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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW


Nicht erschrecken! Rät uns die evangelische Kirche für das Neue Jahr. Sie nimmt damit einen Rat auf, den Jesus seinen Jüngern gegeben hat. „Erschreckt nicht! Sondern ver-traut auf Gott und vertraut auf mich.“ Dieses biblische Leitwort soll einem helfen, sich für die kommenden Monate zu orientieren.
Nicht erschrecken! Das ist ein guter Rat, finde ich. Denn Angst ist ein schlechter Ratge-ber. Nicht nur, dass man zu zittern anfängt, wenn man Angst hat, und wenn man zittert, dann wird man unsicher und macht leicht Fehler. Wenn man Angst vor der Zukunft hat, wird man auch egoistisch. Dann bringt man erst einmal die eigenen Schäfchen ins Tro-ckene. Es ist nicht wahr, dass die Solidarität und die Nächstenliebe zunehmen, wenn die Zeiten schlechter werden. Wenn Leute Angst haben vor der Zukunft, dann sorgen sie zu-erst und vor allem für die eigenen Bedürfnisse. Dadurch aber bleibt am Ende jeder für sich allein. Und dann kommt die Angst erst recht. Angst hat man, wenn niemand da ist, mit dem man zusammen der Zukunft entgegen gehen kann.
Deshalb: Nicht erschrecken! Angst lässt die Probleme bloß größer erscheinen. Aber was kann man tun, gegen die Angst? Vertrauen, rät Jesus seinen Jüngern und das Jahrsmotto der Kirche gibt das weiter. Vertrauen auf Gott. Also darauf, dass Gott es gut mit mir meint und mich nicht im Stich lässt. Das heißt nicht: alles wird gut. Es wäre naiv, dass zu meinen. Natürlich kann es Krisen geben, auch in diesem Jahr. Natürlich kann es auch Niederlagen geben und wahrscheinlich werde ich auch in diesem Jahr Dinge falsch ma-chen, obwohl ich doch eigentlich gern alles richtig machen möchte. Aber Gott wird mich nicht fallen lassen. Vor ihm brauche ich mich nicht zu schämen, wenn etwas schief geht. Er wird mir helfen, wieder aufzustehen. Das hilft ein Stück weiter gegen die Angst, finde ich.
Deshalb: Nicht erschrecken, sondern auf Gott vertrauen. Und auf Jesus. Auf Jesus und auf seine Art, durchs Leben zu gehen, gerade in schwierigen Zeiten. Von Jesus kann man lernen, dass man nicht der oder die Größe und Beste sein muss, um ein erfülltes Leben zu haben. Worauf es wirklich ankommt, sind nicht die Erfolge, die man hat – sondern die Menschen, die mit einem leben. Die Menschen, die da sind, wenn ich Angst kriege und nicht weiter weiß. Die Menschen, für die ich vielleicht einen Rat habe, wenn sie es brau-chen.
Wer sich auf Gott verlässt, muss nicht vor allem für sich selber sorgen. Wer sich auf Gott verlässt, kann auf andere zugehen und für sie da sein. Dann wird die Angst kleiner. So verstehe ich das biblische Leitwort für das neue Jahr..

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