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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Die Narren sind los. Landauf, landab wird Fasnet, am Rhein Karneval gefeiert. Bei Umzügen und Bällen herrscht munteres Treiben, die Menschen wirken heiter und losgelöst von dem, was sonst ihren Alltag prägt und bestimmt.

Ich glaube, dass für viele diese Unterbrechung des Alltags etwas Schönes und Befreiendes ist: Einmal nicht alles bierernst nehmen zu müssen, auf den Straßen tanzen und singen, vielleicht sogar einmal über die Stränge schlagen dürfen…

Warum nicht – solange andere dadurch nicht zu Schaden kommen. Vielleicht braucht es diese fünfte Jahreszeit auch, um einmal all dem, was an schlimmen und furchtbaren Nachrichten uns Tag für Tag erreicht, entfliehen zu dürfen.

Wenigstens für ein paar Stunden – denn jeder Narr weiß, dass das nicht von Dauer sein kann und uns die nüchterne Realität am nächsten Morgen, spätestens aber am Aschermittwoch einholt.

Dann stellt sich die Frage, was bleibt von der Heiterkeit, war sie nur aufgesetzt oder gibt es einen tragenden Grund für meine Lebensfreude?

Der humorige Kabarettist vom Niederrhein, Hanns Dieter Hüsch,   begründet seine Heiterkeit und Lebensfreude damit, dass er sich von Gott getragen weiß. Er schreibt: 

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit,
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit. 
Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her und hin,
vom Kindbett bis zur Leich. -
Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen. -
Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt. -
Ich bin vergnügt, erlöst befreit,
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.      

Hanns Dieter Hüsch

(aus: Ders. /Uwe Seidel. Ich stehe unter Gottes Schutz, Düsseldorf 1996) 

An so einen Gott glaube ich – nicht nur in der Fasnet. An einen, der uns das Lachen lehrt und durchs Leben trägt. Und dass er das weiterhin tun möge, dass wünsch ich uns allen, nicht nur an diesem Morgen.

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