SWR2 Wort zum Tag

24JUN2023
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Mindestens Spargelesser wissen, dass heute Johannes zu feiern ist. Nun ist Schluß mit dem feinen Gemüse. Aber natürlich hat Johannes der Täufer noch eine ganz andere Bedeutung. Jesus hat ihn den Größten genannt, der je geboren wurde. Denn dieser radikale Gottesprophet war der Lehrer Jesu und sein Vorläufer. Mutig hatte er die unheilige Allianz von Macht, Geld und Religion im Jerusalemer Tempel kritisiert; mutig ins Angesicht hat er dem König Herodes  die Wahrheit gesagt, und musste deshalb unschuldig  sterben.  Jehochanan lautet wörtlich sein Name: d.h. „Gott ist Güte und schenkt sie“. Wunderbar, dieser Johannes gehört in die Reihe der vielen Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um der Wahrheit und dem Recht Geltung zu verschaffen.  Wie viele sitzen leider auch heute unschuldig in Gefängnissen oder verlieren gar ihr Leben, nur weil sie sich   für Menschen- und Gottesrechte einsetzen.  Ich denke an  Alexej Nawalnyj in Russland oder Maria Kolesnikowa in Belarus, an die Frauen im Iran und an so viele in der Welt.

Mit dem mutigen Wort fängt alles an.  Bekennen nennt man das in der Sprache des Christlichen, Klartext reden, Schuld eingestehen und Unrecht beim Namen nennen, das genaue Gegenteil also von fake news oder Heulen mit den Wölfen.  Deshalb ist mir zusammen mit Johannes dem Täufer und so vielen ein anderer Klardenker aus der Vergangenheit so wichtig, vor 400 Jahren geboren. Sein Name ist Blaise Pascal, ein genialer Forscher, Erfinder und – eben -  ein Bekenner . Schonungslos  formulierte er: „Wir rennen auf einen Abgrund zu , und  um den nicht zu sehen, bauen  wir alles  Mögliche vor uns auf.“ Wir spielen blinde Kuh. Pascal damals hatte die Zerstreuungslust  der oberen Zehntausend im Visier ,  heutzutage kann man z.B. an die Klimapolitik der letzten Jahrzehnte denken. Was wir uns in die Tasche lügen, wie wenig wir zu wirklichen Veränderungen bereit oder fähig sind!  Für  Blaise Pascal wie für Johannes den Täufer war klar:  ohne  den Glauben an Gottes  Wirken   schaffen wir die Umkehr nicht, es braucht  mehr Respekt vor den Grenzen des Wachstums.

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