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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

09SEP2021
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Und schon sind die Sommerferien fast wieder zu Ende. Und mit dem September werden die Tage spürbar kürzer.

Es ist jedes Jahr dasselbe. Der Abschied vom Sommer und der warmen Jahreszeit fällt mir schwer. Und je älter ich werde desto intensiver empfinde ich das. Vielleicht weil ich mich selbst inzwischen im Spätsommer, wenn nicht Herbst meines Lebens befinde.

Wie kann ich etwas von der Fülle des Sommers konservieren? Nicht nur in Form von köstlich eingekochter Aprikosenmarmelade oder im Duft von Lavendel, den ich rieche wenn ich den Kleiderschrank aufmache?

Wie bewahre ich mir etwas Sommer im Herzen?

Goethe hat dazu folgendes geschrieben:

Auch das ist Kunst,

ist Gottes Gabe,

aus ein paar sonnenhellen Tagen

sich soviel Licht ins Herz zu tragen,

dass wenn der Sommer längst

verweht,

das Leuchten immer noch besteht.

Wenn ich mir diese Worte zu Herzen nehme, dann wird mir bewusst, was ich diesen Sommer alles an Schönem und Gutem erlebt habe. Dass ich die lebendigen Bilder, die da in mir aufsteigen, wie einen Vorrat in mir anlege, den ich mir immer wieder vor meinem inneren Auge herholen kann.

Und, dass ich mir dabei immer wieder bewusst mache, welchen Schatz an Erinnerungen ich bereits in mir trage. Lebensfülle, die mir hilft, wenn schwere oder dunkle Tage kommen.

Ich glaube wirklich, dass das eine große Kunst – vielleicht auch eine „Gottesgabe“ ist, das einzuüben und so dankbar älter werden zu können. Und je nachdem was für ein Schicksal einen ereilt ist das auch nicht selbstverständlich oder gar einfach. Wenn es jemandem richtig schlecht geht, ist es naiv oder kann sogar zynisch klingen, ihm zu raten, doch an das Schöne im Leben zu denken und für das Schöne in seinem Leben dankbar zu sein.

Ich weiß nicht, wie ich das selbst in so einer Situation empfinden würde.

Stand heute, hoffe ich, dass es mir gelingt, aus ein paar sonnenhellen Tagen so viel Licht im Herz zu haben, dass es, wenn der Sommer längst vorbei ist, in mir noch immer leuchtet.

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