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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

11DEZ2021
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Vor kurzem haben wir unsere Gottesdienste wieder auf digitale Angebote umgestellt. Wir haben viele Menschen aus der Generation 60+ in unseren drei Gemeinden. Eine ganze Reihe von ihnen hat einfach Angst, sich mit Covid 19 anzustecken. Obwohl fast alle geimpft und manche auch schon geboostert sind. Auf der anderen Seite vermissen sie die Gemeinschaft und fürchten sich davor, wieder über längere Zeit zuhause allein zu sein.

Egal, wie man’s dreht und wendet: Die Angst scheint ein ständiger Begleiter in diesen Corona-Zeiten zu sein.

Wie kann ich dieser Angst Herr werden? Grundsätzlich ist Angst ja zunächst mal nichts Schlechtes. Angst warnt und schützt uns. Was aber, wenn aus der Angst eine Angststörung wird? Wenn es ein immerwährendes Gefühl ist, das mich ständig begleitet?

Die Psychotherapie behandelt Angst mit kognitiver Verhaltenstherapie. Oder es werden Entspannungstechniken eingesetzt, etwa Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung. Außerdem gibt es Medikamente gegen Angst, etwa Antidepressiva.

Ich kriege die Angst am besten in den Griff, wenn ich nicht alleine bin. Als  ich auf einem dunklen Friedhof einmal meinen damals dreijährigen Sohn dabei hatte, kam die Angst garnicht erst auf wie sonst allein.

Singen soll übrigens auch helfen. Wenn ich singe, ist der Bereich in meinem Gehirn blockiert, der Angst auslöst. Ich kann also nicht gleichzeitig singen und Angst haben. Es gibt inzwischen therapeutisches Gospelchorsingen.

In der Bibel steht 365-mal „Fürchte dich nicht“ oder „Fürchtet euch nicht“. Für jeden Tag des Jahres einmal. Und oftmals mit dem Beisatz „Denn ich, der Herr, bin mit dir.“ So wie Jesus das am Ende des Matthäusevangeliums versprochen hat. „Denn siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende“. Wir brauchen uns also nicht gegenseitig zu wünschen, dass Gott bei uns sei. Er ist es schon. Jeden Tag. Wir müssen es uns nur bewusst machen. Ein Bekannter von mir macht das so: Er stellt sich dreimal am Tag für eine Minute in seinen Hausflur und sagt laut ein kleines Gebet: „Gott, ich bin hier. Und du bist auch hier“. Und dann wartet er – eine Minute. Und schweigt und hört, ob Gott was sagt. Und manchmal tut Gott das. Mit einem leisen Flüstern.

„Du glaubst gar nicht, wie das meine Sicht auf die Dinge verändert“ sagt der Bekannte zu mir.
Mir geht es genauso. Wenn ich spüre, dass Gott bei mir ist, ist meine Angst wie verflogen. Darum suche ich immer wieder die Stille und setze mich Gottes Nähe und Gegenwart aus. Das tut mir gut, macht mich gelassener und zuversichtlicher.

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