Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

23FEB2024
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Unsere biblische Lesung für den kommenden Schabbat erläutert die Kleiderordnung der Priester der Israeliten im Heiligtum.  Sie zeichneten sich nicht durch Prunk und Pracht aus.  Diese Schlichtheit sollte sowohl den Israeliten als auch den Priestern deutlich machen, dass sie keine privilegierte, begünstigte, herrschende Klasse in Israel bildeten, sondern ausschließlich Diener des einen und einzigen G-ttes waren, deren Aufgabe es sein sollte, den Tempeldienst zu verrichten. Der Zweck dieser Tätigkeit war spirituell.  Nach dem Talmud sollten die Kleidungsstücke, die die Priester während ihres heiligen Dienstes trugen, das Erwirken der Sühne für das Volk symbolisieren, wie z. B. der weiße Mantel.  Das Tragen der Beinkleider hingegen sollte das Volk ermahnen, unmoralische Gedanken abzulehnen.  Der Gürtel erinnerte daran, dass man sich gegen unwürdige Versuchungen von außen wappnen und gürten sollte.  Der priesterliche Brustschild hatte das Ziel, begangenes Unrecht zu sühnen und das Volk zur Umkehr zu bewegen.  Das "Ephod", das Kleidungsstück, das wie eine Schürze getragen wurde, sollte eine ständige Warnung vor Götzendienst sein. 

Die Tora gibt in diesem Abschnitt auch ein Lehrbeispiel, das sich durch die gesamte antike Geschichte der Israeliten zieht, nämlich die strikte und konsequente Trennung der staatlichen Macht und Führung von den Ämtern des Kultes.

Auch heute noch - seit fast 2000 Jahren gibt es kein Tempelheiligtum mehr - sind in den jüdischen Gemeinden in aller Welt die Ämter und Tätigkeiten der demokratisch gewählten Gemeindevorsteher und die der gewählten Rabbiner strikt voneinander getrennt.  Auf diese Weise funktionieren die traditionellen Institutionen auch heute noch und ermöglichen das Fortbestehen unserer Gemeinden.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39351
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