SWR3 Gedanken

01DEZ2023
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Das Radio ist gerade 100 Jahre alt geworden. Dieses Ereignis wurde in den Medien gebührend gefeiert. Ausschnitte aus vielen denkwürdigen Radiosendungen wurden ausgestrahlt, ebenso wie Beiträge von bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich in historischen, gesellschaftlichen und politischen Ereignissen verewigt haben. Die meisten der heutigen Hörerinnen und Hörer konnten diese Ausschnitte aus den unvergesslichen Radiosendungen mit Interesse und auch mit Erstaunen hören. Für mich als Kind eines osteuropäischen Landes, das bis in die 1980er Jahre von Demokratie und Meinungsfreiheit ausgeschlossen war, haben diese 100 Jahre Rundfunk besondere Erfahrungen und Erkenntnisse gebracht. Damals, während des so genannten "Kalten Krieges", konnte ich meinen Vater beobachten, wie er Abend für Abend vor dem Radiogerät saß. Gebannt lauschte er den Nachrichten aus der freien Welt, wie der BBC und der Voice of America sowie der Deutschen Welle, die uns die Augen für die Sicht der freien Welt auf unsere kommunistische Indoktrination in den 1950er und 1960er Jahren öffneten.  Diesen freien Sendern zuzuhören, war nicht ungefährlich, denn der kommunistische Staat verfügte über zahlreiche Spitzel, die es auf jeden Bürger abgesehen hatten. Bis heute bin ich diesen freien Stimmen westlicher Sender dankbar, die mich lehrten, offene und freie Meinungsäußerung zu schätzen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=38870
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