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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Hallo, ist da noch jemand? – das frage ich mich manchmal, wenn ich in einer klaren Nacht in den Himmel schaue und die unzähligen Sterne sehe. Allein in unserer Galaxie, der Milchstraße, die Milliarden von Sternen enthält. Und sie ist wiederum nur eine von wohl hundert Milliarden Galaxien. Da wird’s mir fast schwindlig ob der unbegreiflichen Größe des Universums. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in diesem vielleicht unendlichen Weltall die einzigen Lebewesen sein sollen. Der Blick in die Sterne bringt mich aber auch noch auf andere Gedanken. Wenn ich zum Beispiel daran denke, dass das, was ich da am Himmel sehe rund 14 Milliarden Jahre alt sein soll. Eine Zahl so groß, dass ich überhaupt kein Gespür dafür kriegen kann, doch erkennen, dass mein Leben im Vergleich dazu nur ein Augenzwinkern lang dauert. Aber es ist mein Leben und wenn ich es bewusst lebe, ist dieses Augenzwinkern, jeder Augenblick zeitlos, ewig. Und da verbindet sich diese unendliche Welt des Universums mit meinem endlichen Leben. Diese Verbindung fühlt sich an wie eine ferne Sehnsucht, eine sichere Ahnung, dass ich da dazu gehöre. Eingebettet in eine unvorstellbar schöne und große Ordnung, die ich in dieser Welt nie verstehen werde. Eine Ordnung, die ich in aller Ehrfurcht nur göttlich nennen kann. Der Dichter Matthias Claudius hatte wohl ähnliche Gedanken und Gefühle. Er hat sie vor rund 200 Jahren so  in Worte gefasst: 

Ich sehe oft um Mitternacht, wenn ich mein Werk getan und niemand mehr im Hause wacht, die Stern am Himmel an. Sie gehen da hin und her zerstreut als Lämmer auf der Flur. In Rudeln auch und aufgereiht wie Perlen an der Schnur. Und funkeln alle weit und breit und funkeln rein und schön. Ich seh‘ die große Herrlichkeit und kann mich satt nicht sehn. Dann saget unterm Himmelszelt mein Herz mir in der Brust, es gibt was Bessres in der Welt als all ihr Schmerz und Lust. Ich werf mich auf mein Lager hin und liege lange wach und such und sehne mich danach. Und irgendwann fühl ich es dann, mein Vater, das bist Du! Und dem, der nachts noch staunen kann, zwinkern(‚s) die Sterne zu.“

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