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SWR4 Abendgedanken

Heute vor 585 Jahren starb sie: Jeanne d´Arc. Im Heiligenkalender der Kirchen wird sie Johanna von Orleans genannt. Im jungen Alter von 19 Jahren endete ihr Leben auf dem Scheiterhaufen. Zeitlebens war diese junge Frau getrieben vom Einsatz für Recht und Freiheit. Der hundertjährige Krieg in Frankreich tobte um sie herum. Franzosen und Engländer standen sich feindlich gegenüber. In diese Welt hinein wurde sie geboren. Im einfachen Volk. Zu dieser Zeit kam ihr eine Schlüsselrolle zu. Überzeugt von ihrer göttlichen Sendung und durch ihr mutiges Auftreten trug sie dazu bei, dass der Krieg ein Ende fand. Spätere Intrigen und Seilschaften führten dann zu ihrem frühen Hinrichtungstod. Jahre später, für sie zu spät, wurde dieses Urteil aufgehoben. Johanna von Orleans war eine sonderbare Erscheinung in der von Männern geprägten Welt des 15. Jahrhunderts. Ihre seherischen Fähigkeiten mögen uns heute fremd sein, doch sie trugen zu ihrer Zeit zum Frieden bei. Die junge Johanna war für die Kirchenleute anstößig und für die Politiker gemein gefährlich. Ich finde diese Frau faszinierend. Wie sie sich in Männerkleidung Gehör und Ansehen verschaffte, ohne ihr Frau-Sein zu verstecken. Wie eine Prophetin, die aus einer inneren Kraftquelle lebte und so zu einem Menschen wurde, der seine damalige Welt veränderte. Sie kämpfte für Recht und Freiheit. Ihren Namen zu nennen bedeutet an eine Frau zu erinnern, die sich mit ungewöhnlichen Mitteln für den Frieden einsetzte; die sich mitten in den Krieg begab, ohne einen Menschen zu töten. Auch im Gesicht des Gegners erkannte sie den Menschen, den Bruder oder die Schwester. Sie ließ sich anrühren vom Angesicht des Mitmenschen. So wurde sie, die von den kleinen Leuten abstammte, zu einer der ganz Großen der Geschichte. Keine andere Frau der Weltgeschichte ist so oft bedichtet, besungen, verspottet und verfilmt worden. Gründe genug ihr Anliegen mit in die Welt von heute zu nehmen: Schritt für Schritt mit dem eigenen Leben dem Frieden dienen.

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