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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Für viele beginnt heute etwas Neues. Zuerst für die Schülerinnen und Schüler. Für sie alle fängt heute das neue Schuljahr an. Im Lauf der Woche kommen dann die Erstklässler dazu. Für sie gilt das mit dem Neuen ganz besonders. Neu die Schule, der Schulranzen, die Pausen im Hof.
Alle haben einmal angefangen. Der weiteste Ausbildungsweg und die steilste Karriere beginnen mit dem ersten Schultag.
Wenn es ums Anfangen geht, denke ich auch an die jungen Männer und Frauen, die zum ersten Mal vor einer Klasse stehen. Viele Jahre haben sie studiert, Lehrproben abgelegt, auf eine Stelle gewartet. Und jetzt geht es richtig los. Viel Glück Ihnen allen.
Eine Lehrerin, die seit Jahren unterrichtet, hat mir erzählt: Für mich fängt jedes Schuljahr etwas Neues an. Keine Klasse ist wie die andere. Kein Schüler und keine Schülerin wie die anderen. Das ist spannend.
Auch Jesus hat einmal angefangen. Davon wird nicht viel erzählt. Und doch ist für mich klar: wenn das stimmt, dass Jesus ein Mensch war wie wir, als Kind geboren, als Junge aufgewachsen, dann hat auch er erlebt, was anfangen heißt. Dann stand er manches Mal da und wusste nicht weiter, hatte Angst, dass er es nicht recht macht oder fragte sich, ob er das je schaffen würde. Ich stelle mir vor, wie er in der Werkstatt seines Vaters sich manchmal auf die Finger geklopft oder eine Latte zu kurz abgesägt hat. Nicht nur im praktischen Leben, auch im Glauben hat er mit den Jahren dazu gelernt. In seinem Verhältnis zu seinem himmlischen Vater. Auch da glaube ich, dass Jesus immer mehr in dieses Vertrauen hineingefunden hat, dass er hineingewachsen ist in diese Haltung: Sorget nicht. Überlasst euch ganz der Fürsorge dessen, der die Vögel nährt und die Blumen so schön sein lässt.
Auch Jesus war ein Anfänger. Auch er hat von anderen gelernt, hat Fragen gestellt und hatte Prüfungen zu bestehen. Auch er musste üben. Mit den Jahren hat er immer mehr vertraut, bis er sich Gott ganz überlassen konnte, sogar im Sterben. Aber irgendwann einmal hat auch er begonnen. Vielleicht wird er deshalb Anfänger und Vollender des Glaubens genannt.
Dass Jesus auch einmal angefangen hat, das vergisst sich so leicht. Daran will ich heute erinnern. Daher kann er auch allen, die heute anfangen, ganz nah sein und weiß, wie sich das anfühlt.

 

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