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SWR3 Worte
Die Politikjournalistin Yasmin M’Barek spricht von Empathie und Liebe, gerade auch wenn es mal in politischen Diskussionen am Esstisch schwierig und sehr kontrovers zugeht. Sie sagt:
Empathie [ist] ein Versuch andere Menschen zu lieben. Empathie setzt voraus, gemeinschaftlich sein zu können. […] Zu sagen: „Ich will dich verstehen und eine Brücke zwischen uns bauen […] Denn wenn wir uns entzweien, hat das politische und persönliche Konsequenzen. […] es geht nicht darum zu denken „Ich liebe alles an dir“, sondern Liebe als Gegenteil von Bösartigkeit und Misstrauen zu verstehen. Der Begriff ist groß, aber Menschen zu lieben heißt, ihnen zuzutrauen, dass sie etwas Gutes in sich haben.
Zeitschrift Galore Interviews, Ausgabe 74 Galore (01/2026)
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Iris Macke beschäftigt sich als Chefredakteurin des Adventskalenderverlags „Der andere Advent“ hauptberuflich mit Weihnachten und dem Advent. Hier erzählt sie Ihre Weihnachtsgeschichte:
Ich bin sieben und mein Herz pocht, als ich die Treppen zu Frau Peffs kleinen Laden hochgehe. Natürlich weiß ich, was Geld ist. Ich habe ja viel davon zusammengespart. Leider nicht genug, eine Mark fehlt mir noch für die beiden Weinrömer mit dem gedrechselten grünen Stiel. […] Sehr selbstbewusst hole ich die Weingläser aus dem Regal, gebe zum Tresen und schiebe Frau Peff meine Währung zu. Fünf Mark und zwei Muscheln. […] Leider schaffe ich es nicht Frau Peffs Blick standzuhalten. Da höre ich es rascheln. [Sie] wickelt die beiden Weingläser in graues Packpapier […] und gerade als ich gehen will höre ich: „Warte! Du hast etwas vergessen!“ Frau Peff schiebt mir 50 Pfennig über den Ladentisch. „Dein Wechselgeld.“
Der Andere Advent 2017/18 zum 24. Dez 2017
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Seit 1945 lädt die Evangelische Gesellschaft – auch „eva“ abgekürzt - zur Weihnachtsfeier in „eva’s Stall“. Für viele heißt die Veranstaltung einfach „der Stall“. Dieter Saltuari hat schon viele Mal dort Weihnachten gefeiert und erzählt:
Du merkst: Du bist nicht allein. Kannst dich sammeln. Kannst auch anderen etwas geben. Man geht beruhigt zum Stall hin, weil man weiß, dass man morgen wiederkommen kann und nicht allein sein wird. Der Stall erinnert mich an die Gemeinschaft. Es ist der letzte Weg, wenn man ganz vereinsamt ist. Der Stall ist für viele ein Rettungsanker. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Gemeinschaft wichtiger wird. Alle sollen verstehen: Es geht in Zukunft nur miteinander. Weihnachten ist der Anfang.
Himmelszeichen, hg. V. Diakonischen Werk Württemberg, 2022
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In Rom, genauer in der Kirche „Santa Maria in Trastevere“ gibt es einen spannenden und schönen Brauch zu Weihnachten. Das weiß Corinna Mühlstedt, die dort viele Jahre als Journalistin lebte, Sie erzählt:
Unmittelbar nach der Messe werden Tische in das Hauptschiff getragen und die christliche Basisgemeinschaft von San’Egidio lädt all jene zu einem Festessen ein, die nicht wissen, wie oder mit wem sie Weihnachten feiern sollen: seien sie arm, einsam oder behindert, Flüchtlinge, Obdachlose oder Emigranten. Für ein paar Stunden wird die Kirche zum Festsaal. Es duftet nach Rosmarin und Wein, Zimt und Kaffee. Aus den Augen der Menschen strahlt Lebensfreude – heller als das Licht der Kerzen.
Gesegnete Weihnacht – Worte und Weisen zum Fest
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Der Autor und Pastor Matthias Lemme sehnt sich danach, dass die Menschen friedlich miteinander leben und füreinander da sind, auch wenn sie ganz unterschiedlich sind. Der Advent ist für ihn eine Zeit, in der diese Sehnsucht, diese „Adventshungrigkeit“, Platz hat. Darum ermutigt er sich und andere, die Herzen im Advent in Bewegung zu bringen.
Die Engel flöten es von den Dächern: Gott, die große Träumerin, legt sich ins Zeug. Für die Lämmer unter den Löwen. Für die Mäuse unter den Schlangen. Für die Pazifisten unter den Kriegstüchtigen. Für die Utopistinnen unter den Phantasielosen.
Für alle, die im Schatten leben. Für die Toten, die zu Unrecht vergessen werden. Für die, die noch gar nicht geboren sind.
Allen weitersagen, flöten Sie den Adventshungrigen ins Gesicht. Macht eure Herzen zu Herbergen. Rührt euch.
Luft nach oben, Der Sonntagskalender 2025 Edition Chrismon, zum 14. Dezember
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Der Katholische Geistliche und Lehrer Anthony de Mello vermag es zu überraschen. Und ihm liegt die Mitmenschlichkeit am Herzen. Beides kommt in der folgenden Geschichte zum Audruck:
Ein Guru fragte seine Schüler, wie sie das Ende der Nacht vom Beginn des Tages unterscheiden könnten. Einer sagte: „Wenn man in der Entfernung ein Tier sieht und erkennt, ob es eine Kuh oder ein Pferd ist.“
„Nein“, sagte der Guru.
„Wenn man in der Entfernung einen Baum sieht und erkennt, ob es ein Paternosterbaum oder ein Mango ist.“
„Wieder falsch“, sagte der Guru.
„Also, wie denn?“, fragten die Schüler.
„Wenn man in das Gesicht eines Mannes blickt und darin seinen Bruder erkennt; wenn man in das Gesicht einer Frau blickt und in ihr seine Schwester erkennt. Wer dazu nicht fähig ist, für den ist – wo immer die Sonne auch stehen mag – Nacht.“
Gesegnete Weihnacht – Worte und Weisen zum Fest
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Maja Göpel ist Nachhaltigkeitsexpertin und Professorin für Politökonomie. Die Themen, die sie erforscht bieten oft Grund, deprimiert zu sein. Klimawandel, Verschmutzung der Weltmeere… . Aber sie hat dennoch Hoffnung und sagt:
Der Wert, den vielleicht die meisten teilen, ist Fairness.
Fast alle Menschen haben ein Gespür dafür. Wenn wir uns diesen Kompass erlauben und danach handeln, dann können wir den Abwärtsspiralen der lauten Egomanie etwas entgegensetzen. Und vor allem können wir eine Inspiration für andere sein, mitzumachen. Denn autoritäre Macht ist konzentriert und durch Vergeltung organisiert. Demokratische Macht setzt sich aus horizontaler Kooperation und Vertrauen zusammen. Nur Zweites macht wirklich frei.
Zeitschrift Galore Interviews, Ausgabe 72 Galore (08+09/2025)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43573SWR3 Gedanken
Als ich Franz gesegnet habe, hat er mich mit großen Augen angeschaut und dann kurz gebellt. Franz ist ein großer Mischling, also ein Hund, den ich wie viele andere Hunde bei einem Tiersegnungsgottesdienst gesegnet habe. Dabei habe ich - vor allem zu Haustieren - ein – sagen wir – distanziertes Verhältnis.
Ich weiß natürlich, dass alle Haustierbesitzer eine ganz starke Beziehung zu ihrem Tier haben. Sie lieben ihre Hunde, Katzen, Vögel oder Hamster innig. Das sind wichtige und liebenswerte Lebensgefährten.
Gleichzeitig unterscheiden wir zwischen den Haustieren und den Nutztieren. In den seltensten Fällen arbeiten Tiere noch für uns, weil es dafür inzwischen Maschinen gibt, aber wir nehmen ihre Milch oder ihre Eier und: Tiere werden geschlachtet, dass Menschen sie essen können.
Das finden Vegetarier und Veganer wiederum ungerecht oder auch eklig und deshalb machen sie da nicht mit. Kann ich verstehen, auch wenn ich selbst Fleisch esse.
„Gott, du hilfst Menschen und Tieren“ unter diesem Motto, das aus einem biblischen Gebet kommt, haben wir unseren Gottesdienst gefeiert. Und neben dieser Frage, ob Fleisch essen jetzt gut oder schlecht ist, hat mich dieses Motto noch zusätzlich bewegt.
Denn für mich heißt das, wenn Gott ganz explizit auch Tieren hilft, dann sind sie ihm nicht egal. Sie sind wertvoll von sich aus. Auch ganz unabhängig davon, ob Herrchen oder Frauchen sie wertvoll finden oder ob ich jetzt ein distanziertes Verhältnis dazu habe oder nicht.
So jedenfalls habe ich es noch gar nicht gesehen. Und ich glaube, wenn ich diesem Gedanken Raum gebe, wird sich meine Haltung und vielleicht auch mein Verhalten Tieren gegenüber verändern.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43088SWR3 Gedanken
Bei dem Wort Schamlosigkeit fallen mir sofort Menschen ein: Solche, die frech sind, unverschämt, dreist. Von Steuerhinterziehern wird das gesagt oder von denen, die die Wahrheit verdrehen und lügen. Schamlosigkeit gilt – und in den meisten Fällen zurecht – als etwas Schlechtes. Dabei wäre ich manchmal gerne schamlos.
Zum Beispiel als ich mal – das war noch vor der Smartphone-Zeit - nachts im Regen in Hamburg Altona eine Straße gesucht und nicht gefunden habe. Unbelehrbar und stur bin ich gefühlt eine Stunde im Kreis gefahren und die Laune wurde immer schlechter, bis meine damalige Freundin und ich uns richtig gezofft haben.
Wäre ich nur meine Scham los gewesen und hätte mir eingestanden, dass ich einfach die Orientierung verloren habe. Und wäre ich so schamlos gewesen und hätte einfach einen Passanten gefragt…
Scham, kann einen unglaublich lähmen. Vor allem die Scham, es nicht mehr selbst im Griff zu haben oder etwas nicht zu können. Dabei müsste doch klar sein: Wir schaffen sowieso nie irgendetwas allein. Wir haben es nicht allein geschafft auf die Welt zu kommen, wir haben es nicht allein geschafft groß zu werden. Wir haben auch die Schule oder die Ausbildung nicht allein geschafft. Natürlich müssen wir immer mitarbeiten und fleißig sein, aber allein schaffen wir, glaube ich gar nichts. Ich würde sogar sagen: Das gehört zum Mensch-sein dazu, dass wir aufeinander angewiesen sind.
Vielleicht reden wir uns das auch nur ein, dass wir alles allein schaffen müssen, weil wir niemanden auf die Nerven gehen wollen. Vielleicht wurden wir so erzogen. Aber ich glaube wirklich: Wir könnten eigentlich mehr Schamlosigkeit wagen und zugeben: Ich schaff das nicht. Und vielleicht hilft das sogar anderen, auch offener über die Dinge zu sprechen, für die sie sich eigentlich schämen und es gar nicht müssten.
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Ich hätte gern ein elftes Gebot. - Ich weiß, bei vielen heißt das elfte Gebot „Du sollst dich nicht erwischen lassen!“, aber ich wünsche mir in letzter Zeit manchmal ein anderes elftes Gebot, nämlich: „Du sollst keine Angst verbreiten.“
Weil: Wer Angst verbreitet, möchte vor allem, dass wir klein und stumm werden. Angst verbreiten geht ganz unterschiedlich: Unwahrheiten verbreiten, so dass man sich fürchtet, Misstrauen und Zwietracht säen, oder wenn Gruppe martialisch auftreten und ihre Macht willkürlich nutzen
Ob die Gruppe nun Gestapo heißt oder Staatssicherheit oder in der letzten Zeit in den USA: ICE. Also die amerikanische Einwanderungs- und Zollbehörde, bei der maskierte Männer willkürlich Menschen an ihrer Arbeitsstelle, an den Schulen oder vor dem Kirchenbesuch ohne Begründung festnehmen. – die verbreiten wirklich Angst.
Streng genommen ist es ja so, dass es in der Bibel die zehn Gebote gibt und dann noch viele weitere. Wenn man so will, ganz viele elfte Gebote. Und auch sie versuchen unser Zusammenleben zu regeln. Und die heißen dann „Du sollst keine falschen Gerüchte verbreiten“ oder „Du sollst der Menge nicht auf dem Weg zu Bösen folgen“ oder „Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken.“ Ich finde, das sind schon auch gute Regeln, an denen man sich orientieren könnte. Und wer sich daran hält… ich finde, der kann keine Angst verbreiten. Aber eben so ganz wörtlich steht da nirgends: „Du sollst keine Angst verbreiten.“
Dafür steht ganz häufig in der Bibel: Fürchte dich nicht. Und es tut schon auch gut, ermutigt zu werden, wenn die Angst um sich greift und man sich vielleicht auch gegen die Angstmacher wehren muss.
Aber das ist kein Gebot, sondern eben eine Ermutigung. Und auch wenn es nicht in der Bibel steht: ich würde mir schon wünschen, dass es wirklich auch klar und deutlich ist: Anderen Angst zu machen ist nicht gut und keiner sollte es tun.
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