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SWR2 Wort zum Tag

Das Unmögliche wagen – das kann jemand, der an die Zukunft glaubt. 
Jemand, der sich von der Gegenwart nicht abhalten lässt, einen Schritt mit unabsehbaren Folgen zu gehen. Oft sind es Visionäre, prophetische Menschen, die gewissermaßen durch den Horizont hindurch in eine neue Welt sehen. Die ihre Angst überwinden, ihre Liebe zum Leben in den Dienst einer größeren Liebe stellen. 

Beispiele dafür gibt es viele, Männer und Frauen haben solche Schritte getan. Heute ist der 20. Juli, und ich erinnere an die Menschen des Widerstandes gegen das Naziregime, die an diesem Tag des Jahres 1944 das Unmögliche wagten. Unter ihnen waren Christen und Nichtchristen, ranghohe Soldaten, Intellektuelle und Geistliche. „Wenn ein Betrunkener mit dem Auto über den Kudamm rast, dann reicht es nicht, die Verletzten zu versorgen. Man muss dem Fahrer das Steuer entreißen“, schrieb der Pfarrer Dietrich Bonhoeffer. Er wusste wohl, dass das Tempo des Wagens schon viel zu hoch war. Unmöglich, ihn zu stoppen, ohne Leib und Leben zu riskieren. Nur mit einem letzten Vertrauen auf die Gunst der Stunde entschloss man sich zum Attentat. Hitler überlebte, die Verschwörer starben.

„Niemand hat größere Liebe als der, der sein Leben lässt für seine Freunde“, sagt Jesus. Und er meint damit auch: Niemand ist mutiger als der, welcher die Zukunft der vielen höher achtet als die eigene. Der deshalb über den Bereich des Möglichen hinausdenkt. Was damals unmöglich war und vielen auch irrational erschien, hat Früchte getragen, es hat den Grundstein gelegt für ein Leben in Freiheit. 

Und ich denke, dass es auch in der Gegenwart sinnvoll ist, mutige Schritte zu gehen und scheinbar unmögliches zu wagen.

Unmöglich scheint es mir, die rasende Klimaveränderung aufzuhalten.
Unmöglich, sich gegen menschenverachtende Wirtschaftsinteressen zu stemmen. Unmöglich auch, von Liebe zu reden, wo Gewalt und Hass regieren.
Und trotzdem gibt es Menschen, die genau das tun. Sie überwinden die Bequemlichkeit, riskieren ihren guten Ruf, opfern Zeit und Lebenskraft, damit sich für andere eine Zukunft öffnet. 

Ich glaube, dass die Kraft und der Mut für solche Schritte von Gott kommen.
Gott hat alles riskiert, das Unmögliche gewagt und für die Menschen sein Leben gelassen. 
Das lässt mich hoffen, dass letztlich nicht die Gewalt und das Böse, sondern der Friede die Oberhand behalten wird. Unmöglich, ja. Aber eines Tages wird es so sein.

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