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SWR3 Gedanken

06JUN2026
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Signalstörung, Bahnübergangsstörung, Weichenstörung, Streckenstörung. Wer regelmäßig Bahn fährt kennt das alles. Vor kurzem ist mir das alles aber nacheinander passiert. Und weil ich auch noch einen beruflichen Termin hatte, zu dem ich nicht zu spät kommen wollte, bin ich vor Ärger kurz explodiert. Danach hab ich mich dann leise geschämt. Denn die anderen um mich herum saßen entspannt da, vertieft in ihre Handys. Entweder war es ihnen egal. Oder sie hatten sich einfach mit der Lage arrangiert. An dem Schlamassel war eh nichts zu ändern.

Es gibt die alte Weisheit, dass man Dinge, die man ändern kann, auch anpacken sollte. Die andern aber, die nicht zu ändern sind, am besten gelassen ertragen. Und ja, den Reflex auf „die da oben“ zu schimpfen, den spüre ich manchmal auch. Auf „unfähige Bahnmanager“, „inkompetente Politiker“. Das ist billig zu haben und trotzdem oft falsch. Weil es viele Probleme gibt, die keiner, der jetzt verantwortlich ist, verursacht hat. Und deshalb auch nicht beschimpft und bepöbelt werden sollte. Die Zugbegleiterin nicht und auch nicht der Politiker. Ärgern darf ich mich trotzdem – und immer wieder üben: Gelassen zu ertragen, was ich jetzt nicht ändern kann.

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SWR3 Gedanken

05JUN2026
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Wie stark würde eine Flut nach einem schweren Unwetter meinen Wohnort treffen? Vor zwei Wochen konnte man das auf der Onlineseite einer großen Zeitung nachschauen. Hab ich natürlich gleich gemacht. In Kaiserslautern, wo ich wohne, sieht das noch recht entspannt aus. An anderen Orten im SWR3-Land ist das aber leider ganz anders.

Das passt gut zu einem Mottotag, der mal von der UNO eingeführt worden ist. Dem „Weltumwelttag“. Seit genau 50 Jahren gibt es den auch in Deutschland. Immer am 5. Juni. Ob solche Tage wirklich was bringen? Ich weiß nicht. Vielleicht hat die Horrorflut im Ahrtal vor fünf Jahren da mehr sensibilisiert als alle Umwelttage zusammen. Viele Menschen dort leiden bis heute darunter. Und die schrecklichen Bilder haben jedem gezeigt, was in Zukunft sogar öfter passieren könnte. Auch anderswo.

Als Christen reden wir oft von der Bewahrung der Schöpfung. Schlimme Ereignisse wie im Ahrtal machen klar, dass Schöpfung aber nicht irgendwas da draußen ist. Ich sitze mittendrin. Umwelt, Klima und Schöpfung bewahren. Am Ende schützt das auch mich selbst. Natürlich muss die große Politik da weiter liefern. Aber jede und jeder kann selbst was tun. Auch im ganz Kleinen. Die bequeme Ausrede, dass das eh nichts bringt, die gilt nicht. Und weil wir alle im selben Boot sitzen, ist alles, was die Schöpfung schützt, auch gut für alle. Wir Christen würden sagen: Ein Dienst am Nächsten.

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SWR3 Gedanken

04JUN2026
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Heute Feiertag, morgen Brückentag, langes Wochenende. Für Viele zumindest. Fronleichnam sei Dank. Doch was da eigentlich gefeiert wird, das wissen deutlich weniger. Wenn ich mich ans katholische Westfalen erinnere, wo ich aufgewachsen bin, dann bedeutete Fronleichnam damals vor allem: Geschmückte Straßen. Blumenteppiche in Hauseingängen. Feierliche Prozessionen. Fronleichnam, das waren Blaskapellen und hunderte Menschen, die singend und betend durch den Ort zogen. Und ein Pfarrer, der mittendrin das geweihte Brot aus dem Gottesdienst feierlich durch die Straßen trug. Das alles gibt es auch heute noch. Nur vielleicht bescheidener als früher.

Mag sein, dass manches heute auch etwas aus der Zeit gefallen erscheint. Auch für viele Katholiken. Nicht aus der Zeit gefallen ist aber, worum es dabei gehen sollte. Denn Prozessionen erzählen ja immer von einer Hoffnung. Dass Gott mit dabei ist. Mit auf dem Weg. Überall. Und weil Gott nun mal nicht zu greifen ist, wird das Brot aus dem Abendmahl mit durch den Ort getragen. Das Brot als Zeichen der Gemeinschaft mit ihm. So wie Jesus es damals, bei seinem letzten Mahl mit seinen Jüngern, gewollt hatte. Wenn Katholiken Fronleichnam feiern, dann feiern sie also dieses Brot der Gemeinschaft. Und einen Gott, der sich nicht in Kirchen versteckt. Einen, der sich überall finden lässt.

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SWR3 Gedanken

03JUN2026
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Jetzt im Frühjahr sind immer meine Himbeersträucher im Garten dran. Die alten Ruten vom vergangenen Jahr müssen raus. Übrig bleiben nur die jungen, frischen Triebe, die dann wieder genug Licht, Luft und Kraft zum Wachsen haben. Anfangs ist mir das ziemlich schwergefallen. Denn die alten sahen eigentlich noch ganz gut aus. Bekamen frische Blättern und neuen Blüten. Also hab ich immer nur ein bisschen weggeschnitten. Die Folge: Kranke, zugewucherte Sträucher und schlechte Himbeeren.

Das ist wie im Leben. Altes loszulassen, was ich oft viele Jahre liebgewonnen habe, ist mir immer schon schwergefallen. Die alten Klamotten etwa, die ich so gern angezogen habe, die jetzt aber abgetragen sind. Aber auch ganze Lebensabschnitte, die zu Ende gehen. Die Ausbildung. Die Zeit, als die Kinder noch klein waren. Irgendwann auch das Berufsleben. Immer wieder geht’s da um Menschen, die mich ein ganzes Stück auf meinem Weg begleitet haben. Ich muss sie weiterziehen lassen. Meine erwachsenen Kinder, enge Arbeitskollegen. Solche Abschiede fallen mir oft besonders schwer.

Inzwischen weiß ich, dass das wohl zu den wichtigsten Lektionen gehört, die man im Leben lernen muss: Loslassen können. Dabei auch traurig sein dürfen. Und sich dann auf das freuen, was kommt.

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SWR3 Gedanken

02JUN2026
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Der Künstler Banksy ist ein Mysterium. Oder ist es eine Künstlerin? Da gibts zum Beispiel das Kind mit dem roten Luftballon und noch vieles mehr. Was Banksy an Hauswänden und Mauern hinterlässt, fasziniert einfach.  Als vor kurzem mal wieder einer getönt hat, dass er Banksy enttarnt habe, da hab ich nur gedacht: Sei einfach still und lass uns ein paar ungelöste Rätsel.

Denn was wäre das für eine Welt, in der es nichts Geheimnisvolles mehr gäbe? Einfach nichts mehr, das verborgen bliebe? Ich finde, die Welt würde damit ärmer und kälter. Natürlich ist es wichtig, immer mehr zu wissen. In der Medizin, beim Klimaschutz und vielem mehr. Aber für mich ist die Wirklichkeit einfach immer mehr als das, was ich sehen, riechen oder anfassen kann. Und zu diesem Mehr gehört für mich unbedingt auch der Glaube. Der Glaube an einen Gott, den keiner je beweisen kann und an den trotzdem Unzählige glauben. An etwas, das unendlich viel größer ist als diese kleine Welt. Und das vielleicht genau deshalb Trost und Hoffnung gibt, selbst in schweren Stunden. Denn eine Welt, in der es, trotz allem, was wir wissen, auch noch geheimnisvoll bleibt, die ist für mich jedenfalls einfach reicher und lebenswerter.

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SWR3 Gedanken

01JUN2026
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Mein Bekannter ist echter FCK-Fan und wenn‘s eben geht beim Heimspiel auf dem Kaiserslauterer Betzenberg dabei. Deshalb regt er sich auf, wenn der Schiri eine umstrittene Entscheidung trifft. Wenn ein Elfmeter verweigert wird, obwohl er ein Foul gesehen hat. Oder ein Tor gegeben wird, obwohl es doch offenbar Abseits war. Gut möglich, dass er sich irgendwann nicht mehr aufregen muss. Weil hochpräzise Kameras alles zentimetergenau erfassen. Und weil die Technik Entscheidungen trifft, über die man gar nicht mehr diskutieren kann. All das gibt’s versuchsweise schon. Vielleicht wird ja irgendwann sogar der Schiri überflüssig.

Auch wenn ich kein riesiger Fußballfan bin – ich hoffe nicht. Denn für mich ist das ein bisschen wie bei der Musik. Wahrscheinlich kann ein Computer auch die schwierigsten Klaviersonaten von Beethoven perfekt und fehlerfrei spielen. Aber würde ich mich noch ernsthaft in ein Konzert setzen, um mir das anzuhören? Bestimmt nicht. Ich will mit dem Pianisten mitfühlen, mich von seiner Interpretation anrühren lassen. Will, dass da der Funke überspringt von ihm zu mir. Von Mensch zu Mensch. Für tolle Musik braucht‘s viel Übung und Können, und vor allem ganz viel Emotion. So wie beim Fußball. Und deswegen will auch mein fußballbegeisterter Bekannter nicht auf den Schiri verzichten. Auch wenn er sich manchmal über ihn ärgert.

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SWR3 Gedanken

31MAI2026
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Die offene Zahnpastatube soll ja so ein Klassiker sein. So wie die schmutzigen Socken, die ständig in der Wohnung rumliegen. Tatsächlich gibt es einige Gründe, warum Paare sich hin und wieder in die Haare geraten. So gesehen also fast ein kleines Wunder, dass nicht mehr Partnerschaften in die Brüche gehen. Denn trotz der nervigen Macken, die jeder von uns hat, bleiben die meisten zusammen. Mehr noch. Eine riesige Mehrheit sagte in einer Studie sogar, dass das ihrer Liebe überhaupt keinen Abbruch tut.

Vielleicht, weil Liebe etwas kann, was vielen von uns sonst schwerfällt. Das, was uns am anderen ständig nervt, zwar deutlich zu sehen – aber schlichtweg zu ignorieren. Und das lässt sich im Prinzip sogar schon in der Bibel nachlesen. In einem bei Brautpaaren beliebten Text nämlich:

Die Liebe ist langmütig, / die Liebe ist gütig. / Sie ereifert sich nicht, / sie prahlt nicht, / sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, / sucht nicht ihren Vorteil, / lässt sich nicht zum Zorn reizen, / trägt das Böse nicht nach. Sie erträgt alles, / glaubt alles, / hofft alles, / hält allem stand. 

Die Bibel trifft da bei vielen Paaren offenbar einen Punkt. Und trotzdem gibt es klare Grenzen. Das hat auch die Studie gezeigt. Denn die Paare haben auch gesagt: Wenn der andere untreu wird oder sogar gewalttätig, dann ist Schluss. Auch bei der Liebe.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

27MAI2026
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Mit einem fröhlichen „Salam aleikum“ begrüßen sich die beiden Männer. Sie scheinen sich zufällig auf dem Bahnsteig zu begegnen, auf dem ich auf meinen Zug warte. Ich bekomme das mit und denke mir: Eigentlich ist das schön, sich so zu begrüßen. Denn übersetzt heißt das ja so viel wie: Der Friede sei mit euch. Das gab‘s sogar schon zur Zeit der Bibel. Man wünschte sich Frieden, wenn man sich traf. Auch Jesus hat das oft gemacht, wenn er Menschen begegnet ist. Wenn ich das allerdings heute tun würde und auf der Straße Leute begrüße mit „Friede mit dir“; sie würden mich im besten Fall wohl schräg anschauen. Mich für einen irgendwie komischen Kauz halten.

Shalom, Salam, Friede mit dir, dahinter verbirgt sich aber mehr als hinter den üblichen Begrüßungsfloskeln, die wir so benutzen: Servus. Hallo. Unn …? Wenn einer mir Frieden wünscht, meint er damit nämlich nicht nur, dass mich keiner verprügeln soll. Dass ich im Job nicht gemobbt und runtergemacht werde. Dass ich keinen Zoff mit meinen Nachbarn habe. Shalom, Salam, Friede, das ist auch ein Wunsch für meine Seele. Dass ich Frieden finde in mir selbst. Dass ich versöhnt sein kann mit mir, trotz allem, was vielleicht nicht rund läuft. Versöhnt auch mit allem, was ich an mir nicht leiden kann. Friede mit dir, das heißt zuerst: Ich wünsch dir inneren Frieden. Frieden mit Gott und der Welt. Seelenfrieden.

Und da, finde ich, begegnet sich der Wunsch mit dem, was so Vielen inzwischen auf den Geist geht. Das endlose gemeckert und gehässig geredet wird. Dass Gewalt zunimmt. Wer so drauf ist, der kann wohl kaum Frieden in sich haben. Und so wünsche ich Ihnen heute, dass Sie Frieden finden. Draußen auf der Straße ebenso wie tief in sich drinnen.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

26MAI2026
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Das kleine Kind mit dem roten Luftballon. Das Nashorn, das auf ein Auto klettert. Der Revolutionär, der statt eines Pflastersteins einen Blumenstrauß wirft. Die Werke, die der Künstler Banksy an Mauern und Hauswänden hinterlässt, faszinieren ganz viele. Zu dieser Kunst gehört aber auch, dass niemand weiß, wer dieser Banksy eigentlich ist. Ein Er? Eine Sie? Banksy ist ein Mysterium. Vor kurzem hat mal wieder einer damit geprahlt, dass er Banksy enttarnt habe. Dass er genau wisse, wer sich dahinter verbirgt. Ob an der Prahlerei was dran war? Unklar. Ich hab mir nur gedacht: Sei einfach still und behalt es für dich. Ich will auch Geheimnisse haben.

Natürlich ist es gut, wenn wir immer mehr wissen. Das Klima besser verstehen, erforschen, wie sich Krankheiten heilen lassen. Aber was wäre das letztlich für eine Welt, in der es nichts Geheimnisvolles mehr gäbe, nichts Rätselhaftes mehr? In der einfach nichts mehr verborgen bliebe? Es wäre eine kältere und ärmere Welt. Ich bin überzeugt, dass wir Menschen das Geheimnisvolle brauchen. Etwas, das vielleicht daran erinnert, dass die Welt immer mehr ist als das, was ich sehen, riechen, anfassen oder im Mikroskop erkennen kann. Zu diesem Mehr gehört für mich auch der Glaube. Niemand hat Gott je gesehen, heißt es schon in der Bibel. Und doch glauben unzählige Menschen an ihn. An etwas, das größer ist als die Welt. Das ich als Mensch nie begreifen kann. Und viele finden genau darin, so wie ich auch, Trost und Hoffnung.

Und deshalb hoffe ich, dass Banksy einfach ein Geheimnis bleibt. Eines das fasziniert und das Leben dadurch ein bisschen reicher macht.

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SWR1 3vor8

25MAI2026
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Was ist Wahrheit? Eine berühmte Frage. Gestellt hat sie der römische Statthalter Pontius Pilatus. So jedenfalls erzählt es die Bibel. Damals machten ihm die Jerusalemer Obrigkeiten Druck. Denn nur er, der römische Beamte, durfte Jesus verurteilen. Und das sollte er in ihren Augen auch tun. Aber Pilatus zögert und windet sich. Er weiß genau, dass es ein Unrechtsurteil wäre. Und stellt deshalb gequält diese Frage: Was ist Wahrheit?

Wahrheit. Das ist so ein Wort, dass zwei Seiten hat. Wahrheit ist grundsätzlich gut, hat in der Kirche aber leider auch eine unselige Geschichte. Nicht nur wegen Pilatus. Denn im Namen einer vermeintlichen Wahrheit sind auch Leute, die anders dachten und lebten, als es die Kirche vorgab, verfolgt und massakriert worden. Im Namen dieser Wahrheit wurden Kriege geführt. In ihrem Namen ist denunziert, ausgegrenzt und gedemütigt worden. Was ist Wahrheit?

Heute, am Pfingstmontag, ist in den Bibeltexten von ihr die Rede. Vom Geist der Wahrheit nämlich, den Gott in die Welt schicken werde. Jesus ist nicht mehr da. Und weil man ihn nicht mehr um Rat fragen kann, soll sein guter Geist kommen. Für alle. Überall. Er soll den Menschen helfen, den Spuren Jesu in ihrem Leben zu folgen. Soll sie erkennen lassen, wie das ist mit Himmel und Erde.

Wahrheit ist auch nicht nur abstrakt. Zwei mal Zwei ergibt Vier, und zwar immer. Das ist wahr. Und wahr ist auch, dass jeder Wassertropfen aus Millionen Molekülen besteht, die alle gleich gebaut sind. Aus Sauerstoff- und Wasserstoffatomen nämlich. Nachweisbar im Experiment. Das ist wahr. Beim Glauben allerdings, da wird es schwieriger. Ob es Gott gibt oder einen Heiligen Geist, das kann niemand beweisen. Das kann ich nur glauben und darauf hoffen. Und ich kann danach leben. So, wie Jesus es vorgemacht hat. Ich kann so leben, dass jeder Mensch zu meinem Nächsten wird. Weil ich ihn als Mensch achte und ernst nehme, selbst dann noch, wenn er vielleicht ein schlimmer Kotzbrocken ist. Ich kann so leben, dass Ehrlichkeit und Verlässlichkeit keine Worthülsen sind. Sondern dass Menschen das wirklich spüren, wenn sie mit mir zu tun haben. Auch das ist dann wahr.

Doch auch wenn ich das alles aufrichtig will, fällt es manchmal schwer. Als Christ kann ich da immerhin auf diesen guten Geist hoffen, der uns damals versprochen worden ist. Als Maßstab und Ansporn. Den „Geist der Wahrheit“, der spürbar wird, wo geglaubt, gehofft und geliebt wird.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44488
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