Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

18NOV2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Wenn alles getan ist, alles erledigt, Großes erreicht, Gutes abgeschlossen. Was dann? Und wie fühlt sich das an?
Erleichtert kann es sich anfühlen, wenn eine Pflicht erfüllt ist. Stolz, wenn ein Job gut gemacht ist. Oder satt und zufrieden, wenn man viel geleistet hat oder einen langen Atem hatte.
Es kann sich aber auch ganz anders anfühlen, wenn alles getan ist. Erschöpft, weil es so viel war oder zu viel. Frustriert, weil es nicht zu Ende gegangen ist wie gewünscht. Oder traurig, weil etwas unwiederbringlich vorbei ist, was einem lieb oder teuer war.

Es gibt aber auch noch eine dritte Möglichkeit zu fühlen an dem Punkt, an dem alles getan ist: nämlich nichts! Einfach nur leer zu sein. Sei es aus Erschöpfung, sei es aus Desorientiertheit, weil es so ungewohnt ist, auf einmal nichts zu tun zu haben oder aus Mangel, weil etwas fehlt, das gut abgelenkt oder Sinn gegeben hat. Dieser dritte Gefühlszustand ist, glaube ich, der schwierigste, aber auch wichtigste. Neutrale Zone wird er auch genannt. Eine Zone, eine Zeit, die allein der Erholung dienen kann. Oder der Regeneration für das nächste Projekt. Oder die auch dafür da sein kann, dem nachzuspüren, wer ich denn ohne all das bin: Ohne Arbeit, ohne geregeltem Tagesablauf, ohne Ablenkung durch Betriebsamkeit und ohne Sinnerfüllung durch das, was ich mache, schaffe oder leiste. Wer ich ohne all das bin: Ein Mensch, der mit nichts als sich selbst in diese Welt gekommen ist. Und mit nichts als sich selbst aus dieser Welt gehen wird. Was genau dieses „Selbst“ ist, lässt sich am besten herausfinden, wenn alles getan ist - in der Windstille der Seele. In einer Leere, die Platz für die Fülle lässt. Für das, was wirklich wichtig ist im Leben. Und das ist nicht Geld, nicht Macht und nicht Leistung. Das ist nicht Besitz, Konsum oder Askese. Sondern wie viel ich geliebt habe. Meinen Nächsten und mich selbst… 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34291