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13NOV2022
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Als Kind hatte ich oft Heimweh. Ich erinnere mich an eine Freizeit in den Weihnachtsferien. Ich war gerade mal acht Jahre alt und kurz zuvor noch krank gewesen – und auf einmal fand ich mich mit einer aufgedrehten Kinderschar in einer Skihütte mitten in den Bergen wieder. Nachts sollte ich im riesigen Matratzenlager schlafen und tagsüber auf Skiern stehen. Das war zu viel für mich. Abends habe ich weinend zuhause angerufen: Könnt ihr mich abholen? Bitte! Ich bin damals geblieben, und das war vermutlich gut so. Aber die Erinnerung an das herzzerreißende Gefühl ist geblieben: Ich will nach Hause! Holt mich doch bitte!
Daran muss ich denken, wenn ich den Gospelsong höre von einem Wagen, der kommt, um mich nach Hause zu holen: Swing low, sweet chariot.

Joan Baez

Die Sehnsucht, nach Hause zu kommen – mir kommt sie in diesem Lied ganz nah. Gerade weil es in den Zeilen noch um mehr geht als um das Heimweh nach dem eigenen Zuhause und den vertrauten Menschen dort.
Die Sklaven auf den Plantagen der Südstaaten Nordamerikas, wo das Lied vor 150 Jahren entstanden ist, haben damit auch ihre Sehnsucht nach einer himmlischen Heimat besungen. Nach einem Ort, an dem aller Schmerz und alle Ungerechtigkeit ein Ende haben:

Louis Armstrong

Wenn doch nur, wie es vom Propheten Elia in der Bibel erzählt wird, so ein Wagen vom Himmel käme. Der sehnsüchtige Blick geht über den Jordan, über die Grenze von Leben und Tod. Was da sein wird, ist noch nicht zu sehen – so singt Louis Armstrong in seiner Variante, die wir gleich hören. Aber klar ist: Es kommen Engel als Begleitung – nach Hause.

Louis Armstrong

Dieses feste Vertrauen, dass es einen guten Ort gibt, ein Zuhause, das immer da ist, egal was kommt – das beeindruckt mich. Wer so eine unerschütterliche Zuversicht im Herzen hat, der kann nicht nur dem Tod furchtlos entgegen gehen, sondern hat auch im Leben einen Halt, wenn es schwer wird.

Ich selbst kann das für mich nicht immer so gewiss sagen. Trotzdem singe ich den Gospelsong gerne mit – besonders die Strophe, in der es heißt: I'm sometimes up and sometimes down, but still my soul feels heavenly bound.

Kenny Ball and the Jazzmen

Ich verstehe das so: Auch wenn es mir nicht gut geht, auch wenn ich Zweifel habe: Meine Seele hat eine Heimat im Himmel. Und immer wieder ist ein Vorschein davon auch hier zu spüren.

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01NOV2022
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Ein Gespräch mit Prof. Dr. Volker Drecoll, Tübingen

Rittberger-Klas: Allerheiligen ist als Feiertag in der katholischen Tradition fest verwurzelt. In evangelischen Gegenden spielt der Tag heute dagegen keine Rolle. Gibt es aber auch für evangelische Christen an Allerheiligen etwas zu feiern? Darüber spreche ich heute mit Prof. Volker Drecoll. Er lehrt Kirchengeschichte an der Evangelisch-theologischen Fakultät in Tübingen.
Herr Prof. Drecoll, hat für Sie persönlich, als evangelischer Christ und Pfarrer, der Tag heute eine Bedeutung?

Drecoll: Für mich hat natürlich eher der Vorabend des Allerheiligenfestes Bedeutung, das ist ja das Reformationsfest. Und das Reformationsfest ist ja kein eigenes Datum, sondern eben wirklich der Vorabend von Allerheiligen, weil sich die Reformation ja auch an der Heiligenverehrung unter anderem entzündet hat. Als Pfarrer habe ich das immer so gemacht, dass ich den katholischen Kollegen gefragt habe, ob er mit mir zusammen den Vorabend von Allerheiligen feiern möchte, weil nämlich das Evangelium des Reformationstages das gleiche ist wie das von Allerheiligen, nämlich die Seligpreisungen aus dem Matthäusevangelium. Und das hat immer sehr gut funktioniert. Der katholische Kollege hat dann zum Reformationsfest in unserer evangelischen Kirche gepredigt über die Reform der Kirche und ich umgekehrt dann in der Katholischen Kirche im nächsten Jahr, wenn es darum ging, warum man überhaupt damals Reformation gewollt hat.

Rittberger-Klas: Also, es gibt Annäherungen, es gibt Gemeinsamkeiten, aber der Ursprung war ja schon ein Gegensatz. Die Reformatoren haben die Heiligenverehrung scharf kritisiert und die Heiligen damit quasi aus der evangelischen Kirche verbannt. War das in der Radikalität nötig?

Drecoll: Ich würde sagen: Auf der einen Seite ja, weil die Heiligenverehrung ja schon Züge angenommen hat, dass man einen Mittler brauchte, um überhaupt zu Gott zu kommen, also indirekte Umwege. Das entspricht nicht der Theologie, die man jetzt heute auch vorfindet beim katholischen Partner. Und man muss auch sagen: Die Evangelischen haben ja nicht die Heiligenverehrung komplett abgeschafft. Die Apostelfeste oder die Marienfeste sind ja auch in die lutherischen Kirchenjahresplanungen alle mit drin.

Rittberger-Klas: Nicht sehr bekannt oft bei den evangelischen Gemeinden. Aber eigentlich kann man das feiern und teilweise wird es auch gefeiert.

Drecoll: So ist es – also etwa Peter und Paul, aber auch die Marienfeste. Und zwar, weil es eigentlich Christusfeste sind, diese Feste sind nicht deshalb interessant, weil man Heilige verehrt, sondern weil man von den Heiligen aus darauf verweist, was Christus mit ihnen und an ihnen getan hat. Also insofern, als abgeleitete Christusfeste, sind sie auch im evangelischen Kalender da und darin besteht auch eine Übereinstimmung mit den katholischen Partnern.

Rittberger-Klas: Trotzdem spielen die Heiligen keine große Rolle in der evangelischen Kirche. Und man kann sich ja schon fragen, ob dadurch nicht auch etwas fehlt. Es gibt ja vielleicht auch ein urmenschliches Bedürfnis nach Vorbildern. Und es kann ja nicht schaden, wenn Kinder im November beim Laternelaufen auch die Geschichte vom Heiligen Martin hören, der seinen Mantel geteilt hat?

Drecoll: Ja, das schadet sicher nicht. Bei den Vorbildern würde ich sagen: Da haben die evangelischen auch so ihre eigenen Vorbilder entwickelt. Wie viele Martin-Luther- und Dietrich-Bonhoeffer-Kirchen gibt es denn bei uns. Da sind doch einige Leute auf den Sockel gehoben worden, weil dieses Bedürfnis nach Vorbildern da ist.

Rittberger-Klas: Aber ich höre heraus: Sie sehen das auch ein bisschen kritisch?

Drecoll: Na sicher! Menschen sind ja Menschen. Also Vorbilder sind dann vielleicht vorbildlich, wenn man gerade auch erkennt, welche Schwierigkeiten sie haben und dass sie eben nicht in allem vorbildlich sind. Und insofern, würde ich immer sagen, ist die Betrachtung anderer Christenmenschen für uns deswegen ein Trost, weil man sieht: Naja, so perfekt und vorbildlich sind sie dann auch nicht.

Rittberger-Klas: Die starken Auswüchse der Heiligenverehrung, die man im Spätmittelalter beobachten konnte, die inzwischen ja auch katholischerseits kritisch gesehen werden und von denen man auch wieder weggekommen ist, die haben sich in der Geschichte der Kirche ja erst allmählich entwickelt. Woher kam das? Und wie hat das überhaupt begonnen mit der Heiligenverehrung in der Kirche?

Drecoll: Ja, man hat schon relativ früh in der Alten Kirche, so im 4./5. Jahrhundert, zum Beispiel Heilige sehr nah an den Altären bestattet. Einfach in der Idee, dass dort, wo der Altar ist, das Heilige präsent ist, und die Heiligen dann einfach näher dran sind, ganz physisch, räumlich. Und genauso hat man dann angefangen, Berührungsreliquien zu benutzen, also etwa Tücher draufzulegen auf den Sarkopharg eines Heiligen oder einer Heiligen, und die dann mitzunehmen, in der Hoffnung, dass dadurch irgendwie Heiliges mitnehmen kann. Oder Öl, oder Wasser, das man da durchlaufen lässt, das man etwas zum Mitnehmen hat, etwas Handfestes. Das ist ja eigentlich so eine ganz räumlich-dingliche Vorstellung des Heiligen, mit der ich persönlich wenig anfangen kann, aber andere können damit vielleicht etwas anfangen. Man muss nur aufpassen, dass dadurch nicht eine Verdinglichung des Glaubens stattfindet, nach dem Motto: Hauptsache, du hast dieses Öl oder diese Berührungsreliquie, dann geht es dir gut. Weil: das ist nicht das Zentrum des christlichen Glaubens.

Rittberger-Klas: Die Heiligen und ihre Legenden spielen in der evangelischen tatsächlich eine untergeordnete Rolle, aber die Kirche als „Gemeinschaft der Heiligen“, die ist ja durchaus wichtig und präsent. Und ich habe den Eindruck, dass diese Formulierung, vielleicht heute besonders, erklärungsbedürftig ist. Viele sehen, was in der Kirche schiefläuft, und fragen sich, wie wir mit dem Anspruch rumlaufen können, eine „Gemeinschaft der Heiligen“ zu sein. Was bedeutet das?

Drecoll: Ja, die Gemeinschaft der Heiligen, die bekennen wir ja auch zum Beispiel auch im apostolischen Glaubensbekenntnis. Und damit ist jetzt natürlich nicht gemeint, dass zum Beispiel die Evangelische Landeskirche in Württemberg oder alternativ dazu die römisch-katholische Diözese Rottenburg-Stuttgart die heilige Kirche ist und außerhalb derer gibt es keine Heiligen. Sondern die Gemeinschaft der Heiligen ist immer die unsichtbare Gemeinschaft, die von Gott aus für heilig betrachtet wird, obwohl sie, für sich genommen, nicht so heilig ist. Also ich würde immer sagen, evangelischerseits sind wir nur deshalb heilig, weil Christus uns für heilig erachtet, nicht weil wir selbst heilig sind. Das sind wir nicht.

Rittberger-Klas: Das heißt, Heiligkeit ist keine Eigenschaft, ein besonders gutes Leben, das man führt, oder etwas, das man an sich hat oder tut, sondern eher eine Frage der Gottesbeziehung?

Drecoll: Genau. Bei Luther ist es auch immer so, dass man unterscheidet: Den Menschen für sich, wie er jetzt in der Welt dasteht, zu seiner Familie, in seinem Beruf, in der Gesellschaft – und da wird der Mensch, wenn er sich aufmerksam betrachtet, feststellen, dass er an vielen Stellen irgendwie Teil ist von Relationen ist, die nicht gut sind, die zumindest verbesserungswürdig, wenn nicht schuldbeladen sind. Aber umgekehrt davon ist da eben noch eine Perspektive, die zu Gott noch besteht. Die ist davon unterschieden. Und die bestimmt sich ganz davon, wie Gott uns betrachtet. Und Gott betrachtet uns eben nicht so, wie wir im Klein-Klein unseres Alltags oder in den großen Linien unseres Lebens versagen, sondern er betrachtet uns als wären wir heilig. Und damit setzt er eine Wirklichkeit, die sich uns natürlich nicht so schnell erschließt, weil sie in unserem Leben so nicht gegeben ist.

Rittberger-Klas: In der katholischen Tradition wird der Allerheiligentag oft mit dem Allerseelentag – eigentlich der 2. November – verbunden. Dadurch ist er stark mit dem Gedenken an die Verstorbenen verknüpft. Was bedeutet es im Blick auf den Tod, dass Christen sich als „Gemeinschaft der Heiligen“ verstehen?

Drecoll: Der Tod beendet diese Gemeinschaft der Heiligen natürlich nicht, sondern die Toten gehören zu der Gemeinschaft der Heiligen dazu wie die Lebenden, der Gemeinschaft der Toten und der Lebenden, die eines Tages auferweckt werden wird. Wir Evangelischen beten ja nicht direkt für die Toten, weil wir sagen, dass Christus sich genug um sie kümmern wird, aber es ist so, dass wir natürlich auch mit unserer Trauer da sind und mit dieser Trauer um Menschen, die uns fehlen, vor Gott treten und deswegen am Totensonntag etwa auch an die Ewigkeit denken.

Rittberger-Klas: Das gibt es auch wieder eine Verbindung zu den herausgehobenen Heiligengestalten. Das sind ja auch Menschen, deren Lebensgeschichten von Generation zu Generation weitererzählt wurden. Und die verbinden letztlich uns Christen heute ja auch mit den Christen früherer Generation, die in ihrer Zeit, in ihrem Umfeld eben versucht haben, Christsein authentisch zu leben. Ist diese Verbindung Ihnen als Kirchengeschichtler auch besonders wichtig?

Drecoll: Ob als Kirchengeschichtler weiß ich nicht – aber natürlich ist es so, dass ein Großteil er Figuren, mit denen ich mich beschäftige, sind später als besonders heilig oder besonders unheilig betrachtet worden. Und es ist tatsächlich für mich auch ein Gedanke, der mir wichtig ist: Dass die Kirche sich über alle Kontinente dieser erstreckt, aber dass sie sich auch zeitlich erstreckt, über 2000 Jahre jetzt. Und dass man auch dort eine Form der Gemeinschaft hat, über die Zeiten und Jahrhunderte hinweg.

Rittberger-Klas: Wenn Sie sich persönlich einen Lieblingsheiligen oder eine Lieblingsheilige aussuchen sollten, wer wäre das? Und warum?

Drecoll: Na, aus evangelischer Sicht würde man dazu doch sagen: Immer der Mensch, mit dem man es gerade zu tun hat. Also im Moment wären Sie das. Weil das ja immer die erste Aufgabe ist, den Menschen, mit dem man gerade zu tun hat, so zu betrachten, wie er von Christus aus betrachtet wird. Nicht so, wie er wirklich ist, sondern so, als wäre er eben schon heilig. Aber wenn Sie mich historisch fragen würden, dann würde ich vorne anfangen – vielleicht bei Paulus oder so.

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29OKT2022
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Seit über einem halben Jahr läuten bei uns im Dorf am Freitagabend die Glocken, immer um sechs Uhr. Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine trifft sich dann eine kleine Gruppe in der Kirche, um für den Frieden zu beten. Jede Woche. Sie beten, wenn neue schreckliche Angriffe oder neue Drohungen aus dem Kreml die Welt in Atem halten. Und sie haben auch weitergebetet, als der Krieg zwischenzeitlich fast aus den Nachrichten verschwunden war, weil sich andere Neuigkeiten in den Vordergrund geschoben hatten.

Ich habe großen Respekt vor ihrer Beharrlichkeit. Es sind nur wenige Menschen, die sich in der kleinen Kirche versammeln. Aber mit den Glocken und Gebeten holen sie den Krieg hinein ins Leben bei uns: das Leiden der Ukrainer, aber auch der Russen, die verletzt werden, die fliehen müssen, die ihr Hab und Gut verlieren, die sterben. Und sie bitten um Frieden. Nicht nur in der Ukraine, sondern überall auf der Welt. Immer und immer wieder.

Ob das einen Unterschied macht? Ich glaube, ja. Natürlich braucht auch kluge politische Entscheidungen. Es braucht Hilfstransporte ins Kriegsgebiet und Menschen, die dafür spenden. Es braucht Vermieter, die Wohnraum zur Verfügung stellen, und Ehrenamtliche, die Geflüchteten Mut machen, sie zu Ämtern begleiten oder bei der Jobsuche helfen. Aber ich glaube: Es braucht auch die Gebete.

Immer wieder höre ich von Leuten, die Kontakte zu Gemeinden in der Ukraine haben, dass es für die Menschen dort etwas verändert. Dass es für sie einen großen Unterschied macht, ob in unserer Dorfkirche und anderswo für sie die Glocken läuten. Es ist wichtig für uns zu wissen, dass ihr für uns betet, sagen sie. Das gibt uns Kraft.

Und ich spüre: Es gibt auch denen Kraft, die beten. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet (Römer 12,12) – das hat der Apostel Paulus vor 2000 Jahren an die Gemeinde in Rom geschrieben. Und ich habe den Eindruck: Alles drei gehört zusammen. Menschen, die beharrlich beten, geben dadurch die Hoffnung nicht auf. Und sie bleiben mit ihren Sorgen nicht allein. Sie teilen sie mit Gott und miteinander. Und können so oft besser damit umgehen.

Deshalb bin ich froh, dass es so viele Menschen gibt, die beharrlich für den Frieden beten. In der Kirche oder zuhause, mit anderen oder im Herzen. Weil beten Hoffnung gibt. Und Geduld, wenn es schwierig wird.

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Seit über einem halben Jahr läuten bei uns im Dorf am Freitagabend die Glocken, immer um sechs Uhr. Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine trifft sich dann eine kleine Gruppe in der Kirche, um für den Frieden zu beten. Jede Woche. Sie beten, wenn neue schreckliche Angriffe oder neue Drohungen aus dem Kreml die Welt im Atem halten. Und sie haben auch weitergebetet, als der Krieg zwischenzeitlich fast aus den Nachrichten verschwunden war, weil sich andere Neuigkeiten in den Vordergrund geschoben hatten.

Ich habe großen Respekt vor ihrer Beharrlichkeit. Es sind nur wenige Menschen, die sich in der kleinen Kirche versammeln. Aber mit den Glocken und Gebeten holen sie den Krieg wieder hinein ins Leben bei uns: das Leiden der Ukrainer, aber auch der Russen, die verletzt werden, die fliehen müssen, die ihr Hab und Gut verlieren, die sterben. Und sie bitten um Frieden. Nicht nur in der Ukraine, sondern überall auf der Welt. Immer und immer wieder.

Ob das einen Unterschied macht? Ich glaube, ja. Natürlich braucht auch kluge politische Entscheidungen. Es braucht Hilfstransporte ins Kriegsgebiet und Menschen, die dafür spenden. Es braucht Vermieter, die Wohnraum zur Verfügung stellen, und Ehrenamtliche, die Geflüchteten Mut machen, sie zu Ämtern begleiten oder bei der Jobsuche helfen. Aber ich glaube: Es braucht auch die Gebete.

Immer wieder höre ich von Leuten, die Kontakte zu Gemeinden in der Ukraine haben, dass es für die Menschen dort etwas verändert. Dass es für sie einen großen Unterschied macht, ob in unserer Dorfkirche und anderswo für sie die Glocken läuten. Es ist wichtig für uns zu wissen, dass ihr für uns betet, sagen sie. Das gibt uns Kraft.

Und ich spüre: Es gibt auch denen Kraft, die beten. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet – das hat der Apostel Paulus vor 2000 Jahren an die Gemeinde in Rom geschrieben. Und ich habe den Eindruck: Alles drei gehört zusammen. Menschen, die beharrlich beten, geben dadurch die Hoffnung nicht auf. Und sie bleiben mit ihren Sorgen nicht allein. Sie teilen sie mit Gott und miteinander. Und können so oft besser damit umgehen.

Deshalb bin ich froh, dass es so viele Menschen gibt, die beharrlich für den Frieden beten. In der Kirche oder zuhause, mit anderen oder im Herzen. Weil beten Hoffnung gibt. Und Geduld, wenn es schwierig wird.

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27OKT2022
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Als ich das erste Mal in die kleine Kapelle geschaut habe, war ich kurz irritiert. Das sollte der Andachtsraum sein? Ich hatte eher den Eindruck, in einer Strandbar gelandet zu sein. Der Boden ist mit feinem, weißem Sand bedeckt, dazwischen locker verteilt ein paar Stühle und Grünpflanzen. Auf den zweiten Blick habe ich dann den kleinen Tisch entdeckt, der als Altar dient, eine Bibel, ein Kreuz. Beim Rausgehen habe ich mich noch einmal umgedreht – und habe die Spuren gesehen, die ich im Sand hinterlassen hatte.

Später habe ich erfahren, dass genau das der Sinn des Sandfußbodens ist: Wer immer die Kapelle betritt, hinterlässt darauf Spuren. Das soll die Besucherinnen und Besucher daran erinnern: Niemand kommt und geht spurlos. Nicht hier – aber auch sonst im Leben.

Mir gefällt die Idee der Sandkapelle. Weil ich merke: Oft denke ich gar nicht daran, dass ich Spuren hinterlasse. Dabei tue ich das ständig – wie alle andere auch. Wie ich mich verhalte, wo ich hingehe und was ich tue verändert etwas im Leben von anderen Menschen. Und in der Welt um mich herum. Sogar dann, wenn ich es gar nicht merke. Wenn ich auf dem Fahrrad zu spät dran bin und genervt Fußgänger anklingele. Aber auch, wenn ich aus dem Bus aussteige und dem Busfahrer freundlich zunicke und danke sage. Wenn ich achtlos etwas wegwerfe – und jemand anders muss den Müll dann wegräumen.

Niemand kommt und geht spurlos. Wer in den Südseestaat Palau einreist, bekommt dort seit einigen Jahren einen Stempel in dem Pass. Dort steht das „Versprechen von Palau“. Der Passinhaber muss es unterschreiben. Da heißt es:

Als euer Gast gebe ich euch das Versprechen,

eure einzigartigen und wunderschönen Heimatinseln zu bewahren und zu schützen.

Ich gelobe,

behutsam aufzutreten, freundlich zu handeln und achtsam zu entdecken.

Ich werde nichts nehmen, was mir nicht gegeben wird.

Ich werde nichts verletzen, das mich nicht verletzt.

Die einzigen Fußabdrücke, die ich hinterlasse,

werden die sein, die das Meer wegspült.

Ich finde, die Fußspuren auf dem Boden der Sandkapelle sind eine wichtige Botschaft. Sie zeigen, dass ich Verantwortung habe. Und dass es einen Unterscheid macht, was ich tue und wie ich mich entscheide. Weil ich Spuren der Zerstörung hinterlassen kann – und gute Spuren.

Und: Die Spuren im Sand erinnern daran, dass jeder einzelne Mensch wichtig ist. Weil jedes Leben Spuren hinterlässt – auch wenn es ganz unspektakulär und durchschnittlich ist. Ja, ich bin überzeugt: Niemand kommt und geht spurlos.

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26OKT2022
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Wenn die Lage brenzlig wird, sind sie da. Die Frauen und Männer von der Feuerwehr. Unser Sohn macht seit letztem Jahr bei der Jugendfeuerwehr mit. Jetzt lerne ich von ihm, worauf man im Haushalt so achten muss, damit – im wahrsten Sinne des Wortes – nichts anbrennt. Und noch etwas anderes ist mir neu bewusst geworden: Dass unsere Feuerwehren überall löschen, retten, bergen und schützen können, hängt am Einsatz von unzähligen Ehrenamtlichen.

Als Großstadtkind mit der Berufsfeuerwache neben der Grundschule habe ich da lange nicht drüber nachgedacht. Die Feuerwehr gab es eben – so wie die Polizei oder die Müllabfuhr. Aber seit ich auf dem Dorf lebe, habe ich verstanden: Ohne die Freiwillige Feuerwehr geht gar nichts. Ohne Männer und Frauen, die sehr viel Freizeit dafür aufwenden, eine gründliche Ausbildung zu machen und regelmäßig an Übungen teilzunehmen. Die, wenn ein Alarm reinkommt, zuhause, bei der Arbeit oder in ihrer Freizeit alles stehen und liegen lassen, ins Feuerwehrhaus eilen und rausfahren. Die beim Einsatz manchmal Schlimmes erleben – und sich zur Not auch in Gefahr begeben. Und die sich auch dann nicht frustrieren zu lassen, wenn doch nur ein Mülleimer gebrannt hat, der bei Ankunft längst gelöscht ist. Manche von ihnen bilden in ihrem Ehrenamt gleichzeitig auch noch Jugendliche aus. Und vermitteln ihnen nicht nur die nötigen Kenntnisse über Schläuche, Geräte und Gefahren, sondern auch noch Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftsgefühl. Und nicht zuletzt Spaß an der Sache.

Vor diesem Einsatz der freiwilligen Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen haben ich großen Respekt. Und ich bin wirklich dankbar, dass es sie gibt. Schon gerade in Zeiten, in denen der Krieg nicht weit weg ist und auch bei uns vor Sabotageakten gewarnt wird. Und ich bin überzeugt: Sie tun ganz praktisch das, was Jesus wollte. Nämlich anderen Menschen helfen, die in Not sind – ohne Ansehen der Person. Tut Gutes ohne etwas dafür zu erhoffen, hat Jesus gefordert. Wer bei der Feuerwehr ist, macht das. Und ist da, wenn’s brenzlig wird.

Übrigens: Falls jemand noch Zeit übrig hat und eine neue Herausforderung sucht: Neue Freiwillige werden überall gesucht – die Ausbildung bei der Feuerwehr kann man auch als Erwachsener noch machen. Einfach Kontakt aufnehmen. Vielleicht wird daraus ja ein Ehrenamt – mit Sinngarantie.

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25OKT2022
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Um uns und unsere Probleme kümmert sich niemand! Das höre und lese ich diesen Herbst immer wieder, egal ob in Gesprächen oder Facebook-Kommentaren. Dass sich manche alleingelassen fühlen mit steigenden Heizkosten, den hohen Lebensmittelpreisen und der Frage, wie sie das alles zahlen sollen, das kann ich verstehen.

Was mir aber Sorgen macht: Manche beschweren sich dann, dass Geflüchtete aus der Ukraine oder andere Asylsuchende Hilfe vom Staat bekommen. Um die, sagen sie, kümmert man sich, und wir haben das Nachsehen. Ich glaube, solche Vergleiche helfen niemandem.

Es geht ja darum, sich um die zu kümmern, die dringend Hilfe brauchen. So wie in einer Geschichte aus der Bibel, die Jesus einmal erzählt hat. Sie klingt harmlos, aber sie hat es in sich:

Jesus erzählt von einem Menschen, der hundert Schafe hat. Eins davon geht verloren. Deshalb lässt er die 99 anderen Schafe stehen, um das eine zu finden. Und freut sich dann sehr, als er es wieder hat.

Man kann schon fragen: Ist das gut – die Herde so zu vernachlässigen, um einem einzigen Schaf zu helfen? Das hätte böse ausgehen können. Jesus wollte mit seiner provokanten Geschichte klar machen: Wenn jemand in akuter Not ist, braucht er Hilfe. Und zwar unabhängig davon, wie er oder sie in diese Lage gekommen ist – das wird in der Geschichte nämlich gar nicht thematisiert.

Wenn also jemand vor dem Nichts steht, dann braucht er ein Dach über dem Kopf und was zu essen, und auch genügend Geld für eine warme Winterjacke und Schulsachen für die Kinder. Egal, ob er aus einem anderen Land kommt oder schon immer in Deutschland lebt. Natürlich kann und soll man deshalb nicht alle anderen dauerhaft mit ihren Sorgen alleinlassen. Ich finde es wichtig, dass die Politik auch die entlastet, die langfristig ein Problem haben. Aber zuerst geht es um die dringendste Not. Und ich bin sicher: Viele von uns kommen auch so noch ganz gut klar. Manche können sogar andere unterstützen – und tun das auch. Sogar über den Familien- und Freundeskreis hinaus.

Vielleicht, habe ich gemerkt, ist das überhaupt die wichtigste Botschaft, die Jesus mit der Geschichte von den hundert Schafen hat: Niemand von uns ist immer nur auf der einen Seite. Jeder und jede ist im Leben oft bei den 99 Schafen und kommt ganz gut allein zurecht. Und jeder und jede kommt irgendwann in die Situation, das eine Schaf zu sein. Gerät in eine ausweglose Lage – materiell, gesundheitlich oder auch psychisch. Und braucht dringend Hilfe. Genau jetzt. Wie gut, wenn dann die Unterstützung da ist.

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24OKT2022
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Unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. So heißt es in einem Gebet, das ich in den letzten Monaten öfter gebetet habe. Es ist als „Gebet der Vereinten Nationen“ bekannt geworden ist. Heute, am 24. Oktober, ist der Tag der Vereinten Nationen. An diesem Tag trat 1945 die UN-Charta in Kraft.

Das Gebet ist schon älter. Es wurde 1942 in den USA geschrieben, mitten im Zweiten Weltkrieg. Leider ist es heute genauso aktuell wie damals:

Gott, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. So heißt es in dem Gebet. Und dann:

Gib uns Mut und Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst stolz den Namen Mensch tragen. 

Mir spricht das Gebet aus dem Herzen – weil es nämlich an der Hoffnung auf eine bessere Welt festhält. Und weil es schon damals, als man noch nicht über Erderwärmung und Umweltverschmutzung geredet hat, daran erinnert hat: Wir haben alle eben nur diesen einen kleinen blauen Planeten, um gemeinsam darauf zu leben.

Vor allem aber finde ich die Bitten im Gebet bemerkenswert. In anderen heißt es oft: Gib Frieden, Gott. Oder: Hilf den Hungernden. Ja, auch darum darf man bitten – aber nicht darüber vergessen, dass es auch an uns liegt. In diesem wird das ganz deutlich: Gib uns Mut und Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, heißt die Bitte.

Seit Gründung der Vereinten Nationen haben unzählige Menschen an diesem „Werk“ gearbeitet – in Politik und Wissenschaft, in den Kirchen, in der Presse. Viele unter Gefahr. Wichtige Entscheidungsträger und auch Menschen wie Sie und ich: die sich in Städtepartnerschaften engagieren, die als Lehrer Kinder zu Respekt und Toleranz erziehen, die Geld für Hilfsorganisationen sammeln.

Es ist deprimierend, dass trotz allem Einsatz heute der Krieg bedrohlich ist wie selten zuvor. Aber gerade deshalb bleibt die Aufgabe so dringlich. Und ich glaube, es ist gut, Gott um Kraft und Einsicht dafür zu bitten. Vielleicht mit dem Gebet der Vereinten Nationen:

Vor allem gewähre uns Brüderlichkeit … – eine Brüderlichkeit nicht der Worte, sondern der Handlungen und Taten. Wir alle sind Kinder der Erde – gewähre uns dies einfache Wissen. Amen.

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04SEP2022
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Die Wassermassen tosen schon durch die Gänge des untergehenden Schiffes. Schreiende Menschen rennen über das Deck. Mittendrin steht, ganz ruhig, ein Geiger. Er blickt sich um, hebt seine Geige und beginnt zu spielen: Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir!
Der Untergang der Titanic hat das englische Kirchenlied berühmt gemacht. Auch wenn nicht sicher ist, ob es wirklich so war: In allen Verfilmungen hört man die Musiker des Bordorchesters spielen, während der Ozeanriese im Meer versinkt: Näher, mein Gott, zu dir.

Musik 1

Abgesehen von der Melodie war mir persönlich das Lied kaum bekannt – bis ich es vor einiger Zeit bei einer Beerdigung gesungen und entdeckt habe: Der Text, den die englische Dichterin Sarah Flower Adams 1841 geschrieben hat, nimmt die biblische Geschichte von Jakob und der Himmelsleiter auf.
Jakob ist auf der Flucht vor seinem Bruder Esau. Der ist außer sich vor Zorn und hat gedroht, Jakob umzubringen. Denn Jakob hat Esau um den Segen des Vaters betrogen, der dem Erstgeborenen zusteht. Jakob nimmt Reißaus. Als die Nacht anbricht, legt er sich im Freien schlafen, allein, nur einen Stein als Kopfkissen.
Die Dichterin des Liedes erkennt sich in der Geschichte von Jakob wieder. In der zweiten Strophe heißt es in der deutschen Übersetzung:

Musik 2

Bricht mir, wie Jakob dort, Nacht auch herein,
find ich zum Ruheort nur einen Stein,
ist selbst im Traume hier mein Sehnen für und für:
Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir!

Jakob findet in der Geschichte Trost in einem Traum. Über ihm öffnet sich der Himmel, Engel steigen auf einer Leiter auf und ab. Und Gott verspricht ihm, ihn zu behüten, wo immer er hingeht.
Die Verbindung mit der Jakobsgeschichte hat mir das Lied nähergebracht. Situationen, in denen ich innerlich auf der Flucht bin vor den Folgen meines Tuns, ja quasi vor mir selbst – die kenne ich auch. Momente, in denen ich mich allein fühle und unbehaust – besonders in der Nacht fühlen sie sich bedrohlich an.
Und es tut mir gut zu hören, dass der Himmel auch dann offensteht. Dass Gott immer da ist. Und dass es ein Morgen gibt, wie es die vierte Strophe des Liedes beschreibt.

Musik 3

Ist dann die Nacht vorbei, leuchtet die Sonn,
weih ich mich dir aufs Neu vor deinem Thron,
baue mein Bet-El dir und jauchz mit Freuden hier:
Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir!

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Musik 1: Strophe 1, Gewandhauschor
Musik 2: Instrumental Obieglo
Musik 3: Instrumental Obieglo

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23JUL2022
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Auf einmal ist es ganz still. Für mich ist das ein besonderer Moment im Gottesdienst: wenn das „Stille Gebet“ beginnt und alle ruhig werden. Naja, meistens ist am Anfang noch ein bisschen Geraschel. Aber dann gibt es auch im lebhaftesten Familiengottesdienst meist doch diesen einen Augenblick, in dem alle still sind. Zu hören sind dann nur noch die ganz leisen Dinge: Der gemeinsame Atem der Menschen, das Glucksen eines Babys auf dem Arm der Eltern… Solange, bis doch wieder ein Gesangbuch runterfällt oder ein Kleinkind geräuschvoll gähnt. Aber das macht nichts. Er war da, der Moment der Stille.

Ich finde es eindrücklich, wenn es so leise wird, obwohl viele Menschen beieinander sind. Weil Stille überhaupt selten geworden ist. Dabei ist klar: Dauernd dem Lärm ausgesetzt zu sein, schadet nicht nur den Ohren, sondern allgemein der Gesundheit. Die Stille ist mir aber auch deshalb wichtig, weil ich merke: Obwohl alle ruhig sind, hört man sich gegenseitig viel besser. Stille macht es möglich, genau hinzuhören. In mich hineinzuhören – und auch die leisen Töne um mich herum wahrzunehmen.

Auch Gott, so waren Menschen über Jahrtausende überzeugt, lässt sich besonders gut in der Stille hören. Besonders schön erzählt das die Geschichte vom Propheten Elia (1. Könige 19): Der ist in eine blutige Auseinandersetzung mit seinen religiösen Gegnern geraten und hat dabei auch noch die Königin gegen sich aufgebracht, die nun droht, ihn umzubringen. In seiner verzweifelten Lage findet er Zuflucht in einer Höhle. Dort will Gott zu ihm kommen. Zuerst fegt ein Sturm über die Höhle hinweg, der Felsen zerbricht. Dann ein heftiges Erdbeben. Schließlich Feuer. Aber Gott ist nirgends zu finden. Dann wird es ruhig – und Elia hört ein stilles, sanftes Sausen. Erst da merkt er: Jetzt ist Gott da.

Ruhig werden, um auch die leisen Töne wahrzunehmen: Um auf die Geräusche der Natur zu achten, um auf die stilleren Mitmenschen zu hören und vielleicht auch auf Gott – dafür braucht es, glaube ich, gar keinen besonders meditativen Lebensstil. Es reicht, den Ohren ab und an bewusst eine Pause gönnen. Bei einem Spaziergang im Wald zum Beispiel, abends auf dem Sofa, wenn alle Geräuschquellen abgeschaltet sind oder in der Stille eines leeren Kirchenraums. Manchmal genügt auch ein kurzer Moment, in dem die Stille hörbar wird. Im Gottesdienst oder anderswo.

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