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SWR2 Lied zum Sonntag
Musik 1
W. A. Mozart: „Halleluja“ aus „Exsultate, jubilate“ KV 165 mit Albrecht Mayer (Oboe d’amore) und Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Das Lied zum Sonntag kommt heute aus Italien. In Mailand ist diese Musik erstmals erklungen, vor genau 250 Jahren. Der Komponist aber stammt aus Österreich. Womöglich ahnen sie es schon: Wolfgang Amadeus Mozart hat das komponiert, im jugendlichen Alter von 16 Jahren! Alles dreht sich schwungvoll um ein einziges Wort: um den christlichen Jubelruf „Halleluja“. Kein zweites Wort könnte besser sagen, was die Osterzeit bedeutet, in der wir gerade sind.
Musik 2
Mozarts „Halleluja“ mit Carolyn Sampson (Sopran) und The King’s Consort, Leitung: Robert King
Mozarts virtuose Musik lässt mich aufatmen und stimmt mich österlich. Mozart konnte vieles, was ihm begegnet ist, einfach leicht nehmen. Er will die Gegensätze spielerisch versöhnen: hoch und tief, ernst und heiter, Leid und Freude. Mir gelingt das nicht immer so gut. Wenn ich wegen eines Problems in der Stimmung des Karfreitags bin, dann stecke ich oft darin fest und alles dreht sich nur noch darum. Mozart strahlt pure Lebensfreude aus. Und Glaubensfreude. Er traut den Musizierenden viel zu. Und er vertraut darauf, dass sie in den schwindelerregenden Höhen, die er ihnen zumutet, nicht abstürzen.
Musik 3 vokale Fassung (Carolyn Sampson)
Mozarts „Halleluja“ ist der Schluss eines längeren Stückes, das mit den lateinischen Worten „Exsultate, jubilate“ beginnt. Diese Aufforderung heißt übersetzt „Jauchzt und jubelt“. Viele sind von Mozarts Musik und besonders von seinem Bravourstück „Exsultate, jubilate“ fasziniert. Zum Beispiel die österreichische Dichterin Ingeborg Bachmann. Wenn sie etwas ganz Großartiges beschreiben wollte und ihr dazu keine Worte mehr einfielen, dann borgte sie sich einfach Mozarts Klänge aus. Ingeborg Bachmann schreibt dann, dass alles so sein soll wie „Exsultate, jubilate“. (Musik)
Dabei erzählt sie auch von einem „geheimnisvollen Buch“, wie von einer Verheißung, die wirklich alles in pure Freude verwandelt. Sie schreibt: „Ein Brausen von Worten fängt an in meinem Kopf und dann ein Leuchten, einige Silben flimmern schon auf, und aus allen Satzschachteln fliegen bunte Kommas, und die Punkte, die einmal schwarz waren, schweben aufgeblasen zu Luftballons an meine Hirndecke, denn in dem Buch, das herrlich ist und das ich also zu finden anfange, wird alles sein wie EXSULTATE JUBILATE.“
Musik 4
instrumentale Fassung (Albrecht Mayer)
Ingeborg Bachmann ist begeistert von dem geheimnisvollen Buch. Vor ihrem geistigen Auge erlebt sie, wie alle, die nur eine einzige Seite daraus gelesen haben, vor Freude einen Luftsprung machen und dazu beglückt ausrufen: „Hört nur, hört! schaut nur, schaut! Ich habe etwas Wunderbares gelesen, darf ich es euch vorlesen?“ (Musik)
Für mich klingt das wie eine Vision von Ingeborg Bachmann. Und diese Vision hat für mich viel mit Ostern zu tun. Denn auch von Ostern wird in einem wunderbaren Buch erzählt – in der Bibel. Sehr spannungsvoll, so wie Mozarts Musik! Jesu Auferstehung streicht den Karfreitag ja nicht einfach durch und übertönt ihn nicht lautstark. Aber Ostern lässt alles, was dunkel ist, in neuem Licht erscheinen. Im Licht des biblischen „Halleluja“, das Mozart so unnachahmlich für uns vertont hat.
Musik 4
Schluss des Stückes (vokale Fassung)
Autoren
Text: Bibel/Liturgie, Musik: Wolfgang Amadeus Mozart (1773)
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Musik 1 festliches Bläser-Vorspiel (Gloria Brass)
Das Lied zum Sonntag führt uns heute zu einem Geburtstagsfest. Wir sind im sächsischen Städtchen Herrnhut, das in der Nähe von Zittau liegt. Gefeiert wurde dort, vor etwa 250 Jahren, der 36. Geburtstag einer Lehrerin. Sie heißt Christine Petersen. Und sie ahnt nicht, dass eines der Geschenke, die sie erhält, die Zeiten überdauern wird. Ihre Freundin Henriette Louise von Heyn hat nämlich eigens für diesen Tag ein Lied verfasst. Es heißt „Weil ich Jesu Schäflein bin“. Bestimmt haben sie es auch gleich gesungen, als das Geschenk überreicht wurde.
Musik 2 Strophe 1 und 2 – Schola Cantorum Neustadt und Johannes Götz (Orgel)
Weil ich Jesu Schäflein bin,
freu ich mich nur immerhin
über meinen guten Hirten,
der mich wohl weiß zu bewirten,
der mich liebet, der mich kennt
und bei meinem Namen nennt.
Unter seinem sanften Stab
geh ich ein und aus und hab
unaussprechlich süße Weide,
dass ich keinen Mangel leide;
und so oft ich durstig bin,
führt er mich zum Brunnquell hin.
Diese Musik spricht mich emotional sehr an und sie weckt Erinnerungen in mir. Ich meine mich zu erinnern, dass im Schlafzimmer meiner Tante ein großes, in Gold gerahmtes Bild vom Guten Hirten hing. Auf dem Gemälde trägt er ein Schaf, das sich verirrt hat, auf den Schultern wieder nach Hause. Aber ich ringe und hadere auch mit diesem Hirten-Bild. Ein willenloses Schaf will ich eigentlich nicht sein. Deshalb brauche ich auch andere, jazzige Klänge zu diesem idyllischen Lied von „Jesu Schäflein“, zum Beispiel mit Saxophon.
Musik 3 Improvisation zum Lied mit Götz Ertle (Saxophon) und Johannes Götz (Orgel)
Das biblische Bild vom Hirten mit seinen Schäflein kommt mir vor wie ein Thema in zwei „Tonarten“. Die eine Tonart ist idyllisch und pastoral, mit der „süßen Weide“ und der frischen Quelle. Die andere „Tonart“ aber ist schrill und dissonant, weil es leider nicht nur gute Hirten gibt. Schon der biblische Prophet Ezechiel kritisiert scharf die Hirten, die nur noch sich selber weiden. Er kündigt ihnen das Vertrauen auf, wenn er im Namen Gottes ausruft: „Nun gehe ich gegen die Hirten vor und fordere meine Schafe von ihnen zurück. Ich setze sie ab, sie sollen nicht mehr die Hirten meiner Herde sein.“ Das kommt mir in den Sinn, wenn ich höre, wie manche „Hirten“ zu Straftätern an ihren Schutzbefohlenen geworden sind. Auch mich macht das fassungslos und ohnmächtig.
Aber all das Finstere bringt mich nicht von diesem alten Lied weg, sondern eigentlich noch viel näher zu ihm hin! Mit seinen überschwänglichen, ganz harmonischen Bildern sagt das Lied, worauf es ankommt: Auf Jesus, den Guten Hirten. Bei der letzten Strophe hat die Dichterin Henriette Louise von Heyn vielleicht daran gedacht, wie sie Schulkinder im Lesen und Schreiben unterrichtet. Deshalb wählt sie ganz einfache Worte. Auch ich habe diese Strophe vor einiger Zeit mit Kindern bei der Erstkommunion gesungen. Da heißt es: „Denn nach diesen schönen Tagen werd ich endlich heimgetragen in des Hirten Arm und Schoß“ – ein starkes Bild für die Hoffnung, die mich trägt und die ich mir nicht nehmen lassen will, auch nicht von schlechten menschlichen Hirten.
Musik 4 Strophe 3 – Schola Cantorum Neustadt und Johannes Götz (Orgel)
Sollt ich denn nicht fröhlich sein,
ich beglücktes Schäfelein?
Denn nach diesen schönen Tagen
werd ich endlich heimgetragen
in des Hirten Arm und Schoß.
Amen, ja, mein Glück ist groß!
Quellen:
Autoren
Text: Henriette Louise von Heyn (1778), Melodie: Christian Gregor (1755)
Musikquellen
Musik 1: ARD-Archiv [BR]MR043770109; „Weil ich Jesu Schäflein bin“ (Arrangement von Walther Haffner) mit „Gloria Brass“ (Leitung: Dieter Wendel);
Musik 2–4: „Weil ich Jesu Schäflein bin“ mit Johannes Götz (Orgel und Leitung), Götz Ertle (Saxophon) und Schola Cantorum Neustadt/Schwarzwald, aus der CD „Der Herr ist mein Hirte. Der 23. Psalm in Wort und Ton“, Label Edition Benziger, Zürich und Düsseldorf 1999, LC 01393
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Musik 1 – instrumental: Improvisation über “Solang es Menschen gibt auf Erden” (Ausschnitt),
Jörg Josef Schwab, Klavier
Ein junger Mann, 25 Jahre alt, ist unterwegs auf dem Fahrrad, in Holland, an einem Sonntagnachmittag im Spätherbst. Der Radler heißt Huub Oosterhuis. Er leitet in Groningen ein Internat und schreibt an seiner Doktorarbeit im Fach Niederländische Literatur. Während er von Winsum nach Groningen radelt, im Jahr 1958, denkt er nach. Und er dichtet ein Lied, sein allererstes. Es heißt „Solang es Menschen gibt auf Erden“. Gleich am selben Abend singen die Studierenden es im Gottesdienst, und heute ist es unser „Lied zum Sonntag“.
Musik 2 – Chor: Strophen 1 und 2 mit CoroPiccolo – Strophe 1 davor Rezitation
Solang es Menschen gibt auf Erden,
solang die Erde Früchte trägt,
solang bist du uns allen Vater,
wir danken dir für das, was lebt.
Solang die Menschen Worte sprechen,
solang dein Wort zum Frieden ruft,
solang hast du uns nicht verlassen.
In Jesu Namen danken wir.
Auf dem Fahrrad kommt Huub Oosterhuis ein Vers aus der Bibel in den Sinn. In der berühmten Bergpredigt fordert Jesus seine Jüngerinnen und Jünger zum Vertrauen auf: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ Diese Zusage passt zu dem, was Oosterhuis an jenem Sonntagnachmittag in der Natur erlebt. Bibel und Natur inspirieren ihn zur dritten Liedstrophe:
Musik 3 – instrumental: Improvisation Jörg Josef Schwab und Wort (Strophe 3)
Du nährst die Vögel in den Bäumen.
Du schmückst die Blumen auf dem Feld.
Du machst ein Ende meinen Sorgen,
hast alle Tage schon bedacht.
Mit etwas Phantasie stelle ich mir vor, dass Huub Oosterhuis, dem wir inzwischen ja viele Lieder verdanken, damals auch an einem Friedhof vorbeigeradelt ist. Um Tod und Leben, um Vergänglichkeit und Hoffnung geht es nämlich in der vierten Strophe:
Musik 4 – instrumental: Improvisation Jörg Josef Schwab und Wort (Strophe 4)
Du bist das Licht, schenkst uns das Leben,
du holst die Welt aus ihrem Tod,
gibst deinen Sohn in unsre Hände,
er ist das Brot, das uns vereint.
Der niederländische Theologe Huub Oosterhuis hat später erzählt, dass er auf seiner Radtour von Winsum nach Groningen mit heftigem Gegenwind zu kämpfen hatte. Dafür ist Holland ja bekannt. Es gibt dort sogar Meisterschaften im „Gegenwindradfahren“. Da würde ich mich kaum anmelden, weil mich der Gegenwind immer ordentlich Kraft kostet, etwa auf den 13 Kilometern von zu Hause bis zum Büro.
Manchmal wird mir der Gegenwind aber auch zum Ansporn, und ich denke trotzig: Jetzt erst recht! Beides gehört zu meinem Leben und zum Glauben: Rückenwind und Gegenwind. Die Hauptsache ist, dass mich der Rückenwind nicht zu leichtfertig werden lässt, und dass der Gegenwind mich nicht entmutigt. Die letzte Liedstrophe nennt denjenigen, der mich liebevoll begleitet und mir Mut macht, wie ein Vater: „Du, Vater, bist in unsrer Mitte, machst deinem Wesen uns verwandt“. Das schöne Bild, dass Gott und die Menschen miteinander „verwandt“ sind, das stärkt mein Vertrauen und gibt meinem Leben Rückenwind.
Musik 5 – Chor: Strophe 5 mit CoroPiccolo
Darum muss jeder zu dir rufen,
den deine Liebe leben lässt.
Du, Vater, bist in unsrer Mitte,
machst deinem Wesen uns verwandt.
Quellen:
∙ Musik 1,3,4 – Improvisationen von Jörg Josef Schwab, Klavier, über das Lied „Solang es Menschen gibt auf Erden“; Begleit-CD (Track 7 und 8) zum Buch von Meinrad Walter: „Geh aus, mein Herz. Lieder der Schöpfung“. Verlag am Eschbach 2021. ISBN 978-3-86917-842-4 (der Verlag hat keinen Label-Code).
∙ Musik 2,5 – Chorsatz zum Lied: SWR-Archiv M0472059. Eigenproduktion des SWR mit dem CoroPiccolo.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=36335SWR2 Lied zum Sonntag
Musik
Give thanks with a grateful heart,
give thanks to the Holy One;
give thanks because He's given Jesus Christ, His Son.
„Give thanks“, so heißt unser heutiges Lied zum Sonntag. Es will ein Dank aus ganzem Herzen sein und heißt deshalb: „Give thanks with a grateful heart“. Der Komponist Henry Smith lebt in den USA. Dort, in Williamsburg in Virginia, hat er im Jahr 1978 eine Predigt gehört, die ihn zu diesem Lied inspiriert hat. Es ging dabei um das Thema „arm und reich“ anhand einer Bibelstelle aus dem Neuen Testament. Der Apostel Paulus schreibt der Gemeinde in Korinth, dass Gott in Gestalt seines Sohnes Jesus arm geworden ist, um uns, die Menschen, reich zu machen. Der Größte macht sich klein und schwach, um die Schwachen stark zu machen. Henry Smith bezog das ganz direkt auf sich. Er wollte nicht immer auf das schauen, wodurch ihn andere klein machen, zum Beispiel darauf, dass er schon früh erblindet ist. Sondern er wollte seinen inneren Reichtum erkennen und das allen weitersagen. Im Lied heißt es: „Jetzt lass den Schwachen sagen: Ich bin stark! Und der Arme soll sagen: Ich bin reich!“ Warum ist das so? Weil Jesus so viel für uns getan hat.
Musik
And now let the weak say: „I am strong“
Let the poor say: „I am rich“,
because of what the Lord has done for us.
Give thanks …
Wenn ich im Lied „Give thanks“ von arm und reich höre, muss ich spontan an den Schriftsteller Erich Kästner denken. Er hat nicht nur Kinderbücher wie „Emil und die Detektive“ oder „Das doppelte Lottchen“ geschrieben, sondern auch nachdenkliche Gedichte. Die Überschrift eines Büchleins heißt „Doktor Erich Kästners lyrische Hausapotheke“. Und ein poetisches Rezept darin handelt vom inneren Reichtum.
Musik
Eurobrass instrumental: Give thanks …
Kästner schreibt:
„Niemand weiß, wie reich du bist …
Freilich mein ich keine Wertpapiere,
keine Villen, Autos und Klaviere
und was sonst sehr teuer ist,
wenn ich hier von Reichtum referiere.
Nicht den Reichtum, den man sieht
und versteuert, will ich jetzt empfehlen.
Es gibt Werte, die kann keiner zählen,
selbst wenn er die Wurzel zieht.
Und kein Dieb kann diesen Reichtum stehlen.“
„Keiner weiß, wie reich du bist … (und du weißt es manchmal selber nicht.)“ So endet Erich Kästners Gedicht. Genau das will ich mir heute sagen lassen vom Lied und vom Gedicht. Manchmal habe ich die „Armutsbrille“ auf und meine Gedanken kreisen um das, was mir fehlt. Dann komme ich zum Beispiel ins Grübeln, ob ich nicht doch mehr Musik hätte machen sollen, vielleicht sogar ein Instrument studieren. Wenn ich aber die „Reichtumsbrille“ aufsetze, erlebe ich, wie Musik mein Leben bereichert, auch wenn ich eben mehr höre, als dass ich selber spiele. Musik beruhigt mich oft, aber sie inspiriert mich auch und sie kann mich im Alltag aufmuntern. Und das Lied „Give thanks“ von Henry Smith gehört schon lange zu meiner persönlichen „musikalischen Hausapotheke“.
Musik
Eurobrass instrumental
Musikquellen:
Musik 1 und 2: CD „Let nothing trouble you. Music of Arundel & Brighton in Lourdes“, Give thanks (Track 8), Michael Carver (Orgel), Anne Ward (Leitung), LC 62966
Musik 3 und 4: SWR-Archiv M0686648.012 = CD Eurobrass: „Treu ist der Herr / Faithful is the Lord“, Track 12: „Hab Dank“, Gerth Medien, Asslar
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Musik 1: Klavier Intro
Am 10. April 1944, heute vor 78 Jahren, ist diese Musik entstanden, mitsamt dem Text aus drei Strophen. Ein Amateur-Komponist – Max Josef Metzger heißt er – hat dieses Lied unter schrecklichen Umständen verfasst. Er ist damals in einem Gefängnis bei Berlin inhaftiert. Weil ein Nazi-Gericht ihn wegen Hochverrats zum Tod verurteilt hat, sucht er Trost bei Jesus Christus. Für ihn ist dieser nämlich der eigentliche Herr über Leben und Tod. Vieles ist Max Josef Metzger schon genommen worden, vor allem seine Freiheit, jedenfalls die äußere. Seinen Osterglauben aber will er sich nicht rauben lassen. Deshalb betet und singt er: „Christ, der HERR, ist auferstanden, leibverklärt in Herrlichkeit“.
Musik 2:
- Christ der HERR ist auferstanden!
Leibverklärt in Herrlichkeit.
Kündet laut in allen Landen
Freiheit! Friede! Freudenzeit!
Singt Triumph! Denn überwunden
Ist der Feind! Der HERR gebeut!
Heiland aller Sünden Wunden,
bracht‘ Er die Erlösung heut‘.
Eine Woche nachdem er dieses freudige und lebensbejahende Lied geschaffen hat, wird der 57jährige Max Josef Metzger vom NS-Regime hingerichtet. Wer war dieser Widerstandskämpfer aus religiöser Überzeugung, der auch gedichtet und komponiert hat? Metzger war eine im musikalischen Sinn geradezu „polyphone“ Existenz: Priester und Pazifist; ein Visionär, der sich mit der Spaltung der christlichen Konfessionen ebenso wenig abfinden konnte wie mit dem Krieg zwischen Völkern. Er ist fest davon überzeugt, dass politische Machthaber niemals schrankenlos herrschen dürfen, als ob sie Gott wären. Auch sie müssen sich vor einer höheren Macht verantworten. Max Joseph Metzgers König ist Christus, der auf einem Esel in die Stadt Jerusalem reitet, der dem Leiden nicht aus dem Weg geht, und der von Gott an Ostern gerettet wird. Von ihm hat er gelernt, aufrichtig zu leben.
Musik 3:
- Christ der HERR ist auferstanden,
jubelt, die ihr todgeweiht!
Der des Teufels Kampf bestanden,
uns aus Höllenfron befreit.
Nimmer in dem Leib, dem neuen,
Leben mehr im Grab verwest.
Heil’gen Lebens froh, ihr Freien,
hebt das Haupt: ihr seid erlöst!
Max Josef Metzger ging selbstbewusst, mit „erhobenem Haupt“ in den gewaltsamen Tod. Sein Lied, das er in der Osterzeit des finsteren Jahres 1944 geschrieben hat, es führt uns in das helle Zentrum des christlichen Glaubens: „Christ, der Herr ist auferstanden“. Die „Heilige Woche“, die heute beginnt, ist der Weg dorthin: von Palmsonntag bis Ostern. Max Josef Metzger hat die Glaubwürdigkeit, die der Kirche heute oft fehlt, ganz kompromisslos gelebt. Ein Grund mehr für seine Seligsprechung, hoffentlich bald! Weil er mit Jesus gelebt hat, konnte er sogar mit österlichen Gedanken sterben. Sein geradezu hymnisches Lied mag uns einstimmen in diese besondere Woche, deren „Ouvertüre“ heute der Palmsonntag ist.
Musik 4:
- Christ der HERR ist auferstanden!
Erstling Seiner Heil’gen Schar.
Heil und Leben alle fanden
An des Herren Kreuzaltar.
Die mit Ihm ihr war’t gestorben,
Auferstanden seid ihr heut‘.
Was im Tod Er euch erworben,
Euer ist’s: die Herrlichkeit!
---------------------------------
Christ, der Herr, ist auferstanden
Komponist: T + M: Max Josef Metzger, komponiert am 10.04.1944
Eigenproduktion SWR, Studio Freiburg, mit Eduard Wagner (Tenor) und Jörg Josef Schwab (Klavier) am 4. April 2022
SWR2 Lied zum Sonntag
Musik 1
Felix Mendelssohn Bartholdy: Ausschnitt aus der Ouvertüre zum Oratorium „Elias“
Eine turbulente Musik! Felix Mendelssohn Bartholdy lässt uns hören, wie innerlich aufgewühlt der biblische Prophet Elias ist. Elias geht es so, wie es vielen heute geht. Er ist oft „mütend“ – das ist eine Mischung aus müde und wütend. Er ist kraftlos und gleichzeitig will er das Gute durchsetzen und verzweifelt an seiner übergroßen Aufgabe. Wenn etwas schiefgeht, sucht er die Schuld gern bei den anderen. Und am liebsten wäre es ihm, wenn Gott aus dem Himmel herabkäme, um ihm zu helfen, möglichst laut und spektakulär:
Musik 2
Elias: „Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!“
Der Prophet Elias ist mir sympathisch, weil er kein Blatt vor den Mund nimmt und sich mutig mit den Mächtigen anlegt. Er stellt alle zur Rede, vor allem seinen Gott. Aber er ist auch verbittert und enttäuscht. Er isoliert sich und führt lange Monologe. Weil Gott sich nicht zeigt, verliert er alle Kraft und überhaupt die Lust am Leben. „O, dass meine Seele stürbe“, singt er verzweifelt. Doch dann hört er in Mendelssohns Elias-Oratorium – nach zwei beruhigenden tiefen Klängen der Streichinstrumente – eine sanfte Stimme von oben, wie ein Engel: „Sei stille dem Herrn.“
Musik 3
Elias: „O, dass meine Seele stürbe, dass meine Seele stürbe“; und Alt-Solo:
„Sei stille dem Herrn und warte auf ihn;
der wird dir geben, was dein Herz wünscht.“
„Sei stille dem Herrn“. Unser Lied zum heutigen Sonntag ist ja gar nicht so still, sondern ganz bewegt. Aber es atmet die innere Ruhe, die mir manchmal fehlt, wenn ich „mütend“ bin wie Elias, oder wenn es mir schwerfällt, meine widersprüchlichen Gedanken zu sortieren. Manchmal gelingt es mir dann, aus der Musik Kraft zu schöpfen, sodass sich irgendwie der Knoten löst und sich eine neue Perspektive eröffnet. Die Musik sagt dann mehr, als was mir selber gerade einfällt. Sie nimmt mich mit auf ihrem Weg, Takt für Takt, so wie das von Mendelssohn komponierte Gebet „Sei stille dem Herrn“. Am schönsten darin klingt für mich die Pause kurz vor dem Schluss. Da passiert nichts Spektakuläres. Eigentlich hören wir nichts. Und doch ist in diesem stillen Moment alles gesagt. Das wünsche ich mir und uns an diesem Sonntag: Keine Stille, die leer ist oder langweilig. Sondern diese Momente, wenn Musik uns tief anspricht, wenn sie vielleicht sogar zu einem Gebet wird und wenn eine Pause mehr sagt als viele Worte.
Musik 4:
„… der wird dir geben, was dein Herz wünscht. Sei stille dem Herrn“ (Schluss)
SWR2 Lied zum Sonntag

Musik 1 Intro zum Lied „O Herr, wenn du kommst“
Am Freiburger Münster fasziniert mich vieles. Der vielleicht schönste Turm auf Erden und die Glasfenster ganz besonders. Aber auch die Eingangshalle unter dem Turm mit ihren bunten Figuren. Hier sind viele Szenen dargestellt, wie Gott zu den Menschen kommt. Auch unser Lied zum Sonntag heute erzählt davon: „O Herr, wenn du kommst, wird die Welt wieder neu“. Die Pädagogin Helga Poppe hat das Lied im Jahr 1975 gedichtet und komponiert.
Musik 2 Strophe 1
O Herr, wenn du kommst, wird die Welt wieder neu,
denn heute schon baust du dein Reich unter uns,
und darum erheben wir froh unser Haupt.
O Herr, wir warten auf dich; o Herr, wir warten auf dich.
„O Herr, wir warten auf dich.“ Das sagen auch die Figuren am Freiburger Münster. Zum Beispiel die jungen Frauen aus einem Gleichnis, das Jesus erzählt hat. Fünf Frauengestalten an der linken Wand der Portalhalle schauen erwartungsvoll zu Christus, der ihnen mit einer einladenden Geste den Weg zeigt. Warum heißt es von diesen orientalischen Frauen, dass sie klug seien? Weil das Warten sie nicht entmutig hat, dürfen sie als Brautjungfern den Bräutigam zur Hochzeit geleiten. Damit es ein eindrucksvoller nächtlicher Hochzeitszug wird, brauchen sie Lampen und Öl. Genau davon handelt die zweite Strophe unseres Liedes, in der es heißt: „… drum brennt unser Licht und wir bleiben wach“.
Musik 3 Strophe 2 und 3
O Herr, wenn du kommst, wird es Nacht um uns sein,
drum brennt unser Licht und wir bleiben wach.
Und wenn du dann heimkommst, so sind wir bereit.
O Herr, wir warten auf dich; o Herr, wir warten auf dich.
O Herr, wenn du kommst, jauchzt die Schöpfung dir zu,
denn deine Erlösung wird alles befrein.
Das Lied wird von all deiner Klarheit durchstrahlt.
O Herr, wir warten auf dich; o Herr, wir warten auf dich.
Auch wenn es in der Musik so schön klingt – ich mag das Warten leider gar nicht. Ich bin ungeduldig. Wenn ich einen Artikel für eine Zeitschrift geschrieben habe, dann will ich das am nächsten Tag schon fertig gedruckt in der Hand halten. Aber so schnell geht es eben nicht. Auch unser Lied drängt fast schon ungeduldig nach vorn, vom ersten Ton an. Und am Ende kommen dann ganz neue Harmonien ins Spiel. Die letzte Zeile klingt höher, als es die Tonart eigentlich will. Das ist ein schönes Warten, wenn das Ziel schon in den Blick kommt. Diesen Schluss der Melodie mag ich besonders. Denn im Warten spüre ich zwar noch meine Ungeduld. Aber ich spüre auch schon, wie das Ziel näherrückt. Manchmal gelingt es mir sogar, das Warten auszukosten. Am besten geht das mit Musik! Die letzte Strophe unseres Liedes ist voller Vorfreude auf ein „Fest ohne Ende“, das für uns bereitsteht.
Musik 4 Strophe 4
O Herr, wenn du kommst, hält uns nichts mehr zurück.
Wir laufen voll Freude den Weg auf dich zu.
Dein Fest ohne Ende steht für uns bereit.
O Herr, wir warten auf dich.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=34331SWR2 Lied zum Sonntag
Musik
Bei solchen Klängen kann ich ausruhen, im Sommer die Seele baumeln lassen. Musik im Sechsachteltakt, sanft bewegt, aber zugleich in sich ruhend. Diese Musik stammt von Louis Lewandowski. Er hat um die Mitte des 19. Jahrhunderts in der jüdischen Gemeinde Berlin gewirkt. Dort hat er Chöre geleitet und komponiert. Im Mittelpunkt steht hier der vielen vertraute 23. Psalm: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln, auf grasigen Auen lässt er mich ruhn, an stille Wasser leitet er mich.“
Musik
„Der Herr ist mein Hirte“. Mir gefällt, wie mein Leben sich in diesem Psalm gleichsam spiegelt: mit seinen Höhen und Tiefen. Da kann ich innerlich mitgehen auf der „Psalm-Wanderung“ von Louis Lewandowski. Das Hauptthema heißt Vertrauen. Das Vertrauen soll mein Leben so „tragen“, wie der gute Hirte eines seiner Schäfchen trägt und schützt. Aber der Psalm ist mehr als ein idyllisches Bild. Er nennt auch die dunklen Stunden mit dem Wort „Todesschatten“. Und hier wechselt die Musik von Dur nach Moll. Der Chor singt: „Auch wenn ich wandle im Tal des Todesschattens, fürcht‘ ich kein Leid, kein Leid, denn du bist bei mir.“
Musik
Wenn ich diesen Psalm höre, kommen mir die jüdischen Sängerinnen und Sänger in den Sinn, die ihn zuerst gesungen haben und bis heute singen: in Synagogen, in Schulen und zu Hause. In guten und in schrecklichen Tagen. Im nationalsozialistischen Rassenwahn wurden Millionen von ihnen ermordet, vielleicht mit Psalmen im Herzen und vielleicht auch auf den Lippen. Haben die Psalmen ihnen geholfen? Das weiß ich nicht. Aber ich hoffe es!
Musik
Mich inspirieren die Psalmen immer wieder. Vor allem dann, wenn ich sprachlos bin. Sprachlos vor Freude, aber auch manchmal sprachlos vor Ärger, wenn mal alles drunter und drüber geht. Psalm 23 sagt mir dann, dass es noch eine wichtigere Perspektive gibt. Wichtiger als das, was ich gerade erlebe. Am Schluss stehen die hoffenden Worte: „Ja, nur Glück und Heil folgen mir nach all‘ meine Lebenstage, und ich kehr‘ zurück in das Haus des Ewigen für die Dauer der Zeiten.“
Musik
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CD Louis Lewandowski: Eighteen Liturgical Psalms. Hungarian Radio Choir. Leitung: Andor Izsák. Label Deutsche Grammophon 2020. LC 0173.
Musik 1 Louis Lewandowski, Psalm 23 – Orgelvorspiel
Musik 2 Vorspiel und Vers 1 + 2 aus Psalm 23
Musik 3 Vers 4
Musik 4 Orgelvorspiel (Ausschnitt)
Musik 5 Vers 6 (Schluss der Komposition)
SWR2 Lied zum Sonntag

Musik
Das Lied zum Sonntag heute ist schon etwa 350 Jahre alt. Der Verfasser heißt Joachim Neander. Er ist mit nur 30 Jahren im Mai 1680 gestorben. Doch unsterblich ist bis heute sein Lied „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“.
Musik
Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren,
meine geliebete Seele, das ist mein Begehren.
Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf,
lasset den Lobgesang hören.
Joachim Neander will in und mit der Schöpfung singen. Er hat seine Gemeinde gern in Gottes freier Natur versammelt, manchmal auch in einer Berghöhle. Das Echo, das sich hier in dieser Höhle beim Singen einstellt, hat Neander sogar in sein Lied mit eingebaut. Später ging dieses Echo in den Gesangbüchern leider wieder verloren. Aber gleich hören wir es am Cembalo, sogar als Doppel-Echo! Vielleicht will Joachim Neander uns damit sagen, dass Mensch und Natur so eng zusammengehören wie die Musik und ihr Echo.
Musik
Als Jugendlicher habe ich in unserem dörflichen Kirchenchor dieses Lied gern gesungen, in Form einer Lied-Kantate des Frankfurter Organisten Helmut Walcha. Wenn der katholische und der evangelische Chor im Kanon gesungen haben, dann hat das sogar eine ökumenische Bedeutung bekommen: Wir singen das Gleiche, aber doch zeitlich gestaffelt. Helmut Walcha komponiert den Kanon kunstvoll bei den Liedworten „Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet“.
Musik
Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet,
der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.
In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott
über dir Flügel gebreitet.
Joachim Neander empfiehlt den Sängerinnen und Sängern seines Liedes, wo sie es singen können – nämlich: „im Grünen, auf Reisen und zu Hause“. Die Familie des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer hat „Lobe den Herren“ als festliche Hausmusik gesungen. Und zwar in der Vertonung, die wir gerade gehört haben. Wenige Wochen, bevor die Gestapo ihn verhaftet hat, hat Bonhoeffer am Klavier den Familienchor zum 75. Geburtstag seines Vaters geleitet. Der Vater hat ihm noch einen Dankesbrief ins Gefängnis geschickt. Er schreibt: „Bei all der Unruhe, die wir jetzt haben, ist uns die Kantate über ‚Lobe den Herren‘, die Du für meinen 75sten Geburtstag mit den Enkeln und Geschwistern einstudiert hast, eine schöne Erinnerung, und die wollen wir festhalten.“
Musik
Das schon 350 Jahre alte Lied „Lobe den Herren“ begleitet mich schon lange auf meinem Lebensweg. Immer wieder nehme ich mir Zeit, darüber nachzudenken. Vom ersten Impuls „Lobe den Herren“ bis zum allerletzten Wort im Lied, dem feierlichen „Amen“. Die letzte Strophe gefällt mir am besten in Johann Sebastian Bachs Vertonung: ein krönender Abschluss mit Trompeten und Pauken.
Musik
Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen.
Alles, was Odem hat, lob ihn mit Abrahams Samen.
Er ist dein Licht; Seele, vergiss es ja nicht.
Lobende, schließe mit Amen!
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Musikangaben:
„Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“
(Evang. Gesangbuch Nr. 316/317, kath. Gotteslob Nr. 392)
Text: Joachim Neander (1680), Melodie Halle 1741 nach Stralsund 1665
Musik 1+3+5: Improvisationen von Jörg Josef Schwab, Cembalo, über das Lied „Lobe den Herren“ auf der Begleit-CD zum Buch Meinrad Walter: „Geh aus, mein Herz. Lieder der Schöpfung“.
Musik 2: „Lobe den Herren“ (Strophe 1) aus der CD „Aus meines Herzens Grunde“ mit Andreas Weller (Tenor) und Kay Johannsen (Orgel).
Musik 4: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“. Kantate für zwei- bis vierstimmigen Chor, Bläser und Orgel von Helmut Walcha. Chor der Himmelfahrtskirche, München. Leitung: Heinz Schnauffer.
Musik 6: J. S. Bach: Kantate „Lobe den Herren“ (BWV 137), Schlusschoral. Leitung: Ton Koopman.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=33297SWR2 Lied zum Sonntag
(Evang. Gesangbuch Nr. 432, Kath. Gotteslob Nr. 468)
Musik 1 Improvisation zum Lied von Jörg Josef Schwab, E-Piano
CD zum Buch „Geh aus, mein Herz. Lieder der Schöpfung“ (2021)
Schwungvoll kommt es daher, unser Lied zum Sonntag heute. Jörg Josef Schwab, Münsterorganist in Freiburg, improvisiert darüber auf dem E-Piano. Mich fasziniert es, wenn Musiker nicht nur das spielen, was in den Noten steht, sondern wenn sie frei zu einem Lied improvisieren. Da freuen sich meine Ohren, weil es frisch klingt, spontan und aus dem Moment geboren. Wenn ich höre, was die Finger des Pianisten hier beim Lied „Gott gab uns Atem“ so alles machen, erlebe ich das Lied ganz neu. Und ich bin einfach dankbar, dass es diese Musik gibt!
Gott gab uns Atem, damit wir leben.
Er gab uns Augen, dass wir uns sehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben,
dass wir auf ihr die Zeit bestehn.
Den Liedtext hat der Pädagoge und Liedermacher Eckhart Bücken verfasst. Der Komponist unseres Liedes heißt Fritz Baltruweit. Und so klingt es, wenn Fritz Baltruweit und seine Musiker dieses bekannte neue geistliche Lied singen und spielen, auf einer Schallplatte, die vor fast 40 Jahren herauskam.
Musik 2 Studiogruppe Fritz Baltruweit: Strophe 2 des Liedes „Gott gab uns Atem“
aus der LP „Es sind doch deine Kinder“ (1983)
Gott gab uns Ohren, damit wir hören,
Er gab uns Worte, dass wir verstehn.
Gott will nicht diese Erde zerstören,
Er schuf sie gut, er schuf sie schön.
So mag das vielleicht auch geklungen haben, als das Lied „Gott gab uns Atem“ zum ersten Mal öffentlich zu hören war. Die Uraufführung war im Sommer 1982 auf der ostfriesischen Insel Spiekeroog, bei einem Radiogottesdienst. Da wäre ich als Liederforscher gern mit dabei gewesen. A propos „Uraufführung“. Unser Lied „Gott gab uns Atem“ erzählt mir, dass mein erster Atemzug auch eine Art „Uraufführung“ war. Die ersten Schritte jedes Kindes sind es, vielleicht sogar die ersten Worte jedes neuen Tages. Auch den heutigen Tag will ich so angehen, wie eine Uraufführung, und mit diesem Lied „neu ins Leben gehn“.
Musik 3 Strudiogruppe Fritz Baltruweit: Strophe 3 des Liedes aus der
CD „Gott gab uns Atem. Lieder aus 5 Jahrzehnten“ (2013)
Gott gab uns Hände, damit wir handeln,
Er gab uns Füße, dass wir fest stehn.
Gott will mit uns die Erde verwandeln,
Wir können neu ins Leben gehn.
Ich bin gespannt, welche „Uraufführungen“ dieser Tag für mich bereithält. Zum Beispiel, wenn ich etwas, was mir längst vertraut ist, ganz neu verstehe: ein Gedicht, eine Musik oder sogar einen Menschen. Oder wenn ich, schlicht und ergreifend, eines der Rezepte ausprobiere aus dem Kochbuch, das ich neulich geschenkt bekommen habe. (Musik Impro beginnt)
Auch das Improvisieren will ich dabei nicht vergessen und im richtigen Moment das Rechte entscheiden, auch mal eine Planung wieder durchstreichen. Ich will nicht konzeptlos handeln, sondern wie Musiker, wenn sie improvisieren: planvoll und zugleich spontan. Das hoffnungsstarke Lied „Gott gab uns Atem“ macht mich zuversichtlich, dass es heute gelingt. Und das wünsche ich allen, die diese Klänge jetzt hören.
Musik 1 Improvisation zum Lied von Jörg Josef Schwab, E-Piano (2021)
Quellen:
Musik 1+4: Improvisation von Jörg Josef Schwab, E-Piano, über das Lied „Gott gab uns Atem“ auf der Begleit-CD zum Buch Meinrad Walter: „Geh aus, mein Herz. Lieder der Schöpfung“. Verlag am Eschbach 2021. ISBN 978-3-86917-842-4 (der Verlag hat keinen Label-Code).
Musik 2: LP Fritz Baltruweit Studiogruppe: „Es sind doch deine Kinder“ 1983, daraus „Gott gab uns Atem“. tvd-Verlag Düsseldorf. LC 05648.
Musik 3: CD Fritz Baltruweit Studiogruppe: „Gott gab uns Atem. Lieder aus 5 Jahrzehnten“ (2013), daraus das gleichnamige Lied. tvd-Verlag Düsseldorf. LC 05648.
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