Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Wort zum Tag

22NOV2022
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Von der Lyrikerin Mascha Kaleko stammt folgendes Gedicht:

Herr, du gabst uns die Welt, wie sie ist.

Gib uns doch bitte dazu

Das seinerzeit leider

Nicht mitgelieferte

Weltgewissen!

 

Gerade ist die Weltklimakonferenz zu Ende gegangen – wo es viele Appelle an das Weltgewissen gegeben hat – also an die globale Verantwortung von Regierungen alles dafür zu tun, dass eine Klimakatastrophe noch abgewendet werden kann. Das Wissen um die Zusammenhänge ist da. Aber zum Handeln braucht es einen starken Impuls. Es braucht ein Ge-wissen, das die eigenen Interessen und Vorteile dem unterordnet, was für alle notwendig wäre. We first statt me first. Und diese Haltung fällt bekanntlich sehr schwer. Das gilt für jeden Einzelnen und es gilt noch viel mehr für Regierungen und mächtige Interessensverbände.

Bleibt also nur die Angst, selbst von den Folgen der Erderwärmung betroffen zu sein, die zum Handeln drängt?  Oder gibt es auch andere Gründe, die dazu motivieren können, die eigene Lebensweise drastisch zu ändern, und etwa grenzenlose Mobilität, Konsum und die eigene Bequemlichkeit einzuschränken?  

Herr, du gabst uns die Welt, wie sie ist – schreibt Maleko im Gedicht

Die Welt, das wunderbare Haus des Lebens, ist ein Geschenk Gottes an alle Menschen. Diese spirituelle Sicht ist in allen Religionen verwurzelt. Wir dürfen in diesem Haus des Lebens wohnen – aber es gehört uns letztlich nicht. Eine spirituelle Sicht auf die Welt fördert unser Mitgefühl und unsere Verantwortung für die Mitmenschen und die Welt, die uns umgibt. Wir begreifen, dass wir Teil von einem großen Ganzen sind, eingebunden in das Netzwerk des Lebens. Und unser Lebensglück können wir nicht als egoistische Individuen finden, denn wahres Lebensglück ist ein Wir-Gefühl.

Viele, die sich für die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen einsetzen – sei es im persönlichen Leben oder auf politischer Ebene handeln aus solch einer spirituellen Motivation. Das verbindet – über viele Grenzen hinweg.  Und es motiviert, nicht aufzugeben, auch wenn vieles zum Verzweifeln ist. Das Lebenshaus für alle zu erhalten, ist zur drängenden Menschheitsaufgabe geworden. Ich möchte die Hoffnung nicht aufgeben, dass immer mehr Menschen ihr spirituelles Weltgewissen entdecken und so eine Dynamik der Veränderung entsteht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=36590