Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

13NOV2023
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Massimo Vacchetta ist der bekannteste Tierarzt Italiens. Viele nennen ihn nur den „Igeldoktor“. Im Piemont betreibt Vacchetta zusammen mit vielen Helfern die „Casa dei ricci“, eine Klinik für kranke und verletzte Igel.

Angefangen hat alles an einem Freitagabend im Mai 2013. Massimo Vacchetta arbeitete schon einige Jahre als Veterinär für Tiere in der Landwirtschaft. Aber der Beruf machte ihm keine rechte Freude. Eigentlich suchte er eine neue Herausforderung, doch wusste er nicht so recht, was er machen sollte.

Da bat ihn ein befreundeter Tierarzt um eine Vertretung am Wochenende. Massimo fuhr zu ihm. Bevor sich der Kollege verabschiedete, zeigte er ihm eine Kiste. Darin lag ein winziges Igelbaby, vielleicht zwei, drei Tage alt, nur 25 Gramm leicht. Eine Frau hatte das Waisenkind im Garten gefunden.

Nun also sollte sich Massimo um den Winzling kümmern. Wie konnte er dieses Häufchen Elend retten? Er hatte eigentlich keine Ahnung von Igeln. Aber das Kleine rührte ihn an. Massimo machte sich kundig, fütterte den Igel alle drei bis vier Stunden mit einer Mischung aus Fencheltee und Milchpulver. Ganz vorsichtig, mit einer Spritze, Tropfen für Tropfen, damit die Flüssigkeit nicht in die Luftröhre floss. Auch in der Nacht musste er „Ninna“ versorgen, so nannte er das Igelkind. Und Ninna kam durch!

Dieses Erlebnis veränderte Massimos Leben vollständig. Ab jetzt wollte er sich nur noch um Igel kümmern. Und so machte er aus seiner Villa ein Igelkrankenhaus. 150 Tiere, krank, verletzt oder hilflos, werden hier rund um die Uhr betreut. Sind sie wieder fit, kommen sie in einen Garten, um sich langsam an die Natur zu gewöhnen. Dann entlässt Massimo sie in die Freiheit. So war es auch mit Ninna. Sich von ihr zu verabschieden, fiel ihm unendlich schwer.

Massimo Vacchetta hat seine Bestimmung gefunden. Er selbst beschreibt das so: „Ich interessiere mich nicht mehr wie früher für schicke Autos , große Villen oder Geld. Meine Energie kommt daher, dass ich für viele Tiere hier verantwortlich bin. Ich darf sie nicht im Stich lassen.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=38767
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