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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

01MRZ2022
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Ein Dutzend Handtücher, dazu eher männlich duftende Seife und mehrere einbändige Lexika. Das waren vor über vierzig Jahren meine Konfirmationsgeschenke, die ich von Menschen meines Heimatortes bekommen habe. Ist ja auch gar nicht so einfach – was soll man einem Jungen in der Pubertät schenken? Sauberkeit und Bildung, da kann man kaum etwas falsch machen. Und eins von den Handtüchern habe ich heute noch.

Erfunden wurde die Konfirmation im Jahr Fünfzehnhundertneununddreißig in einem nordhessischen Landstädtchen. Ziegenhain. Und erfunden wurde sie von einem Elsässer, dessen Todes- beziehungsweise Gedenktag heute ist. Martin Bucer. Als er die Konfirmation erfunden hat, dachte er allerdings nicht an Handtücher und Seife, aber schon an so etwas wie Bildung. Ihm und seinen Zeitgenossen ging es darum, dass die jungen Leute ihren christlichen Glauben bekannten. Und dass sie eine Vorstellung davon hatten, worum es dabei ging.

Das ist auch heute noch aktuell. Wir sollen lernen, die richtigen Fragen zu stellen. Wir sollen einander sagen können, was uns wichtig ist. Und den möchte ich sehen, der ohne Staunen über und Sorge um die Schöpfung und ohne Halt und ohne Werte auskommt.

Mit der Konfirmation wird seit 1539 die Beschäftigung mit diesen großen Themen gesucht. Und die Botschaft an die Konfirmandinnen und Konfirmanden ist klar: Das muss keiner und keine mit sich selbst ausmachen. Sich im stillen Kämmerlein sozusagen etwas zusammenbasteln. Sondern dafür ist die Gemeinschaft da, die viele Fragen und nicht ganz so viele Antworten teilt. Und zwar dann, wenn Kinder nicht mehr klein, aber auch noch nicht erwachsen sind, sondern in einem… herausfordernden Alter sind. Gerade dann sucht man das Gespräch und erkundet miteinander den Glauben.

Aber auch wenn man älter ist, dann ist es schön, mit den großen Themen nicht alleine zu sein. Die Kirche bietet Raum dafür und Gemeinschaft. Auch für die, die vielleicht in jungen Jahren nicht zur Konfirmation gegangen sind. Wie Martin Bucer selbst, der die Konfirmation mit 48 Jahren erfunden hat.

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