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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Seelenbretter! Welch ein Wort - Es klingt wie die Faust auf' s Auge.      Die zarte Seele und das harte Brett in einem Wort. Ist aber kein Widerspruch. Die Seelenbretter sind ein Fest für' s Auge und Balsam für die Seele. Sie sind zwei Meter hoch und 30 cm schlank. Lange, schmale Bretter also und sie stehen mitten in der Landschaft, an Wegkreuzungen, Kapellen oder mitten im Gebirge. Sie sind bunt bemalt mit Motiven aus verschiedenen Religionen. Chinesische Symbole zum Beispiel für Berg oder Mensch sind darauf zu sehen, oder afrikanische, indianische und christliche Elemente. Gemeinsam ist allen Seelenbrettern, dass sie beschriftet sind mit volkstümlichen Sprüchen oder Zitaten berühmter Menschen. Sie wollen Wegbegleiter für den Betrachter sein. Ihn anregen zum Nachdenken und Innehalten in unserer schnelllebigen Zeit, zum Stillwerden in unserer lauten Welt. Denn „unsere größten Erlebnisse sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden" - so steht es auf einem dieser Seelenbretter.

Die Künstlerin Bali Tollak macht diese Seelenbretter. Interessant ist, wie sie darauf gekommen ist. Im süddeutschen Raum wurden - bevor es Särge gab -  die Verstorbenen auf Bretter gelegt bevor sie bestattet wurden. Diese Totenbretter wurden, wenn sie nicht gebraucht wurden, kunstvoll bemalt oder mit Kreuzen verziert und dann aufgestellt. Als Erinnerung an die Sterblichkeit des Menschen und als eine Art der Totenehrung. Mit Sätzen wie „Gott segne die Toten, möge viel Zeit vergehen bis wir ihnen folgen."                                    

 Die Künstlerin Bali Tollak findet, dass Leben und Tod zu sehr getrennt sind in unserer Welt. Mit ihren Seelenbrettern will sie diese beiden Dimensionen wieder zusammen bringen. Denn „Geborgenheit im Letzten", schreibt sie auf einem ihrer Seelenbretter, „gibt Gelassenheit im Vorletzten."

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