Zeige Beiträge 1 bis 10 von 896 »
SWR3 Worte
Der Franziskaner Richard Rohr ist der Meinung, dass wir aufhören müssen Gott so zu verstehen, dass er vor allem mit Himmel und Hölle belohnt und bestraft. Dazu erzählte folgende Geschichte:
Ein Engel geht durch die Straßen der Welt und trägt in der einen Hand eine Fackel und in der anderen einen Eimer Wasser. Eine Frau fragt den Engel: „Was machst du mit der Fackel und dem Eimer?“ Der Engel antwortet: „Mit der Fackel verbrenne ich die Paläste des Himmels, und mit dem Eimer lösche ich die Feuer der Hölle aus. Nur so können wir herausfinden, wer Gott wirklich liebt.“
Richard Rohr erklärt weiter, was das für ihn mit der Liebe Gottes zu tun hat:
Liebevolle Menschen, denen ich auf der ganzen Welt begegnet bin, scheinen zu wissen, dass Liebe nur dann Liebe ist, wenn sie keine Unterschiede macht. Sobald man anfängt, sie aufzuteilen, verlässt man das große Feld der Liebe.
Der Weg des Propheten, Richard Rohr
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45180SWR3 Worte
Die Neuropolitologin Liya Yu spricht von In-Gruppen und Out-Gruppen. Die In-Gruppe sind die uns bekannten und vertrauten Menschen. Die Out-Gruppen sind die uns fremden Menschen, die wir bewusst oder unbewusst ausschließen. Yu ist der Überzeugung, dass man seine In-Gruppen erweitern kann. Das gelingt folgendermaßen, sagt Sie:
Durch so lapidare Dinge wie nachbarschaftliches Verhalten … (es geht) um die Fähigkeit, mich in den Ladeninhaber von nebenan hineinzuversetzen, der aus einer anderen Kultur stammt. Ich muss mich nicht gleich in das Wohnzimmer des Ladeninhabers setzen oder einer Person mit einer anderen Religion ein Weihnachtsgeschenk machen. Vielmehr geht es darum, dass wir in gemeinsamen Belangen zusammenarbeiten. (…) Wir leben in Deutschland in einer hyperdiversen Gesellschaft, die uns geradezu verpflichtet, unsere In-Gruppen-Grenzen zu erweitern, damit unsere Demokratie und Gesellschaft überhaupt funktionieren.
Zeitschrift Galore Interviews, Ausgabe 68 Galore (08/09 2026) S. 68
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45179SWR3 Worte
Die Autorin Sasa Hanten meint, dass man Glück lernen kann. Man kann es nicht schmieden, aber man kann ihm eine Landebahn bereiten. Sie sagt:
Es stimmt, man kann das Glück nicht zwingen. … Jeder hat es (aber) selbst in der Hand, mehr Landeplatz für Glück zu schaffen. Der wird auch größer, wenn ich ein Rudel um mich schare, bestehend aus Familie, Freunden und Nachbarn. Auch Mikro-Beziehungen gehören dazu. Also jeder, mit dem ich Kontakt habe – der Postbote, die Kassiererin im Supermarkt. Ich lebe nach dem Motto: „Jeder bekommt einen Satz mehr“, also mehr als eigentlich nötig. Wenn draußen 40 Grad herrschen, kann ich dem Postboten ein Glas Wasser geben.
Zeitschrift Galore Interviews, Ausgabe 68 Galore (08/09 2026) S. 56
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45178SWR3 Worte
In der Bibel sagt einer: „Danke Gott, dass du mich so wunderbar gemacht hast“ Die Ärztin und Buchautorin Guilia Enders kann dem viel abgewinnen, wenn vielleicht auch anders als gedacht. Sie sagt:
Je mehr ich über den Körper weiß, umso besser passt das. Body Positivity – also die Haltung, den eigenen Körper anzunehmen und zu feiern – funktioniert bei mir nicht über gut gemeint Sätze wie „Du bist schön, so wie du bist!“. Wenn ich aber eine Videomikroskopie von den Sensorzellen des Ohres sehe, wie sie im Takt von Elvis Presley tanzen, oder von Immunzellen, die jede einzelne Körperzelle abtasten, um sicherzugehen, dass es mir gut geht, dann spüre ich diesen Wert. In solchen Momenten kommt bei mir Liebe auf: Liebe für einen Körper, den ich haben darf und der alles für mich tut, was er kann.
Aus: Chrismon Plus, Ausgabe 9/10 25, S. 83
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45177SWR3 Worte
Der Musikkabarettist Bodo Wartke erzählt, wie er sich Gott oder das Göttliche vorstellt. Er sagt:
In den Momenten, in denen Kunst sich durch mich ereignet, fühle ich mich getragen. Ich denk nicht: Ich geiler Checker, was ich für krasse Sachen getextet und komponiert habe! Ich fühle mich eher wie ein Medium, etwas will sich ereignen – und ereignet sich durch mich.
Da fühle ich mich sehr verbunden und auch gebraucht. Und ja, vieles spricht dafür, dass es eine göttliche Kraft gibt. Das Leben wollte in die Welt, und sobald die Umstände günstig waren, passierte es in einer Wahnsinnsopulenz und Pracht. Woraus wir bestehen – Stickstoff, Kohlenstoff, Sauerstoff usw. -, könnte man rumliegen lassen. Warum hat die Materie Lust, etwas Neues auszuprobieren? Ich glaube, dahinter steckt eine Haltung, kein Masterplan, ich glaube, es ist eher Neugier: Mal gucken, was dabei herauskommt.
Aus: Chrismon Plus, Ausgabe 5/6 26, S. 26
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45176SWR3 Worte
Die Journalistin Monja Stolz geht gerne in den Gottesdienst und trifft sich mit anderen Frauen, um sich über ihren Glauben zu unterhalten. Anderen gegenüber spricht sie aber eher vorsichtig über ihren Glauben. Sie sagt:
Mein Ziel ist es nicht, schamlos zu werden. Ich habe nicht das Bedürfnis zu missionieren. Es ist mir egal, ob mein Umfeld an meinen Gott glaubt oder nicht. Ich freu mich jedoch, wenn jemand Interesse an meinem Glauben zeigt, da ich aus diesem viel Kraft ziehe und ihn deshalb gern teile. Im Grunde möchte ich aber einfach frei mit dem umgehen können, was so eng zu mir gehört, ohne dafür verurteilt zu werden.
Weiter sagt sie, dass ihr dabei Humor hilft, wenn sie erzählt:
Als eine Freundin nach dem Gottesdienst fragte: „Na, hast du gut gebetet?“, sage ich: „Ich habe so fleißig gebetet, dass es für uns beide reicht“.
Chrismon Plus, Ausgabe 5/6 26, S. 61
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45175SWR3 Worte
Wie startet man am besten in den Tag? Der Autor und Zeichner Austin Kleon findet: besser nicht mit den Nachrichten. Er erklärt, warum:
Ein Freund von mir hat mal gesagt, er wisse nicht, wie lange er noch jeden Morgen zu dermaßen schrecklichen Nachrichten aufwachen könne. Ich habe ihm vorgeschlagen, gar nicht zu Nachrichten aufzuwachen – und das sollte auch sonst niemand tun.
Es passiert so gut wie nichts in den Nachrichten, was wir unbedingt in den allerersten Minuten unseres Tages wissen müssten. Wenn du gleich nach dem Wachwerden zum Smartphone oder nach deinem Laptop greifst, schreist du regelrecht nach Anspannung und Chaos in deinem Leben.
Aus: Austin Kleon: Gib nicht auf!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45174SWR3 Gedanken
Sollen Menschen Tiere essen oder nicht? Dieses Gespräch habe ich mit einem jungen Mann geführt. Und ich fand es anstrengend und spannend gleichzeitig.
Anstrengend fand ich unser Gespräch, weil ich gemerkt habe, dass der junge Mann sehr klare Ansichten hat und ich innerlich immer ungeduldiger geworden bin. Vielleicht auch deshalb, weil ich zwischen seinen Worten immer wieder Vorwürfe gehört habe. Statt ihm wirklich zuzuhören, bin ich dann auf Abstand gegangen,
Erst im Laufe des Gesprächs habe ich verstanden, worum es ihm eigentlich ging. Er hat sich gewünscht, dass die Kirche eine stärkere Verbündete für die Anliegen des Veganismus ist. Und er war enttäuscht, dass sie seiner Meinung nach nicht eindeutig genug Stellung bezieht.
Als mir das klar geworden ist, wurde auch das Gespräch interessanter. Denn für mich ist Kirche kein Ort mit fertigen Antworten für jede Frage. Sie lebt vom gemeinsamen Nachdenken und Diskutieren. Und das entdecke ich auch in der Bibel:
Dort finden sich Texte, die Tiere als Mitgeschöpfe Gottes ernst nehmen. Jesus sagt sogar, dass Gott den kleinen Spatz im Blick hat. Zugleich wird in der Bibel Fleisch gegessen, ohne dass dies grundsätzlich infrage gestellt wird. Gerade am Anfang der Bibel sind Texte, die diese Spannung aufzeigen, aber nicht auflösen. Man könnte auch sagen: Die Bibel selbst ringt um eine Antwort. Dabei war die Welt damals eine ganz andere als unsere. Tiere gehörten zum Alltag. Fleisch war etwas Besonderes und kam deutlich seltener auf den Tisch als heute in Zeiten industrieller Tierhaltung.
Mich beeindruckt, dass Menschen schon vor Jahrtausenden bereit waren, über ihr Handeln nachzudenken und darüber zu streiten, wie ein verantwortliches Leben aussieht.
Und vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieses Gesprächs: Wichtige Fragen werden nicht dadurch gelöst, dass alle sofort derselben Meinung sind. Sie brauchen Menschen, die sich gemeinsam auf die Suche nach Antworten machen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44958SWR3 Gedanken
Tobi hat sich für diesen Montag extra Urlaub genommen. Nicht, weil er wegfahren will. Oder ausspannen. Er nutzt seinen Urlaubstag, um gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen große Zelte für jeweils zehn Menschen und ein großes Festzelt abzubauen, zu reinigen, einzulagern und für den nächsten Einsatz vorzubereiten.
Dabei ist der Montag ja nur der Abschluss. Das ganze Wochenende hat Tobi bereits auf einem Konfi-Camp mitgearbeitet. Ein Konfi-Camp ist ein großes Zeltlager für fast 300 Konfirmandinnen und Konfirmanden. Tobias war dabei Ansprechpartner für Jugendliche, hat kleine Verletzungen versorgt, Essen ausgegeben, Teller gespült und dort geholfen, wo Hilfe gebraucht wurde.
Für all das bekommt er kein Geld. Im Gegenteil: Er investiert sogar einen Urlaubstag. Und das machen Menschen zum Glück immer wieder in ihrem Ehrenamt. Ohne diese Investition würde bei uns so viel nicht funktionieren:
Die Jugendgruppen in den Vereinen. Die Feuerwehr. Das Rote Kreuz. Die Kirchengemeinden. Die Sportvereine. Viele Freizeiten und Ferienangebote.
Die Ehrenamtlichen fragen nicht zuerst: Was habe ich davon? sondern: Was kann ich beitragen? Ich finde, was sie da mitbringen, das ist nicht nur effektive Arbeit, sondern auch ein besonderer Geist. Sie erinnern uns daran, dass nicht alles einen Preis haben muss. Dass Gemeinschaft davon lebt, dass Menschen mehr geben, als sie müssten.
Darum bin ich dankbar für Menschen wie Tobi. Sie zeigen mir, dass Zusammenhalt dort entsteht, wo Menschen bereit sind, Zeit, Kraft und Herzblut zu investieren.
Deshalb: Herzlichen Dank an alle, die sich, ihre Zeit und ihren Urlaub investieren. Ich finde ja, dass dadurch sogar etwas von Gottes Geist spürbar wird, weil Menschen zusammengebracht und Gemeinschaft möglich gemacht wird.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44957SWR3 Gedanken
Mein Freund Christian hat mir erzählt, dass er als Kind eine ganze Sammlung von Schlümpfen hatte. Die mussten immer ganz genau in der richtigen Reihenfolge stehen. Wenn jemand einen Schlumpf verschoben hat, konnte Christian nicht schlafen gehen, bevor nicht wieder alles ordentlich sortiert war.
Bis heute ist ihm diese Liebe zur Ordnung geblieben. Er kennt Regeln und Vorschriften oft erstaunlich genau. Und wenn etwas nicht so läuft, wie es vorgesehen ist, kann er leidenschaftlich darüber diskutieren. Manchmal sagen andere dann: „Nun sei doch nicht päpstlicher als der Papst.“
Als Christian mir von seinen Schlümpfen erzählt hat, habe ich ihm geantwortet: „Vielleicht geht es dir gar nicht in erster Linie um Regeln. Vielleicht magst du einfach Ordnung.“
Da musste er lachen und hat zugestimmt. Seitdem denke ich öfter darüber nach. Denn vieles von dem, was uns wichtig ist, halten wir zunächst für objektiv richtig. Wir glauben, dass es vernünftig ist. Oder logisch. Oder selbstverständlich. Dabei hat es oft damit zu tun, dass es uns selbst wichtig ist.
Der eine liebt Ordnung. Die andere schätzt Spontaneität. Der eine achtet auf Traditionen. Die andere freut sich über Veränderungen. Und oft wundern wir uns, warum die anderen das nicht genauso sehen wie wir.
Mit meinen Kindern habe ich oft dieses Spiel gespielt: „Ich sehe was, was du nicht siehst.“ Und ich finde, das ist ein erstaunlich kluger Satz. Denn er erinnert daran, dass jeder Mensch die Welt ein wenig anders wahrnimmt. Jeder entdeckt etwas, das dem anderen verborgen bleibt.
Deshalb, finde ich, sind Gespräche so wichtig. Nicht damit am Ende alle dieselbe Meinung haben. Sondern damit wir verstehen, warum dem anderen etwas wichtig ist: und sei es nur die richtige Reihenfolge von Schlümpfen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44956Zeige Beiträge 1 bis 10 von 896 »
