Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

04MRZ2024
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Gott als Müllmann oder als Eisglätter. Von diesen beiden ungewöhnlichen Bildern habe ich gehört, und ich finde sie richtig gut.

Über das erste Bild habe ich bei der Autorin Susanne Niemeyer gelesen. Sie schreibt: „Bei der Müllabfuhr zu sein, ist ja eigentlich kein schöner Beruf. Man räumt den Dreck anderer Leute weg, und meistens stinkt es. (…) Eine unappetitliche Sache, alles in allem.“ Doch „einer muss es ja machen, denn wenn es keiner täte, dann bliebe ja unser ganzer Müll auf der Erde, und es stänke zum Himmel.“ Und dann stellt Susanne Niemeyer sich vor, wie es wäre, wenn Gott riefe: „Bring den Müll runter, nur her mit dem ganzen Dreck, dem Frust, dem Abfall, allem, was stinkt und was auf deiner Seele liegt und sie schwer macht. Ich kümmere mich darum.“

Gott – der Dreckwegmacher in oranger Jacke. Ich mag das Bild. Und ich habe auch schon erfahren, wie gut es tut, wenn ich Gott all meinen Müll hinlegen kann. Wenn ich am Abend nach einem Tag, an dem gefühlt alles schiefgelaufen ist, zu Gott bete: „Heute hab ich mich oft geärgert – über mich. Über andere. Räume weg, was den Tag so schwer gemacht hat, sodass morgen Platz für Neues ist, und hilf mir, mich nur dann zu ärgern, wenn es sich lohnt.“

Vom anderen Bild für Gott hat mir eine Kollegin erzählt. Sie liebt das Eiskunstlaufen. Sie sagt: Gott ist wie der Fahrer einer Zamboni, einer Eisbearbeitungsmaschine. So eine, die beim Eiskunstlauf oder Eishockey die Eisfläche wieder glatt macht. Wenn eine Zamboni über die Eisfläche fährt, wird erst die oberste Schicht abgekratzt und dann kommt ein wenig warmes Wasser auf die Eisfläche. Durch die Wärme taut das darunterliegende Eis etwas an, sodass die neue Eisschicht fest mit dem alten Eis zusammenfriert. Auf der glänzenden Eisfläche sind neue Wege möglich. Keine Gefahr mehr, in die Spurrillen der anderen zu geraten. Und letztlich hinzufallen, weil sie für mich nicht taugen. Und auch meine eigenen Kratzspuren werden durch das warme Wasser geglättet.

Müllabfuhr und Zamboni – zwei ungewöhnliche Gottesbilder. Und wie jedes andere Gottesbild begrenzt. Keines trifft allein und 100-prozentig zu. Aber die Bilder helfen mir, nicht müde zu werden, über Gott nachzudenken. Und deshalb gefallen mir die beiden Vorstellungen, dass Gott mir aus dem Müllauto zuwinkt oder dass er auf der Eisfläche in einer Zamboni für mich hin- und herfährt.

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