller voran.“
Aber egal, in welcher Zeit das Lied angepasst wurde, selten waren es Landwirte, die die neuen Strophen geschrieben haben. Darum fehlt oft der Realismus.
Ob da die Menschen, die die Bibel geschrieben haben, realistischer waren? Zumindest wussten sie, dass Landwirtschaft keine Romantik ist, sondern Arbeit. Darum sagt die Bibel deutlich, dass es Arbeit ist, den Acker zu bestellen, und dass du danach im Schweiße deines Angesichts dein Brot essen wirst. (vgl. Gen 3,19)
Und weil ich jetzt nicht selbst für mein Brot sorge, sondern es einfach beim Bäcker kaufen gehe, darum will ich besonders jetzt im März den Menschen in der Landwirtschaft Danke sagen. Sie sorgen an erster Stelle dafür, dass ich und alle anderen Nahrung bekommen.
Im Märzen kein Bauer mehr Rösslein einspannt,/ aber ganz viel schafft – das ist doch bekannt.
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Frau Grubber ist eine leidenschaftliche Gärtnerin. Selbst im Winter vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht im Garten werkelt. Und wenn die ersten grünen Spitzchen der Winterlinge und Krokusse aus dem Boden luken, dann geht ein Lächeln über ihr Gesicht. Denn dann wird es Frühling.
Aber heute ärgert sich Frau Grubber ein bisschen. Sie hat im Radio gehört, dass heute, am 28. März, der Tag des Unkrauts ist. „Wer hat sich das bloß ausgedacht?“, fragt sie sich. Sicher, das Wort Unkraut ist nicht schön. Das haben die meisten Gewächse und Kräuter nicht verdient, dass man sie ein Unkraut schimpft. Aber gleich einen Tag des Unkrauts ausrufen – wo doch Frau Grubber oft stundenlang braucht, um die Quecken aus den Beeten zu ziehen.
Immerhin. Jetzt ist sie doch nachdenklich geworden. Giersch, Brennnessel, Löwenzahn, Spitzwegerich oder Vogelmiere können es einem im Garten schwer machen. Aber einige von diesen Unkräutern sind Heilkräuter. Außerdem findet Frau Grubber, dass ein Schöllkraut, das aus einer Straßenritze herauswächst, sehr schön zeigt: da ist noch Leben unter dem grauen Asphalt.
Klar, sie mag auch nicht alles Kraut in ihrem Garten. Und schließlich sind doch alles Pflanzen auf Gottes schöner Erde. Warum sollte da nicht jedes Kräutlein einen Sinn haben? Und wenn es nur einen Sinn für Frau Grubber hat.
Zum Beispiel findet sie: Der Löwenzahn ist fürs Träumen da. Denn, wenn aus ihm endlich eine Pusteblume geworden ist, dann kann man mit den zarten Samenschirmchen die Träume in Richtung Sonne pusten. Oder die Schlüsselblumen. Die schenkt man einem lieben Menschen und hofft, dass sie sein Herz aufschließen.
So streifen Frau Grubbers Gedanken über die Wiesen und durch die Beete, bis sie merkt: Unkraut, Heilkraut, schöne Blume. Es ist wie so oft eine Frage der Perspektive.
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Heute, am 27. März ist der Welttag des Theaters. An diesem Tag wird an die Bedeutung des Theaters für die Gesellschaft erinnert.
Leider habe ich das Gefühl, dass man vom Theater immer weniger mitbekommt. Als willkommener Zeitvertreib für die Menschen ist das Theater von Film, Fußball und Social Media abgelöst worden.
Mich fasziniert am Theater, dass auf der Bühne und im Zuschauerraum echte Menschen dabei sind. Und alles ist live. Wenn ich mich als Zuschauer trauen würde, dann könnte ich aufstehen und etwas sagen oder mich sogar ins Spiel bringen. Sicher, das macht man nicht. Man überlässt den Schauspielerinnen und Schauspielern die Bühne. Aber dass ich es könnte, macht ein besonderes Gefühl. Und darum schafft es das Theater, mich voll mit reinzunehmen.
Szenenwechsel. Im letzten Buch der Bibel, im Buch der Offenbarung, wird erzählt, dass einst Himmel und Erde neu werden. Und es wird gesagt: da wird es eine Hütte Gottes bei den Menschen geben. (vgl. Offb 21,3) Ursprünglich wurden diese Worte auf Griechisch geschrieben. Und im Griechischen heißt das Wort für „Hütte“ auch „Bühne“. Da steht also: Gottes Bühne bei den Menschen.
Und wenn ich mir das vorstelle, dann bringt mich das besonders heute am Welttheatertag auf Ideen: Die Welt ist eine Bühne – Gottes Bühne. Und auf dieser Bühne komme ich mit Gott ins Spiel. Selbst wenn ich nur Zuschauer sein will, muss ich darauf gefasst sein, dass Gott mich anspricht, denn im Theater gehöre ich immer dazu. Und weder spielt Gott allein auf der Weltbühne, noch kann ich allein auf dieser Bühne ein Einpersonenstück geben, sondern jeder Tag ist Welttheatertag.
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Der November ist ein Erinnerungsmonat. Allerheiligen. Volkstrauertag. Totensonntag. Alles Gedenktage, die mit dem Erinnern zu tun haben – vor allem mit der Erinnerung an verstorbene Menschen. Es ist wichtig, unsere Toten nicht zu vergessen. Daneben finde ich es aber genauso wichtig, mich an schöne Erlebnisse zu erinnern. Gerade in der dunklen Herbst- und Winterzeit brauche ich das besonders.
Also gehe ich zum Regal und ziehe ein Fotoalbum raus. Ich komme nämlich aus der Zeit, als man noch Fotos auf Papier hatte und sie in Alben geklebt hat. Ich setze mich aufs Sofa und blättere durch das Album, Seite für Seite, und ich staune auch ein bisschen: „Das war schön. Urlaub in Trevi. Und hier: Bilder aus meiner Jugend. Wie wir alle da ausgesehen haben. Ist ja auch etwas her. Lustig. Und da: Oma und Opa. Das war doch bei der Feier von Tante Mechthild.“ Ein Bild nach dem anderen ruft Erinnerungen wach und erzählt von warmen Tagen, von fröhlichen Menschen und von schönen Augenblicken. So viel habe ich schon erlebt.
Als ich das Album zuklappe, denke ich: Gott hat auch so ein Fotoalbum – mehr noch: Gott muss ein riesiges Regal voll mit Fotoalben haben. Da sind Bilder von uns allen drin. Niemand geht verloren. Und wenn ich mir das so vorstelle, dann kommt mir ein Vers aus Psalm 139 in den Sinn: „Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.“ (Psalm 139,16)
In Gottes Album ist mein Name aufgeschrieben, und es kleben Bilder drin, von dem, was vor mir gewesen ist. Und sogar von dem, was nach mir kommen wird. Ich bin gesehen und aufgehoben von Gott. Und ich bin sicher: nicht nur im November zieht Gott seine Fotoalben aus dem Regal und blättert sie durch. Bei Gott ist immer Erinnerungsmonat.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=41033Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Auch in der evangelischen Kirche darf man über Heilige sprechen. Sie gelten nicht als Personen, zu denen man betet, damit sie bei Gott wiederum für uns Lebende eintreten. Sondern sind einfach Menschen mit einem vorbildlichen Lebenswandel..
Heute, am 19. November, ist der Gedenktag der heiligen Elisabeth von Thüringen. Elisabeth lebte im dreizehnten Jahrhundert und war Landgräfin von Thüringen. Sie war eine sehr fromme Frau und sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, armen und kranken Menschen zu helfen. Dafür hat sie viel vom gräflichen Besitz hergegeben und auch selbst mit angepackt: Sie pflegte Leprakranke und verteilte Brot an Bettler. Das hat so manchem aus ihrer Familie nicht gefallen und es gab Ärger.
So erzählt man sich die Geschichte, dass Elisabeth wieder einmal mit einem großen Korb, voll mit frischem Brot, unterwegs war, um es an Arme zu verteilen. Auf dem Weg ist ihr ein Verwandter in den Weg getreten und hat sie zur Rede gestellt. Ob sie denn schon wieder heimlich alles an diese Elenden verprassen wolle. Die sollten lieber selbst für sich sorgen. Elisabeth solle den Korb zeigen. Leugnen zwecklos.
Als aber Elisabeth das Tuch wegzog, das über dem Korb lag, da war der ganze Korb voll mit Rosen. Die Brote hatten sich in schöne, rote Rosen verwandelt. Ein Wunder und ein wunderbares Symbol: Die Rosen als Blumen der Liebe. Und Elisabeth hatte ja ganz viel Liebe für Arme und Kranke.
Ich finde, das ist eine tolle Geschichte. Sie erzählt nämlich, wie sehr praktische Hilfe, Liebe und Schönheit zusammen gehören. Helfen und Teilen macht die Welt nicht nur besser, sondern eben auch schöner. Und „wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt.“ (EG 632)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=41032Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Vom Küchenfenster aus konnte ich auf die andere Flussseite schauen. Die Berge stiegen dort mit ihrem dichten Buchenwald steil auf. Unterbrochen wurden die Berghänge von kleinen Tälern. Schmale Täler. Baumvoll.
Besonders im Herbst lag morgens über dem Fluss ein dichter Nebel, der sich nur langsam auflöste. Und in den kleinen Tälern links und rechts des Flusses hielten sich die Nebelwolken besonders lange. Es sah aus, als würde es aus den Tälern heraus rauchen.
„Da rauchen die Füchse“, hat meine Oma dann gesagt. Und wenn es viel Nebel war, dann sagte sie, dass die Dachse auch dabei sind und manchmal sogar die Rehe. Und ich habe mir dann vorgestellt, wie Fuchs, Dachs und Reh einträchtig nebeneinander sitzen und rauchen. Pfeife oder Zigarre. Miteinander geredet haben sie auch. Mit eigenen Augen gesehen, habe ich es leider nie.
In der Bibel gibt es im Brief an die Hebräer auch so eine Nebelwolke. Da steht: „Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert.“ (Hebr 12,1)
Mit der Wolke der Zeugen sind diejenigen gemeint, die uns von Gottes Wundern erzählen. Mit eigenen Augen gesehen habe ich die Wunder leider auch nicht. Trotzdem besitzen die Wunder Gottes für mich viel mehr Wirklichkeit als Fuchs, Dachs und Reh mit Pfeife im Mund. Es sind nämlich viele, sehr viele Zeuginnen und Zeugen, die uns Wunderbares erzählen. Sie reden von Auferstehung und Heilung. Es sind viele, die das erzählen. Und das macht die Wunder glaubhaft. Viel mehr als die Geschichte von den rauchenden Tieren.
Aber etwas hat die Zeugenwolke und die angebliche Rauchwolke der Waldtiere doch gemeinsam. Bei beiden wird mir ganz warm ums Herz, weil es einfach so schön ist.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=41031SWR1 Anstöße sonn- und feiertags
Heute ist Volkstrauertag. Er wird immer zwei Wochen vor der Adventszeit begangen. Volkstrauertag ist ein staatlicher Feiertag. Seine Ursprünge reichen bis in die 1920er Jahre zurück. Damals hat man an diesem Tag an die im Krieg getöteten Soldaten des Ersten Weltkrieges erinnert. Heute denkt man an alle Opfer von Gewalt und Krieg, denkt an Kinder, Frauen und Männer aller Völker, die in den Kriegen und durch Gewaltherrschaft gestorben sind.
Vor 110 Jahren brach der Erste Weltkrieg aus. Am Anfang zogen junge Freiwillige begeistert in diesen Krieg. Doch aus der anfänglichen Kriegsbegeisterung wurde schnell bittere Ernüchterung.
Im Herbst 1914 schreibt der achtzehnjährige Soldat Robert Oelbermann von der Westfront aus Frankreich an seine Freunde zu Hause: „Und dann kam die Schlacht selbst. – Mord! Nichts als Mord! Und ein Grausen packte uns. Sind wir Menschen? Oder sind wir Tiere?! Nur die Pflicht hielt viele von uns bis zuletzt. – Konnte es das sein, wonach wir uns gesehnt, wovon wir geträumt hatten? Nein und abermals nein!“ (zitiert nach: „Wir wollen eine andere Welt“ – Jugend in Deutschland 1900 - 2010. Berlin 2010. S. 69)
Robert Oelbermann musste erleben, dass der Traum von Stärke und Überlegenheit zum Albtraum werden kann. Daran zu glauben, dass man siegen wird, ist trügerisch.
Bereits viele Jahrhunderte früher hat Jesus den eifrigen Petrus ermahnt, als dieser sein Schwert zog, um für ihn zu kämpfen. „Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der wird durchs Schwert umkommen,“ (Mt 26,52)
Manch einem kommt dieser Satz von Jesus heute wie ein frommer, weltfremder Wunsch vor. Trotzdem ist es eine allzu wahre Mahnung: Verlasst euch nicht auf die Sprache der Waffen. Sondern sprecht und verhandelt miteinander. Sucht den Frieden ohne Schwert und Raketen. Dieser Satz Jesu ist eine lebenswichtige Erinnerung – gerade am Volkstrauertag.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=41030