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SWR3 Worte

02MAI2026
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Samuel Falke war Programmierer und hatte einen gut bezahlten Job, der ihn allerdings stresste. Er hat sich getraut etwas zu verändern. Er ist inzwischen Lokführer und ganz begeistert, wenn er erzählt:

Meine Arbeit als Lokführer … ist ganz anders: Selbst, wenn alles durcheinander war an einem Tag, bleibt keine Arbeit liegen, wenn ich Feierabend habe… (und) Ich mag es, wenn ich zwei Minuten Verspätung habe, zum Beispiel, weil alle zur selben Tür einsteigen wollten, und ich trotzdem pünktlich in München ankomme. Das sehe ich als meine Challenge. 500 Pendler kommen pünktlich zur Arbeit – ja!

Chrismon Plus, das evangelische Magazin, März/April 2026

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44302
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SWR3 Worte

01MAI2026
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Pfarrer Johannes Bräuchle macht Seelsorge bei Schaustellern und Zirkusleuten.So erzählt er von einer besonderen Trauerfeier:

Eine alte Artistin aus einer der ganz großen Circusfamilien ist verstorben. Sie ist 105 Jahre alt geworden… Ihre Leidenschaft in den „ruhigen“ Monaten der Coronazeit war, … Karten zu spielen und dazu ein Sektchen zu trinken. Sie hat verfügt, dass an ihrer Beerdigung niemand traurig sein darf und jeder auf ihr Wohl mit Sekt anstoßen soll. Als ich auf den Circusfriedhof an der Donau komme, sind dort … Piccolo-Fläschchen gerichtet und auch auf dem Altar ist für mich der Sekt ebenfalls bereitgestellt. Am Grab … sind für das Defilee zwei Schalen vorbereitet mit Spielkarten. Alle ca. 600 Gäste gehen am Grab vorbei, werfen eine Spielkarte auf den Sarg und prosten feierlich der Verstorbenen mit Sekt zu.

Perspektiven Magazin 92, Magazin für Glauben, Leben und Gemeinde

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44301
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SWR3 Worte

30APR2026
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Viele reden von Veränderung, Reformen, dass es anders werden muss. Damit  das gelingt, ist es wichtig, dass jeder das einbringt, was er einbringen kann. Dabei hat die Professorin für Nachhaltigkeitstransformation, Maja Göpel eine Idee, was der Beitrag der Kirchen sein könnte:  

Was die Kirchen … anbieten ist die spirituelle Praxis, kurz innezuhalten und die Frage zu stellen: Worum geht es eigentlich? Wer sind wir als Wesen? Was ist in uns angelegt? All das findet sich in Geboten und Psalmen und reicht bis zu dem Gedanken, dass Liebe schon eine ganz gute Energie ist. Auch Gesang ist wichtig. Wer gemeinsam singt, begegnet sich ganz anders und verbringt eine Zeit miteinander, in der man nicht alles ausdiskutieren muss.

Chrismon Plus, März/April 2026

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44300
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SWR3 Worte

29APR2026
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Kira Geiss war 2023 Miss Germany. Schon damals engagierte sie sich vor allem für die Arbeit mit Jugendlichen. Für ihre eigene Generation möchte sie gerne das hier mitgeben:

Verlier dich nicht in den sozialen Medien, übernimm Verantwortung (glaub mir, du kannst es) und steh zu deiner Stimme! Ich bin 20 Jahre alt und trotzdem kann ich auf dieser großen Bühne stehen und Anstöße in unsere Gesellschaft geben. Es ist super wichtig, dass sich alle Generationen gehört und zuhause fühlen! Denn nur dann findet eine Identifikation und Anteilnahme statt.

Perspektiven Magazin 92, Magazin für Glauben, Leben und Gemeinde

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44299
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SWR3 Worte

28APR2026
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„Jeder ist seines Glückes Schmied“ ist eine beliebte Redewendung. Die Psychologin Eva Asselmann hätte da eine Kritik. In dem Satz steckt nämlich die Vorstellung, dass es im Leben gerecht zugehe, oder zumindest alle die gleichen Chancen hätten. Ihre Meinung zu der Redewendung ist aber folgende:  

Es ist eine bequeme Erzählung, weil die Alternative unbequem ist. Wenn wir anerkennen, dass das Leben ungerecht ist, müssen wir uns mit den größeren existenzielleren Fragen auseinandersetzen. Ein Beispiel: Wenn jemand beruflich oder finanziell scheitert, neigen wir schnell dazu zu sagen, dass er sich nicht genug angestrengt hat. Das vermittelt Kontrolle und Ordnung. Doch oft spielen auch Zufälle, Herkunft oder Lebensumstände eine Rolle. …

Zeitschrift Galore Interviews, April/Mai 2026

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44298
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SWR3 Worte

27APR2026
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Warum sollte man sich ehrenamtlich engagieren. Vielleicht, weil man Neues lernt oder nicht allein ist, sondern Gemeinschaft erlebt. Dabei kann man auch einen Umweg machen und manches Ehrenamt ist auch nichts für einen, erzählt der 67-jährige Siegfried Bartholomä:

Als ich in Rente ging, hab ich mich auch für Hospizarbeit (also der Begleitung von Sterbenden) interessiert, aber dafür bin ich zu empfindlich. Ich mach jetzt fünf andere Ehrenämter. Eines davon: Ich begleite Menschen mit Behinderung bei Heimspielen des VfB in Stuttgart.- Wir führen die Fans durch die Sicherheitskontrolle und betreuen sie während des Spiels, gehen mit, wenn jemand auf Toilette muss oder eine Wurst kaufen möchte. Wenn ich die glücklichen Gesichter der Fans sehe, das ist einfach klasse.

Chrismon Plus, Jan/Feb 2026

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44297
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SWR3 Worte

26APR2026
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Mit 36 Jahren ist der Schauspieler Frederick Lau weise. Jedenfalls ein bisschen, meint er und erzählt.

Ich habe schon ein paar Sachen verstanden, weiß jetzt, wie sie funktionieren. Und ich rennen nicht mehr jedem Reiz hinterher, weil ich inzwischen abschätzen kann, wie das dann jeweils ausgehen wird. Das erlaubte es mir, mich öfter zurückzulehnen und Dinge einfach passieren zu lassen. Aber ob das schon Weisheit ist? Auf jeden Fall habe ich erkannt, dass das Streben nach immer mehr sinnlos ist. Irgendwann ist „gut“ genau richtig und ausreichend – das zu verstehen, ist schon beinahe weise. Sich selbst zu kennen, kann auch eine Form von Weisheit sein. In diesem Sinne: Ich weiß, wer ich bin, ich weiß, wo meine Fehler liegen.

Zeitschrift Galore Interviews, April/Mai 2026 Ausgabe

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44296
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SWR3 Gedanken

04APR2026
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Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht, heißt es. Ein bisschen nachhelfen kann man mit Düngen, aber klar ist: Manches muss einfach vor sich hin gären, bis daraus etwas wird. Und dieser Prozess findet nicht selten verborgen, im Dunkeln statt.

Eine Freundin hat mal über ihre Kinder in der Pubertät erzählt: „Bei meiner Tochter war es anstrengend. Die musste immer alles besprechen und ausdiskutieren. Bei meinen Söhnen hatte ich den Eindruck, die sind am Anfang der Pubertät in ihr Zimmer gegangen und dann sind sie nach ein paar Jahren wieder rausgekommen und waren durch mit ihrer Verwandlung.“

Wenn man das nur vorher wüsste. Dann wäre man vielleicht auch nicht immer so ungeduldig. Würde vielleicht auch dagegen helfen, dass Eltern, trotzdem immer wieder versuchen am Gras zu ziehen und sei es nur um mal zu schauen, ob der Halm nicht doch ein bisschen gewachsen ist.

Der Tag heute heißt Karsamstag. Es ist ein stiller Tag, ein Tag an dem sich irgendwie nichts bewegt. Ein Tag nach der Beerdigung. Nach dem Abschied. Und trotzdem denke ich: Vielleicht wächst ja doch was. Vielleicht verwandelt sich ja was und alles was ich tun muss ist: Aushalten, Warten, Geduld zeigen.

Weil Gras nicht schneller wächst, wenn man dran zieht.   

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SWR3 Gedanken

03APR2026
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Der Karfreitag ist ein Übungstag für mich. Ein Tag an dem ich übe hinzuschauen. Nämlich dahin, wo ich sonst so ungerne hinschaue. Auf das Leid, auf das, was weh tut.

Normalerweise schaue ich schnell weg. Weil mich das auch belastet. Ich schaue nicht gerne hin, wenn es um die Toten im Krieg geht. Um Krankheiten, die man nicht heilen kann. Wenn Menschen von ihrem Schicksal erzählen, das ich nicht ändern kann. Und am schnellsten schaue ich weg, wenn ich merke, dass ich selbst einen Fehler gemacht habe. 

Der Karfreitag ist mein Übungstag da doch hinzuschauen. Ob dann was besser wird?

Als ein Kollege von seinen Problemen mit seinen Kindern erzählt, kommen andere Eltern auf ihn zu und sagen: Endlich erzählt mal einer darüber. Die Kinder sind nämlich im Autismusspektrum zuhause. Sie sind anders. Irgendwie bunt im Denken und Handeln, aber auch anstrengend. Es tut gut, wenn das jemand auch einmal ausspricht.   

Und so gibt es natürlich viele Sachen die anstrengend sind und noch viel krassere Schicksale, viele Geschichten, viele Qualen in der Welt und es ist anstrengend, von ihnen zu hören, sie alle wahrzunehmen.

Aber ich denke: Wenn ich hinzusehen, wo man sonst lieber wegguckt, wenn ich das Leid auch ausspreche, hilft das denen, die mit diesen Schicksalen, Geschichten und Qualen tagaus, tagein unterwegs sind. Daran erinnert mich der Karfreitag, damit ich mich darin übe.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44124
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SWR3 Gedanken

02APR2026
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Keiner von uns hat Matthias gekannt. Wir haben nie mit ihm gesprochen. Nur einer von uns hat ein paar Einzelheiten von den Nachbarn erfahren. Die sind auch zur Beerdigung gekommen und waren dankbar, dass sie sich von Matthias verabschieden konnten.

Matthias ist nämlich gestorben, er war Bürgergeldempfänger, also arm und hatte keine Angehörigen. Er hatte auch nichts hinterlassen, was passieren soll, wenn er stirbt. Die Stadtverwaltung kümmert sich um solche Sterbefälle. Wenn sie keine Angehörigen finden oder wenn es welche gibt, die sich aber nicht um die Bestattung kümmern wollen, dann werden die Verstorbenen „von Amts wegen“ bestattet. Das heißt: Die Urne wird begraben, ohne dass es eine Trauerfeier gibt. Erfährt auch keiner.

Dass Matthias und drei andere, doch mit einer Trauerfeier verabschiedet wurden, haben sie der Tobiasgemeinschaft zu verdanken. Einer Gemeinschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, in solchen Fällen eine kleine Feier zu organisieren, bevor die Stadt „von Amts wegen“ und einfach so bestattet. Dabei kann in der Tobiasgemeinschaft jeder seine Fähigkeiten einbringen kann. Die einen sprechen ein Gebet, die anderen tragen die Urne, die nächsten sind einfach nur da.

Die Tobiasgemeinschaft hat ihren Namen übrigens aus der Bibel, von einem Tobias, der eben genau das gemacht hat: Er hat Menschen beerdigt, egal woher sie kamen und egal, ob er sie gekannt hat oder nicht. So lernen wir von Tobias und machen es ihm heute nach, damit auch Menschen in Armut in Würde bestattet werden können.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44123
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