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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

22AUG2019
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Als Einzelne kann ich da doch gar nichts machen. Viele denken so, traurig und resigniert und irgendwie hoffnungslos. Und weil sie sich hilflos fühlen, wollen sie am liebsten nichts hören und sehen von den Problemen in ihrem Ort, in unserem Land oder in der Welt. Man kann ja doch nichts ändern.

 

Aber das stimmt ja gar nicht. Heute ist ein Tag, der daran erinnert.
Heute vor 155 Jahren, am 22. August 1864, ist die 1. Genfer „Konvention zur Verbesserung des Loses der Verwundeten bei den im Felde stehenden Heeren“ verabschiedet worden. Ein Vertrag zum Schutz verwundeter Soldaten. Seither wurde er diese Konvention mehrfach erweitert und ihr Schutz auf Kriegsgefangene und Zivilisten ausgedehnt. Die Genfer Konvention ist Bestandteil des internationalen Völkerrechts.

Und sie ist auf Betreiben eines einzelnen Mannes zustande gekommen. Wir verdanken sie dem Schweizer Henry Dunant. Er hatte fünf Jahre vorher die Schlacht von Solferino zwischen Italienern, Franzosen und Österreichern miterlebt. Eine furchtbare Erfahrung. Zehntausende Soldaten starben. Viele davon nicht bei den Kampfhandlungen, sondern später an den Folgen ihrer Verwundungen. Man hatte sie einfach ohne Hilfe auf dem Schlachtfeld zurück gelassen.

Dunant ist es damals gelungen, ein paar hundert Frauen aus den umliegenden Dörfern zu bewegen, den Verletzten beizustehen – ohne Ansehen der Nationalität. Und der tiefgläubige Christ findet, so darf das nicht wieder passieren. Hat nicht Jesus gesagt: „Liebt eure Feinde! Und gefragt: „Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben – was tut ihr da Besonderes?“ (Mt 5, 44-47)

Also schreibt Dunant ein Buch, in dem er die Geschehnisse vom Schlachtfeld drastisch beschreibt. Zwei Anregungen enthält sein Buch: Schon in Friedenszeiten sollen Hilfsorganisationen entstehen, deren Pflegepersonal Verwundete betreuen kann. Und zweitens sollen diese Freiwilligen durch ein internationales Abkommen geschützt werden.

Dunants Buch hat damals viele bewegt. Schon ein Jahr später kamen Vertreter von 16 Ländern in Genf zusammen und gründeten das Rote Kreuz als Institution. Und noch ein Jahr später, 1864 wurde die Genfer Konvention angenommen. Das war der erste humanitäre Vertrag des Völkerrechts.

Das alles hat ein einziger Mann mit seinem Entsetzen, seiner Empörung und seiner Vision von Veränderungen angestoßen. Da kann man ja eigentlich nicht sagen, dass ein einzelner nichts machen kann. Henry Dunant war der erste, der 1901 den Friedensnobelpreis erhalten hat. Und bis heute gehen unzählige ehrenamtliche Rotkreuzmitarbeiter in seinen Fußstapfen.

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