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SWR1 3vor8

(zu Apg. 2, 1-11)

Ich bin Peter Kottlorz von der Katholischen Kirche. Einen schönen guten Morgen!

Es ist bis heute ein Rätsel was genau sich da abgespielt hat, am Pfingsttag vor rund 2000 Jahren. Die verstreuten Christen der ersten Generation kommen zusammen und da passiert ganz Außerordentliches: Sie werden wie von einem Sturm durchgeschüttelt, haben Lichtvisionen mit Feuerzungen, reden in verschiedenen Sprachen und verstehen sich doch.  Nachzulesen in der Apostelgeschichte des Neuen Testaments und heute zu hören in den christlichen Gottesdiensten. Was hat sich da nur abgespielt? Eine religiöse Massenekstase? Ein im Nachhinein mystisch aufgeblähter Gründungsmythos der Kirche? Oder eine spirituelle Explosion mit gemeinschaftlichen Entgrenzungserfahrungen?  Ich tendiere dazu das Pfingstgeschehen als eine Art spirituelle Explosion zu sehen, auch weil ich das Heftige, das Unkontrollierte daran mag. Eine Explosion muss nicht immer zerstörerisch sein - wir sind nur durch die mörderische Nutzung der Sprengkraft gewohnt sie negativ wahrzunehmen. Aber unsere Welt unser ganzes Universum ist durch eine gigantische Explosion entstanden. Und mögen sich viele gute Dinge auch langsam und sanft entwickeln, so gibt es doch auch die schlagartigen Veränderungen die die Welt verbessert haben. In Geistesblitzen oder als Sternstunden der Menschheit. Wenn sich etwas langsam entwickelt und sich dann in einem berauschenden Akt Bahn bricht. Der Fall der Mauer kommt mir dabei in den Sinn. Der Geist, diese unsichtbare, immaterielle Kraft kann Mauern einstürzen lassen. Der Heilige Geist ist nicht zu fesseln, nicht zu halten. Er hat was ungeheuer Drängendes, Freiheitliches, Zum Guten Veränderndes, was Individuelles und gleichzeitig Verbindendes. Weil er in jedem steckt und über jede kommen kann - jederzeit. Dass die Christusbeseelten vor 2000 Jahren so außer sich geraten sind, mag daran gelegen haben, dass sie gemeinsam gespürt haben wie es ist, wenn sich der Abstand zwischen Gott und den Menschen verringert. Das muss sie euphorisch gemacht haben, ansteckend glücklich, haltlos zuversichtlich. Das hat sie sich wohl ohne Worte verstehen und den Glauben in ihrer Muttersprache sprechen lassen. Was ihn in ihrer Seele beheimaten ließ, aber auch ein Protest war gegen die sprachliche Dominanz der jüdischen und römischen und griechischen Eliten. Darum mag ich das Pfingstfest. Weil es so anders ist. Weihnachten ist idyllisch und heimelig. Ostern lichtvoll abstrakt. Pfingsten ist der Rabauke unter den christlichen Hochfesten. Das Ungezähmte, Kreative und Freiheitliche inmitten der Kirchen, die doch oft so geordnet, ängstlich und brav sind.

Einen schönen Pfingstsonntag wünsch ich Ihnen!

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