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SWR3 Worte

03OKT2026
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Katrin Hattenhauer war als ganz junge Frau Bürgerrechtlerin in der DDR. Friedlich hat sie mit anderen gekämpft: gegen die Diktatur, für Freiheit und Demokratie. Zum 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution am Brandenburger Tor hat sie gesagt:

„Ich finde, diese Revolution zeigt für jeden, der heute so alt ist wie wir damals waren, wie ich damals war, zu sagen, wenn du etwas träumst, wenn du etwas machen willst, wenn du dich beteiligen willst mit bürgerschaftlichem Engagement, dann tu es, denn diese Geschichte zeigt, dass es machbar ist, dass du es machen kannst.“

Quelle: Ruth Wunnicke, Jede Gesellschaft braucht Störenfriede – Katrin Hattenhauer, Demokratiegeschichten, online abrufbar unter https://www.demokratiegeschichten.de/jede-gesellschaft-braucht-stoerenfriede-katrin-hattenhauer/

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SWR3 Worte

02OKT2026
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Nona ist ein Pseudonym. Unter diesem Pseudonym schreibt eine iranische Künstlerin Briefe. Sie berichtet darin aus ihrem Leben mit dem Irankrieg. Sie war geflüchtet, nun aber ist sie zurückgekehrt.

Ich kam am Morgen in Tehran an. Meine Katze Mi ließ mich lange an ihr riechen. Ich hatte das Gefühl, mein Körper und mein Wesen gingen langsam über in diese Stadt, dieses Viertel, den Krieg, […].Meine Mitbewohnerin und ich aßen zum Frühstück Simit mit Honig ,tranken Kaffee und Tee und redeten. Mein Großvater war wie immer der Erste, der mich nach meiner Ankunft anrief.Wir sprachen darüber, dass seine Enkelin im Koma liegt. […]

Wie ein verängstigter Mensch erzählte er mir von den Einzelheiten seiner Gefühle in dieser Zeit. Von dem Schock, den er erlebt hatte.
Er sagte: „Sie haben mir gesagt, ich soll ein Opfer bringen. Und ich habe gesagt: Was soll ich denn noch opfern, das größer wäre als ein Mensch?“
Hier sind meine Gefühle so etwas wie die vorderste Front des Krieges. Der Krieg ist nicht mehr wie eine Bombe. Er ist wie ein Virus, das in die Zellen von allem eingedrungen ist.
Nichts ist mehr wie vorher. Niemand ist mehr wie vorher.

Nona, Meine Mitbewohner, meine Katze, unser Krieg, Brief aus dem Irankrieg vom 19.8.2026, online abrufbar unter: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kolumnen/brief-aus-dem-irankrieg-rueckkehr-nach-teheran-201136115.html

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SWR3 Worte

01OKT2026
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Ein junger Mann, geflüchtet aus Syrien, erzählt davon wie er Hilfe und so zu sich selbst gefunden hat.

Mein Name ist Nour. Das bedeutet „Licht“. Ich wusste nicht, dass ein Mensch eines Tages zu seinem Namen werden kann –zu einem kleinen Stück Licht, das vor der Dunkelheit rettet.

Ich kam nach Deutschland mit einer zerstörten Heimat auf den Schultern, mit Träumen, die mitten auf dem Weg stecken geblieben waren, mit einem Gesicht, das nicht mehr aussah wie das meiner Kindheit.

Der Krieg nahm nicht nur Häuser, er nahm auch die Sicherheit in unseren Herzen. In der Kirche fühlte ich mich zum ersten Mal nicht wie eine Nummer, sondern wie ein Mensch. Ich sagte zu mir selbst:
„Wenn es irgendwo einen Ort gibt, der niemanden hinauswirft, dann ist es das Haus Gottes.“

Meine deutschen Freunde waren wie unerwartete Wärme. Sie lächelten, bevor ich ihre Worte verstand. Sie fragten mich nicht, aus welchen Grenzen ich geflohen bin. Sie fragten nach meinen Träumen, nicht nach meinen Papieren.Zwischen den Kirchenwänden begann etwas Schönes zu wachsen:
Der Schmerz wurde kleiner, die Angst wurde leiser, und die Hoffnung wurde stärker.

Nour Kanawati, Nour – Das Licht ist stärker als Grenzen. Politischer Fluchtadventskalender 2025, online abrufbar unter:  https://gottesdienstkultur-nordkirche.de/liturgien/2_-nour-das-licht-ist-staerker-als-grenzen-2/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=45256
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SWR3 Worte

30SEP2026
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Manche kennen dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmt in der Welt und das Gott einfach zu weit weg ist. In der Bibel spricht einer im Gebet mit Gott über dieses Gefühl:

Psalm 10
Gott warum bist du so weit weg?
Du bist nicht bei mir, gerade jetzt, wo ich dich brauche.
          Ich fühle mich klein, muss so viele Gemeinheiten aushalten,
          von Leuten die auch noch stolz sind auf ihr Tun
Gierig sind sie und wollen alles haben
Geld ist ihr Gott, deshalb leben sie ohne dich.
Weil sie stark sind, meinen sie, sie brauchen keinen Gott
          Weil sie keinen Gott brauchen
          Gibt es für sie auch keinen Gott
Und weil es für sie keinen Gott gibt
Meinen sie, sie können machen, was sie wollen.
          Oder sie denken, Gott ist blind und sieht nichts
          Manche sagen sogar, Gott will die Gemeinheiten nicht sehen
          Und sieht weg.
Gott, steh doch endlich auf und tu etwas
So viele rufen um deine Hilfe
          Mach jetzt Schluss mit den Gemeinheiten der Großmäuler
          Zeig ihnen, dass es dich gibt und dass du stärker bist.
Das hast du doch versprochen, dass du Recht schaffst
Den Waisen und Unterdrückten.

Dir kann ich alles sagen, Gott. Psalmenübertragungen nicht nur für Kinder. https://mykonfi.de/download/c=guest/Literatur%20-%20Dir%20kann%20ich%20alles%20sagen,%20Gott.pdf

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SWR3 Worte

29SEP2026
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Diesen Sommer habe ich mal wieder alle meine liebsten Bücher von Astrid Lindgren gelesen, ich habe es so genossen. Und dann ist mir in ihrer Biografie von Jens Andersen ein Satz begegnet, den finde ich einfach richtig, da sagt sie:

Was der Sinn des Lebens nicht ist, das weiß ich.Geld und anderes Zeug zusammenzukratzen, ein Promileben zu führen,auf den entsprechenden Seiten der Frauenzeitschriften zu posieren und solch eine Angst vor Einsamkeit und Stille zu haben, dass man nie in Ruhe und Frieden über die Frage nachdenken kann:
Was mache ich mit meiner kurzen Zeit auf Erden?

Dieser Tag, ein Leben. Jens Andersen

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SWR3 Worte

28SEP2026
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Ich liebe Libellen, oft die letzten Boten des Sommers. Und ich liebe Menschen die sich in kleinen Momenten zum Glück inspirieren lassen. Von solchen Momenten erzählt in DER ZEIT die Rubrik: Was das Leben reicher macht. Wilko Lücht aus Oldenburg schreibt darin:

Neulich auf der Terrasse. Plötzlich fing es an zu schwirren. Es schwirrte lauter als eine Biene und schnarrender als eine Hummel. Es war ein Herenpeerd. So sagt man in Ostfriesland (wo ich geboren und aufgewachsen bin) zur Libelle. Welcher Herr wohl auf diesem zarten Pferd reitet?Es kann nur ein unsichtbarer Elfenkönig sein.

ZEIT Kalender: Was mein Leben reicher macht. 2025, Glücksmomente für jeden Tag

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SWR3 Worte

27SEP2026
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Einen Segen für spätsommerliche Tage von der Poetin Susanne Niemeyer habe ich gefunden, den möchte ich heute allen zurufen:

Nimm vom Himmel das Blau
und den Tau von den Wiesen.
Nimm die Träume der Kinder,
den Blick einer Kuh.
Nimm die Sehnsucht der Gänse,
nimm den Wind aus den Segeln.
Lob den Tag vor dem Abend
und geh.

Susanne Niemeyer: Segen - Nimm vom Himmel das Blau, in: Liturgien der Verheißung. Materialdatenbank für die Gestaltung von Gottesdiensten, online abrufbar unter:
https://view.officeapps.live.com/op/view.aspx?src=https%3A%2F%2Fgottesdienstkultur-nordkirche.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2020%2F06%2FSegen-Nimm-vom-Himmel-das-Blau.docx&wdOrigin=BROWSELINK

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SWR3 Gedanken

25JUL2026
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Hände. Kennt ihr das? Hände, die berühren und im Innersten anrühren? Ich war in REHA, mir ging es nicht gut. Eine Physiotherapeutin behandelt mich. In unserer ersten Behandlungsstunde kommt sie mir vorsichtig nahe. Noch bevor ich die äußere Berührung spüre, spüre ich eine innere. Ich bin aufgewühlt und weine. Eine Erinnerung steigt aus der Tiefe auf. Mein Bruder ist vor einigen Jahren gestorben. Er war Masseur, er hatte solche Hände: Berührung die nicht oberflächlich bleibt. Wie sehr er mir fehlt. Der ganze Schmerz schwappt an die Oberfläche, wird gesehen und getröstet.

Ich verstehe nicht, wie das geht. Wie können manche Menschen so viel gute Kraft durch ihre Hände fließen lassen? Ein Freund erzählt, dass er das Gegenteil erlebt hat: Eine Therapeutin, die ihm zu nahekommt. Was eine schwierige Gratwanderung, was eine Verantwortung!

Im Gottesdienst berühre ich Menschen, wenn sie das möchten, bei der Taufe, der Konfirmation, der Hochzeit.

Pfarrerinnen segnen Menschen, legen die Hände auf. Manchmal sagt jemand: „Das hat mir so gutgetan, deine Hände zu spüren. Ich konnte weinen, aufatmen, loslassen.“ Ein Geheimnis, ein Geschenk. Es kommt nicht aus mir. Vielleicht kennt ihr das und legt manchmal euren Kindern die Hand auf die Stirn oder der Freundin die Hand auf den Bauch, stillt Schmerzen, schenkt Kraft. Hände - wundervolles Geheimnis, ein Segen!

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SWR3 Gedanken

24JUL2026
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Dieses Jahr war ich mit Freunden schon vor den großen Ferien in Urlaub. Cornwall hat sich meine Freundin gewünscht, wegen der Natur und der Landschaft. Außerdem ist es dort so kühl, dass man im Sommer wandern kann und manchmal regnet es. So eine gute Idee! Ich liebe den Duft und den Klang von Regen. In den Tagen vor unserer Reise sagt die Wetterapp Höchsttemperaturen von 17°C voraus. Ich packe seufzend Wollpullover und Regenjacken ein. In Cornwall aber erwarten uns 23°C und schönster Sonnenschein. Fast zu warm zum Wandern.

Der Wind vom Meer und die herrlichen Pfade zwischen Klippen und Wellen, durch Ginsterhecken, über Weiden und Wiesen sind traumhaft. Wir suchen uns Lieblingshäuschen aus, direkt auf der Klippe am Meer. Es duftet nach Gischt, Geißblatt und Rosen. Der Wind, Schwalben, Möwen und Alpendohlen bilden den Soundtrack dieser Tage. Ein ruhiges friedliches Dorf, das sich von den wenigen Touristen nicht aus dem Gleichgewicht bringen lässt. Freundliche Leute, die vom Wetter reden, it’s getting hotter… Es war hier noch nie so heiß! Das Essen ist wider Erwarten köstlich. Manchmal regnet es, wir haben unser Strickzeug dabei, Bücher, den Malkasten. Plaudern, schweigen, malen die Küste in grün und blau. Das Meer ist so kühl, dass es Tage dauert, bis ich mich entscheide, schwimmen zu gehen und werde belohnt mit kristallklarem smaragdfarbenem Wasser, Es umspült mich, erfrischt durch und durch. Nebel krabbelt über den Strand. Ich bin hingerissen. Ich komme mir vor, wie als Kind bei meiner Großmutter in Norddeutschland, nur dass keiner mir sagt, wie ich mich  benehmen soll. Der Genuss malt ein immer breiteres Lächeln in mein Gesicht. Ich will nur eins:
den ganzen Sommer hierbleiben. Es ist viele Jahre her, dass ich einen solchen Urlaub erlebt habe. Genauso einen wünsche ich euch: Alle Sinne offen, die Seele weit, Ruhe, Begegnungen Entspannung, ja Frieden.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44846
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SWR3 Gedanken

23JUL2026
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Forgiveness lese ich, also: die Fähigkeit zu vergeben, sei das Geheimnis lange haltender Beziehungen. Ich habe ein Gespräch mit einem Paar, verheiratet, getrennt, nun wieder zusammen. Sie wollen sich segnen lassen für das, was kommt. Eine dramatische Geschichte:

Sie hat ihn verlassen, konnte es nicht mehr aushalten. Alle Last, so ihre Wahrnehmung, war auf ihrer Seite: Beruf, Haushalt. Sie ist bei seinem besten Freund eingezogen, das hat nicht geklappt. Sie ist in ihre Heimat zurück, hat die Arbeit verloren. Dann gibt es wieder Kontakt.

Vorsichtig erst, whatsapps, ein Herz bei einem Foto auf Facebook. Schließlich ein Besuch, sie erzählt, gesteht ihm alles, was er schon wusste, sie fragt: Darf ich vielleicht zurückkommen? Bleiben? Und er sagt: „Ja, dann aber sofort!“ Jetzt üben sie besser miteinander umzugehen, suchen Hilfe, lassen sich begleiten und sind miteinander in Therapie.

Sie üben reden, nicht wegrennen, ehrlich sein, Bedürfnisse äußern, Vergeben und auf Vergebung trauen. Sie haben sich segnen lassen für den weiteren Weg, für ihren Neuanfang miteinander. Tränen fließen. Berührungen sind vorsichtig. Suchend. ‚Die Liebe bleibt‘ flüstern sie einander zu

Vergebung kommt aus der Wahrheit. Forgiveness, die Fähigkeit zur Vergebung kommt aus der Fähigkeit dem anderen sein Recht zuzugestehen. Die eigenen Fehler, die eigene Verantwortung und manchmal auch die Schuld anzuerkennen und dann wartet das Gegenüber schon auf die Bitte: „Darf ich? Kommen? Bleiben?“, um endlich antworten zu können: „Dann aber sofort!“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44845
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