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SWR3 Gedanken

23JAN2023
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Es gibt Sätze, die vergisst du nicht. Für mich ist so ein Satz der einer jungen Frau: ‚So arm war ich noch nie‘, sagt sie. Eine Kindheit in Hartz IV und immer wieder Schicksalsschläge. Jetzt steht sie da und sagt: ‚Bitte nicht fragen! Sobald ich daran denke, kann ich gar nichts mehr. So arm war ich noch nie!‘ Einkaufen geht schon immer nur bei ALDI und LIDL, derzeit weniger als das Nötigste, dabei kocht sie so gerne. Mietschulden, Mahnungen im Briefkasten. Schlafstörungen, Ängste, Scham. Armut, die eine schon als Kind gelernt hat, die wirst du kaum los. Das heißt: nie wirklich dazugehören. Immer wieder nicht in die Schule können, weil man nichts zum Anziehen hat, kein Geld für den Bus oder eben gar nichts mehr können. Einfach liegen bleiben, vor Angst und Depression, deswegen nicht lernen und keine Hausaufgaben machen.

Armut produziert im Leben von Kindern Katastrophen: Der Stiefvater verspielt die Miete, weil er sich einredet, das Geld könnte so mehr werden. Sparschweine mit Cents werden geschlachtet, um wenigstens etwas zu essen zu kaufen. Keine Winterschuhe. Keine Turnschuhe. Kein Sportverein. Keine Nachhilfe.

Armut ist erblich. Deswegen ist es besonders wichtig, sich um Kinder, die in Armut leben, zu bemühen. Sie haben ein Recht darauf zu lernen, zu spielen, schlafen und aufstehen zu können ohne Angst, anstatt in fünfzehn Jahren zu sagen: So arm war ich noch nie.

Jesus stellt ein Kind in die Mitte der Leute und sagt: Es soll keines von diesen Kleinen verloren gehen. Ich meine das hat mit Gerechtigkeit zu tun und gilt bis heute: Es soll keines von diesen Kleinen verloren gehen!

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