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Anstöße sonn- und feiertags

19JUN2022
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Muss ich die ganze Welt retten? „Nein“, sagt Jesus. Aber achte auf den Menschen nebenan. Den Menschen vor deiner Haustür.

Jesus hat dazu eine Geschichte erzählt, über die heute in vielen evangelischen Gottesdiensten gepredigt wird. Er erzählt von zwei Menschen, die unmittelbar nebeneinander leben. Der eine ist sehr arm, bettelarm, der andere sehr reich. Der eine kämpft jeden Tag ums nackte Überleben, der andere lebt im Überfluss. Dem Armen gibt Jesus in seiner Geschichte einen Namen: Lazarus. Das ist hebräisch und heißt übersetzt „Gott hilft!“ Gott hilft. Der Reiche hilft nicht. Vielleicht hat er einfach andere Themen im Kopf. An Lazarus jedenfalls schaut er vorbei. Obwohl der direkt vor seiner Haustür liegt.

Beide sterben irgendwann. Der arme Lazarus wird von Engeln ins Paradies, in Abrahams Schoß getragen und lebt dort in Freuden. Der Reiche dagegen landet im schauerlichen Totenreich Hades. Er ist völlig irritiert und fängt an, mit Abraham zu diskutieren. Hilft ihm aber nichts. Er hat im Leben versagt und hat dem Armen nicht geholfen - und er hätte es besser wissen können.

Wohlgemerkt: in der Geschichte, die Jesus erzählt, wird von dem Reichen nicht erwartet, dass er die Last der ganzen Welt schultert und als Durchschnittsmensch mal eben die gesamte Weltwirtschaftsordnung ändert. Die Botschaft an die, die genug zum Leben haben, lautet: Achte auf den Menschen vor deiner Haustür, der in Not ist. Er hat einen Namen und eine Geschichte. Und er hat Sorgen, die ihn niederdrücken. Vielleicht ist es dein alter Nachbar, Herr Schmitt, oder deine Arbeitskollegin Karin oder Oksana aus der Ukraine oder Hassan im Sudan, wo die nächste Hungerkatastrophe längst in vollem Gange ist. Klar, das ist nicht alles vor unserer Haustür. Aber wir bekommen Informationen über Leid in aller Welt. Und wir lernen, Zusammenhänge zu unserem Wohlstand zu erahnen. Das Leid klopft eben doch an unsre Tür.

Lazarus an unserer Haustür: Er hat einen Platz am Herzen Gottes. Und er soll einen Platz an unsrem Herzen bekommen.

Der Reiche in der Geschichte sagt am Ende zu Abraham: „Na, das hab ich doch nicht ahnen können. Das sagt einem ja keiner.“ Abraham antwortet trocken: Ein Blick in die Bibel hätte gereicht. Ihr wisst doch, was zu tun ist. Also lebt entsprechend.
Bibeltext: Lukas 16, 19-31

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