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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

12MAI2022
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Abhängig sein von anderen - das ist etwas Gutes! In einem Buch der jungen Philosophin Seyda Kurt habe ich diesen verblüffenden Gedanken gefunden. Sie sagt: wir müssen lernen Abhängigkeit als etwas Gutes zu begreifen. Dabei höre ich sonst immer, wie wichtig es ist, unabhängig zu sein: stark und frei. Aber Keiner und keine lebt als eine Insel. Und die, die das probieren, merken schnell wie einsam das ist. Spätestens seit der Zeit, in der wir gezwungen waren über lange Strecken alleine zu bleiben oder auf den kleinsten Kreis beschränkt, wurde das spürbar. Wir brauchen einander.

Seyda Kurt meint wir sollten das nicht als etwas Schlechtes verstehen, sondern als etwas Normales – etwas Grundlegendes. Und wenn wir einmal verstehen, dass wir einander brauchen, dann sollten wir auch unser Leben danach gestalten füreinander da sein zu können. Habe ich Zeit übrig, damit ich für jemand da sein kann? Habe ich Zeit, um mir selbst klar zu werden was ich brauche?  Wenn das Leben mir keinen Spielraum lässt gebraucht zu werden, weil immer irgendetwas wichtiger ist. Oder dann, wenn ich nicht genug Raum habe um mir über meine eigenen Bedürfnisse klar zu werden – dann wird Abhängigkeit zum Problem. Und das kann viele Gründe haben: zu viel Arbeit, Stress, Sorgen.

Man stelle sich vor wie das wäre: Zeit für einander haben. Zum Zuhören, zum Nachdenken - einfach zum Leben miteinander und nicht nebeneinander her. Wir brauchen uns doch gegenseitig.

In der Bibel heißt es: Es ist nicht gut wenn der Mensch alleine bleibt. Das steht ganz am Anfang der Bibel, als Gott den Menschen erschafft. Gott hat gleich gemerkt: alleine sein ist nicht gut. Es muss eine Gemeinschaft her, damit Leben gelingen kann. Ich finde es ist Zeit das wirklich ernst zu nehmen. Mir bewusst Zeit zu nehmen für die Menschen, die ich brauche und die mich brauchen. Und dafür zu streiten, dass das für alle möglich ist.

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