SWR3 Gedanken

02DEZ2023
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ich hab gedacht, ich trau meinen Augen nicht, als ich das las. Wegen „anstößiger und gewaltsamer Inhalte“ hat ein Schulbezirk im US-Bundesstaat Utah die Bibel aus Grund- und Mittelschulen verbannt.

Und ich denke: natürlich, in der Bibel kommt der Mensch vor, so wie er ist – mit seinen erstaunlich guten Seiten, seiner Mitmenschlichkeit, Kreativität und Liebe; aber halt auch mit seinen nicht so guten Seiten: Gewalt in all seinen Facetten. Ehrlich gesagt, finde ich die Bibel gerade deshalb so gut und weise: Die Bibel ist ehrlich, realistisch, schonungslos. So wie wir Menschen, so wie das Leben.

Das Argument derjenigen, die die Bibel aus den Schulen verbannt haben, lautet: Besonders Kinder müssen vor der Gewalt in der Bibel geschützt werden. Nun ist mein Eindruck eher: Kinder sind nicht naiv, Kinder erfahren sehr schnell, dass es Ungerechtigkeiten, Neid und Eifersucht gibt, Gewalt und Tod. Da hilft es niemandem, wenn nur über den „lieben Gott“ oder den „freundlichen Jesus“ gesprochen wird.

Ich glaube eher, dass wir Erwachsenen ein Problem haben, nicht die Kinder: unser Schweigen, unsere Sprachlosigkeit, unsere Hilflosigkeit. Ich glaube, wir Erwachsenen müssen wieder lernen, auch über die unschönen Seiten von uns Menschen und des Lebens zu reden. Und DA kann die Bibel eine große Hilfe sein. Zumal die Bibel - bei allem Realismus - an der Hoffnung festhält: ja, wir Menschen sind so, ja, das Leben ist so, aber da gibt es einen, der an uns glaubt, der glaubt, dass wir besser sind.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=38854
weiterlesen...