Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Es ist Zeit, mit diesem Jahr abzuschließen. Morgen Abend werde ich den Kalender 2017 zuklappen und ins Regal stellen. Mein Kalender ist ein Buch. Eine Seite für jeden Tag.

In der Zeit zwischen den Jahren blätter‘ ich ihn gerne noch mal durch. Nicht um zu schauen, was noch ansteht. Das ist jetzt ja nicht mehr viel. Nein, ich schaue nochmal, was ich in diesem Jahr erlebt habe. In dieser Zeit zwischen den Jahren habe ich Zeit dafür.

Dabei stoße ich auf eine schwierige Besprechung bei der Arbeit: da haben wir lang gebraucht, um einen Kompromiss zu finden. Das war anstrengend. Ein paar Seiten weiter steht die Notiz, bis wann ich das Geburtstagsgeschenk für einen Freund kaufen soll – und ich erinner mich vergnügt, wie schön es war, zusammen zu feiern. Aber auch Krankenbesuche sind im Kalender eingetragen, und manches andere.

Beim Stöbern fällt mir vieles wieder ein, was nicht im Kalender steht. Wie wir uns spontan verabredet haben. Einfach so, zum Kaffeetrinken. Oder wie ich mich ohnmächtig und zornig gefühlt habe, als ich im Fernsehen Bilder von Terroranschlägen gesehen habe.

Wenn ich zurückschaue, werde ich mal dankbar, mal nachdenklich. Es tut mir gut, das am Jahresende nicht einfach so zu übergehen. Das, was war, ist ja nicht einfach weg. Das waren Erfahrungen, die noch nachwirken.

Den alten Kalender durchzublättern: Ich finde, das ist, wie wenn ich jemanden zum Abschied an die Tür bringe. Was gut war, das kann ich so nochmal genießen und mich daran freuen. Bei anderem, was mich noch beschäftigt, hilft es mir, eine Tür tatsächlich zu schließen. Damit etwas Neues beginnen kann.

Am Ende eines Jahres bete ich, wie ich manchmal auch am Abend eines Tages bete. Ich sage dann:

„Gott, in deine Hände lege ich, was mich gefreut hat,
und danke dir dafür.

In deine Hände lege ich, was schwer war:
Bei dir ist es gut aufgehoben.

In deine Hände lege ich, was nicht vollendet ist:
Hilf mir, es gut sein zu lassen.
Ich lege mich in deine Hände.“

So zu beten hilft mir loszulassen. Ich will ablegen, was war. Wenn ich bete, lege ich es nicht nur irgendwo ab, sondern ich lege es in Gottes Hände. Und ich vertraue darauf: bei Gott ist es gut aufgehoben. Und ich bin gut aufgehoben. Auch im neuen Jahr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25613