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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

13MAI2022
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„Am Ende wird alles gut – und wenn es noch nicht gut ist, kann es noch nicht das Ende sein“. Diesen Satz vertonte der Deutsch-Rapper Casper in einem seiner Songs. „Am Ende wird alles gut“ – ist eine hoffnungsvolle, geradezu hoffnungsgeladene Aussage. Hier möchte jemand die Erlebnisse und Ereignisse seines Lebens – auch die schwierigen – positiv in sein Leben integrieren. Ein starker Optimismus kommt zur Sprache.

Dieser Satz fordert mich auch heraus, denn er ist nicht einfach zu verstehen. Ich kann ihm nicht einfach nickend zustimmen. Denn was bedeutet es, dass „am Ende alles gut werden soll“? Muss ich dann auch die schwierigsten Dinge meines Lebens „schönreden“? Oder blende ich das Unangenehme einfach aus und betrüge mich selbst?

Und was ist mit jenen, die sich genau das wünschen – „am Ende wird alles gut“ – und es ihr Leben lang nicht erleben? Was ist mit jenen, die an ihrer Hoffnung, dass „alles gut wird“ scheitern? Weil ihnen entsprechende Erfahrungen nicht zuteilwerden oder weil ihnen die seelische Stärke fehlt? Mancher Mensch erlebt: Ich bin seelisch nicht so stark, dass „am Ende alles gut wird“.

Darum weist mich dieser Satz darauf hin, dass dies eher eine Glaubenserfahrung sein könnte. Viele biblische Texte erzählen davon: Menschen, Gottvertrauende erleben schwierige Zeiten. Sie werden angefeindet, verleumdet, gehasst, unterdrückt, verfolgt – und das, obwohl sie niemanden geschädigt haben. Dennoch werden sie zu sozialen Außenseitern gemacht. Sie spüren: Von allein wird das „nie gut“. Deshalb wenden sie sich an Gott und klagen Ihm ihre Situation. David, der große israelitische König und begnadete Liederdichter drückte diese Erfahrung, dass „am Ende alles gut wurde“ so aus:  „Herr, mein Gott, da ich schrie zu dir, machtest du mich gesund“ (Ps 30,3). Das Spannende an den Psalmenliedern ist: Sie klagen Gott ihre schwierige Gegenwart. Aber sie vertrauen Gott, dass er ihre Klage hört und deshalb „am Ende alles gut wird“.

Dies Vertrauen möchte ich von diesen alten Texten immer wieder neu lernen: „Am Ende macht Gott alles gut“, denn Er hat das „letzte, gute Wort“.

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