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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

04JUL2022
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Ich kann mich noch gut erinnern: ich bin ungefähr acht oder neun Jahre alt gewesen, da habe ich auf dem Weg nach Hause meinen Haustürschlüssel verloren. Nachmittags waren wir auf der Baustelle gewesen, von dem Haus, das meine Eltern gebaut haben. Der Weg hat durch ein kleines Waldstück geführt – und da muss es passiert sein. Ich weiß nicht mehr wie, aber vor der Wohnungstür angekommen, ist die Hosentasche leer gewesen. Also bin ich wieder zurückgelaufen und hab meiner Mutter mit Herzklopfen erzählt, was passiert ist. „Oh je!“ hat sie gesagt, aber zum Glück nicht weiter geschimpft. „Komm, wir suchen zusammen!“

Zwei oder dreimal sind wir den Weg abgegangen. Es ist schon langsam dämmrig geworden, da hab ich plötzlich etwas zwischen den Blättern schimmern sehen: Der Schlüssel! Juhuu – was hab ich mich gefreut! Unsere Mühe hatte sich gelohnt!

Jesus hat diese Erfahrung des Suchens und Findens einmal als Vergleich genommen. Er hat damit beschreiben wollen, dass für Gott jeder Mensch wichtig ist.

Meine Mutter hätte ja auch sagen können: „Doof, dass Du den Schlüssel verloren hast. Aber dann lassen wir eben einen nachmachen.“ – Man kann alles ersetzen.

Diese Haltung gibt es auch gegenüber Menschen: Jede und jeder ist ersetzbar. Besonders die, die nicht ihre Leistung bringen oder sonst wie aus dem Rahmen fallen.

Jesus hält dagegen: Bei Gott ist das anders. Er macht sich auf die Suche und gibt keinen verloren. Er macht keinen Unterschied, ob ein Mensch berühmt und wichtig ist, ob er versagt hat und keine große Rolle spielt. Gott lässt nicht locker und gibt nicht auf. Und rettet die, die sich verloren fühlen und aus eigener Kraft nicht zurückfinden.

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