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SWR2 Wort zum Tag

26SEP2022
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Aktion T4. Klingt nüchtern. Doch dahinter verbirgt sich der brutale und systematische Massenmord an etwa 70.000 Menschen in der NS-Zeit. Ziel der Aktion T4 sind gehandicapte und psychisch kranke Menschen. Sie werden getötet, weil sie als unwertes Leben gelten. Im Hintergrund steht die krude, nationalsozialistische Idee von der 'arischen Rasse'. Der „deutsche Volkskörper“, so die Nazisprache, sollte stark und gesund sein. Und alles, was dieser Ideologie nicht entsprach, sollte vernichtet werden. Schon ab 1933 werden Menschen mit vermeintlichen Erbkrankheiten zwangsweise sterilisiert, dann Eheschließungen mit gehandicapten Menschen verboten. Am Ende steht die Tötung von Menschen in Psychiatrie oder Pflegeeinrichtungen. Der Rassenwahn der Nazis macht auch vor Säuglingen und Kindern nicht Halt.

Doch es gibt auch Widerstand gegen diese barbarische Aktion. Neben Eltern der Betroffenen sind das vor allem evangelische und katholische Priester und Bischöfe. Fast alle Kirchenleute aber protestieren nur nach innen. Öffentlich tritt kaum einer auf. Heute, vor fast 80 Jahren, aber wurde in allen katholischen Kirchen in Deutschland ein Brief der Bischöfe verlesen. Das Thema: Die Zehn Gebote. Darin werden die Bischöfe deutlich: Sie verurteilen jede Tötung, „an schuld- und wehrlosen Geistesschwachen und -kranken, an unheilbar Siechen und tödlich Verletzten, an erblich Belasteten und lebensuntüchtigen Neugeborenen, […].“

Aufhalten kann auch dieser Text die rassenideologisch verblendete Ermordung von Unschuldigen nicht. Aber die Bischöfe machen - endlich - deutlich, wo sie stehen.

Die Kirchen haben sich in nationalsozialistischer Zeit lange Zeit uneindeutig verhalten, waren hin- und hergerissen zwischen Glauben und Loyalität zum Staat. Hier aber machen sie klar: „Tötung ist in sich schlecht, auch wenn sie angeblich im Interesse des Gemeinwohls verübt“ wird. Grundlage dafür sind eben die Zehn Gebote mit ihrem Tötungsverbot. Aus ihm leiten die Bischöfe das allgemeine Lebensrecht ab. Eine Begründung, die bis heute Bestand hat und wichtig ist.

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