Filter
zurücksetzen

Filter

Datum

SWR3

  

SWR4

 

Autor*in

 

Archiv

SWR3 Worte

22NOV2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ich habe meine Mutter viel zu früh verloren. Der folgende Gedanke von Toyo Shibata soll heute alle erreichen, die ihre Mutter auch so sehr vermissen:

Wenn ich einsam bin, fange ich Sonnenstrahlen ein, die durch den Türspalt fallen. Mit meiner Hand. Und reibe sie mir immer wieder ins Gesicht. Ihre Wärme ist die Wärme meiner Mutter. Mama, flüstere ich. Wir halten durch. Und rapple mich hoch.

Toyo Shibata: Wenn ich einsam bin. In: Toyo Shibata – Lebensweisheiten einer Hundertjährigen, Pendo Verlag (deutsche Ausgabe) 2010, S. 61.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43303
weiterlesen...

SWR3 Worte

21NOV2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Wenn mal wieder etwas nicht so klappt, wie ich es mir vorgestellt habe, bin ich enttäuscht.  Ein Text der Dichterin Toyo Shibata ermutigt:

Sich grämen über Unerreichtes ist sinnlos. Selbst in 96 Jahren habe ich viele Berge nicht bestiegen, andere nicht abgetragen. Zu wenig um die Eltern mich gekümmert, zu wenig meinem Sohne beigebracht, zu wenig gelernt. Aber du hast dich bemüht. Mit aller Kraft. Ist das nicht die Hauptsache? Komm erhebe dich und packe etwas an. Nur so stillst du die Reue in deinem Herzen.

Toyo Shibata: An Dich. In: Toyo Shibata – Lebensweisheiten einer Hundertjährigen, Pendo Verlag (deutsche Ausgabe) 2010, S. 55.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43302
weiterlesen...

SWR3 Worte

20NOV2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Finanziell für schlechte Zeiten vorzusorgen, ist für viele selbstverständlich. Aber kann man auch emotional vorsorgen? Ja, meint die Japanerin Toyo Shibata und schreibt:

Die Güte, die mir andere schenken, spare ich im Herzen auf. Nehme davon, wenn ich traurig bin und werde wieder froh. Spart euch ruhig solche Gaben zusammen. Der Ertrag ist größer als jede Rente.

Toyo Shibata: Wenn ich einsam bin. In: Toyo Shibata – Lebensweisheiten einer Hundertjährigen, Pendo Verlag (deutsche Ausgabe) 2010, S. 71.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43301
weiterlesen...

SWR3 Worte

19NOV2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Menschen streiten zu sehen, macht mich traurig. Ausgerechnet von einem Einhorn habe ich  da einen schlauen Rat bekommen.  Im Kinderbuch „Kleine Einhörner – große Abenteuer“ sagt es:

Bleib, wie du bist. Höre dir sämtliche Seiten an, versuche, sie zu verstehen, und werde zur Mitte, die Gegensätze verbindet. Stell dir vor, man biegt immer nur nach rechts ab. So dreht man sich im Kreis und kommt nie vom Fleck. Das Gleiche passiert, wenn man ausschließlich nach links abbiegt. Doch findet man eine Balance und lernt, seine Richtung immer wieder anzupassen, dann kommt man voran. Die beste Lösung ist meistens, nicht nur stur rechts oder links, sondern liegt irgendwo dazwischen. Menschen [deine Freundinnen] haben oft zwei unterschiedliche Sichtweisen. Hilf ihnen dabei, stets in der Mitte zusammenzufinden.

Alessandro Parisi: Kleine Einhörner, große Abenteuer, Maverick Mars Publishing Verlag, September 2025, S. 99f.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43300
weiterlesen...

SWR3 Worte

18NOV2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ein Tipp für den Tag von Phil Bosmans:

Fang jeden Tag mit einem fröhlichen Gesicht an! Es besteht eine Wechselwirkung zwischen deinem Gesicht und deinem Herzen. Alles verändert sich, wenn sich dein Gesicht verändert. Du wirst nicht so müde bei der Arbeit, wenn du mit einem entspannten, fröhlichen Gesicht loslegst. Die guten und schönen Seiten des Lebens kannst du viel mehr genießen. Für die Menschen um dich geht eine Sonne auf. Und selbst wenn etwas danebengeht, hast du mehr Widerstandskräfte. Ein offenes, lachendes Gesicht ist ein Segen für alle deine Mitmenschen. Darum: Fang mit einem Lächeln an!

Phil Bosmans: Ein fröhliches Gesicht, in: Nadine Weihe (Hg.): Freude strahlt in unser Leben – Geschichten, die den Alltag erhellen. Verlag Neukirchener Verlagsgesellschaft 2015. Neukirchen -Vluyn, S. 132f.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43299
weiterlesen...

SWR3 Worte

17NOV2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ich denke mir ganz oft: Ich habe (immer) viel zu wenig Zeit. Umso mehr fühle ich mich ertappt bei folgendem Gedanken von Anthony de Mello. Er schreibt:

Fast alle behaupten, sie hätten keine Zeit . (…) Gut, für was verwendest du denn deine Zeit? Um dein mechanisches Dasein aufrechtzuerhalten? Wie der Mann, den der Räuber anschrie: „Geld oder Leben!“, und der antwortete: „Nehmen sie mir lieber das Leben, das Geld brauche ich noch für später.“

Anthony de Mello: Gib deiner Seele Zeit. Inspirationen für den Tag. Herder spektrum Verlag 1999, S. 28.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43298
weiterlesen...

SWR3 Worte

16NOV2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Kann man gute Laune trainieren wie einen Muskel? Ja, meint Phil Bosmans und rät:

Um glücklich zu sein, musst du dein Inneres auf die Freude einstimmen, in die Freude einüben. Statt dich immer nur mit deinen Sorgen zu beschäftigen, versuche bewusst, alles Erfreuliche wahrzunehmen. Schreib dir auf, worüber du dich jeden Tag freuen kannst, zum Beispiel ein gemütliches Zimmer, ein leckeres Mittagessen, ein freundliches Gesicht, ein bequemer Stuhl, ein schöner Blumenstrauß, ein spannendes Buch, ein warmes Bett.

Eine Melodie am Morgen pustet den Staub von deiner Seele. Geh gut gelaunt an die Arbeit und abends mach zweierlei: Bitte Gott um Vergebung für alle Fehler des Tages und danke ihm für alles, was gut war.

Phil Bosmans: Auf die Freude einstimmen, in: Nadine Weihe (Hg.): Freude strahlt in unser Leben – Geschichten, die den Alltag erhellen. Verlag Neukirchener Verlagsgesellschaft 2015. Neukirchen -Vluyn, S. 38.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43297
weiterlesen...

SWR4 Abendgedanken

14FEB2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ich liebe den Moment, wenn es beginnt zu schneien. In sanften Flocken fällt der Schnee vom Himmel. Schon eine halbe Stunde später starre ich auf die schneebedeckte, weiße Landschaft vor mir. Was war da drunter? Eine grüne Wiese? Ach ne, die Baugrube mit dem Hundehaufen am Rand.

Ist im Prinzip völlig egal, denn der Schnee verdeckt alles, egal wie hässlich.

Ich habe mir im Verlauf meines Lebens ein Beispiel am Schnee genommen. Ich habe gelernt, wie ich mein Herz kalt machen kann.  So kalt, bis es in mir schneit und all die hässlichen Dinge mit friedlichem Weiß überzogen werden.

Schlechte Erfahrungen – Schnee drüber.

Stress und Streit– Schnee drüber.

Wut und Trauer – Schnee drüber.

Leider ist die Schneedecke auf meinem Herzen nicht weiß. Sie ist grau, wie der schmutzige, abgasgetränkte Schnee am Straßenrand. Das liegt daran, dass unter dieser Schicht all das Unangenehme und Schmerzhafte liegt: Da liegt zum Beispiel schon ewig eine schlechte Erfahrung aus meiner Schulzeit. Gleich daneben vergammelt ein Haufen Ungesagtes. Dinge, die ich gerne ausgesprochen hätte, mich aber im passenden Moment nicht getraut habe. Darunter ruht dunkelgrau, fast schwarz meine Trauer über den Tod all derer, die ich verloren habe.

Ich will all diese Dinge nicht, diese grau verklumpten, hässlichen Gefühle. Will sie weder sehen noch spüren. Sie sollen für immer verdeckt bleiben.

Genau das tun sie nicht. Grau drücken sie sich durch meinen Herzensschnee und treten immer wieder hervor.

Und dann passiert, womit ich nicht gerechnet habe: Es kommt jemand, der die graue Schutzschicht zum Schmelzen bringt.

Eine Umarmung – zack, die erste Schicht schmilzt.

Ein liebes Wort – zack, die zweite Schicht schmilzt.

Langsam bekomme ich Angst, denn wenn meine Schutzschicht weiter schwindet, wird mein Herz gleich offen daliegen.

Ein liebevoller Blick – zack die nächste Schicht schmilzt. Und ein paar von den hässlichen Gefühlen gleich mit.

Auf einmal wird mein Herz so warm, dass alles Schlechte zu schmelzen beginnt. Es tut ein bisschen weh, aber weniger, als der ständige Kampf, alles zu verbergen. Und danach fühle ich mich besser.

Wie ist das nur möglich, dass ein anderer Mensch eine Schneeschmelze in meinem Herzen verursachen kann? Dass er es schafft, so viel Schlimmes und Unangenehmes wegzutauen. Allein durch Liebe. Ich frage mich, ob ich das auch kann. Ob das jeder Mensch kann?

Vielleicht ist der heutige Valentinstag ein schöner Anlass, um genau das auszuprobieren. Uns gegenseitig eine Umarmung, ein liebes Wort oder einen liebevollen Blick zu schenken – und so Herzen zum Schmelzen zu bringen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41570
weiterlesen...

SWR4 Abendgedanken

13FEB2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Jérôme. Der Name hat sich tief in mein Herz eingeprägt. Dabei bin ich ihm nie persönlich begegnet. Ich habe keine Ahnung, wer er war, kenne weder sein Gesicht noch seinen Nachnamen. Trotzdem denke ich oft an ihn. Immer dann, wenn ich an dem kleinen Holzkreuz am Straßenrand vorbeifahre. Es ist blau und auf dem Querbalken steht in schwarzen Buchstaben sein Name: Jérôme.

Das Kreuz steht an der Stelle, an der er vermutlich gestorben ist. Auf der Straße, die ich fast täglich zur Arbeit entlangfahre. Wenn ich das Kreuz sehe, bin ich mit meinen Gedanken sofort bei ihm: Wer bist du gewesen, Jérôme? Was ist mit dir passiert? Wie hast du gelebt? Wen musstest du zurücklassen? Es muss Menschen geben, die ihn sehr vermissen, denn es stehen immer frische Blumen vor dem Holzkreuz. Seit Jahren schon.

Jérômes Kreuz macht mich traurig. Es ist eines von vielen an deutschen Straßenrändern. Allein 2024 sind fast 3000 Menschen im Straßenverkehr verunglückt. Das sind viele Kreuze. Das sind viele traurige Menschen. Viele Erinnerungen.

Ich finde diese Tradition gut und wichtig, Kreuze am Straßenrand aufzustellen. Sie erinnern nicht nur daran, dass hier ein Mensch sein Leben verloren hat, sondern sind auch eine optische Mahnung an alle, die daran vorbeifahren: Fahrt vorsichtig. Das Leben kann schnell vorbei sein. Runter vom Gas.

Auf mich wirkt so ein Holzkreuz viel eindringlicher als jedes Warnbanner. Auch mein Leben ist endlich. Und dann?

Ich hoffe, dass ich eines Tages alle wiedersehen werde, die mir auf dieser Welt so wichtig geworden sind. Dass wir uns alle wieder in den Armen liegen und glücklich sein dürfen. Gemeinsam bei Gott. Bis dahin wird mein Name auf der Erde zurückbleiben und an mich erinnern. Auf einem Holzkreuz oder auf einem Grabstein.

Bei dem Kreuz von Jérôme muss ich auch an all die Menschen denken, die ich verloren habe. Ich stelle nicht immer frische Blumen an ihr Grab, aber ich vermisse sie. Jeden Tag. Es tut weh, wenn ein Mensch geht und der Schmerz bleibt.

Ich hoffe, es stimmt, was man sagt, dass Liebe alle Grenzen überwindet. Auch die des Todes. Mein christlicher Glaube lässt mich darauf vertrauen, dass auch meine Seele den irdischen Tod überdauert, genauso, wie die Liebe. Auch daran erinnert mich das Kreuz am Straßenrand.

Es verspricht mir, dass geliebte Menschen nicht „einfach so“ aus dem Leben verschwinden. Solange ein Name auf einem Kreuz, einem Grabstein oder auch nur im Herzen eines Menschen geschrieben steht, bleibt er in Erinnerung. Das finde ich tröstlich und schön.

Jérôme, wer auch immer du warst, du stehst in meinem Herzen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41569
weiterlesen...

SWR4 Abendgedanken

12FEB2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

„Wenn der Keks redet, hat der Krümel Pause!“ Das sagt meine Freundin ihrem Sohn Leo. Weil er uns mitten im Gespräch unterbricht. Ich muss lachen.  Als ich Leo dann anschaue, bleibt mir das Lachen im Hals stecken. Der Kleine findet den Satz gar nicht lustig.

Das war doch nicht böse gemeint. Trotzdem beißt sich Leo auf die Lippen und scheint kurz davor, loszuweinen.

Für ihn hat der Satz noch eine andere Botschaft. Er versteht: „Was du sagen willst, kann niemals so wichtig sein, wie das Gespräch zwischen Erwachsenen.“ „Deine Meinung und deine Bedürfnisse sind unwichtig, denn du bist klein und unwichtig.“ Puh, wie schlimm muss es sein, sowas zu hören. Vielleicht wäre es besser gewesen zu sagen: „Lass uns kurz ausreden, dann bist du dran und wir hören dir dann aufmerksam zu.“

Leo tut mir leid. Dabei werden Kinder öfter mal zum Schweigen gebracht. Egal mit welchen Sätzen.  Sofort bin ich froh, dass sich meine Mama in meiner Kindheit an einem gegensätzlichen Vorbild orientiert hat. An dem eines Mannes, der gesagt hat: „Lasset die Kinder zu mir kommen.“ Dieser Mann heißt Jesus. Jesus hat das vor über zweitausend Jahren gesagt. Vor zweitausend Jahren!! Schon damals haben Erwachsene Kinder zurückgehalten. Auch sie haben gedacht, dass Jesus nicht von „bedeutungslosen“ Ansichten “kleiner Krümel“ belästigt werden sollte. Offenbar ganz überzeugt davon, dass es Menschen gibt, die nichts zu melden haben, Menschen, die man kleinhalten muss. Puh, was für ein toxischer Gedanke!

Mir gefällt es, dass Jesus keinen Unterschied macht zwischen Groß und Klein, sondern jedem gleichermaßen zuhören will.

Dass Menschen zum Schweigen gebracht und kleingehalten werden, gibt es in allen Generationen und Ländern. Besonders hart trifft das wohl Kinder und schwächere Menschen; Denen kann man leicht sagen: „Darüber spricht man nicht.“ „Für deine Gefühle und Meinungen ist jetzt keine Zeit.“ Man kann sie und ihre Probleme kleinreden. Ja und dann?

Niemand bleibt ewig ein Kind, aber geschwiegen wird weiter. Denn wenn man Regeln einmal gelernt und verinnerlicht hat, orientiert man sich oft sein Leben lang daran. Auch als Erwachsener. Viele verhalten sich dann so, wie es ihnen beigebracht wurde: schweigen, und geben es an die nächste Generation weiter.

Ich möchte meinen Kindern vermitteln, dass es wichtig ist, was Menschen sagen. Egal, wie klein sie sind oder wie klein sie sich fühlen. Deshalb achte ich darauf, sie wertschätzend zu behandeln, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen genau zuzuhören.

Gerade in Anbetracht der anstehenden Wahlen wird deutlich, wie wichtig es ist, dass Menschen lernen, sich nicht klein zu machen. Eine Meinung zu haben und für das einzustehen, was sie als gut und richtig empfinden.

Demokratie lebt vom Sprechen miteinander. Nicht vom Schweigen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41568
weiterlesen...