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SWR4 Sonntagsgedanken

27FEB2022
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Das Gefühl von Sicherheit ist im Moment bei vielen Menschen ganz schön angekratzt. Zuerst die Coronapandemie, dann die Ahrflut, letztens der Sturm und jetzt die Ukraine. Das alles sind Ereignisse, die nicht wenige Menschen verunsichern. Können wir noch ruhig leben? Bekommen wir nach dreißig Jahren wieder einen Krieg in Europa? Und sind wir dann ausreichend geschützt? Welche wirtschaftlichen Folgen haben diese Krisen? Und wo berührt das auch mich?

Ich kann diese Fragen und die Verunsicherung nachvollziehen. Der Psychologe Maslow hat eine Bedürfnispyramide entwickelt und da kommt das nach Sicherheit gleich an zweiter Stelle. Nur körperliche Bedürfnisse wie Essen, Trinken, Schlafen und Sex sind uns noch wichtiger. Sagt Maslow.

Aber - es gibt keine absolute Sicherheit. Darin sind sich Philosophen, Politologen und Theologen einig.

Es gibt keine Sicherheit, nur verschiedene Grade der Unsicherheit sagte der russische Dramatiker Anton Tschechow.

Wie können wir also mit dieser Verunsicherung umgehen?

In der Bibel findet sich häufig eine Kombination von Sicherheit und wohnen. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, dass ich sicher wohne, heißt es in einem Psalm (4,9).

In unserer Wohnung wollen wir uns sicher fühlen, weil das ein Ort der Geborgenheit ist. Bei wem schonmal eingebrochen worden ist, der weiß, wie stark dieses Geborgenheitsgefühl erschüttert wird.

Der Psalmbeter würde heute aber nicht nur auf elektrische Rollläden und eine Hausratsversicherung vertrauen sondern auch auf Gott.

Ich denke, Verunsicherung kommt, weil wir einander nicht vertrauen können. Immer da, wo ein Mangel an Vertrauen herrscht, brauchen wir mehr Sicherheitsmaßnahmen.

Ein anderer Psalmvers ergänzt: Ihr alle, die ihr den HERRN achtet – vertraut ihm! Er allein gibt euch Hilfe und Schutz. (115,11)

Wie können wir in diesen unsicheren Zeiten Vertrauen gewinnen?

Wie können wir in Zeiten der Unsicherheit Vertrauen gewinnen? Mit der Beantwortung dieser Frage beschäftigen wir uns in diesem zweiten Teil der Sonntagsgedanken. Denn ohne Vertrauen geht es nicht. Sonst versinken wir in Angst und Sorge.

Für mich ist Jesus derjenige, dem ich absolut vertraue. Er liebt mich und meint es gut mit mir – auch wenn ich mal wenig mit ihm zu tun haben will. Das hat er mich schon oft erfahren lassen. Wenn ich dann wieder zu ihm zurückkehre, dann rede ich mit ihm. Ich bete. Und ich verstehe Beten nicht einfach als mein Reden mit Gott. Beten ist für mich keine Einbahnstraße. Beten ist für mich ein Gespräch mit Jesus auf Augenhöhe, bei dem ich mein Herz ausschütte und er hört mir zu. Bei dem ich aber auch still bin und schweige und versuche wahrzunehmen, was ER mir zu sagen hat. Diese Gespräche bewirken bei mir eine innere Ruhe und Gelassenheit, die ich woanders nicht bekomme. Es stellt sich mit der Zeit sowas wie ein innerer Friede ein, wo Ängste und Sorgen langsam kleiner werden. Da bewahrheitet sich, was in den Sprichwörtern im Alten Testament steht: Wer auf Gott hört, wird ohne Angst in Frieden und Sicherheit leben. (Sprüche 1 Vers 33)

Mein Vertrauen auf Gott entsteht im Gespräch mit seinem Sohn Jesus. Der Apostel Paulus hat diese Erfahrung offenbar auch gemacht: So kommt das Vertrauen aus dem Gehörten und das Gehörte durch das Wort Christi. schreibt er an einer Stelle (Römer 10 Vers 17). Das Gehörte ist das, was Jesus im Gebet zu mir spricht: Du bist geliebt. Du bist im letzten bedingungslos angenommen. Du gehörst zu mir und ich nehme dich mit in meine neue Welt, in der es keinen Schmerz, kein Leid, kein Geschrei und keinen Tod mehr geben wird. (Offenbarung 21). Eine Welt absoluten Vertrauens. Niemand wird mehr irgendwem misstrauen. Darum kann dir selbst der Tod nichts anhaben. Ich glaube an einen Himmel danach. Und etwas von diesem Himmel kann auch schon in diesem Leben sichtbar werden.

Wenn ich meine Verunsicherung in den Griff kriegen will, dann brauche ich eine Mischung aus beidem: Menschliche Vernunft und Gottvertrauen. Ich ergreife die Maßnahmen, die nötig sind, um mir ein einigermaßen ausreichendes Sicherheitsgefühl zu geben. Aber nicht alle, die möglich sind. Dort wo ein Restrisiko bleibt, versuche ich im Gebet mit Jesus zu reden und auf ihn zu hören. Denn da entsteht das Vertrauen, das meinem Herzen die Unsicherheit nimmt. Und ich mache die Erfahrung, dass er mir dann, peu á peu, Frieden und Gelassenheit ins Herz. schenkt.

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