SWR2 Lied zum Sonntag

Dieses  Lied ist einfach zu singen - auch mehrstimmig – und hat doch eine Botschaft, die anspruchsvoll ist.

„Selig“ ist ein Wort, das fast nur im religiösen Sprachgebrauch vorkommt. Selig werden die Menschen genannt, die versuchen so zu leben, wie Jesus gelebt hat. Für mich sind das bewundernswerte Idealisten, aber auch ein bisschen weltfremd. Wer will schon freiwillig Lasten tragen oder auf allen Komfort verzichten und einfach leben?

Ich möchte eher glücklich werden. Das heißt für mich, dass andere Menschen mich mögen, dass ich geschätzt und respektiert werde. Dazu gehört auch,  dass ich mein Auskommen habe und etwas genießen kann.

Der Titel des Liedes erinnert an die Worte Jesu bei der Bergpredigt:

„Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich.

Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.

Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben.

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden satt werden.“

Unglaubliche Sätze. Die Armen, die Trauernden und die Machtlosen sollen selig sein? Ist das etwa erstrebenswert?

Selig sein und glücklich sein – da scheint es um etwas ganz Verschiedenes zu gehen.  

Es ist jedoch interessant, dass das Wort selig ursprünglich eine viel weitere Bedeutung hatte. Das mittelhochdeutsche „saelec“ kann man auch mit glücklich, gesegnet und heilsam übersetzen. Im Wort „glückselig“ klingt das noch an.

Selig – glückselig nennt Jesus die Menschen, die ganz auf Gott setzen und sich seine Sache zu eigen machen. Die sich für Gerechtigkeit einsetzen und für einen Frieden ohne Gewalt. Jesus selbst hat so gelebt. Einfach. Ohne Macht. Was ihn reich und glücklich machte war Gott. Er spürte seine Nähe und seine überfließende Liebe. Dadurch war er liebe-voll, war ein Liebhaber der Menschen.

 

Das Herz für den anderen zu öffnen, kann eine echte Herausforderung sein. Nicht meinen Vorteil zu suchen, sondern das Recht der anderen gelten zu lassen. Mich in ihre Situation hineinzudenken. Womöglich ihre Belastungen zu sehen und zu versuchen, sie erträglicher zu machen. Aber ich entdecke immer wieder, dass diese innere Haltung das Zusammenleben verändert. Anstatt dass jeder nur um sich selbst kreist, entsteht Beziehung und Gemeinschaft. Menschen beginnen, ihr Leben zu teilen. Ihre Sorgen und ihr Glück. Und dabei wird ihr Leben reicher, glücklicher. Vielleicht entdecken sie darin sogar Gott und seine überfließende Liebe. Das macht selig. Glückselig.

Musik

Das Lied des heutigen Sonntags ist durch seine vielen Wiederholungen sehr eingängig. Man könnte es immer weiter singen, bis es zu einer Lebensmelodie wird. Besonders schön klingt es mehrstimmig. Eine kleine Ahnung von Glückseligkeit.

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