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SWR1 3vor8

Palmsonntag (zu LK 19, 28-40)

Sie ist bekannt, allzu bekannt, die Geschichte vom Einzug Jesu nach Jerusalem. Der Anfang seines Leidens das am Kreuz endet. Bekannt ist, dass dieser Anfang ein euphorischer ist. Dass ihn eine Volksmenge jubelnd empfängt, mit Palmzweigen begrüßt, wie einen König, Kleider auf seinen Weg breitet. Also die eine Seite des klassischen „Hosianna", das dann kurze Zeit später ins „Kreuziget ihn!" umschlägt. Diese lebensgefährliche Wankelmütigkeit der Massen ist bekannt. Weniger bekannt ist die Version des Evangelisten Lukas, die heute in den katholischen Palmsonntagsgottesdiensten gelesen wird. Da sind es nur seine Jünger, die ihn jubelnd empfangen. Also keine große Volksmenge, sondern „nur" die Seinen. Es ist bibelwissenschaftlich umstritten wie groß die Menge gewesen ist. Ich denke das ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist die Wirkung, die von Jesus und den Seinen ausgegangen ist. Und die muss groß gewesen sein. So groß, dass die Pharisäer Jesus aufgefordert haben, er soll seine Jünger zum Schweigen bringen. Das heißt, das religiöse Establishment hat sich von Jesus und seiner Bewegung mindestens provoziert, wenn nicht bedroht gefühlt. Und diesen Pharisäern antwortet Jesus mit einem Satz der mich richtig gepackt hat: „Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien!" Ein grandioses Sprachbild. Denn was gibt es Lebloseres und Stummeres als Steine? Und wenn sie schreien, dann heißt das nichts anderes als dass die Wahrheit nicht zu unterdrücken ist. Dass das was gut, schön und richtig ist, ans Licht dringt, sich Gehör verschafft, nicht mundtot zu machen ist. Wenn die befreiende Botschaft Jesu unterdrückt werden soll, dann schreien die Steine! Ein Satz der mich ermutigt und mich hoffen lässt.

Dass die Stimmen nicht verstummen, die berichten, dass weltweit Millionen von Christen wegen ihres Glaubens unterdrückt oder verfolgt werden. Dass der stumme Schrei der Millionen Hungernden auf der Südhalbkugel unserer Welt nicht mehr als Selbstverständlichkeit hingenommen wird. Und dass der neue Papst den Mut und die Kraft hat, die Reformen anzupacken nach denen die versteinerten Strukturen der Katholischen Kirche geradezu schreien.

Einen schönen Palmsonntag wünsch' ich Ihnen.                                                                         

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