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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Das schaffe ich nicht“, denke ich manchmal, wenn die Zeit knapp ist und die Aufgabe riesig. Meine Kraft reicht dafür einfach nicht aus. Das Gefühl, nicht genug Kraft zu haben, lähmt. Denn wenn ich mich einer Aufgabe nicht gewachsen fühle, dann habe ich auch Angst davor, sie anzupacken. Und wenn das nicht nur auf einzelne Aufgaben zutrifft sondern irgendwie auf das ganze Leben, dann kann dieses Gefühl sogar krank machen. Insuffizienzgefühl nennen die Psychologen das Gefühl nicht genug zu sein und nicht genug zu haben.

Insuffizienzgefühle haben auch die zwölf Jünger von Jesus in einer Geschichte aus der Bibel. Sie sehen sich einer riesigen Menschenmenge gegenüber. 5000 Menschen auf einer Wiese. Den ganzen Tag haben die Leute Jesus zugehört. Jetzt am Abend sind sie hungrig. Und Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Gebt den Leuten zu essen“. Was für eine Aufgabe! Unmöglich zu schaffen. Die Jünger entgegnen Jesus: Wir haben nicht genug, um 5000 Menschen satt zu bekommen. Eigentlich haben wir nichts. Denn was sind schon die fünf Brote und zwei Fische, die wir dabei haben, für so viele Menschen? Aber Jesus antwortet: Bringt mir die Brote und die Fische. Er dankt Gott dafür und lässt die Jünger das wenige, das sie haben an die Menschen verteilen. Und wie durch ein Wunder werden alle 5000 satt.

Ich finde, diese Geschichte macht allen Mut, die meinen, dass sich nicht genug haben. Denn sie zeigt: Das wenige, das ich habe, ist genug. Jesus verlangt von seinen Jüngern nicht mehr als die fünf Brote und die zwei Fische, die sei haben. In seine Augen sind sie nicht nichts, sondern so viel, dass er Gott dafür dankt. Das macht mir Mut, einzubringen, was ich habe, auch wenn es mir zu wenig vorkommt. Die Geschichte fordert mich zum Blickwechsel auf: Statt mit Angst auf die Aufgabe zu sehen, soll ich mit Vertrauen auf Gott schauen. An mir liegt es, das einzubringen, was ich habe. Was daraus wird, kann ich Gott überlassen. Vielleicht werde ich dann ja auch überrascht sein, wofür das wenige doch reicht.

Ein Theologieprofessor hat einmal erzählt: Wenn am Montagmorgen der Wecker klingelt, dann fällt ihm schlagartig ein, wie viele Aufgaben und Termine diese Woche auf ihn warten. Er sagt dann aber nicht „Ich habe keine Ahnung, wie ich das alles schaffen soll“. Stattdessen spricht er ein kleines Gebet: „Jesus, ich bin gespannt, wie du das diese Woche alles schaffst“. Ich glaube hinter diesem Gebt steckt eben dieses Vertrauen: Ich muss nicht mehr schaffen, als ich kann und nicht mehr sein als ich bin. Das ist genug. Was Gott daraus macht, ist seine Sache.

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