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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Was krieg ich denn dafür? Ich finde, diese Frage ist pures Gift für das Zusammenleben. Nicht nur für das Zusammenleben in der Familie, sondern auch für das Zusammenleben als Paar. Nichts macht die Liebe so kaputt wie solche Sätze: Warum soll ich denn schon wieder zum Elternabend gehen, du bist doch dran! Ich soll dich zur Arbeit fahren? Und vorher noch schnell dein Hemd bügeln? Und was krieg ich dafür?
Das kann man machen als Paar. Dann kann man aber auch gleich eine Aktiengesellschaft gründen.
Liebe ist ein Gut, das mehr wird, indem man es verschwendet. Dieser Satz gehört nicht ins Poesiealbum, sondern ins Inventar jedes Paartherapeuten. Der amerikanische Scheidungsforscher John Gottman hat dafür sogar eine Formel erfunden, den „Dow Jones Index der Liebe" Die Formel ist kurz. Sie lautet: Gib in der Liebe mehr als du kriegst.
Wenn immer nur eine oder einer gibt und gibt und der andere fast nur noch nimmt, dann entsteht ein Ungleichgewicht. Wenn aber beide mehr geben, als sie nehmen, dann fließt das gegenseitige Geben und Nehmen hin und her. Dann fließen gegenseitiges Lob, gegenseitige Anerkennung, Hilfe, Unterstützung, Wertschätzung. Kurz: es fließt die Liebe. Und niemand  hat dabei das Gefühl zu kurz zu kommen. Darum ist es auch völlig egal, wenn der Kontostand auf der einen Seite mal mehr belastet ist, als auf der anderen - weil einer im Moment mehr nehmen muss als er geben kann.
Genauso ist das, glaube ich, bei der Kindererziehung. Auch Kinder sind kein krisenfestes Konto, von dem man später wieder abheben kann. Wir lieben sie und geben ihnen mehr als genug, einfach deshalb, weil sie da sind. Kinder, die das spüren, werden dann auch selber großzügig geben können und müssen nicht immer fragen: Was krieg ich denn dafür?
Verschwenderisch investieren in die, die man liebt. Ich glaube, dass das die Glücksformel ist, nach der uns Gott geschaffen hat. So hat Gott die ganze Welt geschaffen. Mit einem Übermaß an allem, was wir brauchen, um leben zu können. So kommt Leben in Gang, von dem es in der Bibel heißt: „Es war sehr gut."
Leben wird gut, wenn man großzügig ist. Warum eigentlich sind wir dann so kleinlich, und rechnen einander alles auf? Es geht doch auch anders. Viel besser sogar.

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