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SWR4 Abendgedanken

Oscar Romero – heute vor 35 Jahren wurde dieser Mann im Alter von 62 Jahren bei der Feier eines Gottesdienstes am Altar hinterhältig ermordet. Oscar Romero war von 1970 an bis zu seinem Tod Bischof in El Salvador, die letzten drei Lebensjahre Erzbischof der Hauptstadt San Salvador. In dieser Zeit erkannte er immer mehr seine Aufgabe darin, den entrechteten Mitmenschen beizustehen. Ihnen eine Stimme zu verleihen. Einen Tag vor seinem Tod wandte er sich in seiner letzten Sonntagspredigt direkt an die Angehörigen der Armee, der Nationalgarde und der Polizei: „Im Namen Gottes und im Namen dieses leidenden Volkes, dessen Wehklagen täglicher eindringlich zum Himmel steigen, flehe ich Sie an, bitte Sie inständig, ersuche ich Sie im Namen Gottes: Machen Sie der Unterdrückung ein Ende!“ Oscar Romero wurde wegen seiner klaren Worte ermordet. Doch sein Lebensanliegen konnte bis heute nicht zum Schweigen gebracht werden. Durch sein radikales Eintreten für die Armen, Entrechteten und Ausgebeuteten und seinen unbeugsamen Einsatz für Gerechtigkeit wurde er zu einer herausragenden Stimme der lateinamerikanischen Kirche. Diese Stimme ist bis heute nicht verstummt. Seine eigene Kirche machte es ihm nicht leicht. Nach einem Besuch 1979 beim damaligen Papst sagte Romero: „Ich glaube, ich werde nicht noch einmal nach Rom kommen. Der Papst versteht mich nicht.“ Heute würde er ihn wohl verstehen. Mittlerweile ist er als Märtyrer von seiner Kirche anerkannt. Im Mai wird er in San Salvador seliggesprochen. Oscar Romero zeigt uns noch nach mehr als drei Jahrzehnten, wie mutig Menschen werden können, wenn sie der Botschaft Jesu vertrauen. Mutig gegenüber seiner eigenen Kirche, die ihn lange nicht anerkannte. Mutig gegenüber den Mächtigen des Landes, denen er schon lange ein Dorn im Auge war. Mit der Erinnerung an diesen Menschen wünsche auch ich mir, dass die Armen Brot haben, die Tyrannen gestürzt werden und dass das Recht siegt. Erzbischof Oscar Romero macht mir Mut, die Hoffnung nicht zu verlieren.

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