Zeige Beiträge 1 bis 10 von 138 »
Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Manchmal habe ich das Gefühl, wir möchten alles kontrollieren. Wir planen Wochen im Voraus, schauen aufs Wetter, auf Termine, auf Kontostände und Gesundheitswerte. Und doch genügt oft ein einziger Anruf, und der ganze Plan gerät ins Wanken. Im Judentum gibt es einen bemerkenswerten Satz. Die Rabbiner sagen: Nicht alles liegt in der Hand des Menschen – außer der Ehrfurcht vor Gott.
Das bedeutet: Vieles können wir nicht bestimmen. Wir können Krankheit nicht einfach wegwünschen. Wir können die Vergangenheit nicht ändern. Wir können andere Menschen nicht nach unserem Willen formen. Aber eines liegt immer in unserer Hand: Wie wir einem Menschen begegnen. Ob wir freundlich oder verletzend sprechen. Ob wir helfen oder wegsehen. Ob wir Hoffnung verbreiten oder Resignation. Gerade darin liegt unsere Freiheit. Wir überschätzen oft das, was wir nicht beeinflussen können, und unterschätzen das, was wir jeden Tag bewirken. Ein aufmunterndes Wort. Ein Anruf bei einem einsamen Menschen. Ein ehrliches Dankeschön. Eine Entschuldigung, die überfällig ist. Vielleicht sind das keine großen Taten. Aber sie können für den anderen den ganzen Tag verändern. Ein jüdisches Sprichwort sagt: Wer ein einziges Leben erhält, ist so, als hätte er eine ganze Welt erhalten. Vielleicht beginnt diese Welt nicht mit etwas Großem, sondern mit einer kleinen guten Tat – heute, gleich nach diesem Moment.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag mit offenen Augen und einem offenen Herzen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45197SWR Kultur Zum jüdischen Feiertag

SUKKOT Laubhüttenfest der Israeliten 24.9.2026
Wir beginnen unsere Sendung mit einem Abschnitt aus der Festliturgie: Wekarew Pesurenu. Auf Deutsch: Bringe, O Herr, unsere Zerstreuten aus der Mitte der Völker zurück. Und unsere Zersprengten sammle von den Enden der Erde wieder ein. Hole sie erneut nach Zion heim, in Deine Stadt Jerusalem, in Freude. Es singt Jehoram Gaon.
Musik. CD. „Neschama“; Niv. Records; 03-459957; Interpret: Jehoram Gaon; Komponist; Traditionell
Sukkot, das Laubhüttenfest, gehört zu den großen Wallfahrtsfesten des Judentums. Es erinnert an die vierzigjährige Wanderung der Israeliten durch die Wüste nach dem Auszug aus Ägypten. Damals lebten sie in provisorischen Behausungen und erfuhren, dass ihre eigentliche Sicherheit nicht von festen Mauern, sondern von G-ttes Schutz abhing. Bis heute verlassen jüdische Familien für eine Woche ihr gewohntes Zuhause und essen – wenn möglich auch wohnen – in einer Sukka, einer einfachen Laubhütte mit einem Dach aus Zweigen, durch das der Himmel sichtbar bleibt. Die Sukka erinnert daran, wie vergänglich materieller Besitz ist und wie sehr unser Leben von Vertrauen, Dankbarkeit und Gemeinschaft lebt.
Sukkot ist deshalb mehr als eine Erinnerung an die Vergangenheit. Das Fest fragt auch uns heute: Worauf bauen wir unser Leben? Auf Besitz und Sicherheit – oder auf Vertrauen, Gemeinschaft und die Offenheit für andere Menschen?
Das Sukkotfest ist reich an besonderen Mizwot und Bräuchen. Wir sprechen den Hallel, eine festliche Folge von Psalmen des Lobes und des Dankes an G-tt. Wir lesen das Buch Kohelet, das über die Vergänglichkeit des Lebens nachdenkt und dazu aufruft, das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren. Mit Lulaw, einem Palmzweig, der zusammen mit Myrten- und Bachweidenzweigen gebunden wird, und dem Etrog, einer duftenden Zitrusfrucht, sprechen wir die Hoscha'not – Bittgebete um Segen und Wohlergehen – und umkreisen die Bima, das erhöhte Lesepult in der Synagoge, von dem aus die Tora gelesen wird. Anschließend schütteln wir die vier Arten als Zeichen dafür, dass G-ttes Gegenwart die ganze Schöpfung und alle Himmelsrichtungen umfasst. Wir essen in der Sukka und laden die Uschpisin ein – die symbolischen Gäste, die nach der Überlieferung an jedem Tag des Festes unsere Sukka besuchen.
Die Uschpisin – Abraham, Jizchak, Jaakow, Mosche, Aharon, Josef und David – erinnern uns an eine der schönsten Tugenden des Judentums: Hachnassat Orchim, die Gastfreundschaft. Ihre Anwesenheit soll uns lehren, dass eine Sukka nicht nur ein Ort zum Essen ist, sondern ein Ort, an dem Menschen willkommen sind.
Gastfreundschaft gehört zu den ältesten und wichtigsten Geboten der Tora. Abraham und Sara gelten als ihre großen Vorbilder. Unsere Weisen erzählen, dass ihr Zelt vier Eingänge hatte – nach jeder Himmelsrichtung einen –, damit niemand einen Umweg machen musste, um einzutreten. Jeder sollte sich willkommen fühlen.
Der Prophet Jesaja fordert uns an Jom Kippur auf: „Nimm die heimatlosen Armen in dein Haus auf.“ Und Hiob sagt über sich: „Dem Fremden verschloss ich meine Türen nicht.“
Unsere Rabbiner haben diesem Gebot einen hohen Stellenwert gegeben. Von Raw Huna wird erzählt, dass er vor jeder Mahlzeit seine Türen öffnete und ausrief: „Kol dichfin jetej wejechol“ – „Wer hungrig ist, der komme und esse.“ Diese Worte sprechen wir bis heute am Beginn des Pessach-Seders. Im alten Jerusalem hisste man sogar eine Fahne vor dem Haus, solange Gäste zum Essen willkommen waren. Erst wenn alle versorgt waren, wurde sie wieder eingeholt.
Und nun hören Sie Kantor Jitzchak Helfgot. Er trägt ein Gebet aus der Liturgie vor: Ledor Wador. Die Übersetzung lautet: Von Geschlecht zu Geschlecht wollen wir Deine Größe verkünden und in alle Ewigkeit Deinen Namen heiligen. Die Lobpreisung soll nicht aus unserem Munde weichen. Immer und ewig.
Musik. CD. „Avot“; MCD 220; 12-034631; Interpret: Jitzchak Helfgot; Komponist; Traditionell
Interessant ist auch eine Halacha über die Sukka. Die Tora und unsere Weisen legen fest, wie hoch eine Sukka höchstens sein darf. Für ihre Breite gibt es jedoch keine Obergrenze. Sie darf so groß sein, wie nötig ist. Vielleicht steckt darin eine schöne Botschaft: Eine Sukka soll Platz haben – Platz für Familie, Freunde, Nachbarn und auch für Menschen, die sonst vielleicht allein wären.
„Hachnassat Orchim“ ist deshalb weit mehr als ein schöner Gedanke. Es ist eine Mitzwa, die ganz praktisch gelebt werden will. Wir sollen Menschen an unseren Schabbat-Tisch einladen, freie Plätze im Auto mit anderen teilen und unsere Sukka mit Gästen füllen. So wird aus einem Haus ein Zuhause und aus einer Sukka ein Ort der Begegnung.
Doch Sukkot geht noch einen Schritt weiter. Gerade weil wir eine Woche lang unser festes Haus verlassen und in eine einfache, zerbrechliche Hütte ziehen, lernen wir, was wirklich Bestand hat. Die Sukka schützt nur notdürftig vor Wind und Wetter. Ihr Dach lässt den Himmel durchscheinen. Sie erinnert uns daran, dass kein Gebäude und kein Besitz uns letztlich Sicherheit geben können. Wirkliche Geborgenheit entsteht nicht durch Mauern, sondern durch das Vertrauen auf G-tt.
Gerade deshalb ist die Sukka der richtige Ort, um Gäste zu empfangen. Wer erkennt, dass alles, was er besitzt, letztlich eine Gabe des Ewigen ist, wird großzügiger. Er hält nicht krampfhaft fest, sondern ist bereit zu teilen. Die Freude von Sukkot ist keine Freude am Besitz, sondern an der Gemeinschaft. Deshalb heißt das Fest auch Seman Simchatenu – die Zeit unserer Freude. Es ist eine Freude, die entsteht, wenn Menschen miteinander essen, miteinander sprechen und füreinander da sind.
Vielleicht ist das auch der tiefere Sinn der Uschpisin. Wir laden nicht nur die großen Gestalten unserer Geschichte symbolisch in unsere Sukka ein. Wir erinnern uns zugleich daran, dass jeder Mensch, der unsere Schwelle überschreitet, ein Ebenbild G-ttes ist. Wer einem Gast einen Platz anbietet, öffnet nicht nur seine Tür, sondern auch sein Herz.
In einer Zeit, in der viele Menschen ihre Häuser immer besser absichern und sich zugleich immer einsamer fühlen, setzt Sukkot einen anderen Akzent. Das Fest lädt uns ein, einen Teil unserer Sicherheit aufzugeben, um menschliche Nähe zu gewinnen. Die Sukka besitzt keine massiven Mauern. Gerade deshalb schafft sie Offenheit. Sie trennt uns nicht von der Welt, sondern verbindet uns mit ihr.
So erinnert uns Sukkot daran, dass unser Leben selbst einer Sukka gleicht – kostbar, aber vergänglich. Was bleibt, sind nicht die Dinge, die wir gesammelt haben, sondern die Liebe, die wir geschenkt haben, die Menschen, denen wir geholfen haben, und die Türen, die wir geöffnet haben.
Vielleicht ist das die schönste Botschaft dieses Festes: Nicht die Stärke unserer Häuser entscheidet über den Wert unseres Lebens, sondern die Weite unseres Herzens. Die Sukka lehrt uns, weniger auf Mauern und mehr auf Menschen zu vertrauen, weniger Besitz anzuhäufen und mehr Gemeinschaft zu schaffen. Denn dort, wo Menschen einander mit Offenheit begegnen, dort wird die Gegenwart G-ttes spürbar. Und genau darin liegt die eigentliche Freude von Sukkot.
Zum Schluss hören Sie ein Psalmlied gesungen von der „Chowewe Zion“ Gruppe. Jisrael betach Baschem. Der Text stammt aus dem Psalm 115. Die Übersetzung lautet: Israel vertraue auf den Herrn. Er ist ihre Hilfe und Stütze!
Musik. CD. Hed-Arzi 15 788; „Barech Alenu“; Interpret: Chowewe Zion Gruppe; Komponist; Traditionell
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45234SWR Kultur Zum jüdischen Feiertag

Zu Beginn unserer Sendung zum Versöhnungstag hören Sie Kantor Mosche Koussevitzky in einer klassischen Aufnahme. Er trägt einen Abschnitt aus der Liturgie der Hohen Feiertage vor. Habet Mischamajim ure‘e. Die Übersetzung lautet: Blicke, O Herr von Deiner Höhe herab und siehe wie wir zum Gespött und Hohn geworden unter den Völkern; als Schafe für die Schlachtbank sind wir erachtet…Aber bei all dem haben wir Deinen Namen nicht vergessen; bitte vergiss uns nicht.
Musik. CD. M.K. “The Art of the Cantor“; LC- Isr.Music CD 5002; Interpret: Mosche Kussevitzky; Komponist: Mosche Kussevitzky
Jom Kippur ist der heiligste Tag des jüdischen Jahres. Ein Tag, der stiller ist als alle anderen, dichter, ernsthafter – und zugleich voller Hoffnung. Denn Jom Kippur gibt keine schnellen Antworten. Er stellt Fragen. Tiefe Fragen. Fragen, die uns nicht nur intellektuell berühren, sondern unser Leben selbst betreffen. Wer sind wir eigentlich? Wie wollen wir leben? Was wollen wir hinter uns lassen – und was soll bleiben? Und vielleicht die wichtigste Frage: Wie beginnen wir neu? Es richten sich fünf solche Fragen an uns – Fragen, die Jom Kippur jedes Jahr neu stellt.
Die erste Frage: Was bedeutet es, heilig zu sein? Die Tora sagt: „Ihr sollt heilig sein, denn Ich, der Ewige, euer G-tt, bin heilig.“ Ein Satz, der groß klingt – vielleicht sogar unerreichbar. Und doch ist er sehr konkret. Heiligkeit bedeutet im Judentum nicht Abhebung vom Leben. Nicht Rückzug aus der Welt. Sondern eine besondere Form, in der Welt zu leben. An Jom Kippur verändern wir bewusst unseren Rhythmus. Wir fasten. Wir verzichten auf Nahrung, auf Komfort, auf körperliche Ablenkung. Und wir schaffen damit Raum – Raum für Aufmerksamkeit, für Ehrlichkeit, für innere Sammlung. Heilig zu sein heißt dann: nicht automatisch zu leben, sondern bewusst. Es heißt, den anderen Menschen wirklich zu sehen. Seine Würde wahrzunehmen. Und auch in uns selbst etwas zu erkennen, das über das Alltägliche hinausweist – einen Funken Verantwortung, einen Funken Sinn.
Vielleicht beginnt Heiligkeit genau dort: nicht im Außergewöhnlichen, sondern im wachen Blick auf das Gewöhnliche.
Die zweite Frage: Was bedeutet es, für unsere Fehler einzustehen? Im Hebräischen spricht man vom Wort „Chet“. Oft wird es mit „Sünde“ übersetzt. Doch wörtlich bedeutet es: das Ziel verfehlen. Und das ist ein wichtiger Unterschied. Denn es geht nicht um das Bild eines grundsätzlich schlechten Menschen. Es geht um das menschliche Leben selbst – mit seinen Irrtümern, seinen unbedachten Worten, seinen verpassten Möglichkeiten.
Am Jom Kippur sind wir aufgefordert genau hinzusehen. Nicht um uns zu verurteilen. Sondern um ehrlich zu werden.
Wo haben wir das Ziel verfehlt? Wo hätten wir anders handeln können? Wo haben wir geschwiegen, obwohl wir hätten sprechen sollen? Oder gesprochen, wo Schweigen besser gewesen wäre? Und zugleich sagt dieser Tag: Du bist nicht festgelegt. Du bist nicht deine Fehler. Du bist deine Bereitschaft, dich zu verändern. Jom Kippur ist deshalb kein Tag der Resignation. Sondern ein Tag der Möglichkeit.
Die dritte Frage: Was bedeutet gemeinsame Verantwortung? Im zentralen Bekenntnisgebet von Jom Kippur sagen wir nicht „ich habe gesündigt“, sondern „wir haben gesündigt“. „Aschamnu, bagadnu – wir haben gefehlt, wir haben versagt.“ Das ist bemerkenswert. Denn es zeigt: Selbst wenn Verantwortung persönlich ist, hat sie immer auch eine gemeinschaftliche Dimension. Wir leben nicht isoliert. Unsere Worte wirken in Beziehungen. Unsere Entscheidungen wirken in Familien, in Gemeinden, in der Gesellschaft. Das „Wir“ im Gebet ist deshalb kein Zufall. Es ist eine spirituelle Haltung. Es erinnert uns daran, dass wir miteinander verbunden sind – auch in unseren Fehlern, auch in unseren Versuchen, besser zu werden.
Vielleicht ist das eine der tiefsten Einsichten dieses Tages: Dass Heilung nie nur individuell geschieht, sondern immer auch in Beziehung.
Und nun hören Sie einen Abschnitt aus dem Machsor, aus dem Festtagsgebetbuch, in chassidischer Bearbeitung: Darkecha Elokenu. Die Übersetzung lautet: Deine Art, O Herr, ist es langmütig zu sein, - allen Menschen gegenüber...Daher preisen wir Dich... Es singen Nira Rabbinovitz und Schlomo Nitzan.
(Musik. CD. LC - Hed-Arzi Records 14 116; „Lechu Neranena. Shabbat and Chassidic Songs“; Interpret: Nira Rabbinovitz und Schlomo Nitzan; Komponist: Volksweise; 19- 62721; Take 004; Zeit: 3:18; AMS: M0082328)
Die vierte Frage: Was bedeutet Erinnern? An Jom Kippur wird das Jiskor-Gebet gesprochen, das Gebet des Erinnerns. Wir erinnern uns an Menschen, die nicht mehr unter uns sind. Eltern, Großeltern, Geschwister, Freunde. Menschen, die unser Leben geprägt haben – oft mehr, als uns im Alltag bewusst ist. Erinnerung ist dabei nie nur Rückschau. Sie ist Beziehung. Auch wenn ein Mensch nicht mehr lebt, bleibt das, was er oder sie in uns hinterlassen hat: Worte, Gesten, Werte, manchmal auch offene Fragen. Und Jiskor ist nicht nur individuell. Es wird gemeinsam gesprochen. In der Gemeinschaft. In der Synagoge. In der geteilten Stille. So wird persönliche Erinnerung Teil eines größeren Zusammenhangs.
Vielleicht lernen wir daraus: Erinnerung ist nicht das Festhalten an der Vergangenheit. Sondern das Weitertragen von Bedeutung.
Die fünfte Frage: Wie suchen wir Vergebung? Der Talmud sagt: Zwischen Mensch und G-tt sühnt Jom Kippur. Aber zwischen Menschen gilt etwas anderes: Dort kann keine Versöhnung geschehen, bevor nicht aktiv um Vergebung gebeten wurde. Das ist anspruchsvoll. Denn es bedeutet: Heilung beginnt nicht im Inneren allein. Sie beginnt im Gespräch. Im Kontakt. In der Bereitschaft, den anderen Menschen wieder anzusehen. Das „Al-Chet-Gebet“ benennt viele Formen des Fehlverhaltens: harte Worte, Gleichgültigkeit, Unachtsamkeit, Verletzungen, die oft nicht groß erscheinen – und doch tief wirken. Vergebung ist deshalb kein automatischer Vorgang. Sie braucht Mut. Sie braucht Ehrlichkeit. Und sie braucht Zeit.
Nicht jede Beziehung wird vollständig geheilt. Nicht jede Wunde verschwindet.
Aber Jom Kippur erinnert uns daran: Der erste Schritt ist möglich. Und oft entscheidend. Am Ende dieses Tages stehen wir nicht mit fertigen Antworten da. Wir stehen mit Fragen. Aber diese Fragen sind nicht leer. Sie sind richtungsweisend. Die jüdische Tradition fasst den Weg dieses Tages in drei Worte: Teschuwa – Umkehr. Tefilla – Gebet. Und Zedaka – gerechtes Handeln.
Diese drei Wege beschreiben keinen einmaligen Moment. Sie beschreiben eine Haltung für das ganze Leben. Jom Kippur ruft uns dazu auf, innezuhalten. Uns selbst zu prüfen. Und zugleich nicht bei uns selbst stehenzubleiben. Vielleicht ist das seine größte Kraft: dass er uns nicht festhält, sondern weiterführt.
Möge dieser heilige Tag uns die Klarheit schenken, ehrlich zu uns selbst zu sein. Den Mut, Verantwortung zu übernehmen. Die Bereitschaft, zu vergeben und um Vergebung zu bitten. Und die Hoffnung, dass Veränderung möglich bleibt – auch für uns.
Gmar Chatima Towa – mögen wir alle für ein gutes, erfülltes und friedvolles Jahr eingeschrieben werden.
Zum Schluss unserer Sendung hören Sie Kantor Dudu Fischer mit seinem Chor. Er trägt ein Gebet der Synagoge zum Wohle der Gemeinde vor: Mi scheberach. Auf Deutsch: Der Herr, der unsere Väter Abraham, Isaak und Jakob gesegnet hatte, segne diese Gemeinschaft und alle anderen Gemeinden. Alle, die Brot den Fremden, Hilfe den Armen geben, die sich mit den Angelegenheiten der Gemeinde in Treue beschäftigen...Der Herr, gelobt sei Er, …schicke Segen auf all ihre Werke...So sagen wir: Amen...
Musik. CD. ICD 5009. „Malavsky Family Songs“; Interpret: Dudu Fischer; Komponist: S. Malavsky
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45196
SWR3 Gedanken
Rosch HaSchana ist im Judentum kein Neujahr im üblichen Sinn. Es ist weniger ein Fest des Neubeginns als ein Moment des Innehaltens. Die Welt wird nicht einfach umgeblättert wie ein Kalenderblatt – sie wird betrachtet.
Ein zentraler Gedanke dieser Tage ist: Der Mensch wird nicht nur nach dem beurteilt, was er getan hat, sondern auch nach dem, was er aus sich gemacht hat. Rosch HaSchana heißt in der jüdischen Tradition auch „Tag des Gerichts“, doch dieses Gericht ist nicht nur Anklage, sondern vor allem Erinnerung an Verantwortung.
Im Mittelpunkt steht der Schofar, der Klang des Widderhorns. Er ist kein musikalischer Ausdruck, sondern ein Ruf. Ein Ruf, der den Menschen nicht informiert, sondern erschüttert. Er soll wach machen: nicht perfekt zu sein, aber verantwortlich zu leben.
Vielleicht liegt darin die eigentliche Herausforderung dieses Tages – und zugleich seine Hoffnung: Dass der Mensch nicht festgelegt ist auf das, was war. Dass er die Möglichkeit hat, sich zu verändern, ohne sich zu verleugnen.
Rosch HaSchana fragt nicht nur: Was wird aus dem Jahr?
Sondern auch: Was wird aus mir?
Und vielleicht beginnt genau dort das Neue: nicht im Kalender, sondern im Menschen selbst.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45137SWR Kultur Zum jüdischen Feiertag

Zur Einstimmung auf unsere Sendung zum jüdischen Neujahrsfest, Rosch Haschana, hören Sie einen Teil der Festliturgie. Komponiert und vorgetragen von Schlomo Carlebach. Zu Rosch haSchana bitten wir: „Sochrenu leChajim“ – gedenke unser zum Leben. Wir flehen darum, dass wir im neuen Jahr für ein gutes, gesundes und erfülltes Leben eingeschrieben werden.
Musik : CD. LC Hed -Arzi Records 15 300; „The Best of Shlomo Carlebach“
Wenn der Sommer langsam ausklingt und die ersten Anzeichen des Herbstes spürbar werden, beginnt im jüdischen Kalender eine besondere Zeit. Noch bevor Rosch HaSchana und Jom Kippur vor der Tür stehen, führt uns der Monat Elul auf einen Weg der Vorbereitung. Es ist eine Zeit des Innehaltens, der Selbstprüfung und der inneren Einkehr. Die jüdische Tradition betrachtet diese Wochen als eine Gelegenheit, das vergangene Jahr zu überdenken und sich auf die spirituelle Herausforderung der Hohen Feiertage einzustimmen.
Die Tage zwischen Rosch HaSchana und Jom Kippur werden als die „Tage der Ehrfurcht“ bezeichnet. Doch ihre eigentliche Vorbereitung beginnt bereits im Elul. Die Rabbiner verglichen diesen Monat mit einem offenen Tor: Jeder Mensch erhält die Möglichkeit, Bilanz zu ziehen, Versäumtes nachzuholen und neue Wege zu beschreiten.
Ein alter Hinweis der jüdischen Auslegung findet sich bereits im Namen des Monats selbst. Die hebräischen Buchstaben von „Elul“ werden als Anfangsbuchstaben des Verses „Ani l’dodi we’dodi li“ verstanden – „Ich gehöre meinem Geliebten und mein Geliebter gehört mir“. Ursprünglich stammt dieser Satz aus dem Hohelied Salomons. In der jüdischen Tradition wurde er jedoch oft als Ausdruck der besonderen Beziehung zwischen G-tt und Seinem Volk Israel gedeutet. Gerade im Monat Elul wird diese Nähe betont: Der Allmächtige wartet gleichsam darauf, dass der Mensch den ersten Schritt macht und den Weg der Umkehr beschreitet.
Umkehr – auf Hebräisch Teschuwa – bedeutet dabei weit mehr als Reue über vergangene Fehler. Das Wort beschreibt eine Rückkehr zu den eigenen Werten, zu den Grundlagen des Glaubens und zu einem bewussteren Leben. Während des Elul richten wir den Blick auf unser eigenes Verhalten und unsere Verantwortung gegenüber anderen Menschen: Wie sind wir mit unseren Mitmenschen umgegangen? Wo haben wir Chancen verpasst? Wo haben wir Gutes bewirkt? Und was möchten wir im kommenden Jahr anders machen?
Und nun möchte ich das bekannteste liturgische Stück des Neujahrstages erklingen lassen. Unetane Tokef. Gebet Ehre dem Tag, an dem G-tt zu Gerichte sitzt. All die Geschöpfe ziehen an Ihm vorbei. Er prüft sie, wie ein guter Hirte - und spricht über jeden ein gerechtes Urteil. Jedoch Buße, Reue und Gebet wenden das böse Verhängnis ab. Es singt Dudu Fischer mit seinem Chor.
Musik. CD.ICD 5009; „Malavsky Family Songs“
Seit Jahrhunderten gehört das Studium überlieferter jüdischer Lehren zu den klassischen Formen der Vorbereitung. Schon im 16. Jahrhundert war es verbreitet, während des Monats Elul besondere Midraschim zu studieren, die sich mit Abraham, dem ersten Erzvater unseres Volkes, beschäftigen. Sein Weg des Glaubens, seine Bereitschaft zur Veränderung und seine Suche nach G-tt wurden als Vorbilder für die spirituelle Arbeit dieser Wochen verstanden.
Neben dem Lernen spielt auch die Familie eine wichtige Rolle. Viele Erinnerungen an die Hohen Feiertage sind untrennbar mit dem Elternhaus verbunden: mit dem Duft der Festtagsspeisen, dem festlich gedeckten Tisch, dem Klang der Segenssprüche und den besonderen Bräuchen. Wenn Kinder in die Vorbereitungen einbezogen werden, erleben sie die Feiertage nicht nur als religiöse Verpflichtung, sondern als lebendige Tradition. Gemeinsam zu kochen, Geschichten über Rosch HaSchana zu lesen oder über die Bedeutung von Vergebung zu sprechen, schafft Erinnerungen, die oft ein Leben lang erhalten bleiben.
Zu den stilleren Bräuchen des Monats Elul gehört der Besuch der Gräber verstorbener Angehöriger. Viele Menschen suchen in diesen Wochen die Friedhöfe auf, um ihrer Eltern, Großeltern oder anderer nahestehender Menschen zu gedenken. Der Blick zurück auf das Leben der Verstorbenen verbindet sich dabei mit dem Nachdenken über das eigene Leben. Erinnerungen werden wach, Dankbarkeit entsteht, und nicht selten gewinnt man neue Perspektiven für die Zukunft.
Auch die Vorbereitungen auf die Festmahlzeiten gehören zum Charakter dieser Jahreszeit. In jüdischen Familien werden Rezepte hervorgeholt, Traditionen gepflegt und neue Ideen ausprobiert. Die Speisen von Rosch HaSchana tragen oft eine symbolische Bedeutung. Äpfel und Honig stehen für die Hoffnung auf ein süßes neues Jahr, Granatäpfel erinnern an die Vielzahl guter Taten, die wir anstreben, und runde Challot symbolisieren den Kreislauf des Lebens und den Neubeginn.
Besonders prägend sind die Klänge dieser Zeit. Während des gesamten Monats Elul wird in vielen Gemeinden an den Werktagen das Schofar geblasen. Sein durchdringender Ton gilt als geistiger Weckruf. Er erinnert daran, dass die Tage der Entscheidung näher rücken. Der große jüdische Philosoph und Gesetzeslehrer Moses Maimonides (1135- 1204) schrieb, das Schofar rufe den Menschen gleichsam zu: „Erwacht aus eurem Schlaf und prüft eure Taten.“
Hinzu kommen die vertrauten Melodien der Hohen Feiertage, die viele Menschen bereits während Elul begleiten. Wer sie hört, spürt oft sofort die besondere Atmosphäre dieser Jahreszeit. Musik besitzt die Kraft, Erinnerungen zu wecken und Herzen zu öffnen. Sie verbindet Generationen und schafft eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Den Höhepunkt der Vorbereitung bilden schließlich die Selichot-Gebete. Das hebräische Wort bedeutet „Vergebungen“. In diesen oft bewegenden G-ttesdiensten versammeln sich die Gemeinden und bitten gemeinsam um g-ttliche Barmherzigkeit. Die poetischen Texte der Selichot gehören zu den eindrucksvollsten Schöpfungen der jüdischen Liturgie. Sie verbinden das persönliche Schuldbekenntnis mit der Hoffnung auf Vergebung und Erneuerung.
Elul erinnert uns daran, dass Veränderung Zeit braucht. Niemand wird an einem Tag ein anderer Mensch. Doch wer sich vier Wochen lang bewusst mit seinem Leben auseinandersetzt, schafft die Voraussetzungen dafür, dass Rosch HaSchana und Jom Kippur mehr werden als festgelegte Termine im Kalender. Sie können zu einem echten Neubeginn werden.
So ist Elul nicht nur der letzte Monat des alten Jahres. Er ist zugleich der erste Schritt in das neue. In diesen stillen Tagen liegt die Chance, das Kommende bewusst zu gestalten – mit mehr Dankbarkeit, mehr Verantwortung und einem wachen Blick für unsere Mitmenschen und uns selbst.
Zum Schluss hören Sie einen bekannten Abschnitt aus der Festtagsliturgie: T’ka Beschofar. Der Text des Gebets erweitert den Sinn des biblischen Gebots um das Schofarblasen. Die Übersetzung lautet: Ewiger, unser G-tt, lass die große Posaune ertönen, dass sie die Losung uns zur Freiheit sei! Erhebe das Banner, damit sich unsere Verbannten sammeln. Sammle unsere Zerstreuten unter den Völkern und die Verstoßenen von allen Ecken und Enden der Welt. Es singt Misha Alexandrovich.
Musik. CD. „Golden Voices of Israel sing for the Holy Holidays. “
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45161Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Mit der Parascha Ki Tawo treten die Israeliten an eine Schwelle. Vierzig Jahre Wüstenwanderung liegen hinter ihnen. Nun stehen sie kurz davor, das verheißene Land zu betreten. Und gerade in diesem Augenblick erinnert die Tora an etwas Entscheidendes: Vergiss nicht, woher du kommst.
Ein besonderer Brauch wird beschrieben: Die Menschen sollen die ersten Früchte ihrer Ernte nach Jerusalem bringen. Und dabei sprechen sie einen bemerkenswerten Satz: „Mein Vater war ein heimatloser Aramäer.“
Mit diesen Worten beginnt die Erinnerung an die eigene Geschichte – an Unsicherheit, Fremdsein und Abhängigkeit. Erst danach wird von Ernte, Erfolg und Dankbarkeit gesprochen.
Die Tora weiß offenbar: Wohlstand kann vergesslich machen. Wer angekommen ist, übersieht leicht die Mühen des Weges. Wer Sicherheit erlebt, vergisst manchmal die Verletzlichkeit anderer Menschen.
Darum verbindet die Bibel Dankbarkeit immer mit Verantwortung. Die Freude über das Eigene darf nicht dazu führen, dass andere ausgeschlossen werden. Im Gegenteil: Gleich danach heißt es, man solle auch die Bedürftigen, die Fremden und die Einsamen am eigenen Glück teilhaben lassen.
Vielleicht beginnt Mitmenschlichkeit genau dort: im Erinnern. Im Bewusstsein, dass auch wir nicht alles allein erreicht haben. Dass unser Leben von Unterstützung, Vertrauen und manchmal auch von Zufällen getragen wird.
Unser Wochenabschnitt lehrt deshalb eine Haltung der Demut. Nicht Selbstverständlichkeit, sondern Dankbarkeit. Nicht Überheblichkeit, sondern Offenheit. Und vielleicht entsteht daraus jene innere Reife, die eine Gesellschaft menschlicher macht.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44634Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Unser Wochenabschnitt für diesen Schabbat beginnt mit einer Verheißung: „Wenn ihr auf diese Gebote hört…“
Moses spricht zu den Israeliten kurz vor dem Einzug ins Gelobte Land. Er warnt davor, im Wohlstand die Dankbarkeit zu verlieren. Der Mensch neigt dazu zu glauben: „Meine Kraft und die Stärke meiner Hand haben mir diesen Erfolg verschafft.“ Doch die Tora mahnt zur Bescheidenheit. Nicht alles ist selbstverständlich. Gesundheit, Frieden, tägliches Brot und menschliche Nähe sind Geschenke, die wir oft erst schätzen, wenn sie fehlen.
Gerade in unserer Zeit erleben viele Menschen Unsicherheit, Sorgen und Spannungen. Dieser Toraabschnitt erinnert uns daran, dass eine Gesellschaft nicht allein von Macht oder Wohlstand lebt, sondern von Verantwortung füreinander. Wo Menschen einander respektieren, zuhören und helfen, entsteht etwas vom Segen, von dem die Tora spricht.
Ein zentraler Satz unserer Tora Lesung gehört bis heute zu den wichtigsten Worten des Judentums: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Wir brauchen Nahrung für den Körper – aber ebenso Hoffnung, Sinn und Vertrauen. Ohne Mitgefühl und ohne geistige Werte bleibt selbst materieller Erfolg leer.
Vielleicht liegt darin die Botschaft dieses Schabbats: Dankbarkeit bewahren, auch für die kleinen Dinge des Alltags. Und nie vergessen, dass wahre Stärke nicht im Beherrschen anderer liegt, sondern im menschlichen Handeln miteinander.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44633SWR3 Worte
Im 1. Buch Mose heißt es, der Mensch sei „im Bilde Gottes“ geschaffen. Das klingt groß – fast zu groß für den Alltag. Und doch wird es ganz konkret, wenn die rabbinische Auslegung sagt: So wie kein Gesicht dem anderen gleicht, ist auch jeder Mensch einzigartig.
Das bedeutet: Niemand ist austauschbar. Jeder trägt eine eigene Würde in sich.
Und daraus folgt eine leise Aufgabe: Diese Würde sichtbar zu machen – im Umgang miteinander. In der Art, wie wir sprechen. Wie wir zuhören. Wie wir auch dem begegnen, der anders ist als wir.
Vielleicht genügt schon dieser Gedanke für heute: Jeder Mensch ist einmalig. Und verdient es, auch so behandelt zu werden.
Mischna Sanhedrin 4:5
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44376Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Manche Texte der Tora geben keine Antworten – sie stellen uns vor ein Geheimnis. So beginnt unser Wochenabschnitt für diesen Schabbat mit dem rätselhaften Gebot der roten Kuh. Ein biblisches Ritual ohne erkennbare Begründung. Vielleicht erinnert es uns daran: Nicht alles im Leben ist erklärbar. Und trotzdem müssen wir unseren Weg gehen.
Die Israeliten befinden sich auf ihrem Weg ins Gelobte Land immer noch in der Wüste. Da stirbt Mirjam, Moses‘ Schwester – und plötzlich fehlt Wasser. Die Tradition sagt: Solange sie lebte, begleitete eine Quelle das Volk. Erst als sie fehlt, merkt man, was sie gegeben hat. Manche Menschen sind solche Quellen in unserem Leben. Wir bemerken ihre Bedeutung oft erst, wenn sie nicht mehr da sind.
Moses gerät unter Druck. Statt, wie von G-tt befohlen, zum Felsen zu sprechen, schlägt er ihn. Wasser kommt, aber etwas ist verloren gegangen: Geduld, Vertrauen, vielleicht auch ein Stück innerer Ruhe. Eine sehr menschliche Szene. Auch die Größten geraten an ihre Grenzen.
Und dann geschieht etwas Unerwartetes: Ein fremder Prophet soll im Auftrag des Moabitischen Königs Israel verfluchen. Aber anstatt eines Fluches, kommt Segen aus seinem Mund und er sagt: „Wie schön sind deine Zelte, Jakob.“
Vielleicht ist das der Gedanke für diesen Morgen: Wir verstehen nicht alles. Aber wir können aufmerksam bleiben – für die Menschen, die uns tragen, und für die leisen Segensworte, die unser Leben heller machen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44632Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
In der jüdischen Tradition gibt es einen wichtigen Gedanken: Hakarat Hatow – die Dankbarkeit. Es bedeutet, bewusst das Gute zu erkennen, das wir oft für selbstverständlich halten, und es wertzuschätzen.
Bevor der Tag beginnt, lohnt es sich, einen Moment innezuhalten. Einen Moment, um dankbar zu sein – für das Kleine wie das Große: den ersten Sonnenstrahl, ein freundliches Lächeln oder das Dach über dem Kopf. Vielleicht sind es die Menschen, die uns begleiten, die Freunde, die Familie, Kolleginnen und Kollegen, die uns unterstützen. Oder einfach der neue Tag selbst, mit seinen Möglichkeiten und Chancen.
Dankbarkeit verändert unseren Blick auf die Welt. Sie hilft uns, aufmerksam zu sein, für die positiven Dinge, die wir sonst leicht übersehen würden. Sie schenkt uns Ruhe inmitten des Trubels, Freude inmitten von Alltagspflichten und Verbundenheit inmitten von Herausforderungen.
Vielleicht können wir heute Morgen einmal bewusst überlegen: Wofür bin ich dankbar? Welche kleinen Momente des Guten habe ich gestern erlebt, welche Menschen haben mir etwas geschenkt – ein Lächeln, eine Unterstützung, ein Wort? Und wie kann ich heute selbst ein kleines Stück Freude oder ein kleines Stück Licht weitergeben?
Dankbarkeit ist kein Gefühl, das von außen kommt, sondern eine Haltung, die wir jeden Tag neu wählen können. Hakarat Hatow lädt uns ein, das Gute zu sehen, es zu spüren und daraus Kraft zu schöpfen – für uns selbst und für die Menschen um uns herum.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44076Zeige Beiträge 1 bis 10 von 138 »