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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

05JUL2019
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Oh je! Das neue Baby in der Familie weint verzweifelt. Der Hunger ist so groß! Und die Mama scheint Lichtjahre entfernt – jedenfalls für ein kleines hungriges Baby. Aber jetzt: Mit einem letzten Aufschluchzen schmiegt es sich an die Brust seiner Mutter und darf endlich trinken. Alles ist wieder gut! Aber jeder weiß: das hält nicht lange. Dann ist das Baby wieder hungrig. Und alles geht von vorne los.

Gerührt sehe ich zu. Ach, diese winzigen Kinder! Bei uns Erwachsenen ist es allerdings nicht viel anders. Vernünftige Menschen schreien nur nicht so laut. Wir werden hungrig und satt und wieder hungrig. Und jeder weiß: nicht nur der Magen, auch die menschliche Seele hungert und dürstet: nach mehr, nach Liebe, nach Anerkennung, nach Sinn. Wir Menschen tragen unendlich viele Wünsche in uns. Glaubende verstehen dies als Sehnsucht nach Gott. Das Irdische ist oft sehr schön – aber es sättigt nicht genug. Erst bei Gott findet die Seele Ruhe. „Meine Seele dürstet nach Gott wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser“, so sagt es der Psalm 143.

Entscheidend ist, ob ich mich der Frage stelle: Was brauche ich wirklich? Was erfüllt mich? Es ist ja kein Geheimnis: da wird uns viel angeboten und vorgeschwärmt, was erfüllend sein soll. Eine neue Beziehung, Reisen, immer noch mehr gutes Essen – alles schön und gut, aber nichts davon stillt den tiefen Hunger nach Sinn in meinem Leben. Persönlich finde ich diesen Sinn in meinem Glauben an Gott, und vor allem in der Beziehung zu Gott. Darin werde ich von Gott genährt. Ich hoffe und glaube, dass er mich im Blick hat, mich liebt und begleitet.   

Einen Haken gibt es aber doch: Auch die Gottesbeziehung ist nichts, was man ein für allemal erreichen kann. Manchmal kann ich Gott lieben mit heißem Herzen und ihm ganz nah zu sein, zu anderen Zeiten suche ich ihn scheinbar vergeblich. Da heißt es dranbleiben und üben: Bibel lesen, Beten, Gottesdienste besuchen. Am besten zusammen mit anderen, die auf einem ähnlichen Weg sind. Die auch mit Gott leben wollen. Gemeinsam geht es besonders gut. Denn der Hunger nach Leben hat eine gemeinsame Richtung. Das verbindet! Und nährt auch.

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