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SWR2 Wort zum Tag

23NOV2022
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„Bleiben Sie zuversichtlich“ – das sagt der Moderator Ingo Zamperoni immer am Ende der Tagesthemen. Nach Nachrichten, die meistens wenig Anlass zu Hoffnung und Zuversicht geben. Bleiben Sie – trotz allem – zuversichtlich! Er sagt das freundlich, zugewandt, und es geht durchaus eine kleine Stärkung von dieser fast rituellen Abschiedsformel aus.

Aber – so möchte ich ihn manchmal fragen - woher soll ich die Zuversicht nehmen? Wird nicht alles immer schlimmer? Und rücken uns die schlechten Nachrichten nicht immer näher auf den Leib?  

Es gibt Menschen, die Zuversicht ausstrahlen – wie etwa Ingo Zamperoni. Es geht von ihnen eine Kraft aus und wenn ich selber voller Angst und Sorgen bin, dann tun mir solche Menschen gut. Doch zugleich frage ich skeptisch: Kann ich ihnen trauen? Oder verbreiten sie nur Zweckoptimismus.

Zuversicht ist der Glaube, dass die Zukunft Gutes bringen wird. Sie macht sich also an etwas fest, das noch nicht ist. Ich bin zuversichtlich, weil ich schon kleine Anzeichen wahrnehme, dass etwas Gutes im Entstehen ist. Oder ich hoffe auf eine überraschende Wende. Auf jeden Fall braucht es ein Vertrauen darauf, dass die Zukunft gut werden kann.

Für mich ist Zuversicht daher nicht zu trennen von meinem Glauben. Alles kann sich zum Guten wenden, weil die letzte, die bestimmende Kraft in allem, was geschieht, Gottes Liebe ist - zu uns Menschen und zu seiner Schöpfung.

Die Zukunft ist also mehr als die Fortschreibung aller Katastrophenszenarien – in der Zukunft kommt Gott auf uns zu. Das ist die Botschaft der Adventszeit, die in wenigen Tagen beginnt. Aber nicht als ein massiver Einbruch in unsere Geschichte, die Topnachricht auf allen Nachrichtenkanälen, sondern eher als schöpferische Werdekraft, als Hoffnungsfunken, der nicht erlischt.

„Bleiben sie zuversichtlich“ fordert also meine Hoffnung heraus, meine Bereitschaft, überhaupt zuversichtlich zu werden. Mich nicht dem Sog der schlechten Nachrichten zu überlassen. Trotz allem das Gute zu entdecken und zu tun. So wie es in der letzten Strophe eines bekannten Kirchenliedes heißt:

Sing bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getrau

und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu.

Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

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