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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

26APR2024
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An diesem Schabbat begehen wir den fünften Tag des achttägigen Pessachfestes. 
Die Geschichte des Auszuges der jüdischen Sklaven aus dem alten Ägypten spielt an diesem Feiertag eine wesentliche Rolle. Für uns stellen die Ereignisse um den Auszug, die Geburt des jüdischen Volkes dar, und gewinnen somit einen heilsgeschichtlichen Charakter.  Bei vielen Nichtjuden kommt die Frage auf, ob man es hier nicht etwa mit einem Mythos zu tun hat?  Wie sind die aufeinanderfolgenden zehn Plagen in Ägypten zu verstehen und zu werten?  Wie der Marsch der Israeliten trockenen Fußes durch das Schilfmeer? Des Öfteren wurde mir die Frage gestellt, ob ich mir eine zufriedenstellende Antwort, nicht etwa aufgrund ungewöhnlicher Naturereignisse vorstellen könnte?  Ich habe jedes Mal passen müssen. 

Salo Baron, englischer jüdischer Historiker, meint, dass „der Exodus aus Ägypten...offenbar (für die Unbeteiligten) ein unwichtiger Vorgang in der Geschichte jener Zeit“ war. „So geringfügig, dass das - außer den Juden selbst- am meisten beteiligte Volk, die Ägypter, sich niemals die Mühe nahm, ihn aufzuzeichnen.“  So der englische Gelehrte.  Wir sollten also zur Kenntnis nehmen, dass den Ägyptern nichts daran lag, jenen Auszug, jene Befreiung der israelitischen Sklaven, für alle Zeiten festzuhalten.  Für ihre Geschichte und Geschichtsauffassung war es kein Ereignis von Bedeutung.

Eine Bedeutung hatte und hat der Auszug vornehmlich für Juden. Sie traten damals den Weg an, ein Volk zu werden.  Sie sollten auf G-ttes Geheiß sich immer daran erinnern, dass die Geburtsstunde ihres Volkes in der Knechtschaft lag.  Sie sollten daher die Freiheit des Menschen, die eigene, wie auch die der anderen hochschätzen. Der Auszug erinnert auch daran, dass jener Weg der errungenen Freiheit durch die Wüste nach Sinai, zur g-ttlichen Offenbarung der Zehn Gebote führte.

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SWR Kultur Zum jüdischen Feiertag

18APR2024
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PESSACHFST DER ISRAELITEN 22.4.2024 SWR2

Von den volkstümlichen Liedern des Pessach- Festes überreiche ich Ihnen eine kleine „Kostprobe“: Ki lo nae, ki lo jae.  Auf Deutsch:  Dem Herrn gebührt Lobgesang, Ihm geziemt Preis und Dank:  Du, O Herr wirst ewig sein.  Es singt der L’chajim Chor.

(Musik. CD; L’chaim Productions; „Kulanu Messubin. Songs from the Hagodo “)

Das Pessachfest, das auch das Fest der ungesäuerten Brote genannt wird, erinnert uns an die wundersame Befreiung unserer Ahnen aus der Knechtschaft des Pharaos und der Sklaverei in Ägypten. Und daran, wie der Allmächtige uns durch die Wüste zum verheißenen Land geführt hat. Gleichzeitig bietet uns dieser Feiertag eine Gelegenheit über unsere Geschichte nachzudenken und die Werte unserer Gemeinschaft zu feiern. Aber Pessach ist nicht nur ein Fest der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart und der Zukunft. Wir feiern nicht nur die Freiheit unseres Volkes, sondern auch unsere eigene Freiheit. Pessach markiert den Beginn der achttägigen Feier des Auszuges und ist der “Gründungsakt” des jüdischen Volkes, angeführt von Moses und unter G-ttes Schutz.

Wenn wir uns in die Geschichte des Auszuges vertiefen, werden wir in einen entscheidenden Moment in der Geschichte unseres Volkes zurückversetzt. Die Israeliten, die unter der Last der Sklaverei litten, begaben sich auf eine mutige Reise in die Freiheit. Die von Ungewissheit und g-ttlichem Eingreifen geprägte Reise ist ein Zeugnis für die Widerstandsfähigkeit des menschlichen Geistes und das Versprechen auf eine bessere Zukunft.

An Pessach verbinden uns die Wurzeln unserer gemeinsamen Geschichte mit dem reichen Mosaik dieses schönen Festes.

An den beiden ersten Abenden wird der Seder abgehalten. Seder, das heißt Ordnung, denn die Abende verlaufen nach einer gewissen Ordnung am Feiertagstisch. In der Mitte unseres Tisches sehen wir das ungesäuerte Brot, die Matza. Wenn wir die Matze brechen und teilen, erinnern wir uns an die Bedeutung der Freiheit und an die Verantwortung, die sie mit sich bringt.

Und nun erklingt ein Lied des Sederabends: Wa’amartem Sewach Pessach. Die Allgewalt Deiner Macht hast Du wunderbar bewiesen am Pessach. Darum erhobst du auch zum ersten aller Festtage das Fest Pessach. Du entdeckst dem Morgenländer die Wundertaten der Mitternacht Pessach. So sprechet es ist das Pessachopferfest. Sie hören nochmals den L’chaim Chor.

 (Musik. CD; L’chaim Productions; „Kulanu Messubin. Songs from the Hagodo “; Interpret: L’chaim Tish Chor; Komponist: Mona Rosenblum)

Der Sederteller besteht aus verschiedenen symbolischen Speisen, die auf den Auszug unserer Ahnen hinweisen.

Wenn wir die Matza, das Bitterkraut und das Charosset - zu uns nehmen, werden wir an die vielschichtigen Ebenen der Pessach-Geschichte erinnert. Die Matza, das ungesäuerte Brot, steht für Demut und die Eile, mit der unsere Vorfahren Ägypten verließen. Das Maror, das Bitterkraut,  erinnert uns an die Bitterkeit der Sklaverei. Das Charosset, eine süße Mischung aus Äpfeln, Nüssen und Wein, symbolisiert den Mörtel, mit dem unsere Ahnen die Pyramiden bauten. Während der Sederabende werden wir aufgefordert, Fragen zu stellen, uns an lebhaften Diskussionen zu beteiligen und über die Bedeutung der Geschichte des Auszugs für unser heutiges Leben nachzudenken.

Die Zahl 4 hat eine besondere Bedeutung und spielt eine wichtige Rolle beim Sederabend. Wir trinken im Laufe des Abends 4 Becher Wein. Jeder Becher repräsentiert einen Aspekt des Auszuges:

Der erste Becher: Erinnert an die Freiheit und den Beginn des Auszugs.

Der zweite Becher: Erinnert an G-ttes Versprechen, das Volk Israel aus der Sklaverei zu befreien.

Der dritte Becher: Erinnert an die Erlösung und das Ende der Plagen in Ägypten.

Der vierte Becher: Erinnert an die Annahme als G-ttes Volk und die Zukunft.

Während des Seders stellt das jüngste Kind 4 Fragen, unter anderem: “Ma nischtana ha laila hase mi kol ha leilot?” „Worin unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen Nächten?“ Der Vater erzählt daraufhin die überlieferte Geschichte vom Auszug aus Ägypten, als hätten wir alles selbst erlebt.

Diese Frage führt zu einem Meinungsaustausch über den Auszug und die Bedeutung des Festes. In unserer Festlektüre des Abends, im „Haggada“-Büchlein, begegnen wir 4 Arten von Kindern, wie sie uns im Talmud beschrieben werden, und ihren Fragen.

Der kluge Sohn: Fragt nach den Geboten und Traditionen.

Der böse Sohn: Fragt zynisch und ablehnend.

Der einfache Sohn: Fragt einfach und unvoreingenommen.

Der unwissende Sohn: Weiß nicht einmal, was er fragen soll.

Die Zahl 4 symbolisiert also die verschiedenen Aspekte des Pessachfestes und die Vielfalt der Teilnehmer.

Während wir Pessach im Kontext unseres modernen Lebens feiern, sollten wir nicht vergessen, dass die Geschichte der Befreiung weitergeht. Es gibt immer noch Menschen unter uns, die sich nach Freiheit sehnen und verschiedenen Formen der Unterdrückung ausgesetzt sind.

Dieser Feiertag symbolisiert die Hoffnung auf Freiheit. Die Geschichte des Pessachfestes lehrt uns die Werte Mut, Beharrlichkeit und den Glauben an eine gerechtere Welt. In jeder Generation sind wir aufgerufen, uns an diese Werte zu erinnern und sie weiterzutragen.

Zum Schluss erklingt ein Pessach Lied aus der Haggada. Chassal Siddur Pessach. Die Übersetzung lautet: Wir haben nun die Zeremonie des Sederabends abgeschlossen, wie es uns verheißen wurde…Es singt der L’chajim Chor, unter der Leitung von Avraham Weiss. Solist ist Moshe Mordechai (Mona) Rosenblum.

 (Musik.  CD. „Kulanu Messubin.“  Songs from the Haggodo. L’chajim Productions.

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SWR3 Gedanken

05APR2024
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Einst fragte ein römischer Statthalter des eroberten jüdischen Landes Rabbi Akiba provozierend:  „Wessen Werke sind eigentlich schöner, die Werke eures G-ttes, oder die der Menschen?“  Rabbi Akiba antwortete:  „Die Werke der Menschen.“  Diese Antwort überraschte den Statthalter und ließ ihn erwidern:  „Kannst du vielleicht Himmel und Erde erschaffen?“ – „Du  erwähnst etwas, was außerhalb der menschlichen Macht liegt?“ -   wandte darauf der Rabbi ein.  „ Nehmen wir doch etwas alltäglicheres.“

 Akiba ließ nun goldgelbe Ähren vom Felde und knusprige Brote vom Bäcker holen.  Er zeigte auf die Ähren: „ Das ist das Werk G-ttes.“  Dann  wies er auf die Brote hin: „Und das ist das Menschenwerk.  Ist es nicht noch schöner?“    Dann stellte er die Frage:  „Ist denn das Werk des Menschen nicht schöner, als das Werk G-ttes?“

Man könnte in diesem Gespräch die Herausforderung G-ttes sehen, der jedoch gleichzeitig auch den Menschen herausfordert.  Dies verdeutlicht, daß uns G-tt, der Schöpfer das „Rohmaterial“ liefert, das wir in dieser Welt nur „verwalten“ und „verarbeiten“.  Auf welche Weise wir es tun, liegt in unserer Hand.  Darin besteht die Verantwortung aller Menschen G-tt und seiner Welt gegenüber.

Es ist gewiß kein Zufall, daß der altertümliche Rabbi jene menschlichen Produkte als schöner, als die Werke G-ttes bezeichnete,die die elementaren Bedürfnisse befriedigen können, wie den Hunger zu stillen und die Not der anderen zu lindern.  Ich wünsche Ihnen und mir – meine Zuhörer und Zuhörerinnen-, dass es uns in einem ähnlichen Sinne gelingen möge, das G-tteswerk zu übertreffen.  

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

22MRZ2024
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An diesem Schabbat beginnen wir die Lesung des 3. Mosebuches in unseren Synagogen.  Dieses Buch von den Theologen „LEVITICUS“ genannt, weil es sich vorwiegend mit den Tempelopfergaben des alten Israels und seinen Priestern befasst.  Diese Opfer dienten dazu die Verfehlungen, die schwer auf dem Gewissen des Einzelnen, wie auch der Gemeinschaft lasteten, zu sühnen.  Seit der Zerstörung des Tempels durch die römischen Eroberer des Heiligen Landes um die Zeitenwende und nach der Vertreibung der Israeliten aus ihrem Land wurden keine Tempelopfer mehr dargebracht. An ihre Stelle traten die täglichen Gebete, - die Liturgie, die von den Rabbinern des Talmuds, der nachbiblischen Literatur, zusammengestellt und eingeführt wurden. 

Die Gebete der Zeitenwende waren nur dem Inhalt nach fixiert, aber nicht niedergeschrieben. Der Wortlaut blieb dem freien Ermessen des Vorbeters überlassen.

Die älteste Grundform der Andacht waren die Benediktionen: Das sind Segenssprüche, in denen wir G-tt rühmen und für Seine Gnade danken.  Der hebräische Ausdruck für „Segen“ heißt „Bracha“.  Das Verb, das diesem hebräischen Hauptwort zugrunde liegt bedeutete ursprünglich: „auf die Knie fallen.“  Diese klassische Gebetshaltung des demütigen Beters finden wir heute öfter in der katholischen Kirche, als in einer Synagoge... Da das jüdische Gebet nur geringfügig eine individuelle Handlung darstellt, sondern viel eher das Beten in und mit der Gemeinde ist, war es mit der Zeit notwendig geworden, dass namhafte jüdische Gelehrte Gebetssammlungen verfassten und Gebetsordnungen zusammenstellten.  Der Sinn dieser Tätigkeit war, dass sich ein jeder Anwesende am Gebet seiner Gemeinde aktiv beteiligen konnte. 

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SWR2 Zum jüdischen Feiertag

21MRZ2024
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Unser Losfest „Purim“, übermorgen Sonntag ist ein fröhlicher Feiertag. Immerhin geht es dabei um die Errettung unserer Vorfahren im alten Persien. Damals lebte die Mehrheit unseres Volkes im Herrschaftsgebiet des persischen Königs Xerxes I. Wir kennen ihn als Achaschwerosch. Sein Regierungschef Haman ist ein übler Bursche, er plant einen Komplott und die Ermordung aller Juden im Reich. Aber diese Schoah im alten Persien wird nicht stattfinden. Dank des eigenmächtigen Eingreifens und Handelns einer einzigen mutigen jüdischen Frau namens Esther und ihres Onkels Mordechai.

Den Inhalt, die Bedeutung, wie auch die Ereignisse von Purim können wir am besten aus der Lektüre dieses Festes, aus dem biblischen Esther- Buch, der Megillat Esther kennenlernen.  Die Geschichte in diesem Buch ist die einzige Erzählung der Bibel, die sich nicht im Heiligen Land abspielt.  Ihr unbekannter Verfasser lebt vor mehr als 2000 Jahren im damaligen persischen Weltreich, das aber mit dem heutigen  Iran nichts zu tun hat.  Der Geist, der dieses biblische Werk durchdringt, weicht merklich von dem der prophetischen Schriften ab.  In dieser Erzählung wird überdies der Name G-ttes kein einziges Mal erwähnt.

Im Grunde geht es an „Purim um die Überwindung des Bösen und der Dunkelheit durch das Licht des Glaubens und der Hoffnung. Unsere Purim-Geschichte ist eine Geschichte des Überlebens und des jüdischen Zusammenhalts. Im Mittelpunkt steht die Königin Esther, die mutig ihre jüdische Identität offenbart und sich für ihr Volk einsetzt.

Zu Purim gehören mehrere Bräuche und Traditionen, wie das Lesen der Megillat-Esther in der Synagoge. Wenn während der Lesung der Name des Bösewichts Haman fällt, machen die Anwesenden Krawall und Lärm. Sie rufen, sie trampeln, oder sie schwingen ihre Ratschen, die „Ra‘aschanim“. Um seinen Namen zu übertönen.

Die Purim-Geschichte will uns dazu ermutigen, dass wir unsere Stimme erheben und dass wir gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung aufstehen. Sie erinnert uns daran, dass jeder Einzelne die Macht hat, das Böse aufzuhalten und Veränderungen zum Guten herbeizuführen – selbst in den schwierigsten Zeiten.

Neben aller Ernsthaftigkeit gehört auch ausgelassene Freude zu Purim. Dabei vergessen wir die Bedürftigen nicht. Und so gehört zu Purim der Brauch des „Mana-Verschickens“, auf Hebräisch „Mischloach Manot“. Er unterstreicht die Bedeutung von Zusammenhalt, Solidarität und Mitgefühl in unserer jüdischen Gemeinschaft. Wir tauschen in der Familie, im Freundeskreis und in der Nachbarschaft Geschenke in Form von Speisen und Getränken aus. Es ist üblich, immer mindestens zwei verschiedene Arten von Lebensmitteln zu verschenken.

 

Und nun hören Sie das populäre Purimlied:  Schoschanat Jaakow.  Es singt Kantor Chajim Herschtik.  Die Übersetzung lautet: Jakobs Rose ward fröhlich als man Mordechaj in Purpur erblickte.  Hilfe für Israel bist Du in aller Ewigkeit, O Herr, Hoffnung in jedem Geschlecht.  Kundzutun, dass nicht zuschanden werden alle, die auf Dich hoffen.

(Musik.  CD.  Galton L 5865; Schaar Hanegina;19-98009; Interpret: Chajim Herschtik; Komponist: Volksweise; Take: 004; Zeit: 5:11; AMS: M0429963)

 

Eine weitere Purim-Tradition ist das Spenden an Bedürftige. Es wird als eine gute Tat gewertet, als eine Mitzwa, mindestens zwei Bedürftigen Geschenke oder Geld zukommen zu lassen.

An Purim treffen wir uns im Familienkreis oder in der Gemeinde zu einem festlichen Mahl, zu einer Purim-Seuda. Dabei erscheinen viele verkleidet und kostümiert, vor allem die Kinder. Dahinter steckt die Vorstellung, dass die Ereignisse von Purim voller versteckter Wunder waren. Und die fröhliche Stimmung und ausgelassene Atmosphäre passt wunderbar zur spielerischen Verkleidung. Kein Wunder, dass Außenstehende unser „Purim“ gerne mal mit Fasching verwechseln.

Unser Purim am kommenden Sonntag ist ein fröhlicher Feiertag, an dem wir die Widerstandsfähigkeit des jüdischen Volkes feiern und den Sieg einer bedrohten Minderheit über die schweigende Mehrheit. Ein Tag der Fröhlichkeit, der Gemeinschaft und des Teilens.

Möge uns diese Zeit der Freude, des Teilens und des Glaubens dazu anspornen, das Licht des Optimismus und der Menschlichkeit in unserem eigenen Leben zu suchen und zu finden.

(Musik Anfang:  CD. LC-Noam-CDH 623;  19-70647;  Interpret: Miami Boys Choir und Yerachmiel Begun; Komponist: Yerachmiel Begun; Take:  003;  Zeit:  3: 28; AMS: M0082330)

(Musik Abschluss:  CD. „Three Generations sing“– Kol-Star-; 19-098451; Interpret: David Werdyger und Familie; Komponist: David Werdyger; Zeit:  4: 02; Take: 006; AMS: M0128473)

 

 

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

23FEB2024
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Unsere biblische Lesung für den kommenden Schabbat erläutert die Kleiderordnung der Priester der Israeliten im Heiligtum.  Sie zeichneten sich nicht durch Prunk und Pracht aus.  Diese Schlichtheit sollte sowohl den Israeliten als auch den Priestern deutlich machen, dass sie keine privilegierte, begünstigte, herrschende Klasse in Israel bildeten, sondern ausschließlich Diener des einen und einzigen G-ttes waren, deren Aufgabe es sein sollte, den Tempeldienst zu verrichten. Der Zweck dieser Tätigkeit war spirituell.  Nach dem Talmud sollten die Kleidungsstücke, die die Priester während ihres heiligen Dienstes trugen, das Erwirken der Sühne für das Volk symbolisieren, wie z. B. der weiße Mantel.  Das Tragen der Beinkleider hingegen sollte das Volk ermahnen, unmoralische Gedanken abzulehnen.  Der Gürtel erinnerte daran, dass man sich gegen unwürdige Versuchungen von außen wappnen und gürten sollte.  Der priesterliche Brustschild hatte das Ziel, begangenes Unrecht zu sühnen und das Volk zur Umkehr zu bewegen.  Das "Ephod", das Kleidungsstück, das wie eine Schürze getragen wurde, sollte eine ständige Warnung vor Götzendienst sein. 

Die Tora gibt in diesem Abschnitt auch ein Lehrbeispiel, das sich durch die gesamte antike Geschichte der Israeliten zieht, nämlich die strikte und konsequente Trennung der staatlichen Macht und Führung von den Ämtern des Kultes.

Auch heute noch - seit fast 2000 Jahren gibt es kein Tempelheiligtum mehr - sind in den jüdischen Gemeinden in aller Welt die Ämter und Tätigkeiten der demokratisch gewählten Gemeindevorsteher und die der gewählten Rabbiner strikt voneinander getrennt.  Auf diese Weise funktionieren die traditionellen Institutionen auch heute noch und ermöglichen das Fortbestehen unserer Gemeinden.

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SWR3 Worte

02FEB2024
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"Ich muss es immer wieder sagen: Ich habe keine Lehre. Ich zeige nur etwas. Ich zeige Wirklichkeit, ich zeige etwas an der Wirklichkeit, was nicht oder zu wenig gesehen worden ist. Ich nehme ihn, der mir zuhört, an der Hand und führe ihn zum Fenster. Ich stoße das Fenster auf und zeige hinaus. Ich habe keine Lehre, aber ich führe ein Gespräch."

Aus: „Das dialogische Prinzip“. Gütersloher Verlag

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

26JAN2024
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Wir lesen diese Woche aus der Tora über die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei Ägyptens. Dies beendete eine jahrhundertelange, qualvolle Unterdrückung. 

Die Exegeten fragten verwundert, warum sich das ganze ägyptische Volk von einem Tag auf den anderen so verändern konnte?  Gestern noch hatte der Hebräer Josef das Land vor der drohenden Hungersnot gerettet, und wenige Zeit danach war bereits alles vergessen und verdrängt?  Die Träger einer der beeindruckendsten, altertümlichen Kulturen wurden zu gnadenlosen Unterdrückern und Mördern!

Die Antwort des Midrasch, der jüdischen exegetischen Literatur entbehrt nicht einige aktuelle Elemente der Deutung und Bewältigung der Zeitgeschichte: 

Am Anfang wollte nur eine kleine Gruppe von gewaltbereiten Ägyptern die fremden Sklaven beseitigen.  Doch damals leistete ihnen sogar der Pharao Widerstand... Der Midrasch versucht dieses komplexe Geschehen in Dialogform darzustellen: Die Ägypter wollten den Pharao überzeugen: Komm, laß uns jetzt handeln!  Wenn ein Krieg ausbrechen sollte, werden diese Israeliten die Feinde stärken und sich gegen uns wenden.  Wir müssen sie daher beseitigen!  Der Pharao erwiderte:  Ihr seid verwirrt, wie könnten wir sie vernichten?  Bis zum heutigen Tage essen wir ihr Brot!  Habt ihr alle die Maßnahmen Josefs vergessen?  Was wäre aus uns ohne ihn geworden? - Darauf drohten die Widerspenstigen, den Herrscher zu stürzen. Und der Pharao gab ihnen - um seine Macht zu schützen - schrittweise in allem nach.... - Im Gegensatz zu dem Pharao ist seine Tochter, die Prinzessin, die den Hebräer jungen Moses aus den Fluten des Nils rettet, - so der Midrasch - die Verkörperung der anständigen, menschlich fühlenden Ägypter und Ägypterinnen. 

Die jüdischen Gelehrten waren in der Midrasch- Literatur nicht bereit, das ganze Volk der Ägypter mit „kollektiver Schuld“ zu belegen.  Sie betonen, dass es einige gab, die Widerstand gegen Gewalt geleistet haben.  Vielleicht kehrt die Tora deshalb auch immer wieder zu der Ermahnung zurück:  verachte nicht den Ägypter, den Fremden, denn ein Fremder warst du selber in seinem Land!

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

29DEZ2023
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An diesem Schabbat werden die letzten Kapitel des ersten Mosebuches vorgetragen. Josef brachte seine Söhne ans Sterbebett seines Vaters. „Wer sind diese?“ - fragte der Greis Jakob. Meine Söhne, die G-tt mir hier schenkte - antwortete Josef. Darauf erwiderte Jakob: Mit eurem Namen sollen die Israeliten ihre Kinder segnen.....  Eigentlich wunderte sich Jakob: diese ägyptischen jungen Herrschaften, modisch gekleidet, wären seine Enkel?  Die Träger seines Glaubens?  Er konnte es kaum fassen.  Die Antwort Josefs und der tiefe, durchdringende Blick überzeugten ihn, so die Kommentare - davon, dass diese Knaben, die - obwohl  vor ihnen das ganze Land und eine glänzende Karriere offen standen,- nach Goschen zur Residenz ihres Volkes gekommen waren, um die Schicksalsgemeinschaft mitzutragen, - wie seine eigenen Kinder waren.

Daher segnet man die jüdischen Kinder mit dem Segensspruch „der Herr segne Dich, damit du einst werden und wirken sollst wie Efrajim und Menasse, die Söhne Josefs....“

Am Sterbebett erwähnte der scheidende Vater, Jakob, wie er einst seine geliebte Frau Rachel, auf der Wanderschaft, auf dem Weg nach Beth-Lechem zu Grabe getragen hatte.  Trotzdem verlangte er nun von seinem Sohn, ihn, nach seinem Tode, in der Grabstätte seiner Sippe, in der Höhle der Machpela bei Hebron zu  bestatten.  Diesen scheinbaren Widerspruch klärt der Midrasch, die exegetische Literatur auf:  Jakob eröffnete Josef vor seinem Tode, dass er damals meinte, eine g-ttliche Weisung befolgen zu müssen.  Auf diese Weise konnte er seinen Nachfahren zu einem späteren Zeitpunkt einen wichtigen Dienst erweisen.  Als nämlich der babylonische König, Nebukadnezar die Israeliten in die Verbannung verschleppen ließ, führte sie ihr Weg am Grab ihrer Erzmutter Rachel vorbei.  Die alte Legende überliefert, dass Rachel aus dem Grab G-tt um Erbarmen für seine Kinder bat, und der Herr ihr auch Gehör schenkte. Die Verbannung nach Babylonien war ein Wendepunkt in der jüdischen Geschichte. 

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SWR3 Gedanken

01DEZ2023
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Das Radio ist gerade 100 Jahre alt geworden. Dieses Ereignis wurde in den Medien gebührend gefeiert. Ausschnitte aus vielen denkwürdigen Radiosendungen wurden ausgestrahlt, ebenso wie Beiträge von bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich in historischen, gesellschaftlichen und politischen Ereignissen verewigt haben. Die meisten der heutigen Hörerinnen und Hörer konnten diese Ausschnitte aus den unvergesslichen Radiosendungen mit Interesse und auch mit Erstaunen hören. Für mich als Kind eines osteuropäischen Landes, das bis in die 1980er Jahre von Demokratie und Meinungsfreiheit ausgeschlossen war, haben diese 100 Jahre Rundfunk besondere Erfahrungen und Erkenntnisse gebracht. Damals, während des so genannten "Kalten Krieges", konnte ich meinen Vater beobachten, wie er Abend für Abend vor dem Radiogerät saß. Gebannt lauschte er den Nachrichten aus der freien Welt, wie der BBC und der Voice of America sowie der Deutschen Welle, die uns die Augen für die Sicht der freien Welt auf unsere kommunistische Indoktrination in den 1950er und 1960er Jahren öffneten.  Diesen freien Sendern zuzuhören, war nicht ungefährlich, denn der kommunistische Staat verfügte über zahlreiche Spitzel, die es auf jeden Bürger abgesehen hatten. Bis heute bin ich diesen freien Stimmen westlicher Sender dankbar, die mich lehrten, offene und freie Meinungsäußerung zu schätzen.

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