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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

24APR2019
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Petrus ist einfach alles zu viel. Zuerst das Mahl mit Jesus und die Gemeinschaft. Doch dann macht Jesus diese komische Andeutung: Drei Mal wird Petrus sagen, dass er Jesus gar nicht kennt. Bevor der Hahn kräht.

Petrus doch nicht. Der Erste unter den Jüngern, der Anführer der Apostel. Das würde ihm nie passieren.
Aber als Jesus dann gefangen genommen worden war, sein Jesus, ist alles schief gelaufen. Schon kommen die Fragen: Gehörst du nicht auch dazu? Einmal, zweimal, dreimal hat er gesagt, dass er diesen Menschen da gar nicht kennt. Kikeriki. Petrus fühlt sich mies, er fühlt sich als totaler Versager. Die Tränen rennen nur so die Wangen runter. Er hat es getan. Dabei war er sich so sicher.

Petrus ist dann wieder ganz Fischer am See Genezareth geworden. Alles scheint wieder normal, zumindest bis der Fremde am Ufer steht. Auf der rechten Seite sollen sie das Netz auswerfen, die ganze Nacht war es leer geblieben. Petrus tut es und es ist so voll mit Fischen. Der Fremde ist Jesus. Petrus ist sich sicher. Ganz sicher.

Ein Wechselbad der Gefühle. Jesus fragt, ob Petrus ihn innig liebt, mehr als die anderen. Petrus würde ihm am liebsten um den Hals fallen: Ja, so ist es.

Aber das will noch nicht über die Lippen. Statt dessen ist alles wieder da: Ich kenne diesen Menschen nicht. Der ohrenbetäubende Schrei des Hahnes. Und was fehlt, ist das Vertrauen zu sich selbst. Das einzige, was er herausbringt ist: Ich bin dein Freund.

Jesus fragt weiter und Petrus glaubt, seinen Ohren nicht trauen zu können. Das dritte Mal fragt Jesus: Bist du mein Freund? Und da kann Petrus überzeugt antworten: Ich bin dein Freund.

Ich mag Petrus. Alle Höhen und Tiefen muss er durchleben und kann am Ende doch nicht so, wie er gerne möchte. Doch Jesus steht zu ihm und setzt auf ihn. Seine Aufgabe: Menschen für Gott gewinnen. So findet Petrus wieder zu sich. Sein Vertrauen wächst. Und er macht seine Aufgabe gut.

Dietrich Bonhoeffer beschreibt es so:
Wo wir Menschen sagen: verloren!, sagt Gott: gefunden!
Wo wir Menschen sagen: gerichtet!, sagt Gott: gerettet!
Wo wir Menschen sagen: Nein!, sagt Gott: Ja!
Und ich füge noch hinzu: Wo wir Menschen sagen: tot!, sagt Gott: lebendig!

 

 

 

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