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SWR3 Gedanken

27OKT2021
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Partir c'est un peu mourir – Abschied ist ein kleines Stück Sterben“, sagt eine französische Lebensweisheit. Vielleicht halte ich ja deshalb Abschiede immer möglichst kurz. Wenn ich weiß, dass ich einen geliebten Menschen lange nicht mehr sehen werde, dann will ich mich diesem Stück Sterben nicht zu lange aussetzen. Natürlich, Abschiede gehören zum Leben. Vom Anfang bis zum Ende ist unser Leben immer wieder von Trennungen geprägt. Wir müssen uns geradezu immer wieder trennen, um uns weiterentwickeln zu können. Von der Abnabelung bei der Geburt über die Abschiede von Lebensphasen und Lebensträumen, von großen Lieben bis hin zur letzten großen Trennung im Sterben. Das Leben scheint eingebettet in ein unaufhörliches Anfangen und Aufhören, Weggehen und Ankommen, Binden und Lösen. Immer wieder hin und her gerissen zwischen diesen Polen. Aber wer will schon dauernd mit Abschied konfrontiert werden? Da macht das Leben doch keine Freude mehr.
Im Gegenteil! Nur wer sich bewusst ist, dass alles begrenzt ist, kann wirklich Freude empfinden, tiefe Freude. Das ist keine Selbstquälerei, sondern eine Art Lebenskunst. Sterbensbewusstsein als Lebenskunst. Loslassen können, sich selbst und die anderen – weiß Gott, eine schwere Übung. So im Wortsinne ge-lassen zu leben, dass ich Trennungen nicht nur als schmerzliche Einschnitte erleben kann, sondern als organische Abschnitte meines Lebens. Wie bei einem Baum, der, wenn er zurückgeschnitten wird, wieder kraftvoll wächst und Früchte bringt.

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