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SWR3 Gedanken
Wir leben in einem demokratischen Sozialstaat. Noch. Ich frage mich oft, wie man Widerstand gegen all die Kräfte leisten kann, die das gefährden. Das geht auf ganz unterschiedliche Art und Weise und fängt eben auch im Kleinen, Alltäglichen an. Ich finde wichtig, was der Schauspieler Matthias Brand dazu sagt – er meint, Empathie ist da zum Beispiel auch ein wichtiger Schritt: Wenn wir aufeinander achten, aufeinander hören und uns umeinander kümmern, dann ist das schon eine Form des Widerstands. Insbesondere gegen eine „Ideologie der Empathielosigkeit“, wie Brand sie besonders bei Rechten und Rechtsextremen beobachtet. Dem kann ich nur zustimmen.
Hass und Hetze sind viel zu sehr alltäglich geworden. Und das Klima untereinander manchmal ganz schön frostig. Wieder mehr aufeinander zu achten, vor allem wieder mehr aufeinander zu hören – so wichtig. Wissen wir noch genug voneinander? Hören wir uns noch wirklich zu? Nur sein eigenes Weltbild im Kopf zu haben, die eigenen Gewissheiten und Absichten, so gut sie auch sein mögen, immer wieder zu manifestieren – weiß ich, was mein Nächster, meine Nächste wirklich denkt und fühlt und wovor sie, er sich fürchtet? Denn nur dann können wir uns auch wieder richtig um einander kümmern. – Wie wichtig das ist, davon berichtet schon die Bibel. Menschen nehmen sich genau das vor und sagen: „Und wir wollen uns umeinander kümmern und uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen.“ (Hebr. 10,24)
Ich finde – das wäre doch mal eine wirklich gute Form des Widerstands!
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Es gibt viele dieser Worte, die es so nicht in unserer Sprache gibt. Eins davon heißt desenrascanço. Und gehört unbedingt in meine Sammlung. Es kommt aus dem Portugiesischen, und bezeichnet in etwa den Moment, wenn etwas schiefgelaufen ist und man sich mit Kreativität und am besten gemeinsam etwas einfallen lassen muss. Improvisationskunst, so könnte man es vielleicht übersetzen. Wer dabei aber an Notlösung denkt - das Wort gibt es im Deutschen ja - der liegt allerdings vollkommen falsch. Desenrascanço – das meint keine Notlösung, sondern beschreibt viel mehr und fast schon eine Art Lebensstil. Eine positive Einstellung zum Leben, in dem ja nun mal nicht immer alles rund läuft. Sich davon nicht unterkriegen zu lassen, sondern im Gegenteil mit den manchmal einfachsten Dingen etwas Neues zu planen und zu machen und sich dabei vielleicht selbst überraschen zu lassen – das ist eine gute Übung, nicht nur für diese Zeiten.
So wie eine Freundin neulich erzählt hat: Wie aus einem Ausflug mit Freunden, den sie vorher lange und akribisch geplant hat, plötzlich etwas ganz anderes wurde. Das Auto ist nicht angesprungen, und dann hat es auch noch geregnet wie bescheuert an diesem Morgen… Schlussendlich haben sie den ganzen Tag gemütlich zuhause zusammen gesessen, alles gefuttert, was der Vorratsschrank hergegeben hat, und hatten seit langem mal wieder Ruhe und ausreichend Zeit, miteinander zu reden. Am Ende waren sich alle sicher: Schöner hätte der Tag nicht werden können. Desenrascanço – absolut keine Notlösung!
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„Ich glaube, man kann das Leben nur übers Sterben begreifen.“ – Das hat der Schauspieler Lars Eidinger mal gesagt. Und auch wenn‘s hart klingt und ist, er hat damit absolut Recht. Das Leben ist endlich – und lebend kommt niemand von uns hier raus… Vor allem betont Lars Eidinger: „Und man muss einfach verstehen, dass der Tod nicht am Ende des Lebens auf einen wartet, sondern in jedem Moment.“.
Das scheint vielleicht im ersten Moment wie eine „Schreckensnachricht“, ist aber doch letztlich genau das, was unser Leben ausmacht. Ein langes, und vor allem gesundes Leben, das ist keine Selbstverständlichkeit. Nicht nur kann es „in jedem Moment“ vorbei sein – schon lange vor dem letzten Atemzug gibt es sie immer mal wieder – die kleinen „Tode“ mitten im Leben. Schmerzliche Abschiede, von Menschen, die uns wichtig sind, von Möglichkeiten, die vielleicht mit zunehmendem Alter dann eben doch nicht mehr gehen… --
In der Bibel finden sich ähnliche Gedanken. Da heißt es in einem alten Gebet: „Zeig mir, dass mein Leben begrenzt ist und ich gehen muss, wenn du mich rufst.“ (Psalm 39,5)
Zeig mir… heißt es da. Gott, zeig mir, und erinnere mich immer wieder neu daran, dass meine Zeit, mein Leben endlich ist. Ein brutaler Pragmatismus. Aber einer, der doch so viel Sinn macht. Und der nicht in eine lähmende Starre und Angst führen soll – im Gegenteil. Das Leben übers Sterben zu begreifen – das nimmt uns letztlich nicht alle Angst und Trauer. Aber es gibt uns etwas dazu. Etwas, das so unfassbar wichtig ist, und mit dem wir all dem begegnen können: Das Wissen darum, wie kostbar jeder Moment dieses Lebens ist. Dass es diese einzelnen Momente sind, die wirklich zählen. Nicht allein das große Ziel, die große Leistung. Sondern das Hier und Jetzt. Gott, zeig es mir! Immer wieder neu…
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Haben Sie den Herbst schon gerochen? Diesen regennassen, erdigen Geruch… Die sonnigen, warmen Tage haben sich noch lang gezogen, ein sehr warmer Spätsommer war das. Dabei hat kalendarisch und meteorologisch der Herbst schon begonnen. Unabhängig davon – ich finde, besonders den Herbst kann man als erstes riechen. Das fand auch der Schriftsteller Kurt Tucholsky – der meinte nämlich: „Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles.“ –
Wenn der Herbst beginnt, dann ist das immer eher eine Art Abschied. Ein erstes Loslassen, des Sommers, fast schon des Jahres... Der Frühling hat mehr von Aufbruch, Neuanfang, die Natur erwacht, alles wird neu. „Alles neu, macht der Mai“, heißt es ja auch… Aber der Herbst – der beginnt den Jahresbogen zu schließen, mit seiner Ernte, seinen bunten Farben… „Eigentlich hat sich noch gar nichts geändert – und doch alles“, meint Tucholsky. Und ja, das ist so – wenn man auf das Jahr schaut, dann schwinden der Sommer und nun auch die Wochen. Und lassen sich nicht aufhalten.
Aber der Herbst, der bietet, so finde ich, auch die Möglichkeit, vielleicht sogar mit allen Sinnen, ein erstes Abschiednehmen zu üben. Zu überlegen – was nehme ich mit, aus diesem Sommer, aus diesem bisherigen Jahr? Was ist meine „Ernte“, welche Früchte kann ich sammeln? Oder: Was möchte ich vielleicht noch angehen, noch anpacken in diesem Jahr, in diesen letzten Monaten?
In die kommenden Herbstwochen und in all diese Überlegungen nehme ich ein besonders schönes Segenswort mit:
Gott segnet dich und behütet dich, vom Kopf bis in die Zehenspitzen (ob du es glaubst, oder nicht). Gott lässt Liebe über dir leuchten und färbt auf dich ab (auch wenn du gerade schwarzsiehst).
Gott legt Frieden in dein Herz und bleibt nicht weiter als eine Armlänge von dir entfernt.
Segen für alle: Andreas Kasparek, Susanne Niemeyer, Edition Ahoi,
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SWR3 Gedanken
Mit dem Leid ist es so eine Sache. Nicht selten ist das Leid, das ein Mensch tragen muss, ungerecht, unverdient und schwer auszuhalten. Manchmal aber hängen wir auch zu sehr an unserem Leid und verbauen uns damit Chancen, meint der Sänger und Dichter Max Prosa. Wenn Menschen ihr Leid als Entschuldigung nehmen, „um in einem unbestimmten Zwischenstand zu verharren“. Dann kann es passieren, dass sie ihre Leiden ungern loslassen wollen, meint Max Prosa: „Es ist ihnen kostbar, denn es schützt sie davor, sich entwickeln zu müssen.“ Und er hat damit gar nicht so Unrecht, wenn er so beschreibt, dass es Menschen gibt, die ihr Leid oder das, was sie beschwert, hüten, fast wie einen Schatz. Damit sie darüber klagen können, und Aufmerksamkeit und Unterstützung bekommen – und auch, damit sie einen Grund haben, bestimmte Dinge nicht tun zu können und müssen.
Das klingt hart. Denn natürlich gibt es Dinge, die uns wirklich hindern. Leid verschwindet nicht einfach, nur weil wir uns entscheiden, es loszulassen. Aber es ist ein wichtiger Hinweis – noch mal zu schauen, ob das, was uns hindert, wirklich von außen kommt, oder ob wir es nicht eigentlich selbst sind. –
Die Bibel bietet einen ersten möglichen Schritt an. Sie rät: „All eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch.“ (1. Petrus 5,7) Alle meine Sorgen vor Gott bringen – ihm alles anvertrauen. In dem Vertrauen, dass er für mich sorgt und immer wieder sorgen wird. Und damit loszulassen – zumindest ein Stück weit, was mich hindert. Klar, damit sind nicht alle Probleme gelöst. Manches Mal braucht es auch die Unterstützung von anderen. Und manchmal braucht es Zeit. Oder professionelle Hilfe. Aber vielleicht geht es dann schon mal in die richtige Richtung. Denn Zwischenstände gehören zum Leben dazu – und aus Zwischenständen kann immer wieder etwas Neues werden…
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Neulich unterwegs zu Freunden. Direkt mal falsch abgebogen, die richtige Ausfahrt verpasst. Ich ärgere mich so richtig. Das Navi bleibt ungerührt und sagt einfach: „Route wird neu berechnet.“ – Das ist doch eigentlich ziemlich genial. Da macht man einen Fehler, irgendwas geht schief und nicht nach Plan – dann wird eben einfach die Route neu berechnet. Ein neuer Weg gesucht, auf dem es weitergehen kann. Super, oder? Das könnte man sich eigentlich auch öfter mal sagen. Nicht nur fürs Fahren und Unterwegssein, egal ob mit dem Auto, oder Rad oder auch zu Fuß. Auch sonst. Wenn was schiefläuft und nicht nach Plan, wird die Route eben neu berechnet. Fehler passieren. Und zwar jeder und jedem von uns. Nicht alle Pläne gehen auf, oder führen zum Ziel. Aber es geht trotzdem weiter. Aber eben auf andere Weise. Der berühmte „Plan B“ muss nicht schlechter sein. Im Gegenteil. Manchmal ist das, was aus Fehlern und Unmöglichem entsteht, sogar besser und viel passender.
Zugegeben: Dazu gehört eine Menge Mut und Vertrauen. Welcher Plan wird aufgehen? Welche Route muss neu berechnet werden? Dabei hilft mir immer wieder ein „Navi“ der ganz besonderen Art – in der Bibel sagt einer voller Vertrauen: „Gott führt mich zum frischen Wasser, zu Orten, an denen ich mich stärken kann. Er erfrischt auch meine Seele. Und führt mich auf dem richtigen Weg, weil er der Gott ist, der mit uns geht, und auf uns aufpasst. Auch wenn ich manches Mal schon auf echt schwierigen Wegen unterwegs war, fürchte ich kein Unglück, denn du, Gott, bist bei mir, und deine große Erfahrung und dein Weitblick trösten mich.“ (Nach Psalm 23) – Dem schließe ich mich gerne an und bin schon gespannt, welche Route auf meinem Weg demnächst neu berechnet wird…
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Unser Urlaub in Schweden dieses Jahr hat mir sehr gefallen. Entspannte, freundliche Menschen. Leckeres Essen, angenehme Temperaturen und eine wunderbare Ostseeküste. Die schwedische Sprache klingt mir noch in den Ohren – so ein schöner, melodischer Tonfall und Sprachrhythmus… Ich mag das sehr. Ich habe leider noch nicht viel Schwedisch gelernt, aber ein paar Worte sind dann doch hängen geblieben.
Zum Beispiel „Soffhäng“. Was das bedeutet? Eigentlich ganz einfach: Auf der Couch, auf dem Sofa abhängen. Bei uns im Deutschen gibt es das so als einzelnes Wort nicht. Sollte es aber eigentlich – denn was gibt es manchmal Besseres, als eben genau das: Auf dem Sofa abhängen. Sich ausruhen. Einmal so richtig durch- und aufatmen. Soffhäng eben. Was für ein wunderbarer Begriff. Da hört man direkt, dass jetzt eine gemütliche Zeit auf dem Sofa angesagt ist. Die Bibel erzählt schon ganz am Anfang davon, dass Gott eine Pause gebraucht hat. Soffhäng quasi nach sechs harten Tagen Arbeit, nachdem er die Erde und alles auf ihr geschaffen hat.
Am siebten Tag ruhte Gott und atmete auf. Heißt es da. (Ex 31,17) Oder auch Jesus, der seinen Jüngern immer wieder mal sagt: Ruht Euch aus! (Mk 6,31) Und selbst macht er mitten im tobenden Sturm erst einmal ein Mittagsschläfchen. (Mk 4,38) –
Sich ausruhen, ob auf dem Sofa oder anderswo, durchatmen und Krafttanken, das hat also nichts mit Faulheit zu tun. Es ist super wichtig, auf sich selbst zu achten, die eigenen Kräfte gut einzuteilen und so zu bewahren. Und gut für Körper und Seele. Also ab aufs Sofa, Seele baumeln lassen und Kräfte sammeln - ein erholsames Soffhäng, nicht nur heute!
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Wie lässt es sich mit verstärkt frauenfeindlichem Gedankengut umgehen? Die österreichische Schriftstellerin Mareike Fallwickl meint, es reicht nicht, den Männern allein die Verantwortung zu überlassen, die Verantwortung muss gemeinsam übernommen werden - und Männer Verbündete in diesen Fragen werden:
„Die Sozialisation von Jungen ist allgegenwärtig, überwältigend stark, manipulativ, emotional grausam und wirkungsvoll. Die Möglichkeit, anders zu sein, sich dem System zu entziehen, ein Schlupfloch zu finden, gibt es nicht. (…)
Ja, Männer haben eine Vormachtstellung in unserer aktuellen Gesellschaftsform. Aber sie haben sich nicht aktiv dafür entschieden. Sie sind ins Patriachart hineingeboren worden, sie sind zu diesen Männern gemacht worden. Und zwar von uns. Sich diese Verstrickung bewusst zu machen, ist für einen Feminismus des Miteinanders essenziell.“
Mareike Fallwickl, in: „Liebe Jorinde oder warum wir einen neuen Feminismus des Miteinanders brauchen“
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Der Autor Michael Nast hat genug von Dummheit – und für ihn hat die oft auch nichts mit Intelligenz zu tun. Er sagt dazu:
„Ich habe beschlossen, keine Dummheit mehr zu ertragen. (…) Gerade in unserer Gegenwart zeigt sich, dass Dummheit erstaunlich wenig mit Intelligenz zu tun hat. Man kann klug, gebildet, sogar brillant sein und trotzdem Dinge für richtig halten, von denen man weiß, dass sie Schaden verursachen. Die gefährlichste Dummheit ist nämlich die, die sich für klug hält. (…) Irgendwann geht es dann nicht mehr um den wahren Kern einer Sache, sondern nur noch darum, recht zu behalten. Wir irren uns alle, das ist nicht das Problem. Das Problem beginnt dort, wo man nicht mehr erkennen will, dass man sich geirrt haben könnte. (…) Die klügsten Menschen sind nicht diejenigen, die auf alles sofort eine zurechtgelegte Antwort haben. Sondern diejenigen, die ihre eigene Antwort noch einmal infrage stellen können. (…)“
Michael Nast, auf dem Instagramkanal michaelnast, Beitrag vom 16.08.2026, https://www.instagram.com/p/DcG9a5WiGgE/?igsh=MTU5NXFqaW44dWI2cw%3D%3D
(zuletzt abgerufen am 20.08.2026)
SWR3 Worte
Romantische Liebe nimmt nicht nur in Kunst, Literatur und Musik, auch in unserer Gesellschaft häufig einen großen Raum ein. Freundschafliche Liebe gerät in den Hintergrund, dabei spielt sie oft eine viel wichtigere und teils auch längere Rolle im Leben, sagt die Autorin Beatrice Frasl:
„Freundschaft, in jedem Fall, wird gerne und oft und in vielen Kontexten vom Wort nur begleitet, wir sind nur Freunde, nicht zusammen, nicht in einer Beziehung. Selbstverständlich ist man in einer engen, tragenden Freundschaft alles davon: Man ist in einer Beziehung, man ist zusammen, sogar fix, man ist einander Partner*in, man liebt, man ist alles, nur nicht nur.“
Beatrice Frasl, Entromantisiert Euch! Ein Weckruf zur Abschaffung der Liebe
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